Im Ersatzbus

Ersatzverkehr-Schild vorm Schweriner Hauptbahnhof
Hier fängt alles an – und hört alles auf, was mit Ersatzbussen zu tun hat.

Schienenersatzverkehr. Dieses Wort macht manchen Menschen Angst. Zwischen Bad Kleinen und Schwerin muss man als Bahnpendler seit gestern damit leben. Die Angst ist unbegründet – wenngleich es im Detail ja immer was zu verbessern gibt.

Die Bahn baut im großen Stil zwischen Schwerin und Bad Kleinen. Das bedeutet: Seit gestern, 8. Januar bis 14. April fahren keine Züge mehr von Rostock bis nach Schwerin und zwischen Wismar und Schwerin. Die Bahn setzt für drei Monate bzw. 97 Tage Busse ein. Die sind systembedingt länger unterwegs. Das alles kann man nachlesen im 40 Seiten starken Infoheft.

Für Bahnkunden, die zwischen Rostock und Schwerin unterwegs sind, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie fahren mit Direktbussen ohne Zwischenstopp – oder fahren mit dem Regionalzug bis Bad Kleinen und steigen dann in Busse nach Schwerin um. Die Regionalzüge halten natürlich auch in den Bahnhöfen dazwischen – und sie fahren bis Mitte April stündlich (statt alle zwei Stunden). Zwischen Wismar und Schwerin gibt es keine Züge bis Mitte April, dort fahren Busse. Intercitys fahren von Hamburg nur bis Schwerin, weiter gehts nur mit Regionalzügen bzw. mit deren Ersatzbussen.

Die verschlossenen Türen eines Omnibusses von innen.
Ersatzausblick im Ersatzbus

Das alles ist nötig, weil die Bahn zwischen Bad Kleinen und Schwerin ein neues elektronisches Stellwerk baut. Darum müssen dort auch Gleise, Weichen, Oberleitungen und Sicherungstechnik ersetzt werden. Außerdem will die Bahn ein Moor bezwingen, indem sie hunderte Betonpfähle zig Meter tief in den Grund rammt. Das soll das Gleisbett stabilisieren. Ein kniffliges Projekt. Aber was soll schon schiefgehen? Mit Torflinsen unter wesentlichen Verkehrswegen hat Mecklenburg-Vorpommern ja eigentlich nur gute Erfahrungen… hüstel.

Wie auch immer: Das alles ist derart aufwändig, dass Züge dabei nur stören würden. Schon in den Monaten davor ging es am künftigen Stellwerk in Lübstorf nur auf einem Gleis vorbei. Parallel läuft ja auch der Umbau der Station Bad Kleinen. Der Bahnsteig für Gleis 1 und 2 ist fast fertig. Diese Baustelle war auch schon des Öfteren Grund für Streckensperrungen – und damit sind Pendler an Ersatzbusse und frühere Abfahrtzeiten gewöhnt. Diese Ersatzregelungen haben – abgesehen von den unangenehmen längeren Fahrtzeiten – aber immer gut funktioniert.

Baugeräte und Baustelle am Bahnhof Bad Kleinen
Großbaustelle in Bad Kleinen

Das ist auch jetzt so. Gestern bin ich mit einem Direktbus von Rostock nach Schwerin gefahren – und pünktlich angekommen. Aber schon bei der ersten Tour vermisst man die Bahn, denn selbst wenn der Bus teilweise über die Autobahn fährt, er benötigt einfach länger. Da helfen dann auch bequeme Reisebusse nur wenig. Gestern Morgen an der Bushaltestelle am Südausgang des Rostocker Hauptbahnhofes waren die Kunden aber weitgehend auf sich allein gestellt. Servicepersonal der Bahn konnte ich jedenfalls nicht entdecken. Ganz anders gestern am frühen Nachmittag in Schwerin: Vorm Hauptbahnhof standen zwei Mitarbeiter, die schnell und unkompliziert erklären konnten, welcher der vier Busse in welche Richtung fährt.

Gelbe und orangene Baufahrzeuge stehen neben einem neu verlegten Eisenbahngleis.
Bahn frei… für Bagger zwischen Bad Kleinen und Schwerin.

Heute habe ich dann mal die Variante mit Umsteigen in Bad Kleinen gewählt. Auch das funktioniert. Derzeit halten die Züge noch am noch nicht umgebauten Bahnsteig. Treppauf und treppab geht es dann zu den Bussen. Voraussichtlich im Februar soll dann der neue Bahnsteig genutzt werden, dann ist das Umsteigen auch barrierefrei. Aber auch in Bad Kleinen gilt: Sofern es Service-Mitarbeiter der Bahn gibt, sie geben sich nicht zu erkennen. Zudem habe ich in den vergangenen Tagen vor der Streckensperrung keinerlei Durchsagen in den Zügen wahrgenommen, dass ab 8. Januar vieles anders sein würde. Auch jetzt in den Zügen: Keinerlei extra Durchsagen, wie man den Weg zu den Bussen findet. Vielleicht ist das tatsächlich nicht notwendig, weil sich alle Passagiere das Infoheft durchgelesen haben. Allerdings waren die Servie-Leute am Hauptbahnhof in Schwerin gefragte Gesprächspartner.

Fazit: Der Schienenersatzverkehr funktioniert zwischen Rostock und Schwerin. Die längere Fahrtzeit für über drei Monate ist ätzend, aber nicht zu ändern. Die beste Nachricht ist: Die Kalkulation zur Anzahl der Busplätze geht auf, jedenfalls habe ich es noch nicht erlebt, dass es nicht genügend Sitzplätze gab. Trotzdem: In 96 Tagen isses hoffentlich vorbei mit dem Schienenersatzverkehr.

Funfact: Als vor einer halben Ewigkeit die Bahnstrecke von Schwerin nach Gadebusch gebaut wurde, gab es mal Pläne, diese Linie bis nach Schönberg zu verlängern. Das wäre dann die direkte Verbindung zwischen Schwerin und Lübeck gewesen. Es gab jede Menge Gründe, warum das nie geklappt hat. Gäbe es diese direkte Linie (sie hätte einen Weltkrieg und die Deutsche Teilung überdauern müssen), dann wären Pendler zwischen West und Ost jetzt nicht von den Bauarbeiten betroffen. Da man aber nur über Bad Kleinen von Lübeck nach Schwerin mit der Bahn kommt, müssen auch diese Pendler nun in Busse umsteigen.

Spezialservice für Pendler: Alle Direktbusse werktags zwischen Rostock und Schwerin. Die Abfahrtzeiten aller Direktbusse:

Direktbusse Rostock Schwerin

ZeitKategorie 
4:18IC
5:42IC
6:35
8:35
9:42IC
12:00IC
13:42IC
14:35
15:42IC
Ersatzbusse bis 14. April montags bis freitags von Rostock nach Schwerin. Für Busse der Kategorie IC berechnet die Bahn Fernverkehrspreise, für alle anderen Regionalverkehrspreise. Alle Busse benötigen für die Strecke 90 Minuten laut Fahrplan, sind erfahrungsgemäß aber ein paar Minuten früher am Ziel.

Direktbusse Schwerin Rostock

ZeitKategorie 
5:55
10:45IC
12:45IC
14:45IC
15:55
16:45IC
17:55
18:45IC
20:45ICnicht freitags
Ersatzbusse bis 14. April montags bis freitags von Schwerin nach Rostock. Für Busse der Kategorie IC berechnet die Bahn Fernverkehrspreise, für alle anderen Regionalverkehrspreise. Alle Busse benötigen für die Strecke 90 Minuten laut Fahrplan, sind erfahrungsgemäß aber ein paar Minuten früher am Ziel.

 

 

Tee, das unterschätzte Auftaumittel

Mit Tee Fahrradschlösser auftauen.

Pendlerprofitipp #18: Es kann nie schaden, eine Thermoskanne mit heißem Tee mit sich zu führen. So kann man schnell und sicher das Fahrradschloss am Bahnhof auftauen, wenn es über Nacht unter einem dicken Panzer aus Eisregen verschwunden ist. Nach meinem Eindruck wirkt Schwarzer Tee besonders gut, Roibusch hingegen ist eher nicht zu gerbauchen.

Probleme mit der Tickets-App gelöst

Update: Die Bahn hat ihre Tickets-App für iOS gestern Abend (22.1.13) mit einem Update repariert.

Man steht zunächst doof da. Auf dem Weg zum Bahnhof schnell noch per Handy das Zugticket lösen, alles scheint normal, aber dann: Wenn die Tickets-App der Deutschen Bahn das Handy-Ticket herunterlädt, stürzt sie ab. Dann hat man zwar ein Ticket gekauft, aber kann es nicht vorlegen. Besonders delikat: Per Mail bekommt man ja eine Bestätigung samt Ticket in einer PDF-Datei. Aber das ist ein Online-Ticket und kein Handy-Ticket. Das ist nach Auffassung vieler Zugbegleiter, die sich da wohl genau an die Vorgaben ihres Arbeitgebers halten, etwas anderes und deshalb ein entscheidender Unterschied. Ein nicht ausgedrucktes Online-Ticket kann einen zum Schwarzfahrer machen, wenns ganz unglücklich läuft.

20130121-234107.jpg
Denn: auf dem Online-Ticket steht ganz klar, dass es auf A4-Papier ausgedruckt vorliegen muss. Niemand kann auf der Hatz zum Bahnhof noch schnell mal was ausdrucken. Aber ein QR-Code aus einer PDF-Datei auf einem Handy-Display reicht in der Debatte mit dem Zugchef über App-Abstürze im Ernstfall manchmal nicht aus. Eine derartige Diskussion musste ich schon mal mit anhören – und war heute früh in genau dieser Lage. Allerdings traf ich heute früh einen verständnisvollen Zugchef, der mit seinem Lesegerät ohne lange Diskussion sehr wohl den QR-Code aus der PDF gescannt hat. Das Ticket für die Rückfahrt habe ich dann vorsichtshalber im Büro ausgedruckt.
Viel spannender: Wie bringt man die DB-Tickets-App wieder zum Laufen?Die überraschende Lösung fand ich im App-Store zwischen den unzähligen üblichen, wehleidigen Die-Bahn-ist-doof-diese-App-ist-der-Beweis-Rezensionen. Ganz einfach, aber auch ein wenig seltsam: In der Tickets-App einmal die “Einstellungen” aufrufen und das Infofenster über die Neuerungen in der aktuellen Version wegklicken (siehe oben). Das wars. App schließen, danach lädt sie auch wieder alle Tickets. Habs gleich ausprobiert. Funktioniert.
Der Fehler ist kurios, keine Frage. Aber bis es ein Update gibt, auch leicht zu beheben…