Monthly Archive for Mai, 2006

Den Sieger berechnen

Wir müssen jetzt hier auch mal über das leidige Thema Fußball-WM in Deutschland sprechen. Nicht, dass einen dieses ganze Marketing drumherum gehörig auf die Nerven geht (Nudel in Fußballform, Anti-Pickel-Tunke mit Minifußball als ‘Fanpaket’, Ticket-Gewinnspiele allerorten), nein, nein. Auch nicht diese sich nahezu täglich hochschaukelnden Horrormeldungen über Pannen beim Ticketverkauf… auch das nicht.

Es soll hier mal um die Spiele an sich, das Turnier gehen – also das, weshalb die Welt zu uns Freunden kommt. Da will vielleicht auch jemand mitfiebern. Oder Statistiken führen. Oder überhaupt alles genau im Blick haben. Das geht natürlich mit Hilfe eines Unparteiischen, mit Hilfe von Kollege Computer. Eine Exceltabelle, die aus den Spielergebnissen selbständig Tabellenstände und Statistiken ausrechnet und automatisch die Begegnungen der nächsten Runden zusammenstellt, die gibt es natürlcih im Internet. Hier zum Beispiel. Echt praktisch.

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Georgias Hymne

Vergangenes Jahr lief der Film im Kino, jetzt steht er auch schon ein paar Monate im DVD-Regal: “Ray”, die überaus gelungene Biografie des blinden Soulmusikers Ray Charles – in dem Streifen geht es vor allem um seine ersten 40 Lebensjahre. Auf der Suche nach einem eigenen musikalischen Stil verknüpfte Charles Gospel-Texte und Jazz-Musik und legte damit den Grundstein für die Entwicklung des Soul. Der Film macht deutlich, was für ein Ausnahmetalent Ray Charles als Musiker war, wie talentiert und begnadet, gleichzeitig aber auch benachteiligt durch die Rassentrennung und vor allem: wie er durch teilweise exzessiven Drogenkonsum seinen Erfolg, seine Familie und sein Leben mehr als einmal fast ruiniert hätte.

Zweifellos ist Ray Charles mit kanckigen Soulnummern weltbekannt geworden, allerdings ist eine seiner bekanntesten Nummern das genaue Gegenteil. Die Ballade “Georgia on my mind”, eingespielt mit großem Chor und noch größerem Orchester mit dem blinden Charles am Klavier ist so traumhaft schön und traurig, so sehnsuchtsvoll und gleichzeitig liebevoll, dass es genau zu einem verregneten Sonntag passt. Nicht nur dazu: Der Song läuft schon seit einer Woche in der Heavy-Rotation in meinem Schädel. Deshalb heute:

Ray Charles – Georgia On My Mind

Wer allerdings meint, Herr Charles habe diesen Song selbst verfasst, irrt. Tatsächlich stammt der Song aus der Feder von Hoagy Carmichael der das Lied bereit im Dezember 1930 kompnierte. Ray Charles gelang dann knapp 40 Jahre später das geniale Arrangement, das den Song weltbekannt machte und sogar dafür sorgte, dass “Georgia on My Mind” 1979 zur offiziellen Hymne des US-Bundeststaates Georgia bestimmt wurde – obwohl in der ursprünglichen Version schlicht ein Mädchen gemeint war, das nachhaltig in Erinnerung geblieben war.
CD-Kritik Film-Soundtrack

Ray Charles bei Wikipedia.

Ray Charles’ digitale Überreste im World-Wide-Web

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Die Blitz-Merker

Savants, die Wissenden, nennt die Wissenschaft Menschen, deren Gehirn besondere Leistungen aufweist. Davon handelt eine dreiteilige Dokumentation, deren zweiter Teil gerade auf Phoenix läuft. Etwa 100 Savants gibt es weltweit, viele von ihnen sind Autisten, die äußerst bemerkenswerte Fähigkeiten aufweisen: Binnen Sekunden im Kopf ausrechnen, wie das Ergebnis von 67 hoch 33 lautet (irgendetwas mit Dezilliarden…), sämtliche Ergebnisse des Weltfußballs samt aller Torschützen kennen, vom Hubschrauber aus Rom begutachten und dann aus dem Kopf ein originalgetreues Panoramabild der Stadt zeichnen (mit übereinstimmenden Straßenverläufen, der korrekten Zahl der Fenster an jedem der tausenden Gebäude und der äußerst präzisen Wiedergabe des Colosseums bis in den kleinsten Bogen), die Wochentage zu jedem Datum der vergangenen 24.000 Jahre benennen – oder mit sechs Jahren über Nacht Klavier spielen lernen und danach Jazz-Musik komponieren und die Kreiszahl Pi bis auf 5000 Stellen nach dem Komma nennen können.

Einer dieser Savants war Vorbild für die Filmfigur Rainman. Der Original-Rainman hat bereits 12.000 Bücher gelesen – und kennt ihren Inhalt auf die Seite genau, kann die Informationen binnen Sekunden aufnehmen (8 Seiten in 53 Sekunden), sich das alles merken und die gespeicherten Informationen auch binnen Sekunden verknüpfen und jede Frage beantworten. Besonders bemerkenswert: Kim, der “Kimputer”, wie er anerkennend genannt wird, kann zwei Bücher gleichzeitig lesen – mit jedem Auge eines.

Noch stehen Mediziner vor vielen Rätseln, was den Savants ihre besonderen Fähigkeiten verleiht. Sie haben aber beobachtet, dass die einzelnen Teile des Gehirns nicht so stark vernetzt sind wie bei allen anderen Menschen. Die Wissenschaftler vermuten, dass das Gehrin von Savants nicht die Fähigkeit besitzt, wesentliche und unwesentliche Informationen, die über die Sinne aufgenommen werden zu trennen und stattdessen alles speichern: Das Bewusstsein erhält 100 aller Daten, jeden Tag, jede Sekunde. Ein Speicherproblem gibt es trotzdem nicht: Jedes Gehirn bietet unerschöpflichen Speicherplatz.

Für ihre bemerkenswerten Fähigkeiten zahlen viele Savants einen hohen Preis: Neben ihren besonderen Begabungen haben sie gleichzeitig äußerst eingeschränkte Fähigkeiten, die für alle anderen Menschen selbstverständlich sind: Viele autistische Savants können sich nicht allein anziehen, Essen zubereiten oder sich in Großstädten selbstständig aufhalten (weil einfach zu viele EIndrücke auf sie einprasseln), manche können kaum sprechen. Trotz dieser mangelnden sozialen Kompetenzen sind diese Savants freundliche, sympathische, geduldige Menschen, die ihre besonderen Fähigkeiten genießen.

Einige führen auch ein vollkommen selbstständiges Leben. Zum Beispiel der Deutsche Rüdiger Gamm, der Mann mit den Potenz-Rechnungen und den 5000 Pi-Stellen: Er arbeitet als Berater unter anderem für Fußball-Mannschaften.

Die Dokumentation ist beeindruckend, abwechslungsreich und spannend. Teil 3 gibt es morgen, Mittwoch, 20.15 Uhr auf Phönix. Infos zu Teil 1, 2 und 3 gibt es auf der Internetseite natürlcih auch.

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