We like to mauve it!!

Es hat schon gereicht, es nicht zu sagen, um eine endlose Diskussion über Farben vom Zaun zu brechen. Und das kam so: In der Mensa gibt es jetzt Zahlkarten, die das Rumgepule in verfilzten Studentenportemonnaies überflüssig machen sollen. Geld draufladen, an der Kasse ans Lesegerät halten, fertig. Schön. Die Karten für Studenten sind mit einem – nennen wir es mal grün – also mit einem grünen Streifen gekennzeichnet. Für Dozenten, Besucher und Großverdiener, die den vollen Preis zahlen, tragen die Karten einen – hier jetzt der Einfachheit halber mal – pink zu bezeichnenden Streifen.

Es ging am Mittagstisch nun also um den Nutzen dieser Karten, der allgemein anerkannt wurde. Einer Kommilitonin schräg gegenüber gab ich zu bedenken, dass der Streifen auf der Großverdiener-Karte auch ganz gut zu ihrem Oberteil passen würde. Mann, da hatte ich was gesagt. “Weil der Pullover ja auch so schön pink ist oder was?” wurde ich postwendend angegiftet. Auf pink hatte ich mich gar nicht festgelegt. Von einem reinen Pink hätte ich wohl auch nicht sprechen wollen, aber der Pullover war gewiss nicht grün, nicht blau, nicht gelb, sondern eben, na ja, in etwa so gefärbt wie der kleine Streifen auf meiner Mensa-Zahl-Karte. “Na ja”, stammelte ich ratlos. “Ist das denn nicht so eine Art Pi…” – “Das ist ‘Brombeer'”, wurde ich mit Nachdruck belehrt, und brombeerfarbene Wut-Schatten huschten über ihre Wangen.

“‘Brombeer’?”, fragte ich entgeistert und versuchte, meine Position mit knallharten Argumenten zu verbessern: “‘Brombeer’ ist doch eine Frucht und keine Farbe!” Damit hatte ich eine zweite Front eröffnet. “Tah! Männer und Farben!” musste ich mir nun direkt von gegenüber anhören. “Ja, Männer und Farben!” fiel mir nur als Erwiderung ein. Wäre Pink gerade die sensationelle Modefarbe, hätten wir diese Diskussion jetzt nicht, dachte ich, man hätte mich mit Komplimenten überhäuft, zum Kaffee eingeladen und schnell wieder über anderes geredet, träumte ich kurz vor mich hin.

Nun wollte es der Zufall, dass um uns herum an nahezu jedem Tisch irgendwelche Damen saßen, die – hätte man sie nebeneinander gestellt – ein wunderbares Spektrum aus Pinks und Lilas geboten hätten, einen Regenbogen von Violett bis Rosé sozusagen. “Aha, und dann ist das da wohl auch nicht Lila, oder was?” ging ich in die Offensive, zeigte mit der Gabel auf einen meiner Meinung nach lilanen Strickpulli und lehnte mich siegesgewiss zurück. “Nein, das ist Bordeaux!” Ja, klar. “Das ist Violett”, mischte sich eine Dritte ein. Jetzt war ich wieder dran, genauer gesagt eine dunkelrote Wildlederjacke mit einem Stich ins Blau: “Und das da? Na, naaa? Naaaaa?????” – “Pflaume”, war die ebenso prompte wie überraschende Antwort.

“Wenn das da Brombeer ist und die da hinten ne Pflaumen-Jacke anhat, welche Farben haben denn dann die Brombeeren und Pflaumen, die ich bislang gegessen habe?” war eine, wie ich finde, recht gute Frage vom Mann direkt neben uns. “Es geht hier doch um die Farbe, die entsteht, wenn man die Früchte auspresst und die Kleidungsstücke zum Färben hineinhält”, wurden wir belehrt. Was ist dann mit dem Farbton Apfel, dachte ich. Es gibt rote Äpfel, gelbe Äpfel, grüne Äpfel – und wenn man sie auspresst kommt, na ja, auch was Gelbes raus. Oder sind das dann Erdbeer-Äpfel, Zitronen-Äpfel und Bohnen-Äpfel? Und noch viel Schlimmer: Ist etwa der Li-La-Laune-Bär gar kein Li-La-Laune-Bär, sondern vielmehr ein Pfli-Pfla-Pflaume-Bär, obwohl er ja eigentlich ein bri-bra-brauner Bär ist? Meine Gedanken-Gewitter gipfelte in der Frage: “Und was ist dann Mauve?” In der sich nun anschließenden Pause hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, in dieser Debatte nicht auf verlorenem Posten zu stehen. Leise summte ich vor mich hin “I like to Mauve it, Mauve it, I like to Mauve ist, Mauve it, we like to – Mauve it!!”

“Das ist so ein helles Violett” – “Ein dunkles Rosa mit einem Hauch Lila” – “Rosé ist es jedenfalls nicht” – “Es ist eine Mischung aus Pink und Rot”, unkten die Damen und wurden sich nicht einig. Die Diskussion glitt wenig später ins Blaue ab.

Ich werde jedenfalls so schnell nicht wieder über Farben reden – obwohl es ja manchmal nicht mal hilft, sie nicht zu erwähnen…

PS: Wer nicht glauben will, wie viele verschiedene Farbtöne es gibt, darf sich gern die Übersicht der HKS-Farben für verschiedene Papiersorten oder auch die RAL-Farben für Verkehrsschilder ansehen oder was über Pantone-Farben lesen. Oder auch einige Webfarben studieren. Achten Sie auf die Farbnamen, vielen Dank. Seufz.

Autor: Christian

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2 Gedanken zu „We like to mauve it!!“

  1. Aber schön, dass Ihr mal darüber geredet habt ;-) Mit Frauen über Farben zu reden, da sehe ich Rot… Wie bei den Verkehrsampeln, wenn sie in meinem toten Winkel verschwinden.

    Bin seit heute ebenso im Besitz einer solch tollen Mensa-Card. Es geht wirklich blitzschnell an der Kasse. Nur schade, dass man an den Automaten nicht mehr (wie bei der Geldkarte) eine direkte Verbindung zum Girokonto hat & indirekt weiterhin auf Bargeld angewiesen ist…

    Schmecken tut es so oder so hervorragend. Unter http://www.mensadesjahres.de kann man für das Jahr 2006 erneut seine Stimme abgeben :-)

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