Nach Hansa-Spiel: Wasserwerfer gegen Randalierer

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[wpsleep end=”08.10.2008 20:46″]Aktuell[/wpsleep]

Wasserwerfereinsatz am Rostocker Stadion

Nach dem Zweitliga-Heimspiel von Hansa Rostock gegen den FC St.-Pauli hat die Polizei vor dem Stadion Wasserwerfer gegen randalierende Besucher eingesetzt. Ich habe das als Reporter vom Straßenrand aus beobachtetund habe dabei selbst eine Ladung Wasser abbekommen. Ich bin klitschnass.

Die Ausschreitungen sind trauriger Höhepunkt nach einem 3:0-Sieg im Stadion.

Die Polizei hatte die Straße gesperrt, um zu verhindern, dass Hansa- und Pauli-Fans aufeinandertreffen. Das ist auch gelungen. Allerdings hatten die mehreren Hundert Menschen an der Polizei sperre die  Straße trotz mehrfacher Aufforderungen nicht geräumt. Die Polizei hatte schon vor dem Spiel angekündigt, notfalls konsequent gegen sogenannte Negativ-Fans vorzugehen. Aus der Gruppe waren vereinzelt Flaschen und Steine in Richtung der Beamten geflogen.

Der Wasserwerfereinsatz dauerte rund zehn Minuten. Einzelheiten über Verletzte und Festgenommene sind aber noch nicht bekannt. Inzwischen ist vor dem Stadion wieder Ruhe eingekehrt. Einzelheiten folgen.

Bei den Krawallen wurden 15 Menschen verletzt, darunt sechs Polizisten. 47 Menschen, alle Rostock-Anhänger, keine Pauli-Fans, haben die Polizisten festgenommen.

Der Leiter der Polizei-Inspektion hat im Gespräch mit NDR1 Radio MV angekündigt, dass die gewalttätigen Fans nun ihren allerletzten Bonus verspielt hätten. Künftig werde die Polizei schon vor den Spielen den Druck auf diese Gruppen erhöhen um zu verhindern, dass Wiederholungstäter überhautp zum Stadion kommen.

Auch im Stadion und vor dem Spiel hatte es Provokationen und leichte Schwarmützel mit der Polizei und Gäste-Fans aus Hamburg gegeben. Die Aggression sei dabei ausschließlich von Rostocker Anhängern ausgegangen, sagte Mainka. Augenzeugenberichte von Reporterkollegen bestätigen diese Einschätzung

Der Polizei-Einsatz war meinem Eindruck nach auch von der Stärke her gerechtfertigt. Die Beamten hatten mit drei Lautsprecherdurchsagen eine Gruppe von mehreren hundert Fußballanhängern aufgefordert, die Kopernikusstraße freizumachen. Dort hatten die Beamten eine Sperre errichtet, um zu verhindern, dass Hansafans und abreisende Pauli-Anhänger aufeinander treffen.

Nach Darstellung der Polizei hätten die Fans starken Druck auf die Absperrung ausgeübt. Ich habe vereinzelt Flaschen und Steine in Richtung der Beamten fliegen sehen. Auch nach der “letzten Warnung” von einem der beiden Wasserwerfer hat sich die Menge nicht aufgelöst. Im Wechsel mit Wasserstößen liefen auch immer wieder Einheiten der Polizei voraus, um die Menge auseinaner zu treiben. Dabei wurden auchh Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt. Flaschen splitterten, Menschen riefen, Gerenne, Schreie, Hektik – Jagdszenen vor dem Stadion. Geschätzt eine Viertelstunde lang.

Zwischen den gewaltbereiten Fans standen auch zahlreiche friedliche Hansa-Anhänger, die darauf warteten, durch die Kopernikusstraße Richtung Innenstadt nach Hause oder zu ihren Autos zu kommen. Die Friedlichen beklagten sich nach dem Polizeieinsatz über die Härte. Schließlich sei man doch ganz friedlich gewesen – außerdem wären doch auch ncoh Kinder in der Menge gewesen. Das stimmt.

Allerdings frage ich mich, was friedfertige Stadionbesucher veranlasst, genau dort im oder am Rande einer johlenden Menschenmenge zu bleiben, wenn die Polizei schon mehrfach den Einsatz von Wasserwerfern angekündigt hat, die Pumpen schon brummen, Scheinwerfer angehen, die Beamten die Visiere herunterklappen, ein Chor “All Cops are bastards” singt und allgemein Streit in der Luft liegt. Wäre ich nicht als Reporter am Rande dabei gewesen, ich wäre jedenfalls in genau die entgegengesetzte Richtung gegangen und hätte mich innerlich erheblich über die Gewaltbereiten aufgeregt. Denn soviel ist klar: Schuld an den Krawallen haben diejenigen, die sich mit der Polizeia angelegt haben, die, denen es gar nicht um Fußball geht (für Randale gibt es doch nach einem glatten 3:0-Heimsieg erst recht keinen Grund).

Die Polizei hatte die Straßensperrung vorher angekündigt. Das hätte sie vielleicht noch deutlicher machen können. Allerdings war es schon bei vergangenen Rangeleien so, dass es den friedfertigen Fans nicht gelingt, sich allein räumlich von den Gewalttätern zu distanzieren – zehn Meter weggehen hätte schon gereicht. Die zurückbleibende johlende angetrunkene Menge wäre viel überschaubarer gewesen. Im Stadion mag das noch schwierig sein, durmherum wäre das ohne Probleeme möglich.

Autor: Christian

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3 Gedanken zu „Nach Hansa-Spiel: Wasserwerfer gegen Randalierer“

  1. Vor dem Spiel direkt an der Einlaßkontrolle an der Südtribüne flogen volle Bierflaschen in Richtung Hansafans. Direkt in die dort wartende Menschenmenge. Es ist mir total unklar, warum Glasflaschen bei den St.Pauli-Anhängern nicht von der Polizei eingezogen wurde, schließlich waren die Gästefans ja schon seit der S-Bahn unter “Polizeischutz”. Auch sollte man darüber nachdenken, die Fangruppen vor dem Spiel bei den Eingangskontrolle noch stärker zu trennen.

    Warum es immer wieder Katastrophentouristen – auch mit Kindern – gibt, entzieht sich auch völlig meinem Verständnis. Aber es gab sie ja z.B. auch bei den G8-Ausschreitungen. Ich hoffe, die Krawallnasen unter den Hansa-Fans werden bald weggeschlossen. Und ich hoffe auch, daß die Vernüftigen unter den Fans (auch die bei den Suptras) nicht unter unangemessener Härte leiden müssen.

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