In manueller Handarbeit aufoktroyiert

In dieser Ausgabe wollen wir einen Blick in die bunte Welt der Pleonasmen wagen. Es geht dabei, um es einfach zu sagen, um doppelt gemoppelte Wortkonstruktionen oder -kombinationen. Der weiße Schimmel ist der Klassiker, aber es gibt noch viel mehr.

“Regnets draußen?” Nett gemeinte Frage, leider doof formuliert. Wie oft ist es mir schon passiert, dass ich mich durch ein Unwetter kämpfte, mich gegen schneidenden Wind und eiskalte Tropfen stemmte und schließlich doch noch mit letzter Mühe und Kraft – vollkommen durchnässt – mein Ziel erreichte. Und während vor der Tür weiter kindskopfgroße Regentropfen einschlugen, sich zu einem reißenden Strom vereinigten und in wahnsinnigem Tempo die Straße entlang spülten und alles mitrissen, was dort so an Unrat im Rinnstein lag, fragt drinnen jemand: “Regnets draußen?” – Ja, wo denn sonst? Im Bus? Im Abstellraum, unten im Erdgeschoss? Oder denkt hier etwa jemand, ich hätte in aller Eile auf dem Weg zur Arbeit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen versucht und mich deshalb erst angezogen um mich anschließend noch schnell unter die Dusche zu stellen.

Streng genommen ist so eine Frage auch ohne das unnötige “draußen” eine klatschende Ohrfeige ins feuchte Antlitz jedes Unwetter-Opfers. Da hat man also ein stattliches Rinnsal, in dem sich Kaulquappen und Goldfische vergnügt tummeln könnten, vom Eingang bis in den zweiten Stock gezogen, steht triefend und mit nassen Füßen endlich unter einem schützenden Dach, froh, wieder Luft zu bekommen, spuckt den letzten Liter Regenwasser aus Rachen und Lunge in weitem Bogen auf den Teppich, denkt gerade über Schirmpreise nach und muss dann auch noch allen Ernstes auf die Frage antworten: “Regnets?” Nein, die Sonne scheint, ich komm grad vom Strand. Alle sind gut gelaunt. Es ist wunderbar. Das Wasser ist einfach herrlich, ich habe Dir ein paar Liter mitgebracht. Hier ein freundlicher Hinweis an alle, die nicht in der Lage sind, zumindest ab und zu mal aus dem Fenster zu sehen: Wenn ihr in eure warmen, trockenen, kuscheligen vier Wänden einen Besucher trefft, der aussieht wie Kevin Costner in der alles entscheidenden Szene von Waterworld, fragt ihn lieber, ob er ein Handtuch haben möchte. Sollte die Pfütze, die ihn umgibt, nicht durch Regen verursacht worden sein, wird er es schon selbst erzählen (oder peinlich darüber schweigen). Aber bitte! Verkneift euch diesen Pleonasmus! Drinnen regnet es für gewöhnlich nicht!

Während Wetter und Witterung immer wieder mal Gegenstand belangloser Konversation sein können, dürfte das auf den bunten Bereich der Körperpflegemittel nicht unbedingt zutreffen. Falls doch einmal das Gespräch in diese unerwartete Richtung driften sollte, vermeiden Sie einfach “Haar-Shampoo” zu erwähnen. In der westlichen Hemisphäre sind Shampoos für Dickdarmzotten, Lungenflügel, Fingernägel und dergleichen nicht bekannt – es besteht nicht einmal ein Bedarf dafür. Ich kenne auch niemanden, der sich Shampoo an andere Stellen seines Körpers hinschmiert als auf den Kopf. Alles Freunden der regelmäßigen Reinigung von Auslegeware sei an dieser Stelle gesagt: Der Spaß mit Teppich-Shampoos sei euch gegönnt. In diesem Zusammenhang ist die spezielle Definition des Verwendungszwecks auch eher gerechtfertigt, auch wenn manche wohl lieber von Teppich-Schaum sprechen.

Womit wir einen großen Sprung vom Bad in die Küche machen, wo es gleich was zu essen gibt. Aufschnitt, serviert auf einem “Holzbrett”. Wir können es kurz machen: Ein Brett ist aus für gewöhnlich aus Holz, genau so, wie ein Riese im Allgemeinen groß ist und ein Zwerg klein, ein Greis alt und ein Kind jung. Sollte irgendwo ein Brett aus Kunststoff rumliegen, ist es entweder kein Brett, oder eben ein spezielles, ein Plastik-Brett.

Wenn ein passionierter Plastikschnitzer in wochenlanger Heimarbeit den Untersatz zurechtgeschnitten hat, dann ist das eine besondere Leistung, aber noch lange kein Grund, von manueller Handarbeit zu sprechen. Auch hier reicht ein Wort. Alles andere ist zumindest für Erbsenzähler unter den Grammatikfetischisten doppelt-gemoppelt. Und die warnen ja schon lange davor, sich doppelte Wörter oktroyieren zu lassen. Das reicht vollkommen.

Weitere Pleonasmen und Tautologien finden sich unter anderem hier.

Autor: Christian

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