{"id":1090,"date":"2008-10-11T17:28:16","date_gmt":"2008-10-11T15:28:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/?p=1090"},"modified":"2008-10-24T05:21:23","modified_gmt":"2008-10-24T03:21:23","slug":"die-funf-sterne-pfutze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/2008\/10\/11\/die-funf-sterne-pfutze\/","title":{"rendered":"Die F\u00fcnf-Sterne-Pf\u00fctze"},"content":{"rendered":"<div class='__iawmlf-post-loop-links' style='display:none;' data-iawmlf-post-links='[{&quot;id&quot;:655,&quot;href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.myspace.com\\\/schmidtcarsten&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/web-wp.archive.org\\\/web\\\/20260211130724\\\/https:\\\/\\\/myspace.com\\\/schmidtcarsten&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.myspace.com:443\\\/schmidtcarsten&quot;,&quot;checks&quot;:[{&quot;date&quot;:&quot;2026-02-20 21:09:39&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-02-27 20:32:20&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-04 09:57:50&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-15 17:00:47&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-20 15:25:46&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-27 01:33:50&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-30 10:58:53&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-04 20:06:31&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-09 11:12:47&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-16 19:31:37&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-20 05:24:55&quot;,&quot;http_code&quot;:503},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-23 06:57:58&quot;,&quot;http_code&quot;:503},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-26 11:20:12&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-29 14:33:30&quot;,&quot;http_code&quot;:503},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-04 04:12:17&quot;,&quot;http_code&quot;:503},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-09 23:03:43&quot;,&quot;http_code&quot;:503},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-16 09:34:27&quot;,&quot;http_code&quot;:200}],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-16 09:34:27&quot;,&quot;http_code&quot;:200},&quot;process&quot;:&quot;done&quot;},{&quot;id&quot;:656,&quot;href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.miescha.de&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/web-wp.archive.org\\\/web\\\/20250406160809\\\/https:\\\/\\\/www.miescha.de\\\/&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;checks&quot;:[{&quot;date&quot;:&quot;2026-02-11 13:05:09&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-02-18 16:29:36&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-02-27 20:32:22&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-04 09:57:47&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-08 09:21:52&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-14 17:27:43&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-20 15:25:47&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-26 05:13:48&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-30 10:58:52&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-02 22:08:20&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-06 08:06:12&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-09 16:48:41&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-13 04:28:01&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-16 19:31:38&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-20 05:24:52&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-23 06:57:55&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-26 11:20:13&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-29 14:33:27&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-04 04:12:13&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-09 23:03:40&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-13 21:23:59&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-16 22:22:49&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-20 23:40:27&quot;,&quot;http_code&quot;:200}],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-20 23:40:27&quot;,&quot;http_code&quot;:200},&quot;process&quot;:&quot;done&quot;}]'><\/div>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Schmidt in Shanghai: Ernste Probleme mit dem Visum, Suche nach einem Hotel und kein Huhn<\/strong><\/p>\n<p>Mein Aufenthalt ist unsicher. Das Visum muss verl\u00e4ngert werden. Deshalb fahren wir mit zwei Managern unserer Firma eine weitere Beantragungsgenehmigung beh\u00f6rdlich beantragen. Eine andere Strecke; das allein ist aufregend. Sie zeigen pl\u00f6tzlich auf einen riesigen Bauplatz mit neuen Geb\u00e4uden und lassen uns raten, was es wohl ist. Ich tippe naiv auf die zwei einfachsten M\u00f6glichkeiten, Fabrik f\u00fcr Lebensmittel oder Textilien. Beide Fahrer lachen, und meine Kollegin neben mir meint, es k\u00f6nnte auch ein Gef\u00e4ngnis sein. Die Fahrer grinsen und sagen. \u201eJa, ein neues Zuhause f\u00fcr Politische!\u201c Ich sage zynisch hintendrein: \u201eOder f\u00fcr freche Ausl\u00e4nderlehrer, die was Falsches gesagt haben\u201c. Wieder lachen beide, aber ich nicht. Meine Kollegin auch nicht. Warum haben sie uns das gezeigt? Meine Arme verschr\u00e4nken sich wie automatisch und die Laternen fliegen drau\u00dfen vor\u00fcber.<!--more--><br \/>\nBei der Polizei gibt es wieder eine Fotosession f\u00fcr mich und einige Blitze aus weiteren Kameras. Wo und bei wem eigentlich mein Pass ist, wei\u00df ich nicht. Zu meinem 60 Euro teuren anderen Ausweis sagen sie nur ein Wort: \u201enutzlos\u201c. Danke noch mal an das heimische Ortsamt in Mecklenburg. W\u00e4hrend die Herren Manager, nun ein wenig ernster, mit den Polizisten reden, die immer wieder wollen, dass ich mich woanders hinsetze, weil ich dort \u2013 zu meiner eigenen Sicherheit \u2013 von mehr Kameras gesehen werde, rufe ich die Botschaften in Frankfurt, Berlin und Shanghai an. Ich habe alle Nummern, auch eine email habe ich schon geschrieben. Keinerlei Antwort, nicht einmal eine Eingangsbest\u00e4tigung. Au\u00dfer lustigen Telefonabfragen in einer Schleife (wenn sie Telefonsex mit dem Botschafter haben wollen, dr\u00fccken sie jetzt bitte die 9) keine Chance und ewige Besetztzeichen oder obskures Knacken. Sehr hilfreich!<br \/>\nIch trabe langsam zum Schalter und setze mich neben meinen Chef in einen Sessel, mein Kinn gedankenverloren auf einer Kopie meines Passes ruhend. Die bisher einzige freundschaftliche Geste eines Chinesen mir gegen\u00fcber: Der Chef fasst mir ganz kurz an den Oberarm und sagt zwinkernd: \u201eThere is a chance\u201c. Neben der ungewollten Ber\u00fchrung eines alten M\u00e4nnerfu\u00dfes neulich im proppenvollen Schwimmbad die einzige Intimit\u00e4t, die das Land f\u00fcr mich offenbart. Aber es scheint wirklich zu gehen. Ich warte noch eine Weile, dann halten sie ein Papier in den H\u00e4nden, das best\u00e4tigt: Ich darf 4 Wochen bleiben, aber vorher k\u00fcmmert man sich um eine weitere Aufenthaltsgenehmigung. Und ich h\u00f6re noch die klugen Journalisten bei den Olympischen Spielen: \u201eJa, alle freundlich, China \u00f6ffnet sich der Welt, es ist ein v\u00f6llig anderes Land geworden\u201c. Klar. D\u00fcster wie meine bockigen Gedanken ist auch meine Stimmung nach au\u00dfen, noch bei der Fahrt ins Apartment. Ich bedanke mich nat\u00fcrlich f\u00fcr die Bem\u00fchungen, mich hier zu behalten, aber selbstverst\u00e4ndlich bleiben Skepsis und Restzweifel, ob alles gut geht. Die grauen Wolken kreieren ein langes Gewitter \u00fcber der Stadt, wie Wellen rollen lange Schauer von Donner durch die dicke Wettersuppe. Mein Kopf brummt, es ist schon dunkel, und ich falle in Bett.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Morgen klingelt das Telefon um halb sieben. Dran ist meine Managerin, der ich ein wenig mehr vertraue, warum auch immer. Sie klingt ruhig, warm und freundlich. Ihre Worte vergr\u00f6\u00dfern die kleine, graue Hoffnung des Vortages. Sie sagt, dass es alles gut wird. Gerade hat sie eine neue Best\u00e4tigung der gestrigen Best\u00e4tigung bekommen. \u201eMr. Schmidt, you can stay! It will be alright. See you tomorrow!\u201c. Es freut mich und ich atme dankend tief durch. Ich gehe ans Fenster und sehe einen v\u00f6llig neuen Tag &#8211; eine neue sch\u00f6ne Welt &#8211; hinter dem vom n\u00e4chtlichen Regen gereinigten Glas.<br \/>\nAuf dem Balkon sehe ich mit nassem Sattel das Fahrrad, was mich schon in so interessante Teile der Vorstadt gebracht hat. Ich setze mich drauf und tuckere langsam los. Die Sonne steigt, Schritt f\u00fcr Schritt schalte ich gem\u00e4chlich, mit Restm\u00fcdigkeit, Gang f\u00fcr Gang h\u00f6her. Der langsam trocken werdende Sattel und das Hochschalten erinnern mich an das Fahren in meinen alten, eigensinnigen Mazda, den eine gekonnt ausparkende Fu\u00dfballerfrau zerst\u00f6rte. Der Mazda hatte nach regnerischen N\u00e4chten auch die individuelle Angewohnheit, mit dem Keilriemen einige Kurven lang die Bev\u00f6lkerung wach zu quietschen, dann aber war er trocken und surrte brav.<br \/>\nNun fahre ich wieder einmal durch die Stadt, aber nicht in Richtung Osten zum Expo-Park, wo es eine bizarre Mondlandschaft gibt, aber auch nicht nach Norden, wo ich gestern das neu entstehende Gef\u00e4ngnis sah. Im S\u00fcden gibt es viele l\u00e4ndliche Ecken. Es soll ein edles Hotel geben, das will ich finden! Ich sehe d\u00f6rfliche Streitigkeiten, wobei es offenbar den M\u00e4nnern weniger wichtig ist, dass die Familienehre aus dem Stadttor galoppiert und den Jangtsekiang runter schwimmt, als dass dabei die Helmut Schmidt-Ged\u00e4chtnis-Dauer-Zigarette ausgeht. \u00dcbrigens hat sie auch viele Funktionen, denn die aus dem Fenster gehaltene Zigarette des Beifahrers gilt hier schon als Blinken in der Kurve. Sehr wichtig! Ich \u00fcberhole nach langem Anlauf ein gro\u00dfes Dreirad, was eine ganze Wiese transportiert und oben drauf noch zwei Kinder. Da sehe ich, mit Gras in den Speichen, eine 10 Meter breite Blumenwerbung f\u00fcr ein gro\u00dfes Hotel einer europ\u00e4ischen Kette, deren Name so \u00e4hnlich klingt wie Camping.<br \/>\nIch fahre in die Einfahrt, denn das muss das tolle Hotel sein. Der Wachmann an der Schranke gr\u00fc\u00dft milit\u00e4risch. Auf einmal neuer, breiter Asphalt. Hunderte G\u00e4rtner schnippeln an den Stra\u00dfenr\u00e4ndern an Dahlien, Stachelbeeren und Kirschlorbeer. Es folgen kilometerlange Tartan-Joggingstrecken f\u00fcr die reichen Hotelbewohner, auch weitere Werbung f\u00fcr Golfclubs, nat\u00fcrlich nur Mitgliedschaft durch Einladung. Au\u00dfer gr\u00fcnen Wiesen und Z\u00e4unen nichts zu sehen. Das Hotel will einfach nicht auftauchen. Keine weiteren Hinweise. Nach gut 5 Kilometern ein sehr kleiner, dreckiger Seitenweg, der von der ewigen Stra\u00dfe wegf\u00fchrt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1091\" aria-describedby=\"caption-attachment-1091\" style=\"width: 507px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/carsten_hotel_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1091\" data-permalink=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/2008\/10\/11\/die-funf-sterne-pfutze\/carsten_hotel_01\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/carsten_hotel_01.jpg\" data-orig-size=\"507,254\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;3.1&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;uD600,S600&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1223596179&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;5.8&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;64&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0166666666667&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}\" data-image-title=\"Luxushotel bei Shanghai aus zuf\u00e4llig anderer Perspektive\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Ein Blickwinkel, der im Hotelprospekt sicherlich fehlt: Blick aus dem Bediensteten-Dorf Richtung Lusxusherberge&lt;\/p&gt;\n\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Luxushotel bei Shanghai aus zuf\u00e4llig anderer Perspektive&lt;\/p&gt;\n\" data-large-file=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/carsten_hotel_01.jpg\" class=\"size-medium wp-image-1091\" title=\"Luxushotel bei Shanghai aus zuf\u00e4llig anderer Perspektive\" src=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/carsten_hotel_01.jpg\" alt=\"Luxushotel bei Shanghai aus zuf\u00e4llig anderer Perspektive\" width=\"507\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/carsten_hotel_01.jpg 507w, https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/carsten_hotel_01-300x150.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 507px) 85vw, 507px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1091\" class=\"wp-caption-text\">Ein Blickwinkel, der im Hotelprospekt sicherlich fehlt: Blick aus dem Bediensteten-Dorf Richtung Lusxusherberge. Foto: Carsten Schmidt<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ich traue mich und radle langsam zwischen dutzenden M\u00fcllbeuteln und Essensresten herum. Am Horizont taucht im Dunst ein graues, gigantisches Geb\u00e4ude auf, aber der Weg scheint davon weg zu f\u00fchren. Verflucht, es ist wie in Kafkas Romanen: Da will einer zum Schlo\u00df und kommt nicht hin. Von gestern stehen noch viele Pf\u00fctzen auf dem Weg. Dann sehe ich links mit Entengr\u00fctze bes\u00e4te Jauchegr\u00e4ben vor windschiefen Papph\u00fctten. Die Gr\u00e4ben sind mit Spanplatten \u00fcberbr\u00fcckt. Eine Frau mit wettergegerbtem Gesicht taucht mit einem gelben Hund auf und bietet mir rostbraune Orangen an. Ich sch\u00fcttele den Kopf und fahre langsam weiter. Eine gro\u00dfe Pf\u00fctze muss ich sehr langsam durchfahren. Mitten drin hakt das Rad in einen tiefen Spalt und ich purzele sehr un-olympisch vom Ein-Meter-Brett. Als ich halb nass knie, sehe ich aus der neuen Perspektive weitere M\u00fcllberge, H\u00fctten und im Hintergrund das beeindruckende Hotel. Dies ist das Viertel der Bediensteten G\u00e4rtner, Kellner und Pagen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1092\" aria-describedby=\"caption-attachment-1092\" style=\"width: 519px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/carsten_hotel_02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1092\" data-permalink=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/2008\/10\/11\/die-funf-sterne-pfutze\/carsten_hotel_02\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/carsten_hotel_02.jpg\" data-orig-size=\"519,363\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;3.1&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;uD600,S600&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1223594978&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;5.8&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;64&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.00625&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}\" data-image-title=\"Das Hotel liegt hinter Bergen&amp;#8230;\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Im Hotel arbeiten ein Haufen Leute, die wiederum einen Haufen M\u00fcll machen, der wiederum im Dorf gesammelt wird, wo er wiederum f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit liegen bleibt. 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Foto: Carsten Schmidt<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Hinterhof des Reichtums, das R\u00fcckgrat des Wohlstandes. Morgendliches Treiben um mich. Kellnerinnen waschen ihre Sch\u00fcrzen, andere ziehen sich ihre Kochkleidung an und traben m\u00fcde in Richtung Hotel. Ich begebe mich f\u00fcr einige Zeit gern in ihre Perspektive, ihre Ebene, und schiebe dreckig das Rad aus dem Wasser. Ein verzwickter Trampelpfad f\u00fchrt durch eine Art Wald raus aus dem Bediensteten-Dorf und man steht pl\u00f6tzlich neben einem Wachh\u00e4uschen. Dann sieht man die halbrunde, k\u00f6nigliche Auffahrt des 5-Sterne-Hotels mit blitzeblanken Scheiben und kaminroten Teppichen vor der T\u00fcr. Ich fahre eine halbe Runde und sehe sich verbeugende Diener vor einer Limousine. Sie schauen mich unsicher an. Dann verbeugen sie sich auch vor mir, denn ich bin ein Ausl\u00e4nder und k\u00f6nnte ja ein Hotelgast sein, der eben nur verdammt dreckig ist. Ich radle wieder die Auffahrt hinunter. Der Trampelpfad, die H\u00fctten, die M\u00fcllberge, alles ist verschwunden und nicht auszumachen, wo ich gerade herauskam. Komisch. Ich nehme die edle, trockene Asphaltstra\u00dfe f\u00fcr den Heimweg.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><a title=\"Myspace-Seite von Carsten Schmidt\" href=\"http:\/\/www.myspace.com\/schmidtcarsten\">Carsten Schmidt<\/a>, Freund aus Rostocker Uni-Tagen, berichtet in dieser Rubrik \u00fcber seine Erlebnisse in Shanghai, wo er nun als Deutsch- und Englischlehrer arbeitet. Die Texte erscheinen auch bei <a title=\"Michael Fengler\" href=\"http:\/\/www.miescha.de\/\">miescha.de<\/a><br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schmidt in Shanghai: Ernste Probleme mit dem Visum, Suche nach einem Hotel und kein Huhn Mein Aufenthalt ist unsicher. Das Visum muss verl\u00e4ngert werden. 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