Straßenbahnunfall in Rostock

Die Schäden an der Straßenbahn machen die Wucht des Aufpralls deutlich.

Es war der pure Zufall. Geplant war ein kurzer Mittagsspaziergang rund um den Homeofficeblock. Ein Polizeibus sperrte da gerade den Goetheplatz in Rostock stadtauswärts ab. Jenseits der Bahnhofsbrücke flackerten gefühlt hunderte Blaulichter. Reporterneugier ließ mich besonders schnell schneller werden. Wenige Augenblicke später fand ich mich inmitten der Hektik nach einem großen Unfall wieder. Auf Höhe Platz der Freundschaft waren zwei Straßenbahnen zusammengestoßen. Die nächsten sechs Stunden verbrachte ich damit, online, bei NDR 1 Radio MV und im Nordmagazin über den Einsatz der Rettungskräfte, die Lage an der Unfallstelle und schließlich die Aufräumarbeiten zu berichten.

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“Wohoo!”

Was muss das für ein Gefühl sein, wenn einen der Sturm in die Höhe hievt, gut zehn Meter sogar, hoch über das tosende Wasser trägt und dann sanft wieder in die Brandung setzt? Jedenfalls hat man dann wohl das Bedürfnis, die Faust gen Himmel zu recken und laut “Wohooo!” zu rufen, während einen eine neue Böe weiter reißt zum nächsten Höhenflug. Für die vielen Kitesurfer in Warnemünde jedenfalls war das heute wohl der beste Tag des Jahres. Vielleicht auch, weil es so viele bewundernde Blicke vom Strand aus gab.

Kitesurfer in der Brandung vor Warnemünde
Kitesurfer in der Brandung vor Warnemünde

Kräftige Sturmböen, auflaufendes Hochwasser, rauschende Brandung und viele spazierende Zuschauer am Strand – im gleißenden Licht der Januar-Sonne über Warnemünde. Die bunten halbrunden Drachen der Surfer sieht man schon hoch am blauen Himmel, noch bevor man es über die Dünen geschafft hat. Auf dem Wasser herrscht regelrecht Gedränge. Surfer lassen sich vom Wind quer zum Strand ziehen, links, rechts, raus auf die See, zurück gen Strand, werfen mit ihren Boards gischtende Fontänen auf, während ein paar Meter weiter der nächste zum Höhenflug abhebt.

Die Ostsee hatte leichten Schaum von Seepflanzen angespült. Wie Milchschaum lag der dicke Flaum im Sand – und immer, wenn Sturmtief Nadia Lust hatte, pustete es so kräftig in den weißen Flausch, dass dicke Flocken landeinwärts purzelten, zwischen den Beinen und Füßen der hunderten Spaziergänger hindurch Richtung Dünen.

Weiße Schaumflocken am Strand von Warnemünde
Der Sturm hat auch ein wenig Algenschaum an den Strand gespült.

Dort bot sich ein ganz anderes Schauspiel. Das Winterwetter und vor allem der Sturm des Wochenendes hat mit dem feinen Sand gespielt und ihn zu hohen Wällen aufgetürmt, Berge fast schon, und hat glattgepustete Plateaus daneben geschüttet. Manche Strandzugänge sind fast unpassierbar.

Panoramaaufnahme eines Strandaufgangs von Warnemünde, links geht die Sonne hinter Dünen unter, auf dem Wasser sind viele bunte Kitesurfer-Drachen zu sehen, rechts steht das Hotel Neptun im Sonnenlicht.
Sturmtag in Warnemünde – irgendwie idyllisch

Ein paar Meter weiter sieht es aus, als kauerten die tapfersten Sandkörner hinter Muschelhälften, die im Sand stecken oder kleinen Steinchen. Wie die kleinsten Dünen der Welt scheinen sie Schutz vor dem grimmigen Wind zu suchen, um nicht auch noch Richtung Hotel Neptun mitgerissen zu werden. Ganz ähnliche Szenen werden sich in der Hochsaison hier auch wieder abspielen, dann aber in einem anderen Maßstab, wenn sich Touristen hinter ihren viel zu bunten Windfang-Zelten ducken.

Jedes Sandkorn, das kein Halten mehr kennt, fegt mit abermillionen weiterer Körnchen wie ein ferngesteuerter Nebel über Strand und Dünen. So stellt man sich einen ganz normalen Nachmittag auf einem Wüstenplaneten vor… ohne das ganze Wasser natürlich. Sie wissen, was ich meine.

Kite-Drachen über dem Strand von Warnemünde
Kite-Drachen über der Brandung von Warnemünde

Lübeck aus Lego: Mit Einhorn-Hörnern und Querbalken

Lübeck gibts jetzt auch als Lego-Bausatz.

337 Lego-Teile ergeben eine Silhouette. Das Europäische Hansemuseum in Lübeck zeigt derzeit eine Ausstellung, in der die Geschichte des mittelalterlichen Städtebundes mit Dioramen aus Klemmbausteinen dargestellt wird. Im Museums-Shop gibt es dazu passend: Die Lego-Skyline von Lübeck.

Heute Abend habe ich sie zusammengesetzt. Was für ein Spaß. Thore Michels aus Lübeck ist 17 und hat das Set entworfen. Dafür gibt es spezielle CAD-Software. Beeindruckend finde ich, dass es ihm gelungen ist, sogar die Querbalken zwischen den Türmen des Lübecker Doms nachzubilden. Die Herausforderung ist bei jedem Motiv, dass das Portfolio an Lego-Steinchen zwar sehr umfangreich, aber eben auch nicht unendlich ist. Und dann für winzige Querstreben die passenden Elemente zu kombinieren…. Re-spekt.

Im Interview mit den Steinchenhändlern von Flix-Brix erzählt der junge Lego-Designer, dass er es einfach mal versucht habe beim Hansemuseum, ob die nicht Interesse an so etwas hätten. Jedenfalls muss man sich dort inzwischen auf eine Warteliste setzen lassen, wenn man ein Set kaufen möchte (nun gut, das kann entweder ein Hinweis auf eine sehr kleine Auflage oder eine sehr große Nachfrage sein …. oder beides). Der Bausatz selbst ist kein Produkt von Lego selbst, sondern wird von Flix-Brix erstellt.

Die Lübecker Nachrichten waren schon bei Thore, der Norddeutsche Rundfunk auch. Im Beitrag im Schleswig-Holstein-Magazin erzählt er, dass auch die sieben Kirchtürme Lübecks eine besondere Herausforderung dargestellt hätten. Nun sind es Einhorn-Hörner, die Sankt Marien, Dom, Sankt Jakobi, Petri und Aegidien zieren.

Die Extra-Ausstellung “Hansesteinreich” im Europäischen Hansemuseum in Lübeck ist dort noch bis zum 24. Juli 2022 zu sehen.

Mehr Disney geht nicht

Das Schweriner Schloss leuchtet am Abend sehr eindrücklich lila. Sieht schön aus – und hat einen ernsten Hintergrund.

Der 17. November ist Welt-Frühgeborenen-Tag. Um darauf aufmerksam zu machen, leuchten viele Betreiber ihre Gebäude mit lila Licht an. An diesem Tag wollen die Initiatoren darauf hinweisen, dass zum Beispiel in Deutschland etwa jedes zehnte Kind früher geboren wird als es eigentlich erforderlich wäre. Damit sind Frühgeborene eine große Patienten-Gruppe, die nicht nur direkt nach der Geburt, sondern auch im weiteren Verlauf ihrer Entwicklung oft Risiken ausgesetzt sind und besonderer Betreuung, Zuwendung oder Behandlung bedürfen.

Auch in Pink oder Lila ein lohnendes Fotomotiv: Die Pfützen vor dem Schweriner Schloss.

An Abenden wie diesen ist der Sitz des Landtages ein besonders lohnendes Motiv. Das Licht, die Fassade, die beleuchteten Torbögen, das nasse Kopfsteinpflaster, die Pfützen am Straßenrand, die Physik spiegelnder Oberflächen… hach. Ach ja: der Mond auch noch. Man rechnet eigentlich damit, das jeden Moment irgend ein giggelnder Disney-Elf im perfekten Bogen über die Türmchen schwirrt, einen funkensprühenden Schweif an den Nachthimmel zaubert und dann ein Film beginnt.

So gesehen war das Schloss an diesem Dienstag ein besonders besonderer Hingucker. Immer wieder hielten Autos an, manche Wagen standen gar quer zur Zufahrt der Schlossbrücke – vermutlich, um zum Fotografieren bloß nicht auch noch aussteigen zu müssen.

Im fahlen Widerschein der lila Lampen krochen Fotografen jedweden Geschlechts über das funkelnasse Pflaster rund um die historische Fassade, um sowohl Mond und Monumente, als auch Licht und lila Wolken spektakulär festzuhalten.

Abblendlicht am Schloss.

Da wollte ich nicht fehlen. Dies ist meine Bilderausbeute.

Wal-Regen

Was man mit einem toten Wal machen sollte – und vor allem: was lieber nicht.

12. November. Ein ganz besonderer Tag in Oregon.

Es heißt zwar “Exploding-Whale-Day”, man hätte aber auch “Wie-sich-herausstellte-war-es-eine-blöde-Idee”-Tag als Titel wählen können. Am 12. November 1970 ging irgendwo an einem Strand im US-Bundesstaat Oregon ein toter Wal in die Luft. Gestern war wieder Happy-Exploding-Whale-Day, 51 Jahre nach dem großen Wal-Bumms.

Den toten Meeressäuger in die Luft zu jagen, war lange geplant: Der tonnenschwere Kadaver war zunächst eine Attraktion, mit fortschreitender Verwesung rückte aber der bestialische Gestank in den Mittelpunkt des Interesses. Damit kam die Frage auf, wie man den Riesenhaufen Fett, Muskeln, Knochen und Gedärm schnell und praktisch und ohne großes Aufhebens beseitigen könnte.

Es lässt sich nun auf die Schnelle nicht ermitteln, wer ursprünglich und warum derjenige ausgerechnet diese Idee hatte: Jedenfalls sollten es mehrere gigantische Klumpen Sprengstoff richten. Die Theorie: Mit ein bisschen Sprengstoff zerlegt man den Wal in appetitliche Happen für Möwen und Krabben. Sagen wir es so: Das hat in gewisser Weise auch geklappt. Allerdings in einem Ausmaß, den die zahlreichen Schaulustigen als stinkenden Wal-Regen in Erinnerung behalten haben dürften. Aber sehen Sie selbst.

Der brillanteste Satz in diesem 51 Jahre alten TV-Bericht ist der letzte. Sinngemäß formuliert der Reporter: “Soviel darf man wohl annehmen: Sollte jemals wieder ein toter Wal angespült werden, wissen die Verantwortlichen nun, was zu tun ist – und vor allem: was nicht.”