Monthly Archive for März, 2006

HGW XX/7

Ein Hauptmann der Staatssicherheit hört die Wohnung eines Dichters und dessen Freundin, einer Schauspielerin, ab. Er findet die Frau recht sympathisch – und weil er allmählich feststellt, dass dieser “Operative Vorgang” nur inszeniert wird, weil ein DDR-Minister bei der Schauspielerin nicht landen kann, schreibt er in die Abhörprotokolle harmlose Dinge, die dem Pärchen nicht zum Vorwurf gemacht werden können. Dadurch deckt er auch den Dichter, der für den Spiegel einen Bericht über Selbstmorde in der DDR verfasst. Der Stasi-Apparat läuft spätestens nach dem Erscheinen des Textes im Westen auf Hochtouren. Der OV wird erst beendet, als die Frau stirbt, für den Stasi-Hauptmann ist künftig nur noch Platz in der Postkontrolle im Keller der Stasizentrale – bis zur Wende.
Der Film “Das Leben der Anderen” mit Ulrich Mühe als Stasi-Mann HGW XX7/ (wie er seine Berichte unterzeichnet) und Sebstian Koch als Literat dauert 137 Minuten, und das merkt man dem Streifen nicht an. Er ist spannend inszeniert und zeigt die perfide Rücksichtslosigkeit und Beliebigkeit, mit der die DDR-Diktatur vermeintliche Gegner unter Druck setzen und aus dem Verkehr ziehen wollte und konnte. Die Überwachung der Feinde des Sozialismus, also “der Anderen”, das war Parteiauftrag.
Die Geschichte, die der Film erzählt, ist fiktiv und zweifellos recht spannend inszeniert. Ob es aber wirklich einem Stasi-Mann gelungen wäre, Berichte zu fälschen, darf man wohl bezweifeln. Schließlich überwachten sich die Stasileute auch gerne gegenseitig.
Der Film nimmt für sich in Anspruch, ein realistisches Bild des Überwachungsstaates und der Praktiken der Staatssicherheit gezeichnet zu haben. Dieser Eindruck entsteht in weiten Teilen, aber nicht in jeder Szene. Besonders die Verhörsituationen wirken zuweilen vergleichsweise harmlos – aber vielleicht war das ja auch gerade das besonders Perfide an den Stasimethoden.
5 von 7 Punkten
Film-Homepage

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Känguruh, Dachrinne, ältere Dame

Dideldiboing – Bitte Vorsicht auf der Autobahn 3, A Richtung B! Dort liegt eine [beliebigen Gegenstand einfügen] auf der Fahrbahn – Dideldidum. Diese Radiomeldungen gibt es jeden Tag zu hören. Nun gibt es tatsächlich Menschen, die darüber Statistik führen, wann was wo auf welcher Autobahn gelegen hat, allerdings  gilt die Statistik nur für Hessen. Aber immerhin. Am 11. Juli 2005 zum Beispiel hüpfte ein Känguruh über die A 67 zwischen Büttelborn und Groß Gerau. Die ältere Dame war am 28. September 2005 zwischen Kassel und Darmstadt unterwegs. Und die Dachrinne am 3. Juli 2003 auf der A480 zwischen Wettenberg und Gießener Nordkreuz. Am häufigsten wird im Verkehrsfunk des HessischenRundfunks übrigens vor, Achtung Gegenständen gewarnt. Das ist vielleicht auch besser so. Das andere würde man ja sowieso nicht glauben.

Die Statistik im Netz – und manchmal ist sogar zu klären, wer die Ladung da gerade verloren hat.

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Back-Wahn

Es gibt mehrere Dinge, die ein Mann angeblich tun muss. Brotbacken gehört nach allgemeiner Auffassung wohl nicht dazu. Ich habs trotzdem getan. Mit einer Vollkorn-Brotbackmischung aus dem Supermarkt für 39 Cent.

Ich habe das Mehl mit lauwarmem Wasser verührt, ich habe den Klumpen in Ruhe gelassen, ich habe ihn gehen lassen, ich habe den klebrigen Klumpatsch mit Mühe von meinen Fingern abgepult und auf ein Blech gelegt. Ich habe den Ofen angestellt, unten sogar eine feuerfeste Schüssel mit Wasser deponiert und ich habe vergessen, nach einer gewissen Zeit die Temperatur weisungsgemäß etwas zu reduzieren. Ich habe deshalb auch die telefonischen Unkenrufe (“Datt kannse jezz vergessn”) ertragen und einfach mal die Kruste durchmeißelt, um mit einem Holzstäbchen zu prüfen, ob innen drin alles noch furchtbar matschig ist.

Der Test brachte kein Ergebnis, also nahm ich den dampfenen Laib aus der Röhre und schnitt ihn auf. Innendrin: Bestes, fluffiges, weiches, kerniges Vollkornbrot unter einer dünnen, knusprigen Kruste: Schmeckt genial – und die ganze Wohnung riecht nach Bäckerei. Ich bin motiviert, spüre das Verlangen, mein Brotexperiment zu wiederholen, immer und immer wieder. Ist das lecker: Ein echter Back-Wahn eben.

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