{"id":2802,"date":"2010-04-13T23:38:59","date_gmt":"2010-04-13T22:38:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/?p=2802"},"modified":"2010-04-13T23:40:10","modified_gmt":"2010-04-13T22:40:10","slug":"rostocker-polizeiruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/2010\/04\/13\/rostocker-polizeiruf\/","title":{"rendered":"Rostocker Polizeiruf"},"content":{"rendered":"<div class='__iawmlf-post-loop-links' style='display:none;' data-iawmlf-post-links='[]'><\/div>\n<p>Heute Abend war Vorpremiere f\u00fcr den neuen Teil der ARD-Krimi-Reihe &#8220;Polizeiruf 110&#8221;. Die Endlosserie hat nun ja auch ein Rostocker Ermittler-Duo, das in der erste Folge den Mord an zwei M\u00e4dchen aufkl\u00e4ren muss. Der Film wurde heute Abend im Capitol auf der ganz gro\u00dfen Leinwand gezeigt. Nach dem Abspann gabs vom Rostocker Premierenpublikum k\u00e4rftigen, aber kurzen Applaus. Zwischendurch gabs immer wieder anerkennendes Raunen, zum Beispiel, als Hauptdarsteller Charly H\u00fcbner pl\u00f6tzlich flie\u00dfend Russisch sprach. Szenen-Applaus gabs auch f\u00fcr den Kollegen Ralf Markert, der in einer kleinen Rolle als Reporter am Leichen-Fundort sogar eineinhalb S\u00e4tze sagen durfte.<\/p>\n<p>Der Fall an sich ist ebenso brutal wie absto\u00dfend, vom neuen Ermittler-Team kann man sich aber auch in den n\u00e4chsten Folgen als auflockerndes Gegenst\u00fcck die n\u00f6tige Portion Situationskomik und auch ein bisschen Sarkasmus erhoffen, das hat in der ersten Rostocker Folge schon gut funktioniert. Getuschel im Publikum gabs nat\u00fcrlich auch immer dann, wenn Rostock als Kulisse zu erkennen war. So zeigt der Vorspann viele bunte Ecken in Rostock: Nicht nur die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, ein Drachenbootteam der Uni und Schiffe im Hafen, sondern auch ein Anti-Nazi-Plakat, welches vermutlich in der KTV gefilmt wurde.<!--more--><\/p>\n<p>Der Film thematisiert auch die Gehlsdorf-Innenstadt-Problematik: Man muss n\u00e4mlich einen riesigen Umweg in Kauf nehmen, um vom einen Warnos-Ufer zum anderen zu gelangen. Deshalb sieht man Hauptdarsteller Charly H\u00fcbner gleich mehrfach verbissen hinterm Lenkrad sitzend um durch den Stadthafen kurven (auch wenn er dabei einmal in die falsche Richtung rollt &#8211; aber f\u00fcr die Filmdramatik wars bestimmt vorteilhafter, das so zu drehen und nicht anders).<\/p>\n<p>Der Film zeigt nat\u00fcrlich auch weniger attraktive Ecken von Rostock. Schlie\u00dflich stammen die Opfer im Film aus Evershagen &#8211; und auch die T\u00e4ter sind dort zu vermuten. Deshalb bilden auch die Innenh\u00f6fe riesiger Plattenbauten oft den Hintergrund. Die erste Folge des Rostocker Polizeirufs stellt die Stadt, was die Bildauswahl angeht, ausgewogen dar. Was die Handlung angeht, k\u00f6nnte die so auch in jeder anderen Stadt spielen. Mit anderen Worten: Rostock kommt gut weg.<\/p>\n<p>Aber w\u00e4hrend ich so im Kinosessel sa\u00df und den teilweise sehr schnellen Schnitten zwischen diversen Handkamera-Aufnahmen folgte, fiel mir ein grunds\u00e4tzliches Ph\u00e4nomen auf, das in vielen Spielfilmen zu finden ist. Es ist wahrscheinlich meine berufsbedingte Binnensicht, aber ist ihnen schon mal aufgefallen, wie seltsam in vielen Filmen Radiomoderatoren und Fernsehreporter klingen und wie komisch Zeitungs-Titelseiten aussehen? Da achten die Leute vom Film auf so viele Details: Auf die richtigen Kennzeichen an den Autos, dass die Uhren immer die passenden Zeiten anzeigen, K\u00f6rperhaltungen trotz drei Tagen Drehpause immernoch nahtlos und ohne Unterschied ineinander \u00fcberblendet werden k\u00f6nnen &#8211; aber um die Stimmen aus Radio und TV macht sich offenbar niemand Gedanken &#8211; oder jedenfalls nicht die richtigen.<\/p>\n<p>Wenn im Fernseher in der Polizeizentrale wie zuf\u00e4llig ein Bericht \u00fcber das grausige Verbrechen l\u00e4uft, dann klingt das in der Regel so, als habe der Film-Reporter gerade erst sprechen gelernt: unbedarft, ungelenk betont, leise, zaghaft. Und dann spricht er auch noch S\u00e4tze wie dieses exemplarische Beispiel: &#8220;Zu einem schrecklichen Verbrechen kam es gestern blablabla.&#8221; So redet man vielleicht auf tv-rostock, alle anderen echten Sender formulieren da lieber genauer auf den Punkt. So vielleicht: &#8220;Die Polizei hat noch keine hei\u00dfe Spur vom M\u00f6rder der 13-j\u00e4hrigen Anna aus Evershagen. Ein Spazierg\u00e4nger hatte die Leiche des M\u00e4dchens heute\u00a0 Morgen auf dem stillgelegten Werftgel\u00e4nde in Warnem\u00fcnde gefunden&#8230;.&#8221;<\/p>\n<p>Und dann die Stimmen aus dem Radio. Wenn Ermittler das Autoradio anschalten oder in irgendwelchen Familienserien das K\u00fcchenradio qu\u00e4kt, dann sind das nie echte Sendungsmitschnitte (oder es sind Ausschnitte aus grauer Radiovorzeit). &#8220;Es ist ein wundersch\u00f6ner Morgen um kurz nach 7. Hier ist Radio Rostock.&#8221; Es gibt interessantere Moderationen, nun gut. Aber die Stimme wiederum ist sonst garantiert nie im Radio zu h\u00f6ren. Eben unbedarft, ungelenk betont, leise, zaghaft.<\/p>\n<p>Dazu passt dann leider auch die Titelseite der lokalen Tageszeitung im Film. Im Rostocker Polizeiruf ist an einigen Stellen die Ostseezeitung zu sehen. Der Titelkopf stimmt, es sieht also ein bisschen so aus wie das Original. Aber der Rest sieht aus wie zusammengeklaubt mit der Data-Becker-Hochzeitszeitungsdruckerei. Seltsame Schriftarten und -schnitte sowie Umbr\u00fcche, Trennstriche in \u00dcberschriften.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, ich wei\u00df, das sind winzige Details. Die Filme funktionieren auch so. Ist ja nur ne Anregung. Ich frage mich allerdings, was wohl \u00c4rzte und andere Berufsgruppen so dar\u00fcber denken, was ihre Film-Pendants den lieben langen Fernsehabend von sich geben. Die Juristin an meiner Seite jedenfalls wusste vom Kinosessel aus schon mal anzumerken, dass &#8220;vors\u00e4tzlicher Mord&#8221; doppeltgemoppelt ist. Vorsatz sei ein Mordmerkmal, dannw\u00fcrde das auch niemand noch einmal dazusagen&#8230; Aber wir haben ja auch einen fiktionalen Film gesehen. Und keine Dokumentation.<\/p>\n<p>5 von 5 Kohlhof.de-Sternen f\u00fcr die erste Folge des Rostocker Polizeirufs, die es am Sonntag, 18. April, ab 20:15 Uhr im Ersten zu sehen geben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">PS: Das ist dann \u00fcbrigens auch ein Punkt f\u00fcr Rostock im knallharten St\u00e4dtevergleich. Schwerin hat sein Ermittlerteam l\u00e4ngst verloren. Und L\u00fcbeck hatte jahrelang &#8220;Freunde f\u00fcrs Leben&#8221; (kann also froh sein, keinen Punktabzug zu bekommen).<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Rostock : Schwerin &#8211; 3 : 6<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute Abend war Vorpremiere f\u00fcr den neuen Teil der ARD-Krimi-Reihe &#8220;Polizeiruf 110&#8221;. Die Endlosserie hat nun ja auch ein Rostocker Ermittler-Duo, das in der erste Folge den Mord an zwei M\u00e4dchen aufkl\u00e4ren muss. Der Film wurde heute Abend im Capitol auf der ganz gro\u00dfen Leinwand gezeigt. 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