Mehr Disney geht nicht

Das Schweriner Schloss leuchtet am Abend sehr eindrücklich lila. Sieht schön aus – und hat einen ernsten Hintergrund.

Der 17. November ist Welt-Frühgeborenen-Tag. Um darauf aufmerksam zu machen, leuchten viele Betreiber ihre Gebäude mit lila Licht an. An diesem Tag wollen die Initiatoren darauf hinweisen, dass zum Beispiel in Deutschland etwa jedes zehnte Kind früher geboren wird als es eigentlich erforderlich wäre. Damit sind Frühgeborene eine große Patienten-Gruppe, die nicht nur direkt nach der Geburt, sondern auch im weiteren Verlauf ihrer Entwicklung oft Risiken ausgesetzt sind und besonderer Betreuung, Zuwendung oder Behandlung bedürfen.

Auch in Pink oder Lila ein lohnendes Fotomotiv: Die Pfützen vor dem Schweriner Schloss.

An Abenden wie diesen ist der Sitz des Landtages ein besonders lohnendes Motiv. Das Licht, die Fassade, die beleuchteten Torbögen, das nasse Kopfsteinpflaster, die Pfützen am Straßenrand, die Physik spiegelnder Oberflächen… hach. Ach ja: der Mond auch noch. Man rechnet eigentlich damit, das jeden Moment irgend ein giggelnder Disney-Elf im perfekten Bogen über die Türmchen schwirrt, einen funkensprühenden Schweif an den Nachthimmel zaubert und dann ein Film beginnt.

So gesehen war das Schloss an diesem Dienstag ein besonders besonderer Hingucker. Immer wieder hielten Autos an, manche Wagen standen gar quer zur Zufahrt der Schlossbrücke – vermutlich, um zum Fotografieren bloß nicht auch noch aussteigen zu müssen.

Im fahlen Widerschein der lila Lampen krochen Fotografen jedweden Geschlechts über das funkelnasse Pflaster rund um die historische Fassade, um sowohl Mond und Monumente, als auch Licht und lila Wolken spektakulär festzuhalten.

Abblendlicht am Schloss.

Da wollte ich nicht fehlen. Dies ist meine Bilderausbeute.

Dwang.

Heute mal einen kleinen Umweg auf dem Weg zum Funkhaus eingelegt: Über Schwerins neueste Brücke. Sie verbindet zwei Halbinseln am Ostorfer See: Dwang und Krösnitz. Das Bauwerk ist Teil eines Radwegs im Süden der Landeshauptstadt. Echt schön. Auch echt teuer. Die ursprünglich veranschlagten 1,8 Millionen Euro haben sich im Laufe der Planungs- und Bauphase auf 3,6 Millionen Euro verdoppelt. Darin enthalten: ein schlängeliger Radweg im Zickzack an erhaltenswerten Bäumen am vom Schilf befreiten Dwang-Ufer entlang. Das ist zu teuer, findet der Bund der Steuerzahler. Die Brücke am Dwang hat darum ein eigenes Kapitel im Schwarzbuch bekommen, in dem der Verein jedes Jahr Fälle auflistet, die er für Steuerverschwendung hält. Begründung in diesem Fall: Ein anderer Uferweg, nur gut einen Kilometer länger, ganz in der Nähe, hätte doch auch weiterhin gereicht.

Geld verbrannt, nun gut. Aber was ist das denn bitte für ein Name: Dwang. Wenn man an den Stahlseilen der Brücke zupft, dann entsteht bestimmt dieses Geräusch: “Dwannnnng”.