{"id":2542,"date":"2010-01-06T20:14:56","date_gmt":"2010-01-06T19:14:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/?p=2542"},"modified":"2010-01-06T20:16:14","modified_gmt":"2010-01-06T19:16:14","slug":"stick-matisiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/2010\/01\/06\/stick-matisiert\/","title":{"rendered":"Stick-matisiert"},"content":{"rendered":"<div class='__iawmlf-post-loop-links' style='display:none;' data-iawmlf-post-links='[]'><\/div>\n<p>&#8220;Wo ist eigentlich mein USB-Stick?&#8221; fragte die Buchh\u00e4ndlerin meines besonderen Vertrauens vor einigen Tagen und f\u00fcgte klagend hinzu: &#8220;Ich habe schon \u00fcberall gesucht!&#8221; Dazu muss man wissen, dass der Speicherstift zuletzt an meinem Rechner gesehen wurde, als wir gerade eine Hausarbeit darauf speicherten. Dann gab es noch eine kurze Sichtung am Kassentresen im Buchladen. Seitdem fehlte von dem kleinen, schwarzen Riegel jede Spur. Damals hatte ich den Stick seiner Eigent\u00fcmerin zur\u00fcckgegeben, als ich sie kurz mitten im Verkaufstrubel aufgesucht hatte.<\/p>\n<p>&#8220;Ich habe schon alle Rucks\u00e4che durchw\u00fchlt. Und Taschen. Und Jacken. Und Jackentaschen!&#8221;, z\u00e4hlte die Buchh\u00e4ndlerin auf.\u00a0 Selbstverst\u00e4ndlich habe ich keinen blassen Schimmer, wo Buchh\u00e4ndlerinnen, und ganz besonders diese, ihre Speichermedien so zu verwahren pflegen. Ich ahnte allerdings, dass es daf\u00fcr &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; nur eine h\u00f6chst unpraktische Systematik gibt. Wir arbeiten seit Jahren an einem ganz \u00e4hnlichen Problem mit Haust\u00fcr- und Wohnungsschl\u00fcsseln&#8230; Sie verstehen.<\/p>\n<p>So sagte ich also, einfach nur, weil mir nichts besseres einfiel: &#8220;Und hast du auch in dem kleinen Lederrucksack nachgesehen, den du manchmal benutzt?&#8221; &#8211; &#8220;Also da ist der USB-Stick nun wirklich ganz bestimmt nicht drin&#8221;, gab man mir barsch zur\u00fcck. An dieser Stelle ist klar, wie die Geschichte ausgeht. Ich m\u00f6chte trotzdem noch ein bisschen weiter erz\u00e4hlen, weil dies eine wunderbare M\u00f6glichkeit ist, meinen wenn auch sp\u00e4ten Triumph auszukosten.<!--more--><\/p>\n<p>&#8220;Wann soll ich ihn denn da reingetan haben?&#8221;, fragte mich die Buchh\u00e4ndlerin des besonderen Vertrauens in einem Tonfall, den ich als giftgr\u00fcn umschreiben m\u00f6chte. W\u00e4re diese Frage ein Lebensmittel jenseits des Mindesthaltbarkeitsdatums gewesen, so h\u00e4tte sie zwar nicht zum Tode, aber wohl doch zu qu\u00e4lendem Bauchgrimmen gef\u00fchrt. &#8220;Warum soll er denn da nicht sein?&#8221; war alles, was mir als Antwort einfiel. Schlie\u00dflich w\u00fcrde es ja h\u00f6chstens zehn Sekunden dauern, meine Theorie zu veri- oder falsifizieren. W\u00e4re dieser Dialog nicht am Telefon verlaufen, h\u00e4tte ich nat\u00fcrlich sofort selbst an der Garderobe mit bebenden Fingern hastig den Lederrucksack\u00a0 aufgefummelt, w\u00e4re mit der ganze Hand hineingefahren und h\u00e4tte wenig sp\u00e4ter in Siegerpose den Stick am ausgestreckten Arm ins kalte Licht der Flurbeleuchtung emporgerissen &#8211; umgl\u00e4nzt von einer Aura des bescheidenen Siegers, angehimmelt von der Buchh\u00e4ndlerin, weil ich USB-Stick-Probleme so herrlich schnell und zielgerichtet l\u00f6sen kann.<\/p>\n<p>&#8220;Was musst du mir den Stick auch ausgerechnet im Laden wiedergeben. Ne unpasssendere Gelegenheit gibts ja wohl auch nicht&#8221;, schimpfte mich stattdessen die Telefonmuschel und sie klang dabei wie die aufgebrachte Stimme meiner Buchh\u00e4ndlerin. &#8220;Echt jetzt!&#8221; Setzte es noch nach. Damit war klar, dass ich verantwortlich war f\u00fcr das Verschwinden eines USB-Sticks, der sich zum Zeitpunkt seines Verschwindens gar nicht mehr in meiner Verf\u00fcgungsgewalt befunden hatte. Eine paradoxe Situation, wenn man bedenkt, dass ich zum Zeitpunkt der Anklage schon ahnte, wo sich das fragliche Ger\u00e4t befindet und man mir einfach nicht glauben wollte. So aus Prinzip. Weil nicht sein kann, was, nicht sein darf. So! (An dieser Stelle sehe ich die Buchh\u00e4nderlin geradezu vor mir, wie sie die Arme verschr\u00e4nkt, einmal energisch nickt und dann das Kinn keck nach oben reckt und die Stirn in Falten legt.)<\/p>\n<p>Das wird so etwa vor einer Woche gewesen sein. Nun trug es sich zu, dass sich die Wogen l\u00e4ngst gegl\u00e4ttet hatten, aber ich hatte nun also auch noch einen USB-Stick auf dem Kerbholz. Soeben sprachen wir &#8211; wieder am Telefon &#8211; noch einmal \u00fcber das mysteri\u00f6se Verschwinden des Datentr\u00e4gers.\u00a0 &#8220;Hast Du denn schon in dem kleinen Rucksack&#8230;?&#8221;, hob ich an. &#8220;Was soll das?&#8221;, wurde ich unterbrochen. &#8220;Schau doch einfach mal nach&#8221;, sagte ich tapfer. &#8220;Es k\u00f6nnte doch &#8211; aus Gr\u00fcnden, die sich uns beiden nicht erschlie\u00dfen &#8211; durchaus m\u00f6glich sein, dass dein USB-Stick im Lederrucksack steckt. Ebenso k\u00f6nnte es sein, dass er dort nicht liegt. Aber schau doch einfach mal nach.&#8221;<\/p>\n<p>Jedenfalls hat sie dann nachgesehen und gelacht. Immer nur gelacht. Und mich dann gefragt, wann ich denn den USB-Stick da nun reingesteckt habe, in ihren Lederrucksack. Hatte ich ja gar nicht. Ich wei\u00df es wirklich nicht &#8211; ich bin mir blo\u00df sehr sicher, dass ich es nicht war, der den Riegel in den Rucksack gesteckt hat. Der Anklagepunkt wurde aus Mangel an Beweisen dann auch nach wenigen Sekunden fallen gelassen. Ich warte nun auf die n\u00e4chste Runde: Warum ich nicht fr\u00fcher energischer darauf bestanden habe, dass die Buchh\u00e4ndlerin meines wirklich ganz speziellen Vertrauens endlich mal in diesem dusseligen Lederbeutel nachsieht&#8230;.<\/p>\n<p>Wir sind jetzt jedenfalls beide stick-matisiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Wo ist eigentlich mein USB-Stick?&#8221; fragte die Buchh\u00e4ndlerin meines besonderen Vertrauens vor einigen Tagen und f\u00fcgte klagend hinzu: &#8220;Ich habe schon \u00fcberall gesucht!&#8221; Dazu muss man wissen, dass der Speicherstift zuletzt an meinem Rechner gesehen wurde, als wir gerade eine Hausarbeit darauf speicherten. Dann gab es noch eine kurze Sichtung am Kassentresen im Buchladen. 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