Die Musik des Tages

Jeder Tag hat seinen Soundtrack. Manchmal passt der Text eines Songs, manchmal eher die Melodie. Und hier stelle ich den Song zum Tag vor. Heute:

Howard Carpendale: Schade

Begründung: Ein Feierabendsong für einen kalten Wintertag dank gleichmäßig dahintreibender Gitarren und einem Schlagzeug, das durch den 3:50-Song rauscht wie die U-Bahn durch den Tunnel. Außerdem eröffnet Herr Carpendale diese Rubrik, weil er sonst ja nicht mehr auftritt.

Einladung nach München

Email macht vieles leichter – aber manches leider auch unerträglich. Als Besitzer, Betreiber und fleißiger Nutzer dieser wundervollen Domain kann und möchte ich der digitalen Welt folgende Geschichte nicht vorenthalten.

Seit 1998 gibt es kohlhof.de. Seit wann es kohlhof.com und andere Domains gleichen Namens mit anderen Endungen gibt, weiß ich nicht. Wie es der Zufall will, gehört zu Kohlhof.com auch ein Christian Kohlhof, der Querflöte und Gitarre spielt – und zwar in einer Band mit dem seltsamen Namen Krampussies. Es ist zu vermuten, welche Mail-Adresse eben dieser Musiker hat… richtig christian-Ätt-kohlhof-Punkt-Com.

Das weiß er, das weiß ich, nur seine Bekannten sind seit Jahren vollkommen ahnungslos und dazu in einer verhängnisvollen Weise beratungsresistent. Die ersten Einladungen per Mail zu Geburtstagen von mir vollkommen unbekannten Personen habe ich noch höflich beantwortet: Da müsse ja wohl ein lustiger Irrtum vorliegen, ich jedenfalls würde diese Einladung nicht annehmen können und wollen, da sie wohl gar nicht für mich gedacht war – und ob man am anderen Ende des Internets doch bitte auf die korrekte Adresse von privaten Mails achten könnte. Es kam keine Antwort. Stattdessen erhielt ich ein Jahr später eine Einladung, mich an den Hochzeitsvorbereitungen für irgendeinen Christoph und eine Frauke zu beteiligen. Ich lehnte wie im Jahr zuvor höflich dankend ab und wünschte viel Erfolg bei den Planungen. Es kam keine Antwort – jedenfalls nicht sofort. Wenig später wurde ich aufgefordert, endlich die Texte für die Hochzeitszeitung abzuliefern. Ich antwortete mit entschiedenem Ton, dass ich mich nicht im Stande sähe, die Hochzeitszeitungen vollkommen Fremder mit belanglosem Text vollzulaichen.

Es kam keine Antwort. Stattdessen erhielt ich eine PDF-Datei mit der Bitte, das Anzeigen-Motiv gegenzulesen, ob es denn so in den Druck gehen könnte. Eine Werbeagentur hatte versehentlich meine Adresse benutzt, obwohl sie den Entwurf doch eigentlich zum Autohaus Kohlhoff schicken wollte. Eine aufklärende Antwort von mir – und ich habe nie wieder etwas vom rührigen Fordhändler gehört oder gelesen. So gehts auch.

Die Spezies aus dem Bekanntenkreis des musizierenden Christian Kohlhof hingegen weigern sich strikt, ihr elektronisches Adressbuch auf den neuesten Stand zu bringen. Zwei Jahre lang habe ich schließlich Mails mit Hinweisen auf Hochzeiten, Geburten und andere Feste ignoriert. Doch nun reicht es. Wie jedes Jahr erhielt ich auch 2006 eine Einladung zum Neujahrs-Sektempfang. Was soll ich sagen: Ich kann mich nicht länger bitten lassen, mich verleugnen, abseits stehen, die Spaßbremse sein! Ich habe zugesagt. Ich freue mich sogar, auch wenn die Anreise von 800 Kilometern sicher einigermaßen strapaziös wird, komme ich gern. Ich habe gleich per Mail geantwortet: Ob ich denn dort übernachten könnte, wo es Parkplätze gibt und ob ich noch irgendetwas mitbringen soll. Auf eine Antwort habe ich bislang nicht erhalten – ich hab sie allerdings auch nicht erwartet.

Aktiv auf den Arm genommen

Stillstand ist Rückschritt, wer rastet der rostet, jaja. In unserer schnellen Zeit, in der Trends so fix verschwinden wie sie kommen, in der heute out ist was morgen in ist, da ist Bewegung, Fortschritt, Mithalten, Aktion alles. Und das wird in einem einzigen Wort deutlich, das ganz aktiv die deutsche Sprache zu verpesten scheint: aktiv.

“Dann können die Kinder aktiv entscheiden, ob sie in die Sonnenblumengruppe gehen oder bei den Schmetterlingen mitmachen”, sagt die stolze Kindergartenmutter. Nebenan sagt der Sonnenstudio-getunte Handyverkäufer: “Da können Sie dann aktiv wählen zwischen dem Call-Dings und dem Prepaid-Bums.” Wie schön. Gegenüber in der Backwarenverkaufsstelle empfiehlt die kleine Blonde hinter der Theke: “Milch und Zucker für ihren Kaffe dürfen sie sich aktiv am Service-Point nehmen.” Mal abgesehen vom Dienstleistungs-Punkt: Wie denn sonst soll man selbst einen Tarif wählen oder koffeinhaltige Heißgetränke süßen? Passiv? Warten, bis das Mobiltelefon selbst einen Abrechnungsmodus wählt oder der Zucker aus der Dose, am Milchtopf vorbei den Becher außen hoch in den Kaffee klettert?

Es sind wohl Globalisierungsverlierer, die noch gar nicht wissen, dass sie Globalisierungsverlierer sind, die mit dem häufig und überflüssig eingestreuten “aktiv” in auch ansonsten eher nebensächlichem Sätzen ihre schwindende Bedeutung als ganz kleines Zahnrad im weltweiten Menschlein-Gefüge kaschieren wollen. Wer von ihnen hören muss, dass sie alles ganz aktiv machen, der soll ihnen glauben, dass sie die Kontrolle behalten haben im Gewirr aus Handytarifen mit 77 Fußnoten, im Meer der Kaffeesorten und -aromen, bei der Wahl der richtigen Krankenversicherung. Was bei der Wahl eines Cappuccino noch gut gehen beziehungsweise folgenlos bleiben kann, das muss bei der Wahl des richtigen Stromanbieters, des besten Postdienstes nicht zum Spar-Erfolg führen.

Wenn Unternehmen ihren Kunden jede Wahl überlassen, dann ist das zweifellos sehr freundlich, wenn allerdings die kompetente Beratung fehlt – wem nützt das dann? Dem Kunden jedenfalls nicht, der ganz aktiv selbst den Knebelvertrag gewählt hat. Er hat sich ja selbst entschieden. Wer also glaubt, unabhängig zu sein, weil er alles ganz aktiv entscheidet, der hat sich ganz passiv täuschen lassen von Werbeversprechen, die nur verdecken sollen, dass viele Konzerne gern bei der Beratung sparen wollen. Ganz aktiv haben die Konzerne da Kosten reduziert.

Und alle sind – ganz aktiv – glücklich.

Was soll denn das (1)?

Wer etwas auf sich hält und seine gesellschaftliche Position erfolgreich unterstreichen will, der geht in bunt beleuchtete Szene-Cafes mit beigen Plüschsesseln und harmlosen Mädchen als Bedienung. Dazu bestellt man sich einen Latte Macchiato, wenns sein muss mit Aroma, und macht ein wichtiges Gesicht. Schön, schön. Aber warum steckt im Milchschaum ein Strohhalm? Wer hat sich denn schon mal eine nahezu kochend heiße Flüssigkeit durch einen Trinkhalm eingeführt? Die Verbrennungen, die man sich dadurch an Mund und Rachen zufügt, versauen einem den Tag, ruinieren die Geschmacksknospen – und das Gesicht, das man macht, während man sich darum bemüht, sich den brennenden Schmerz nicht anmerken zu lassen, ist gewiss nicht szenetauglich. Bei diesem Anblick wird der tiefergelegte Bankkaufmann im Markenpullover am Nebentisch schon mal angewidert das Näschen rümpfen und zu seinem zart bekleideten Mäuschen sagen, dass das jetzt aber ganz doof aussieht da. Also eine Bitte an die Damen in den Cafes mit den hohen Preisen: Spart Euch den Halm im Schaum.

Zu mir oder zu dir?

Es ist 12:44 Uhr am letzten Tag des Jahres – und es steht jetzt schon fest, wo ich ins neue Jahr hineinfeiern werde. So früh war selten klar, wo ich den 1. Januar erleben werde.

Nach endlosen Debatten, vagen Verabredungen und unverbindlichen Zusagen nun endlich die Gewissheit: Erst was essen bei Freunden, danach in nen Club. Wahrscheinlich würde es keinen Spaß machen, wenn schon mal am 16. Dezember irgendwas entschieden wäre. Was sind das bloß für Leute, die schon im November wissen, was sie am Jahreswechsel anstellen werden?

Chaos mit Verspätung?

Gerade eben gemessen auf meinem Balkon: 19 Zentimeter Schnee nach gut und gerne 24 Stunden – und es soll weiter schneien. Wenn das so weiter geht, dann kommt das Chaos mit Verspätung. Die Reise in den Westen habe ich schon mal abgesagt. Hin gekommen wäre ich wohl noch – aber rechtzeitig zum Frühdienst wieder hier sein hätte schwierig werden können.

Schneechaos abgesagt

Verhältnisse wie im Katastrophenwinter 1978/79 wurden angekündigt – und was ist dabei herausgekommen? Gerade mal 25 Zentimeter Neuschnee auf Rügen.

Schneeflöckchen allerorten – aber kein Wind. Sogar der Winterdienst war vorbildlich. Abgesehen davon, dass es nach Schnee riecht, fällt immer wieder auf, dass die Welt ein bisschen gedämpft wirkt. Der Straßenlärm erscheint weniger laut, Schritte wirken weicher und überhaupt: alles sieht so friedlich aus. Ende der Durchsage.

Was lernen wir daraus: das beste Blog nützt nix, wenn nix passiert.

Ich blogge!

Schön, dass Sie da sind! Ich freue mich auch, dass ich da bin. Nachdem meine Heimseite nun ewig brach lag, geht es hier nun wieder digital aufwärts. Und zwar mit Hilfe der Software WordPress.

Leichtes Wirtschaftswachstum, Konsumlust, Jahresendrallye an der Börse, die Haspa war erfolgreich, das Weihnachtsfest friedlich – das sind nur einige gute Nachrichten. Wer da nicht von Aufbruchstimmung spricht, der hats nicht begriffen. Passend zur neuen Zuversichtlichkeit präsentiere ich mein Weblog. Für derart viele Buchstaben wie in “Weblog” hat heutzutage ja kaum noch jemand Zeit, deswegen wollen wir uns auch im Fall dieser Internetseite gleich angewöhnen, vom blog zu sprechen. Abgesehen davon, dass ich froh und glücklich bin, dass dieses Blog-Programm WordPress anstandslos seinen Dienst angetreten hat, bleibt mir nur noch zu vermelden, dass ich morgen Frühdienst habe und dementsprechend früh aufstehen muss. Schluss für heute, bis bald.