{"id":178,"date":"2006-04-23T08:24:34","date_gmt":"2006-04-23T07:24:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/?p=178"},"modified":"2006-08-04T17:54:12","modified_gmt":"2006-08-04T15:54:12","slug":"kuschel-muschel-kusch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/2006\/04\/23\/kuschel-muschel-kusch\/","title":{"rendered":"Kuschel-Muschel-Kusch"},"content":{"rendered":"<div class='__iawmlf-post-loop-links' style='display:none;' data-iawmlf-post-links='[{&quot;id&quot;:1159,&quot;href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.wayne-interessierts.com\\\/gangsta-styler.php?sideid=27&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;checks&quot;:[],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:null,&quot;process&quot;:&quot;done&quot;}]'><\/div>\n<p><strong>Es ist gute Sitte und sch\u00f6ner Brauch auf kohlhof.de, in der Rubrik &#8220;Musik des Tages&#8221; auf Kompositionen und Arrangements hinzuweisen, die dem Betreiber als besonders h\u00f6renswert erscheinen. Heute soll zum Wochenende von dieser bew\u00e4hrten Tradition eine Ausnahme gemacht werden. Deshalb:<\/strong><\/p>\n<p><em>Bina und Nina<\/em>: Das Monchichi-Lied (Kuschelmuschelkusch). (<a href=\"http:\/\/www.wayne-interessierts.com\/gangsta-styler.php?sideid=27\">Dort<\/a>  unten auf der Seite zu finden).\n<\/p>\n<p>Das 3:41-Werk gew\u00e4hrt einen Blick in den stinkenden Musik-Schlund der 80er, als die Plastikpuppen mit Kunstfilzfell und Nuckeldaumen Kinder und Jugendliche in West und Ost in extatische Verz\u00fcckung versetzt haben. Hier treten die Lutscher nun als Gesangspartner von Nina und Bina auf. Zweifellos handelt es sich bei den Namen der Interpretinnen wohl um Pseudonyme.<\/p>\n<p>Und wahrscheinlich werden sich die Damen, die sich dahinter verbergen, noch heute jeden Tag gegenseitig gratulieren, dass sie einst beschlossen haben, niemandem zu verraten, welcher Name in ihrem Pass steht &#8211; denn dieses Lied ist eine erstklassige biografische Achillesferse. Im Kern geht es darum, dass ein Rudel Daumenlutscher bei zwei jungen Frauen einf\u00e4llt und sich alle wenig sp\u00e4ter st\u00f6hnend in den Armen liegen. Der Auftakt einer wunderbaren Freundschaft oder doch nur ein f\u00fcr die l\u00fcsternen Medien 1981 inszenierter PR-Gag? Die Frage bleibt offen.<\/p>\n<p>Das Lied wartet mit Dialogen aus Sprechgesang und idyllischem Geleier auf. Ausschnitt:<\/p>\n<p>Nina und Bina: &#8220;Kommt herein ihr seid ja niedlich, was f\u00fchrt euch zu uns? Erstmal macht es euch gem\u00fctlich, habt ihr einen Wunsch?&#8221;<\/p>\n<p>[Im Hintergrund melodisches St\u00f6hnen]<\/p>\n<p>Monchichi-Rudel: &#8220;Wir sind von weit her gekommen und nun sind wir hier [Einwurf: Das stimmt]. Denn wir ham geh\u00f6rt, ihr beide schmust so gern wie wir.&#8221;<\/p>\n<p>Schon allein diese Passage verbl\u00fcfft in mehrfacher Hinsicht: Nur wenige Sekunden dauert es, bis die Monchichis das Vertrauen der M\u00e4dchen erlangt haben. Gro\u00dfe Knopfaugen, braunes Fell, rote Wangen, aufgemalte Sommersprossen reichen aus, um in die R\u00e4ume der jungen Frauen zu gelangen. Eduard Zimmermann w\u00fcrde an dieser Stelle wohl sagen: &#8220;Zu diesem Zeitpunkt ahnt wohl noch niemand, ob die vermeintlichen Kuscheltiere vielleicht durchtriebene, ruchlose, gewaltbereite Gangster sind, die mit ihrer Kindchenschema-Masche von Stadt zu Stadt ziehen um Menschen hinterr\u00fccks zu qu\u00e4len&#8221;. Diese Szene ist jedenfalls kein gutes Beispiel f\u00fcr die heranreifende Jugend, die vorm Plattenspieler lauscht und vor allzu unbefangenem Kontakt zu Fremden gewarnt werden sollte. Man liest ja so viel&#8230;<br \/>\nEbenso auff\u00e4llig: Die Monchichis haben nichts, aber auch gar nichts zu sagen. Sind sind von weit her gekommen und &#8211; das ist nun wirklich keine \u00dcberraschung, sondern zwangsl\u00e4ufig: wer irgendwo losgeht,  kommt woanders an &#8211; sind nun da. F\u00fcr die ganz Bl\u00f6den ruft aber noch jemand dazwischen, dass dieser Sachverhalt im Kern so richtig wiedergegeben wurde. Nach diesem Vorgepl\u00e4nkel kommen die Viecher sofort zur Sache: Es geht ums Schmusen. Nur das haben sie im Sinn.<\/p>\n<p>Erstaunlich bereitwillig und freigiebig gegen\u00fcber den weitgehend Fremden gehen die M\u00e4dchen darauf ein, indem sie froh mit einstimmen: &#8220;Kuschelmuschelkusch, kuschelkuschel muschel musch  (2x) &#8211; oh, wie wundersch\u00f6n&#8230; Oh wie kuschel-muschel-wundersch\u00f6n.&#8221;<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf und im Rausch der Gef\u00fchle oder auch als wehrlose Sklaven ihrer Hormone sind die Damen wohl zun\u00e4chst etwas zu aufdringlich und st\u00fcrmisch- die Monchichis jedenfalls bitten um Zur\u00fcckhaltung (&#8220;Nicht so doll!! &#8211; So ist&#8217;s toll&#8221;).<\/p>\n<p>Doch Nina und Bina geben nicht so schnell auf: &#8220;Jeder Mensch braucht irgendetwas, jemand, den er liebt.&#8221; Ganz nebenbei degradieren sie die Chichis zum &#8220;Irgenetwas&#8221;, zum Objekt. Zu Recht? Jedenfalls fragen die Monchichis auch noch doof nach: &#8220;Wieso?&#8221;. Die Antwort wird wohl jedem einleuchten: &#8220;Weil man, wenn man nur allein ist, ohne Freunde lebt.&#8221; Oder anders ausgedr\u00fcckt: Wenn niemand da ist, ist keiner da. Ach! Wieder eine Textzeile, die man h\u00e4tte sparen k\u00f6nnen. Mit rauchiger Kneipen- bzw. Hinterhofstimme signalisiert trotzdem ein Pelziger Zustimmung.<\/p>\n<p>Vorgebliche M\u00fcdigkeit \u00fcbermannt pl\u00f6tzlich die \u00dcberraschungsg\u00e4ste, die daraufhin ungeniert nach einem Nachtlager fragen. Man kennt sich zu diesem Zeitpunkt gerade mal 1 Minute und 45 Sekunden. Die Antwort beschr\u00e4nkt sich auf extatisches Gekuschel. Damit scheint die Sache geritzt. Abschlie\u00dfendes Gez\u00e4nk der Monchichis um Positionen und Utensilien werden eingerahmt vom hingehauchten, regelm\u00e4\u00dfigen Gest\u00f6hne der Gastgeberinnen.<\/p>\n<p>Messerscharf kombiniert ein Chichi  in einer der wenigen Kuschelpausen: &#8220;Die M\u00e4dchen sind zwei Zwillinge!&#8221; Ja, wieviele auch sonst, drei Zwillinge etwa? Seinen Abschluss findet das Werk im ausklingenden, eint\u00f6nigen Gesang der Chichis, der an den Refrain vom Lied der Schl\u00fcmpfe erinnert.<\/p>\n<p>Kaum zu glauben, dass das mal jemand gesungen hat. Kaumzu glauben, dass das mal jemand komponiert hat &#8211; und vor allem nicht zu glauben: Dass daf\u00fcr mal jemand Geld gezahlt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist gute Sitte und sch\u00f6ner Brauch auf kohlhof.de, in der Rubrik &#8220;Musik des Tages&#8221; auf Kompositionen und Arrangements hinzuweisen, die dem Betreiber als besonders h\u00f6renswert erscheinen. 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