{"id":448,"date":"2006-11-09T23:32:27","date_gmt":"2006-11-09T21:32:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/?p=448"},"modified":"2006-11-09T23:40:38","modified_gmt":"2006-11-09T21:40:38","slug":"lego-party","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/2006\/11\/09\/lego-party\/","title":{"rendered":"Lego-Party"},"content":{"rendered":"<div class='__iawmlf-post-loop-links' style='display:none;' data-iawmlf-post-links='[]'><\/div>\n<p>Es ist schon ein paar Tage her, dass ich beim Grillen eine seltsame Geschichte zu h\u00f6ren bekam und an deren Ende ich mal wieder &#8211; ohne es hier an eine zu gro\u00dfe Glocke h\u00e4ngen zu wollen &#8211; als Retter in der Not dastand. Wir sa\u00dfen gerade mit fetttriefenden Fingern in geselliger Runde, als ein gewisser Carsten einfach so ins Blaue hinein fragte, ob denn jemand Lego-Steine h\u00e4tte. Er hatte diese Frage wohl schon \u00f6fter bei \u00e4hnlichen Gelegenheiten gestellt. Jedenfalls machte er nicht den Eindruck, als w\u00fcrde er eine positive Antwort erwarten. Umso erstaunter war sein Gesichtsausdruck, als ich kundtat, dass ich schon im Besitz des einen oder anderen Steinchens w\u00e4re.<\/p>\n<p>Dann ging\u2019s los, Carsten erz\u00e4hlte eine fantastische Gesichte, die ich als \u201cMischung aus Star Wars und McGyver\u201d kategorisieren m\u00f6chte. Darin ging es um Computer-Lautsprecher, die so aussehen w\u00fcrden wie der Helm von Darth Vader (\u201dLuke, ich bin Dein Vater\u201d) und die er mit Hilfe traditioneller Spielzeugteile und ein bisschen handwerklichem Geschick (\u201dich bastel\u2019 da mal was\u201d) in ein Unikat zu verwandeln gedachte. Das alles habe den Zweck, seiner Freundin eine unglaubliche Freude zum Geburtstag zu machen &#8211; perfekt w\u00e4re es, wenn das Lichtschwert auch tats\u00e4chlich leuchten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Man muss derlei Geschichten nicht auf Anhieb verstehen, Hauptsache, man kann helfen. Ich jedenfalls hatte noch nicht durchschaut, was das alles mit Lego zu tun hat. Vor lauter Begeisterung &#8211; und weil er sich so unglaublich kurz vor dem Ziel w\u00e4hnte &#8211; fasste Lego-Carsten atemlos noch einmal die wesentlichen Punkte zusammen: \u201c\u00dcberraschung \u2026 bauen \u2026 Lego-M\u00e4nnchen, schwarz \u2026 Star Wars \u2026. Computer-Boxen \u2026 brauche einen Zweier, einen flachen, schwarz. \u2026 Stromleitung hindurch \u2026 Licht! \u2026 Lichtschwert!! \u2026. Auf Computer-Lautsprecher stellen \u2026 irre \u2026 Wahnsinn!\u201d<\/p>\n<p>An Grillfleisch dachte in diesem Moment wohl niemand mehr. W\u00e4hrend die W\u00fcrstchen auf dem gro\u00dfen Teller in der Mitte des Tisches langsam ausk\u00fchlten, der Salat sich in einem unbeobachteten Moment schon anschickte, ein bisschen vor sich hin zu welken und das Flaschenbier sein letztes Kohlens\u00e4urebl\u00e4schen aushauchte, blickten wir Carsten gebannt mit einer Mischung aus Faszination und Skepsis an. Er wiederum senkte den Blick &#8211; wenn man wie er solche Geschichten schon \u00f6fter erz\u00e4hlt hat, dann ist das wohl der Moment, in dem alle anderen f\u00fcr gew\u00f6hnlich in schallendes Gel\u00e4chter verfallen, abf\u00e4llige Handbewegungen machen und sich vielsagende Blicke zuwerfen.<\/p>\n<p>Das war mein Moment. \u201cJa, dann geh ich mal zum Auto und schau mal, was ich so f\u00fcr Steinchen da hab, nech\u201d, konnte ich sagen und stand auf. Schwupps, war ich es, den alle gebannt anstarrten, bevor sie sich abwechselnd vielsagende Blicke zuwarfen.<\/p>\n<p>Der Zufall wollte es, dass ich vor einigen Jahren meinem Patenkind mein eigenes Lego-Sammelsurium auf unbestimmte Zeit \u00fcberlassen hatte. Bevor ich nach Rostock gezogen bin, hatte ich fast mein gesamtes Spielzeug gespendet. Eine der Ausnahmen waren die Lego-Steine, eine ganze Waschmittel-Tonne voll. Einer der wertvollsten Sch\u00e4tze aus meiner Kindheit &#8211; und der war sozusagen beim Patenkind geparkt. Der Gute hatte zwischenzeitlich bessere Verwendung daf\u00fcr. Nun ist es aber so, dass er inzwischen dank spendierfreudiger Anverwandter selbst ein kleines Lego-Imperium aufgebaut hat und &#8211; kurz und gut &#8211; mein altes Zeug nicht mehr ben\u00f6tigt. Bei meinem letzten Besuch habe ich also meinen Lego-Kram wieder eingeladen. Keine zwei Wochen sp\u00e4ter &#8211; die in rotem Filz eingeschlagene Lego-Tonne stand immer noch in meinem Kofferraum &#8211; hatte ich es beruflich-terminlich sehr eilig, nach B\u00fctzow zu kommen. Nun ist die Strecke von Rostock aufs Dorf derart kurvig, dass ich pl\u00f6tzlich ein Geschepper hinter mir vernahm, als w\u00fcrde jemand ein riesiges Tablett mit Sektgl\u00e4sern auf einen Glastisch fallen lassen: Die Tonne war umgekippt. Wenig sp\u00e4ter sah man mich &#8211; nach getaner Arbeit &#8211; auf dem Parkplatz von B\u00fctzow hektisch Legosteine aus meinem Kofferraum zur\u00fcck in die Tone schaufeln. Bei n\u00e4chster Gelegenheit habe ich sie dann doch aus dem Auto in meine vier W\u00e4nde geschleppt. Aber einige Steine hatte ich wohl \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Und das sollte Carsten ein paar Tage sp\u00e4ter einen sch\u00f6nen Abend bescheren. Schon beim Ausladen der Grillutensilien waren mir ein paar bunte Kl\u00f6tze im Laderaum aufgefallen, \u00dcberreste des Spielzeug-Desasters in meinem Auto &#8211; und die klaubte ich nun zusammen, um sie Lego-Carsten unter die Nase zu halten. So in etwa stelle ich mir eine Tupper-Party vor: \u201cIch geh noch mal schnell zum Wagen, da habe ich noch ganz was Feines f\u00fcr sie\u201d &#8211; um wenig sp\u00e4ter mit seltsamen Kunststoffgebilden wieder in der T\u00fcr zu stehen. In diesem Fall mit: Einem roten quadratischen Vierer, dazu ein flacher roter Zweier, eine schwarze Polizeim\u00fctze und ein schwarzer Zweier, flach, mit einer Art Leiter dran, auch als K\u00fchlergrill zu verwenden. Carsten geriet in Verz\u00fcckung, hielt das kleine schwarze Artefakt gegen das Neonlicht der K\u00fcchenlampe, kniff die Augen zusammen, kratze sich am Kinn, wog das kleine Teil in seiner Hand als w\u00e4re es aus Blei &#8211; und vor seinem inneren Auge schien pl\u00f6tzlich alles einen Sinn zu ergeben: \u201cDas ist noch besser als ein normaler flacher Zweier\u201d, erkl\u00e4rte er. Wie viel ich denn daf\u00fcr haben wollte.<\/p>\n<p>Klar war: Das wird nicht billig. Allerdings waren mir die Weltmarktpreise f\u00fcr historische Lego-Steine nicht gel\u00e4ufig &#8211; und so stellte ich als Bedingung, dass ich nicht mehr verlangen w\u00fcrde als ein Foto von der fertigen Skulptur, zu deren Gelingen ich in entscheidendem Ma\u00dfe beigetragen habe. Und nun, verehrte Leser: Das Kunstwerk samt leuchtendem Lichtschwert. Das alles ist nur gelungen, weil mir eine Tonne mit Lego-Steinchen im Auto ausgekippt ist &#8211; ich bin sehr, sehr stolz.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Darth-Vader aus Lego 1\" src=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/wp-content\/uploads\/2006\/11\/darth01.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"bu\">Diese Kombination aus Computertechnik und Spielzeug sorgt in manchen Haushalten f\u00fcr Verz\u00fcckung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Darth-Vader aus Lego Detailansicht\" src=\"https:\/\/www.kohlhof.de\/kohlhof\/wp-content\/uploads\/2006\/11\/darth02.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"bu\">Da irgendwo steckt mein Lego-Steinchen drin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist schon ein paar Tage her, dass ich beim Grillen eine seltsame Geschichte zu h\u00f6ren bekam und an deren Ende ich mal wieder &#8211; ohne es hier an eine zu gro\u00dfe Glocke h\u00e4ngen zu wollen &#8211; als Retter in der Not dastand. 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