{"id":1819,"date":"2009-04-27T18:18:11","date_gmt":"2009-04-27T16:18:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/?p=1819"},"modified":"2009-04-29T23:42:01","modified_gmt":"2009-04-29T21:42:01","slug":"rostock-vs-schwerin-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/2009\/04\/27\/rostock-vs-schwerin-iii\/","title":{"rendered":"Rostock vs. Schwerin III"},"content":{"rendered":"<div class='__iawmlf-post-loop-links' style='display:none;' data-iawmlf-post-links='[]'><\/div>\n<p>Heute: Musik in der Nachbarschaft.<\/p>\n<p>Es ist noch gar nicht lange her, da wackelte in Rostock die Wand. Und der Fu\u00dfboden bebte. Und die Stifte, die auf meinem Schreibtisch lagen, zitterten im Takt der Beats, die der Party in der WG unter meiner Wohnung ordentlich einheizten. Es war mittlerweile kurz nach 4 Uhr in der Nacht und ich sa\u00df ger\u00e4dert am Computer. Die Einweihungsparty meiner neuen Nachbarn zog sich hin, die Stimmung war ausgelassen &#8211; und die Musik ohrenbet\u00e4ubend laut. In dieser Nacht erfuhr ein ganzer Stadtteil, welche Energie zusammenkommt, wenn angehende Akademiker die entbehrungsreichen M\u00fchen des fordernden Studentendaseins f\u00fcr ein paar Stunden, also etwa elf, vergessen wollen.<\/p>\n<p>Jeder halbwegs vern\u00fcnftige Mensch wird mir zustimmen, dass man nur verbal in ein Wespennest stechen w\u00fcrde, wenn man versucht, eine derart aufgeheizte Menge zu forrtgeschrittener Stunde um Ruhe zu bitten. Au\u00dferdem fand ich das Get\u00f6se und die Wucht, die ein druckvoller Bass-Laustprecher heutzutage entwickeln kann, um durch Hausw\u00e4nde und Decken hindurch Gegenst\u00e4nde h\u00fcpfen zu lassen, auch in gewisser Weise faszinierend. Wenn ich am n\u00e4chsten Tag Fr\u00fchdienst gehabt h\u00e4tte, w\u00e4re ich aber wohl nicht so duldsam gewesen.<\/p>\n<p>Jedenfalls dachte ich aber auch, dass es nicht schlimmer kommen kann. Bis jetzt. Heute hatte ich Fr\u00fchdienst und suche in meiner Kemenate Ruhe und Erholung vom aufreibenden Alltag in einem Landesfunkhaus. Doch angenehme Leichtigkeit will sich nicht einstellen, weil irgendwo nebenan, ein paar H\u00e4suer weiter seit gef\u00fchlt drei Stunden irgendein Wahnsinniger auf einem Klavier oder Keyboard oder was auch immer f\u00fcr einem Folterinstrument nahezu pausenlos immer wieder dieselben Tonfolgen repetiert.<!--more--><\/p>\n<p>Es klingt wie Finger\u00fcbungen &#8211; allein f\u00fcr die Ohren des Musikers oder der Musikerin gedacht. Aber es ist lau in Schwerin und deshalb klimpern die Et\u00fcden nun so von Haus zu Haus durch offene Fenster &#8211; und selbst durch geschlossene sind sie noch zu h\u00f6ren, wenn man durch stundenlanges Wiederholen nur ganz genau darauf getrimmt wurde, auf welche akustischen Abscheulichkeiten man beim besten Willen nicht achten will. Dimm, damm-damm-damm, dimm-dimm damm. Kling klang klong-klong &#8211; klong klingderlingdamm-damm. Manchmal auch -ding-ding-klong am Ende. Es ist einfach nicht sch\u00f6n &#8211; leise zwar, hintergr\u00fcndig, aber leider auch einfach durchdringend eint\u00f6nig.\u00a0 Es sind eben auch mal leise T\u00f6ne, die einen an den Rand des Wahnsinns treiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber eine letzte Hoffnung gibt es noch. Nach der epochalen Feier in Rostock im Stockwerk unter mir standen zwei Drittel der Wohngemeinschaft wenig sp\u00e4ter mit selbstgebackenem Kuchen vor der T\u00fcr um folgende Botschaften zu \u00fcberbringen:<\/p>\n<p>a) das alles, also der L\u00e4rm und so (und auch die Sauerei im Treppenhaus), das alles wecke Scham und Bedauern.<\/p>\n<p>b) ich d\u00fcrfe mir nun zwei Kuchenst\u00fccke nehmen und solle bitte nicht b\u00f6se sein. (B\u00f6se war ich gar nicht, schlie\u00dflich habe ich ja auch selbst mal G\u00e4ste. Oder h\u00f6re laut Musik. Nun ja.)<\/p>\n<p>c) Au\u00dferdem habe man beschlossen, dem nicht anwesenden dritten Drittel der Wohngemeinschaft die Chance zu geben, sich wohnungstechnisch weiter zu verbessern und seiner Suche nach einer neuen Adresse keinesfalls im Wege stehen zu wollen. Schlie\u00dflich sei ein gro\u00dfer Teil des akustischen Unheils mit der Urheberschaft dieses vermeintlichen Tunichtguts direkt verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Ich war endg\u00fcltig bes\u00e4nftigt. Gemessen daran erwarte ich vom Schweriner Pianomann irgendwo nebenan nun vergleichbare, aber angemessene Reaktionen:<\/p>\n<p>a) Aufrichtiges Bedauern und Sch\u00e4men in Form eines Gutscheins f\u00fcr zwei Personen f\u00fcr ein \u00fcppiges Men\u00fc in einem angesehenen Restaurant der Stadt, in dem die Tische mit wei\u00dfem Tuch bedeckt, die Bestecke blank gewienert, die Karte wohlsortiert sind und wo das Personal in K\u00fcche und im Kundenkontakt nicht erst von einem dieser TV-Restaurant-Ersthelfer aufw\u00e4ndig gecoacht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>b) Die eidesstattliche, schriftliche Versicherung, dass man noch in dieser Woche s\u00e4mtliche im eigenen Haushalt vorhandenen Tasteninstrumente fachm\u00e4nnisch mit einer Axt zerlegt, das Holz verbrennt, das Metall dem Recyclingkreislauf zuf\u00fchrt und aus den Tasten Manschetten- und Hemdenkn\u00f6pfe fertigt.<\/p>\n<p>c) Ein schriftliches, eigenh\u00e4ndig unterschriebenes Versprechen, ans andere Ende der Stadt zu ziehen, sofern a) und b) nicht erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Alles Weitere k\u00f6nnen wir dann ja per Mail besprechen. Oder um hier mal einen Begriff aus einer meiner Lieblings-Comicserien von damals (Clever&amp;Smart) zu zitieren: &#8220;Grmblfjx!&#8221;<\/p>\n<p>Angesichts des L\u00e4rms und der noch ausstehenden Entsch\u00e4digung ger\u00e4t im hier ausgetragenen, <a title=\"Vergleich Nummer 2\" href=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/2009\/04\/21\/rostock-vs-schwerin-ii\/\">vollkommen subjektiven<\/a> <a title=\"Vergleich Nummer 1\" href=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/2009\/04\/05\/rostock-vs-schwerin\/\">St\u00e4dte-Vergleich <\/a>Schwerin gegen\u00fcber Rostock ins Hintertreffen:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Rostock : Schwerin &#8211; 2:1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute: Musik in der Nachbarschaft. Es ist noch gar nicht lange her, da wackelte in Rostock die Wand. Und der Fu\u00dfboden bebte. Und die Stifte, die auf meinem Schreibtisch lagen, zitterten im Takt der Beats, die der Party in der WG unter meiner Wohnung ordentlich einheizten. 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