Rolleyes

Natürlich sieht es lustig aus: Ein Mann redet mit einer Frau – und die verdreht genervt die Augen. Bestimmt, weil er so ein dämliches Zeugs zusammenlabert ohne Hand und Fuß. Mag sein, dass genau dies auch der Zusammenhang ist bei diesem Gesprächsfetzen mit Wladimir Putin und Angela Merkel, den unter anderem die Welt in ihrem Instagramfeed zeigt.

“Ihre Augen!” prustet die Bildunterschrift – und die Kommentare greifen das gern auf: Man hätte selbst genau so reagiert, wenn man mit Herrn Putin hätte reden müssen, heißt es da zum Beispiel. Vorverurteilung frei von Sachkenntnis. Klar: Es besteht die Möglichkeit, dass Putin in diesem Moment tatsächlich Dünnpfiff von sich gibt, so dass man als Kanzlerin auch im größten G20-Sitzungstrubel mal kurz die Geduld verliert und hilfesuchend gen Himmel blickt und “Herr, schmeiß Hirn vom Himmel” flehen möchte.

Es weiß nur keiner, ob dies tatsächlich der Auslöser für den Blick zur Hallendecke war… Vielleicht erzählt Russlands Staatschef von irgendeiner Knalltüte, deren Verhalten die Kanzlerin schon lange genug miterleben musste – oder Putin redet vom leidigen Gipfelproblemen, unfähigen Sherpas oder von Trump, Erdogan, diesem Nordkorea-Kim, Horst Seehofer.

Vielleicht beginnt Putin auch eine Aufzählung – den Zeigefinger hat er ja schon gereckt, und Merkel glaubt, nach oben schauen zu müssen und erkennt dann – genervt von sich selbst – den irrwitzigen eigenen Irrtum beim Deuten seiner Handbewegung.

Ob die da Russisch sprechen, will in den Kommentaren einer wissen. Klar. Merkel spricht Russisch, tippt ein anderer. Allerdings: Putin soll ja auch ganz gut Deutsch sprechen.

Keiner kennt die Hintergründe, alle reden mit. Ein winziges Beispiel aus der bunten Welt – der uferlosen Hype-Industrie.

Audio-Schnitt für 2 Euro

<Konfetti>Heute ist Welt-Radio-Tag.</Konfetti> Das ist nicht irgendein Tag, sondern ein Tag, der auf Initiative der Unesco 2012 zum ersten Mal abgehalten wurde.

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“Hindenburg Journalist” ist eine Audio-Workstation für Hörfunkjournalisten. Foto: Hindenburg Systems

Zur Feier des Tages verkauft die dänische Softwarefirma Hindenburg-Systems ihre Schnittsoftware “Hindenburg Journalist” für 2 Euro, nur heute. Der Mehrspureditor ist speziell auf die Produktion von Hörfunkbeiträgen und Podcasts zugeschnitten. Er passt zur App Hindenburg-Field-Recorder, die Aufnahmen mit dem Smartphone für Radio-Beiträge möglich macht (so lassen sich dort zum Beispiel Marker setzen).

Hindenburg Systems will die Einnahmen des heutigen Tages wiederum komplett für weltweite caritative Zwecke spenden, vor allem, wenn sie die Bildung fördern.

Für 2 Euro lohnt der Blick. Wer sich auf der Internetseite für den Kauf entscheidet, bezahlt per Paypal und bekommt wenig später einen Downloadlink und einen Lizenzschlüssel zugemailt.

Beunruhigende Schlagzeilen

Man denkt zunächst: “Und dann auch noch ausgerechnet Sachsen.” Nun ja, aber bei diesem Thema muss man Schlagzeilen wir diese wohl machen.

Auf den ersten Blick verstörend.
Auf den ersten Blick verstörend.

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Familien-Magazin-Drama

Zweifellos kein schönes Thema: In Lübeck ist ein Ehepaar wohl direkt vor seinem Haus erschossen worden. Bis zu fünf Schüsse könnten gefallen sein. Die Nachbarschaft fürchtete zwischendurch sogar, mitten in einen Amoklauf geraten zu sein. Und der mutmaßliche Täter, der sich später selbst erschossen haben soll, war wohl der Exmann der getöteten Frau. Eifersucht, Liebe, Familienstreit? Tatmotive mag es mehrere geben. Auch die Schweriner Volkszeitung berichtet heute über die drei Toten von Lübeck. Eine Beziehungstat ist ja nicht auszuschließen. Aber darum gehört er doch nicht ernsthaft ins “Familien-Magazin”…

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Bergwacht beim Thronwechsel

Laufbänder mit aktuellen Meldungen können im Fernsehen eine sinnvolle Ergänzung sein. Allerdings muss das nicht zwangsläufig bedeuten, dass diese sich auch selbst sinnvoll ergänzen. Aber jetzt gerade funktioniert es im Große-Bagger-müssen-Umziehen-Sender “n-tv” mehr oder weniger gut. Für Spaniens neuen König jedenfalls beginnen die ersten Minuten als Regent augenscheinlich sehr dramatisch…. wenn wir den Livetickern glauben dürfen.

Für Felipe scheint der erste Arbeitstag im neuen Job mit ungewöhnlichen Anstrengungen verbunden zu sein.
Für Felipe scheint der erste Arbeitstag im neuen Job mit ungewöhnlichen Anstrengungen verbunden zu sein.
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Die Einsatzkräfte sind jedenfalls auf alles vorbereitet. Wir sehen hier die vier Sitzplätze in der medizinischen Notfallstation.
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Aber man macht sich als Normalsterblicher ja sowieso keine Vorstellungen davon, wie lange so ein Sprung auf der Karriereleiter dauern kann. Bis zu vier Stunden könnten für den Aufstiegnötig sein.

Aber jetzt mal abgesehen davon: Wie weit ist eigentlich die Rettung dieses Höhlenforschers? Und wann hält der seine Antrittsrede im Parlament?

Aufgestoßen

Auch Bild.de macht mal Fehler
Auch Bild.de macht mal Fehler

 

 

 

Aufgestoßen: Die Tür zu einer neuen Rechtschreibung. Dieser bemerkenswerte Schnipsel stammt aus einem Bild.de-Text über das erste Halbfinale beim ESC 2014.

Völlig Los gelöst

RTL-II hat einen Platz im NSU-Prozess gewonnen. Was RTL-II allerdings mit fundierter Berichterstattung über Prozesse, Justiz, Terrorismus und Polizei zu tun hat, wird beim Blick auf deren Internetseite in keiner Weise deutlich. Dazu gibts noch ein paar Schnappschüsse von den Online-Angeboten anderer Prozess-Gewinner.

Das Oberlandesgericht hat das Los entscheiden lassen. Nun steht also wieder mal fest, welche Medien und Redaktionen beim NSU-Prozess auf den für die Presse begrenzten Plätzen sitzen dürfen. Die Frankfurter Allgemeine und die Süddeutsche zum Beispiel sind nicht dabei. Aber dafür andere Redaktionen. Mal sehen, was deren online-Ableger gerade auf ihrer Startseite haben.

hallo-muenchen.de zum Beispiel wird über die Gerichtsverhandlung gegen Beate Zschäpe und andere berichten. Zur Zeit geht es auf der Startseite der Münchener Wochenzeitung noch um Krankheitstage im “Gesunden München”, den traurigen Ex-Affen von Justin Bieber und Verkehrsprobleme im Münchener Nordosten.

Startseite von hallo-muenchen.de heute kurz vor 16 Uhr

Die gedruckte Brigitte legt auch Wert auf Reportagen. Ja gut. brigitte.de thematisiert derweil – insgesamt wenig überraschend – Modefragen:

Tops und Flops: Die Startseite von brigitte.de am Tag des Losentscheids.

Und dann ist da ja auch noch RTL2, lets have some fun und it’s fun und so. Die sind nachrichtlich ganz weit vorn. Wer auf der Startseite den Link zu den Nachrichten (den RTL-II-News) findet, der bekommt gleich im ersten Video schockierende Bilder zu sehen: es gibt doch tatsächlich eine Winterjacke, bei der man die Kapuze mit einem Reißverschluss zu einer Art Raumfahrer-Anzug zusammenziehen kann. Die damit konfrontierten Passanten reagieren – wie, ist eigentlich egal.

Nachrichten-Seite der RTL-II-News gegen 16 Uhr. “Außergewöhnlicher Look” als Aufmacher.

Ja, und diese Medien haben nun – neben vielen anderen wie dpa, ARD und dem Magazin der Süddeutschen – Plätze als Prozessbeobachter gewonnen. Mal sehen, ob RTL-II zum Prozess-Auftakt das ganze auch unter modischen Aspekten begleitet – und wie sie das dann für die Dauer des gesamten, langwierigen Prozesses durchhalten. “Fußfesseln sind DAS Accessoire des Frühjahrs” – oder so.

Und hier nun noch der Link zur kompletten Liste aller akkreditierten Berichterstatter (PDF).

Ersatz

Ist ja auch beklemmend wie bezeichnend, dass die Rechtschreibprüfung für die stillgelegte Nachrichtenagentur dapd ausgerechnet den Platzhirschen vorschlägt.

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Die dapd hat heute ihren Betrieb eingestellt, weil die Verkaufs- bzw. Übernahmeverhandlungen des insolventen Unternehmens immer noch kein Ergebnis gebracht haben.

Ohne Nummer

Na, mal sehen, ob sich dieser mediale Irrtum noch wieder aus der Welt schaffen lässt…


Ich habe allein heute Abend schon dutzendfach “Franziskus, der Erste” gehört und gelesen…
Kein Papst unter dieser Nummer