Geld verdienen mit Primzahlen

Wohooo! Ne neue Primzahl! Und beinahe hätte sie niemand bemerkt. Es gibt ein Projekt, in dessen Rahmen Wissenschaftler mit Computerhilfe neue Primzahlen finden – immer mal wieder. Jetzt gibt es eine neue, das heißt: Man hat eine neue gefunden. Es ist eine Zahl mit gut und gerne 22 Millionen Stellen.

Selbstverständlich wissen Leser von kohlhof.de: Primzahlen sind natürliche Zahlen, die sich nur durch sich selbst und durch 1 teilen lassen- ohne Rest. Das ist bei 2, 3, 5, 7, 11, 13 und so weiter noch vergleichsweise einfach nachvollziehbar. Bei 8191 möchte der durchschnittliche Anwender es dem Entdecker der Primzahl einfach gern glauben, dass man diese Zahl Prim nennen darf.

Inzwischen gibt es eine Art weltweiten Wettbewerb unter Wissenschaftlern, wer die nächste Primzahl entdeckt. Dafür muss man inzwischen echt lange rechnen, beziehungsweise rechnen lassen. Denn der neue Spitzenreiter in der Reihe der nur durch 1 und sich selbst ohne Rest teilbaren Zahlen hat genau 22.338.618 Stellen – man kann sie sich downloaden, die Zip-Datei mit allen Ziffern ist knapp elf Megabyte groß.

Curtis Cooper, dessen Nachname einen unwillkürlich an The Big Bang Theory denken lässt, hat sie gefunden. Und beinahe auch nicht. Denn das Computerprogramm, das er zur Berechnung verwendet hat, war schon im September fündig geworden – aber die E-Mail mit der Benachrichtigung blieb lange unentdeckt (was ich irgendwie putzig finde).

Screenshot vom Google-Rechner mit der Ausgabe "Infinity"
Beim Versuch die neu entdeckte Primzahl zu berechnen, kapituliert der Google-Taschenrechner. Aber immerhin stimmt die Richtung: Die Anzahl der verfügbaren Primzahlen wird als unendlich angenommen.

Bei dieser jetzt bekannt gemachten Entdeckung handelt es sich auch noch um eine besondere Primzahl: Eine, die sich nach der Formel 2P-1 berechnen lässt. Man ist da schon recht weit, hüstel. Im jüngsten Fall ist P gleich 74.207.281. Die neu entdeckte Primzahl berechnet sich also mit “Zwei hoch etwa 74 Millionen minus Eins”. Primzahlen, die auf Grundlage dieser Formel errechnet werden, heißen Mersenne-Primzahlen. Heraus kommt in diesem Fall besagter Zahlenwurm mit 22.338.618 Stellen – in ein frisches Office-Dokument eingefügt und mit einer 12 Punkt großen Schrift wie der Times formatiert, belegt die Primzahl … eine noch nicht feststehende Anzahl von Seiten (mein Computer ist noch beschäftigt) 9308 Seiten.

Cooper hat schon mehrere, sagen wir mal: große Primzahlen entdeckt. Jeder, der eine neue entdeckt, bekommt vom Gimps-Projekt, vom Great Internet Mersenne Prime Search, eine Belohnung von 3000 Dollar, sofern die Zahl einer Überprüfung standhält. Die Software für die Suche kann man sich herunterladen und Teil des weltweiten Rechnernetzes werden. Vielleicht hat man ja Glück, es ist so etwas wie Primzahlen-Lotto. Der Jackpot winkt übrigens bei der ersten Primzahl mit 100 Millionen Stellen oder mehr. Dann gibts 150.000 Dollar. Diese Summe ist zwar keine Primzahl, aber nach Abzug von Steuern kommt vielleicht eine raus…

Heftige Schlagzeilen

„Es ist die Art der Schlagzeilen, die mich wahnsinnig macht – darum habe ich etwas getan. Schau nach, worum es geht.“ So hätte ich gern die Überschrift für diesen Beitrag formuliert, aber das geht nicht. 1.) würde ich damit genau das nachmachen, was mich so aufregt, 2.) gibt es eine sehr gute Analyse der Seite, die meinen Ingrimm darauf erregt und 3.) hat der Blogger Herm schon viel früher dieselbe Idee mit dieser Überschrift gehabt – und sie auch gleich auf seiner Farm umgesetzt – ergänzt durch seine persönliche Abscheubekundung gegenüber heftig.co.

Die Internetseite verbreitet Nachrichten (oder das, was man für Nachrichten halten könnte). Dies tut sie allerdings ebenso erfolgreich wie abstoßend. Links auf Artikel von heftig.co gehören in den vergangenen Monaten zu den erfolgreichsten: Sie werden bei Twitter und Facebook öfter geteilt als Beiträge von bild.de oder spiegel.de. Das liegt an der perfekten Emotionalisierung der Überschriften. Sie machen neugierig, das ja. Aber sie sind trotzdem so unkonkret, dass es mich wahnsinnig macht. Beispiele? Bitte:

„Ein Pärchen sah etwas im Wasser. Als sie (sic!) es filmten, geschah etwas, dass (sic!) man nur einmal im Leben sieht.“

Oder das: „Als eine Schülerin zu einer Party fuhr, ahnte sie nicht, was sie erwartet. Als ich das Ende sah, musste ich weinen“.

Und das hier noch: „Die Schreie in seinem Garten hörten nicht auf. Als er hinging, sah er etwas, das er nie wartet hätte“.

Klar, wer wird da nicht neugierig? Der Fall mit den Gartenschreien führt zu einem sechs Jahre alten Youtube-Video, das einen wutzichputzigen Fuchswelpen (ich vermute, dass es ein Fuchs ist) zeigt, der mit dem Kopf in einer Konservendose steckt – und natürlich davon befreit wird um sodann mit seinen Knopfaugen in die Kamera zu schmachten. Wer das Video anschaut, wird feststellen, dass es keinesfalls Schreie zu hören gibt, die nicht aufhören. Hintergrundinfos? Nix.

Der Film vom Etwas im Wasser zeigt mindestens einen jungen Seelöwen, der später an Bord einer Yacht geklettert zu sein scheint, um mit Menschen an Bord zu kuscheln. Süß. Das Video ist ein Jahr alt. Immerhin enthält es eine Ortsangabe.

Das Video vom Party-Mädchen schließlich ist ein Kurzfilm, der davor warnt, betrunken Auto zu fahren. Laut heftig.co-Text beruht der Film auf einer „wahren Begebenheit, bei der zwei Schüler in den USA bei einem Autounfall starben“. Im Text zum Video auf Youtube selbst heißt es „Dieser Film handelt von einer vermutlich wahren Geschichte die im Internet kursiert und über das soziale Netzwerk (StudiVZ, Facebook etc.) sehr oft geteilt wurde. Diese Geschichte hat mich damals als ich sie gelesen habe persönlich sehr getroffen. Deshalb habe ich mich entschieden mit dieser Geschichte meinen Video Beitrag für das 99 FireFilms 2014 zu leisten. Auch damit die Geschichte und ihre Message noch mehr Menschen erreicht.“ Der Film ist in der Tat berührend. Aber der Text dazu bei heftig lässt zu wünschen übrig.

Und dann ist da noch diese Disney-Geschichte. Überschrift: „Disney hat uns etwas verheimlicht. Es war die ganze Zeit vor unserer Nase. Falls du es noch nicht bemerkt hast: Hier ist der Beweis“. Die Überschrift lässt Schlimmstes vermuten. Kommt nun der Beweis dafür, dass Disney ein kapitalistischer Konzern ist, der mit Kindchenschema-Figuren und ausgeklügeltem omnipräsentem Merchandising Milliarden scheffelt? Nein.

Dabei geht es um das „A113“-Phänomen (von dem ich zuvor auch noch nie etwas gehört hatte). A113 ist ein Easteregg, das in vielen Animationsfilmen auftaucht. Ein Insider-Witz, eine versteckte Botschaft der Kreativen hinter der Filmidee. Auf Nummernschildern, Tafeln, Maschinen und so weiter taucht in vielen Filmen dieser Zeichencode auf. Er war auch eine Raumnummer im „California Institute of the Arts“. Und viele ehemalige Absolventen bauen diesen Code irgendwo in Kinofilmen oder Trickserien ein. Das kann man genau so nachlesen im Pixar-Wiki – mal abgesehen von der Tatsache, dass Pixar erst seit 2006 zu Disney gehört und damit Disney gar nicht der alleinige Geheimniskrämer war – und auch Produktionen, die nicht aus den Häusern Disney und/oder Pixar stammen, die A113 enthalten. Die Fotos zum Text hat heftig wiederum aus einer Imgur-Sammlung.

Heftig.co ist also eine Seite, die bewundernswert geschickt mit ihren Überschriften Neugier weckt und auf oft äußerst belanglose aber niedliche Videos oder Bilder verlinkt. Kann man ja machen, auch auf Quellenangaben verzichten oder sie möglichst hellgrau auf weiß verstecken, nun ja. Und keine Hintergrundinfos bieten.

Mir ist das gleichzeitig zu viel und zu wenig – und irgendwie zu offensichtliches Klick-Geheische. Laut Rhein-Zeitung übernimmt heftig auch viele Beiträge von der Vorlage viralnova.com, die nach ganz ähnlichem Muster funktioniert. heftig selbst soll demnach seinen Sitz in einem Steuerparadies in Übersee haben. Dieses Zusammengeklicke ohne Zeitbezüge, eindeutige Quellenangaben und Hintergrundinfos – mir gefällt das nicht. Ich habe das alles mit einer Mischung aus Abscheu und Faszination beobachtet. Aber dann wurde es mir zu viel. Ich habe heftig.co abgeschaltet…. zumindest in meiner Facebook-Timeline.

Screenshot: Bestätigungsfenster "heftig.co verbergen?"
Facebook fragt noch mal nach: Heftig.co wirklich ausblenden?

Übrigens: Die wohl älteste Antwort auf die Frage nach der A113 ist schon vier Jahre alt. Sie kommt vom John Lasseter, Trickfilm-Regisseur und -Produzent. Zu finden ebenfalls auf Youtube:

Social Media vereinfacht

Gerade eben lese ich dieses Posting zu diesem Bild:
20140204-183547.jpg

Und fühle mich inspiriert zu folgendem Kurz-Essay (hüstel, räusper):
Im Prinzip ist es mit dem Internet wie mit den vielen verschiedenen Ladegeräten und Netzteilen, die man immer noch für alles Mögliche braucht. Genau so ist das nämlich auch mit den verschiedenen Social-Media-Diensten: Keiner erfüllt alle wesentlichen Zwecke. Dieses Tafelbild aus den Weiten des Internets verdeutlicht das ganz gut. Für jeden Zweck gibt es ein Nischenprodukt. Das ist auch in Ordnung. Ich will ja auch nicht Brötchen beim Gärtner kaufen. Und nichts wäre schlimmer als eine allumfassende Onlineplattform. Aber der Austausch, die intelligente Vernetzung zwischen verschiedenen Diensten ist meinem Eindruck nach doch nur in wenigen Fällen problemlos möglich. Vielleicht ist es Zeit für einen Systemübergreifenden Standard, so etwas wie eine Social-Media-Markup-Language, eine SMML.

Internet-Welt

In diesem Moment habe ich begonnen, eine digitale Weltreise zu planen. Das Ziel: Zu jeder Toplevel-Domain eine Internetseite besuchen. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, schon mal auf einer Seite gewesen zu sein, die auf “.mm” endet oder “.ls”. Wie komme ich drauf: Lese gerade bei Caschy von einer Aktion des Hosters ” Checkdomain”. Die haben ne hübsche Weltkarte mit allen Top-Level-Domains als Poster produziert – und die verschenken sie, unter bestimmten Bedingungen. Jeder, der über die Aktion bloggt, bekommt die Karte zugeschickt. Obendrein verspricht “Checkdomain”, pro Blogpost 10 Euro an die Deutsche Kinderkrebsstiftung zu spenden. Und dann kommt Checkdomain auch noch aus Lübeck. Das macht es natürlich besonders leicht, darüber zu schreiben.

So sieht übrigens die Karte aus. Ist ganz schick, finde ich:

Domainkarte von checkdomain.de
Domainkarte von checkdomain.de

So – und wo fange ich jetzt an? Werde nachher mal Onkle Google nach Domains aus “.dj” fragen…

Das allererste Bild

Das Internet vergisst nicht und nichts ( bis zu dem Tag, an dem ein gigantischer Meteoriteneinschlag neben allem möglichen anderen Übel auch einen Elektromagnetischen Puls auslöst, der allen elektronischen Schaltkreisen ein unumkehrbares Ende setzen wird… habe heute Phoenix gesehen, aber nun denn).
Also das Netz. Man findet zwar nicht immer alles und sofort, aber immerhin gibt es auch auf diese Frage noch eine Antwort: “Welches war eigentlich das aller-aller-allererste Bild, das jemals im Internet zu sehen war?”
Es ist dieses da. Es zeigt Mitarbeiterinnen des Forschungszentrum Cern in bunten Cocktailkleidern, mit weißen Handschuhen und wie sie ein Plattencover imitieren. Eine Firmenband.
Vor 20 Jahren wurde es im damals noch überschaubaren Kreis der WWW-Nutzer berühmt. In der Seiten-Beschreibungssprache HTML gab es bis 1993 kein Element, mit dem man Bilder in Internetseiten einbinden konnte. Das Netz war eine Textwüste. Dann schlug jemand das IMG-Tag vor. Und als es wenig später so weit war und der Browser mit einem IMG in spitzen Klammern umgehen konnte, war dies das erst Bild, das eingebunden worden war.
Das Foto ist rechtlich geschützt, darum nur der Link, aber zur Feier des 20. Jahrestages des IMG-Tags kann man ja beliebiges eigenes Material verwenden…

Alte Krananlage im Überseehafen Rostock
Alter Kran im Überseehafen Rostock

Den Hinweis aufs allererste Internetbild habe ich beim Radiohören bekommen. Hier gibts den Beitrag online auf dradio.de:

Wenn dies, dann das

Informationen haben einen online ja eigentlich noch nie auf nur einem einzigen Weg erreicht. Web, Mail, Usenet, Chat, das war früher, jetzt sind es Web, Mail sowie, Feeds, Foren und vor allem die sogenannten sozialen Medien. Twitter, Facebook, Google+ und dergleichen. Deshalb ändert sich ja auch das eigene Verhalten. Einiges poste ich bei Facebook, einiges wird getwittert und manches erscheint hier im Blog. Aber nicht alle Leser schauen überall hin. Insofern ist es nur logisch, die eigenen Inhalte auf diversen Kanälen nachzunutzen – natürlich gibt es ein Online-Tool, das einem das alles abnimmt. “If This Then That” heißt das alles. Kurz und knapp: die Internetseite ifttt.com nimmt einem die Konfigurationsarbeit ab, einzelne Dienste über ihre APIs zu verbinden und schaut regelmäßig nach, ob es etwas zu veröffentlichen gibt – in zig Richtungen. In etwa so: Wenn im Blog was Neues steht, poste es gleich mal bei Facebook. Natürlich muss man sich bewusst sein, dass man dafür persönliche Zugangsdaten anderen Webdiensten anvertrauen muss. Ich teste das jetzt mal.

Wenn ich ein neues Video bei Youtube hochlade, wird es automatisch bei WordPress eingebunden. Wenn ich eine neue Statusmeldung bei Facebook eingebe, entsteht im Blog ein neuer Artikel. Wenn ich hier einen neuen Beitrag poste, erscheint er in der Facebook-Chronik. Soweit die Theorie. Jetzt bin ich mal gespannt, ob da nicht eine Endloskette entsteht, oder ob irgendwo eine Bremse eingebaut ist.

ifttt.com ist noch in der Betaphase. Man kann sich dort auch die Rezepte (so heißen die Regelwerke, die man da anlegen kann) anderer User ansehen. Da hat doch tatsächlich jemand ein Rezept wie dieses angelegt: Schicke meiner Frau eine E-Mail, wenn sich unser Hochzeitstag jährt. Romantisch ist anders. Als Ehefrau würde ich da so reagieren:

If {{wieder mal automatisierte E-Mail von Göttergatte}} then {{Termin@Scheidungsanwalt vereinbaren}}.

EDIT: Und tatsächlich, da entsteht eine Endlosschleife. Da muss man also noch mal Finetuning machen – oder einen Dienst entwickeln wie if this then not this, oder so.

Post vom “Betrugsprävention Team”

Man sollte die Entwicklung von Übersetzungscomputern weltweit gerichtlich stoppen. Irgendwann wären sie sonst tatsächlich so gut, dass man beliebige Texte sinngemäß von einer beliebigen Sprache in jede beliebige andere übersetzen kann ohne dass es auffällt. Irgendwelchen Spamamateuren dürfte das in die Hände spielen. Bis es soweit ist, sorgen ihre Betrugsversuche für Heiterkeit – aber es gibt bestimmt einen, der darauf hereinfällt, weil er glaubt, dass die bei der Sparkasse wirklich so doof sind.

Vorlesen macht mir hingegen Spaß.

Backup

“Mach ein Backup”, ist fast schon ein Mantra, das ich mir oft selbst vorbete und auch gern beherzige. Manchmal bin ich sogar kurz davor Menschen in der Fußgängerzone anzusprechen: “Haben Sie schon ein Backup von ihren wichten Daten und Computerprojekten gemacht?” Nur mühsam kann ich mich bremsen. Dabei meine ich es doch nur gut – auch mit mir selbst. Wie schnell ist sonst die Arbeit von Monaten im digitalen Nichts verpufft, wenn man mal im entscheidenden Moment gerade keine Sicherheitkopie gemacht hat.

Nun ist es so: Ich habe gerade ein Backup vom Ergebnis monatelanger Arbeit gemacht. Es geht um die Erneuerung der Internetseite der Schweriner Rudergesellschaft. Und just nachdem ich dieses Baackup heruntergeladen und ein Update des CMS hochgeladen hatte, raten Sie, was passiert ist. Ach, ich sags Ihnen: Einfach alles zerschossen. Mir scheint sogar, MySQL hat sich extra für mich noch ein paar neue Fehlermeldungen ausgedacht und lacht sich irgendwo im Backend kaputt.

Aber kein Problem: Ich habe ja ein Backup. Das habe ich soeben hochgeladen und musste nun feststellen, dass der FTP-Client die Dateien nicht wie versprochen ersetzt, sondern einfach jeweils hintendran gehängt hat. Damit kann ja nun niemand etwas anfangen. Alle Dateien sind nun alsso doppelt so groß.

Es ist jetzt 19:39. In wenigen Sekunden wird sich herausstellen, ob es geholfen hat, noch einmal alles zu löschen und das Backup in ein jungfräuliches Verzeichnis hochzu laden… Sie werden es erleben. Ich schreibe dann nur eines dieser beiden Wörter hier rein: Uffff oder Arrrglwarrrgl. Bleiben Sie dran…

19:41: …

19:43: .. .  .   … .

19:43:43: Ufffffff… fffff ….ff. f…ffff

Bundestrojaner mit Fragezeichen

Sonntage sind gute Tage, um einen Skandal zu starten. Wenn die Beschuldigten einen freien Tag genießen wollen, haben andere wiederum Zeit, sich ausführlich mit erschütternden Neuigkeiten zu beschäftigen. Vielleicht ist genau das ein Grund, warum gerade heute die Tatsache publik wird, dass es angeblich ein staatliches Schnüffelprogramm gibt, das auf Windowsrechnern viel mehr macht, als es Verfassungsrichter einst gestattet haben – und das dazu auch noch von technisch wohl eher lausiger Qualität.

Kaum jemand unter den durchschnittlichen Computernutzern und Internetsurfern kann wohl beurteilen, wie man ein gutes Schadprogramm, einen Keylogger, Trojaner oder was auch immer schreibt. Trotzdem ist die Aufregung natürlich groß. Und keine Frage: Wenn das stimmt, was der Chaos-Computer-Club da behauptet, dann haben wir es hier in der Tat mit einem riesigen Datenschutz- und Justiz-Skandal zu tun. Aber wenn man sich das alles so durchliest, dann kommen doch ein paar Fragen auf:

1.) Was genau haben denn die Leute vom CCC da analysiert? Worauf beruht ihre Behauptung, dass es sich um eine von staatlichen Stellen in Auftrag gegebene und dann auch von ihnen eingesetzte Software handelt. In den Analysen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, aber auch im Text des CCC selbst fehlen diese Angaben.

2.) In der FASZ wird erwähnt, dass der CCC rechtzeitig vor der Veröffentlichung seiner Analyse das Bundesinnenministerium informiert habe, um laufende Ermittlungen nicht zu gefährden. Das ist nett, warum taucht dann aber in dem journalistischen Text der FASZ keine Stellungnahme des Innenministeriums auf. Es ist anzunehmen, dass die Redaktion nicht erst gestern Abend von diesen massiven Vorwürfen erfahren hat und deshalb wohl Zeit genug war, die Beschuldigten um eine Stellungnahme zu bitten. Die journalistische Fairness und die Sorgfaltspflicht schließen dies eigentlich mit ein und setzen die Möglichkeit zur Stellungnahme sogar voraus. Und selbst wenn das Innenministerium nicht antworten wollte, ist ein Hinweis “… wollte sich nicht äußern” unverzichtbar. Seltsam. Reaktionen des Innenministeriums finden sich erst Stunden später. Kein Wunder es ist ja Sonntag.

3.) Wer ist also Urheber oder Absender des vermeintlich amtlichen Trojaners? Und warum ist der dann auch noch so lausig programmiert, wie es der CCC behauptet. Warum ist der Trojaner so schlecht geschützt, warum nutzt er vergleichsweise schwache Verschlüsselungstechniken? Warum verwischt er seine eigenen Spuren nicht besser? Warum begeht er gleich Rechtsbruch in mehrfacher Hinsicht – und das für Fachleute offenbar so offensichtlich? Wollte der Trojaner möglicherweise entdeckt werden? (und erklärt sich damit auch der Humor der unbekannten Programmierer, eine Variable oder Routine oder was auch immer es ist, ausgerechnet der Jahreszeit entsprechend “0zapftis” zu nennen – sozusagen digitales Oktoberfest auf angezapften Rechnern?)

4.) Wie sicher ist sich der CCC selbst, was er da auf dem Silbertablett serviert bekam? Auf der eigenen Internetseite heißt es noch vollmundig “Chaos-Computer-Club analysiert Staatstrojaner […] Der Chaos Computer Club (CCC) hat eine eingehende Analyse staatlicher Spionagesoftware vorgenommen”, während es in der dazu verlinkten 20-seitigen Analyse viel vorsichtiger formuliert heißt: “Dem Chaos Computer Club (CCC) wurde Schadsoftware zugespielt, deren Besitzer begründeten Anlaß zu der Vermutung hatten, daß es sich möglicherweise um einen ,Bundestrojaner’ handeln könnte.” Irgendjemand vermutet – und scheint dafür wohl gute Gründe zu haben – dass es sich “möglicherweise” und einen in Anführungsstrichen Bundestrojaner handeln könnte. Mehr Konjunktiv und Einschränkungen in einem einzigen Satz sind fast nicht möglich. Natürlich kann die Vermutung naheliegen, dass es sich um ein staatliches Projekt handelt. Aber: Beweise fehlen.

5.) Die FASZ berichtet von aktuellen Ermittlungs-Verfahren, in denen angeblich Fahnder angeblich digitale Dokumente vorgelegt haben, an die sie nach geltendem Recht gar nicht hätten gelangen dürfen, also Dateien aus Überwachungen, die über die Quellen-TKÜ hinausgehen. Den Ermittlern dürfte in diesem Fall klargewesen sein, dass sie unrechtmäßig erlangtes Beweismaterial benutzen, warum sollten sie so etwas öffentlich machen, was einerseits ihre (illegalen) Methoden beweisen würde und andererseits vor Gericht ja wohl überhaupt keinen Wert haben dürfte. Sollten die tatsächlich so doof sein?

Was nun passiert, war vorherzusehen. Der Aufschrei war irre laut. Kaum jemand kann zum jetzigen Zeitpunkt beurteilen, was tatsächlich Sache ist – aber schon jetzt gibt es Forderungen, der BKA-Chef müsse zurücktreten. Justiz-Ministerinnen reagieren empört. Und bei heise.de gibt es schon über 1300 Leser-Kommentare zur Bundestrojaner-Meldung.Wenn stimmt, was der CCC behauptet, dann geschähe es allen Ertappten nur recht, dass sie sich für dieses weitreichende Überschreiten aller höchst-richterlich gesetzten Schranken rechtfertigen und vor allem verantworten müssten. Aber wenn es nicht stimmt, dann müsste der Aufschrei darüber genau so groß sein – dann wäre das alles nur eine Kampagne.

Die sonntägliche Aufregung wird sich kaum noch eindämmen lassen und durch die ganze Woche ziehen. Die Medienmaschine läuft. Unabhängig davon ist es schon interessant zu wissen, in wie vielen Fällen bundesdeutsche Ermittlungsbehörden schon fremde Computer ausspioniert haben und zu welchen Ergebnissen dies schließlich führte.

Die Leute vom CCC sind äußerst ernst zu nehmende Fachleute. Sie haben in ihrer Analyse klar beschrieben, dass der von ihnen entdeckte Trojaner einfach so Dateien auf seinem Wirtscomputer ablegen kann – und niemand wird später beweisen können, dass es der Trojaner war und nicht der Eigentümer des Rechners, der diese Dateien da abgelegt hat. Da kann einem also belastendes Material untergeschoben werden, das Unbescholtene zu Verdächtigen macht. Was, wenn auch die vom CCC analysierte Software so etwas Ähnliches ist? Wenn also jemand ein staatliches Schnüffelprogramm “aufgebohrt” und so erweitert hat… und niemand wird das später beweisen können…

So genau der CCC auch erklären kann, wie der digitale Schnüffler funktioniert – mindestens genauso viele Fragen lässt diese Geschichte trotzdem offen.