{"id":418,"date":"2006-09-19T08:13:52","date_gmt":"2006-09-19T06:13:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/?p=418"},"modified":"2006-09-19T08:16:28","modified_gmt":"2006-09-19T06:16:28","slug":"bechersoziologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/2006\/09\/19\/bechersoziologie\/","title":{"rendered":"Bechersoziologie"},"content":{"rendered":"<div class='__iawmlf-post-loop-links' style='display:none;' data-iawmlf-post-links='[{&quot;id&quot;:1046,&quot;href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.wams.de\\\/data\\\/2006\\\/02\\\/05\\\/840058.html&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.welt.de\\\/data\\\/2006\\\/02\\\/05\\\/840058.html&quot;,&quot;checks&quot;:[],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:null,&quot;process&quot;:&quot;done&quot;},{&quot;id&quot;:1047,&quot;href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.ez-online.de\\\/lokal\\\/esslingen\\\/esslingen\\\/Artikel16280.cfm&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.esslinger-zeitung.de\\\/lokal\\\/esslingen\\\/esslingen\\\/Artikel16280.cfm&quot;,&quot;checks&quot;:[],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:null,&quot;process&quot;:&quot;done&quot;},{&quot;id&quot;:1048,&quot;href&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.charmingquark.de\\\/?p=1982&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.charmingquark.de\\\/?p=1982&quot;,&quot;checks&quot;:[],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:null,&quot;process&quot;:&quot;done&quot;}]'><\/div>\n<p>Sie ist gr\u00fcn in zwei T\u00f6nen, auf der anderen Seite aber auch schlumpfblau. Meine Tasse &#8211; wobei mir der Begriff Becher eher zusagt. In Tassen passen Pf\u00fctzen. Mit einem kr\u00e4ftigen Schluck aus einem echten Becher hingegen verd\u00fcnnen ebenso echte Kerle den Stress eines typischen harten Arbeitsalltags.<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/wp-content\/uploads\/2006\/09\/meinbecher.jpg\" alt=\"Mein Becher im Spannungsfeld\"\/><\/p>\n<p class=\"bu\">Mein Becher &#8211; im Spannungsfeld zwischen privater Tasse und \u00f6ffentlichem Arbeitsplatz.<\/p>\n<p>Mein Becher also ist ein Souvenir. Von R\u00fcgen, aus Bergen, aus dem Idea-Supermarkt. Beim <a href=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/?p=108\">Vogelgrippeeinsatz<\/a> brauchte ich schlicht ein Trinkgef\u00e4\u00df f\u00fcr die hei\u00dfe Pl\u00f6rre aus meiner Thermoskanne, weil ich in der allgemeinen Hektik beim Aufbruch Richtung Insel daran eben nicht gedacht hatte. Der Becher hat genau einen Euro gekostet.<br \/>\nSeit Februar verbinde ich liebevolle Erinnerungen damit: An tote Schw\u00e4ne, M\u00e4nner in Schutzanz\u00fcgen, Peter Kl\u00f6ppel, der mit nem Hubschrauber eingefolgen wird, Desinfektionskommandos der Bundeswehr, Live-Gespr\u00e4che mit dem rbb \u00fcber die Herkunft eines Habichts und an geschmacklich f\u00fcrchterliche Sojamilch aus dem Tetrapack, die ich in der allgemeinen Becher-Euphorie dereinst gleich literweise mit einkaufte.<br \/>\nDieser gr\u00fcn-blaue Becher war mir auch im Fr\u00fchjahr wegen dieser einzigartigen Memoiren-Kombination und nicht zuletzt auch wegen seiner gr\u00fcn-blauen Optik ein lieber Freund, ein treuer Begleiter in der eigenen K\u00fcche.<br \/>\nBis ich den Entschluss fasste, ihn mit in die Redaktion zu nehmen. Dort sollte er mir ein Anker zum dran Festhalten sein in der wogenden B\u00fcrohektik im zuweilen recht aufreibenden Redaktionsalltag. Das ging ein paar Tage gut. Dann war er weg.<br \/>\nAuf dem Schreibtisch einer Kollegin tauchte er wieder auf. Jeden Tag. Ich beobachtete das ganz genau, gab mich aber gelassen. Ich trank eben aus anderen Tassen, die ich im K\u00fcchenschrank fand: Aus dem Bahn-Becher (bei dem ich das Gef\u00fchl hatte, dass der Tee darin immer erst ein bisschen sp\u00e4ter durchgezogen ist), aus dem Humpen von der Schule f\u00fcr Rundfunktechnik mit verwaschenem Aufdruck oder dem Erinnerungsst\u00fcck vom Rostocker Weihnachtsmarkt 2002, auf dem ein pummeliger Nikolaus mit einer Sternschnuppe jongliert wie sonst nur der gro\u00dfe Diktator mit der aufblasbaren Weltenkugel.<br \/>\nUnd dann habe ich doch mal nachgefragt bei der Kollegin, wie sehr ihr denn mein Becher gef\u00e4llt (ich vermied allerdings das &#8220;mein&#8221; zun\u00e4chst. Ich wollte objektive Meinungen h\u00f6ren. Und ich hatte mich schon damit abgefunden, dass er nun jemand anderem geh\u00f6rt. Hauptsache, es geht ihm gut.)<br \/>\nDiese Nachfrage m\u00fcndete in einer ausf\u00fchrlichen Debatte rund um Bedauern, Entschuldigung und Verst\u00e4ndnis und der Tatsache, dass der Becher nur Minuten sp\u00e4ter frisch gewaschen in meinem Postkorb lag. Obendrein \u00fcberreichte man mir mit nachsichtigen Worten einen Zeitungsartikel zum Thema. Ein Volkskundler von der Uni G\u00f6ttingen hat \u00fcber 2000 M\u00e4nner und Frauen befragt, ob und warum sie im B\u00fcro oder in der Werkstatt eine eigene Tasse haben. Und siehe da: &#8220;In jeder Tasse spiegelt sich ein St\u00fcck der Welt&#8221;, hei\u00dft es in dem Text. Und weiter, im vorletzten Absatz:<\/p>\n<blockquote><p>Im Spannungsfeld zwischen privater Tasse und \u00f6ffentlichem Arbeitsplatz wird der eigene Becher somit &#8220;zur R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeit in einer ansonsten fremdbestimmten Umbegung&#8221;. Die Tasse wird zum Ausdruck von Individualit\u00e4t in einer standardisierten Welt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Man hat ja auch sonst nix. Wie gut, dass ich nicht allein bin.<\/p>\n<blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.wams.de\/data\/2006\/02\/05\/840058.html\">Die Wams<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.ez-online.de\/lokal\/esslingen\/esslingen\/Artikel16280.cfm\">andere<\/a> haben sich schon dar\u00fcber ausgelassen.<br \/>\nAuch ne <a href=\"http:\/\/www.charmingquark.de\/?p=1982\">h\u00fcbsche Tasse<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie ist gr\u00fcn in zwei T\u00f6nen, auf der anderen Seite aber auch schlumpfblau. Meine Tasse &#8211; wobei mir der Begriff Becher eher zusagt. In Tassen passen Pf\u00fctzen. Mit einem kr\u00e4ftigen Schluck aus einem echten Becher hingegen verd\u00fcnnen ebenso echte Kerle den Stress eines typischen harten Arbeitsalltags. 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