Vier Wochen Bahn

Am 28. Februar habe ich den Entschluss gefasst. Es war der letzte Abend meines Urlaubs – und in der Tagesschau ging es gerade um Kraftstoffpreise, und wie entsetzlich hoch die doch sind. “Lohnt sich eigentlich Bahnfahren?”, sprach ich zu mir und beschloss kühn, so schnell wie möglich eine Antwort zu finden – und zwar schon für den nächsten Morgen. Ich kann schon jetzt sagen: Der Bahnpendler-Selbstversuch hat sich gelohnt. Ich werde es wieder tun.

Alles ist natürlich eine Frage des Geldes, glaubt man als Autofahrer, dessen Weg zur Arbeit gut 100 Kilometer beträgt. Also rechnet man mit Hilfe des Fahrtenbuchs auf der einen und mit der Internetseite der Bahn auf der anderen Seite aus, was Pendeln denn so kostet. Das Vierwochenticket für alle Züge zwischen Rostock und Schwerin kostet 261 Euro. Seit vorgestern fahre ich deshalb ins Plus. Wäre ich in diesem Monat genau so oft mit dem Auto zwischen Heim und Arbeit hin und her gefahren, dann hätte ich wohl bei den Spritkosten draufgezahlt. Natürlich kann ich nicht wissen, was mich das Tanken tatsächlich gekostet hätte, aber 1,46 für den Dieselliter wären es bestimmt mindestens gewesen. Und das allein rechnet sich schon. Weitere Kosten wie für Öl, anderen Ersatzteilkleinkram und auch Knöllchen habe ich nicht berücksichtigt; und auch Steuern und Versicherung spielen keine Rolle, denn die werden ja ohnehin fällig, wenn man nicht vollständig aufs Auto verzichten will.

Soviel zum Geld – ein echtes A-Ha-Erlebnis war allerdings bereits der allererste Feierabend. Da hatte ich gar nicht das Bedürfnis, mich matt und schnaufend aufs Sofa fallen zu lassen wie sonst immer, sondern steckte sozusagen voller Tatendrang. Und das war nun täglich ähnlich. Man merkt erst, wie kräftezehrend Autofahren sein kann, wenn man es mal nicht tut. Und man merkt erst, wie erholsam Bahnfahren sein kann, wenn man es mal macht.

Ganz offensichtlich hatte ich Pendlerglück. Egal ob Regionalzug oder Intercity, die Züge waren immer pünktlich – bis auf eine 30-Minuten-Ausnahme neulich. Ich hatte immer einen Sitzplatz. In der Regel auch in einer Sitzreihe für mich allein. Die Züge sind sauber, laufen leise und man versteht sogar die Durchsagen.

Und wen man alles trifft im Zug: Kommilitonen von früher, Freunde von heute, Kollegen, Bekannte. Oder man liest oder schaut aus dem Fenster oder bloggt. Radio hören ist im Zug allerdings kein Genuss. Der Empfang ist oft mangelhaft.

Natürlich haben Mitreisende auch von ganz anderen Erlebnissen berichtet, von zweieinhalb Stunden Verspätung, vom Umsteigen in Busse, die dann erst nach Wismar fuhren und nicht gleich zum Ziel sowie andere Schauergeschichten. Sagen wir so: ich hatte Glück. Nach Ostern kaufe ich mir wieder so eine Bahnkarte. Übrigens habe ich in diesem Monat noch nicht einmal tanken müssen.

 

 

 

 

Autor: Christian

Christian Kohlhof, Redakteur bei NDR1 Radio MV

6 Gedanken zu „Vier Wochen Bahn“

  1. Danke!
    Ich fahre nämlich aus den von Dir genannten Gründen sehr gerne Bahn. Du hast aver die meist sehr höflichen und hilfsbereiten Zugbegleiter vergessen zu erwähnen.
    Gruß von der Frau, die morgen wieder die lange Strecke macht!

  2. Ich benutze für Fernstrecken auch lieber die Bahn als das Auto. Nach München nehme ich dann den Flieger, der tatsächlich noch günstiger ist als die Bahn. Den von Dir beschriebenen Test habe ich mal für mich theoretisch geprüft und bin kläglich gescheitert. Ich habe etwa eine Strecke von 40 km zum Arbeitsort. Der nächste Bahnhof ist allerdings >10km entfernt. Also muss ich dort erst mal hin, mit dem Bus. Der erste Bus fährt irgendwann zwischen 5 und 6 Uhr. Da leider Bus und Bahn so gar nicht aufeinander abgestimmt sind, habe ich dann erst mal eine Wartezeit. Vom Zielbahnhof zum Arbeitsplatz sind es noch mal gut und gerne 6km, also nutzen wir den Stadtverkehr. Ich könnte es schaffen, gegen 09:30 am AP zu sein. (mit den Auto fahre ich 45 Min).

    So, ich muss ja auch wieder zurück. Wenn ich meine reguläre Arbeitszeit einhalte, klappt das nicht, denn dann strande ich auf dem Bahnhof. Busse fahren da nicht mehr. Ich müsste etwa um 14:30 los um den letzten Bus noch zu bekommen. Ich hab noch nicht gefragt, was mein Chef davon hält. Auch die Kostenseite habe ich nicht weiter betrachtet.

    Ach ja, das ganze klappt auch nur so lange wie Schule ist, denn in den Ferien fahren die Busse anders/seltener.

    Ich kenne viele, die ÖPNV benutzen und zum Teil nicht mal mehr ein Auto haben. Es klappt leider nicht überall. Und wenn dann irgend so ein selbst ernannter Experte sich hin stellt und meint, die Benzinpreise müssen noch viel schneller steigen, damit mehr Leute ÖPNV benutzen, dann kannst Du Dir vorstellen, was ich dazu meine.

  3. @Sebastian:
    Ja, da habe ich echt Glück – ich wohne sozusagen “verkehrsgünstig” für die Bahn. Mein Weg zur Arbeit ist mit der Bahn nur gut ne halbe Stunde länger als mit dem Auto.
    @Sina:
    Stimmt. Gute Reise!

  4. Na dann willkommen im Club. Ich dachte schon, du hättest das Nicht-mit-dem-Auto-fahren wieder verworfen, gar nix mehr berichtet.
    Ich mache ja seit 10 Jahren nix anderes mehr, denn isch abe gar kein Auto mehr, wie du weißt.
    Ich habe allerdings schon die schönsten Dinge erlebt, habe ich ja auch schon berichtet, aber auch ich denke, wenn man überlegt, welche Logistik die Bahn tagtächlich zu bewältigen hat, kann man nicht meckern. Und mit der Bahncard 50 für alles nur die Hälfte, Bonuspunkte sammeln, Freifahren deutschlandweit erhalten, alles ok.
    Aber was soll denn das “Knöllchen nicht eingerechnet” …? Ich dachte ein braver Radiomann fährt auch immer brav … Ja und nicht vergessen, durch die Nicht-mehr-Suche nach der billigsten Tankstelle fallen auch noch die Schlaglöcher auf dem Weg dorthin weg, also alles nur Plus. Dann weiterhin viel Spaß dabei …

  5. Stimmt, diese Schlaglochgeschichte hatte ich schon fast vergessen.
    Aber auch der artigste Radiomann muss manchmal auf die Tube drücken, wenn er zu spät dran ist.
    Das ist dann auf Umwegen noch ein Pluspunkt für die Bahn: Sie zwingt einen, pünktlich zu sein…

  6. Wenn man es geschickt mit den Rad- bzw. Autoverleih-Angeboten kombiniert & nicht auf dem Lande wohnt (@SEBASTIAN), kann man sein privates Auto getrost abschaffen. Mit der Ersparnis dieser Fixkosten hat man bereits die halbe Bahncard 100 zusammen, mit der ich für monatlich knapp 400 Taler ALLE öffentlichen Verkehrsmittel seit längerem ticket- & stressfrei nutze. Vom guten Umwelt-Gewissen ganz abgesehen :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *