Geständnis unter Tränen

Die Meldung über einen Blumenkübel, den böse Buben im Schweriner Pfaffenteich versenkt haben, brachte in der Morgenkonferenz eine ganze Reihe von Geständnissen in Gang. Nach wild durchfeierter Nacht dummes Zeug zu veranstalten, scheint unabhängig von Biographien, sozialer Herkunft und Prägung, Einkommen, sexuellen Präferenzen, Wahlverhalten und Musikgeschmack gesellschaftlicher Konsens zu sein.

Auf dem Weg nach Hause früh morgens Mülltonnen umkippen – mit dieser “Beichte” begann das Massengeständnis. Viele der Anwesenden nickten wissend, mancher mit verklärtem Blick, als schwelge er in seligen Erinnerungen.

Und wer hat nicht schon mal ne Laterne ausgetreten? Also, bitte! Interessant wurde es, nachdem diese Bagatellfälle am Konferenztisch abgearbeitet waren. “Wir haben schon mal ne Boje geklaut”, gab mein Gegenüber nicht ohne Stolz zu. Ein bemerkenswerter Eingriff in den Schiffsverkehr, der wohl nur finanzielle Folgen für das zuständige Wasser- und Schiffahrtsamt hatte. Von Havarien auf Tümpeln, Bächen und Weihern in diesem Zusammenhang ist jedenfalls angeblich nichts bekannt geworden.

“Was ich mal gemacht habe”, fing dann die Kollegin am Kopfende an, “und das natürlich nicht alleine…” Sie machte eine Pause, rieb sich mit ihrem rechten Zeigefinger verlegen über die Nase und schaute sich um, als dürfe nach all den Jahren, die inzwischen vergangen sind, eigentlich immer noch niemand erfahren, was damals passiert ist in der Östlichen Altstadt – eines Morgens. Sie schlug die Augen nieder, sah dann wieder auf und gefasst in die Runde, grinste und gestand: “Wir haben… ich habe mal ein Kopfkissen geklaut, das aus einem Fenster hing.”

Erst sprachloses Entsetzen, vermischt mit einer gehörigen Portion Erstaunen über die Brutalität, Entschlossenheit und Unbarmherzigkeit des Verbrechens – und dann diese Blicke: “Also, das hätten wir ausgerechnet dir nun so gar nicht zugetraut”.

Ihre Erklärungsversuche zu Gelegenheit, Motiv, Opfer und Mitwisser gingen danach im allgemeinen Gejuchze unter. Was für ein Spaß – wir haben Tränen gelacht und natürlich fürs Protokoll festgehalten, dass derart schändliches Verhalten im höchsten Maße zu verurteilen ist.

Autor: Christian

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7 Gedanken zu „Geständnis unter Tränen“

  1. Bitte?? Also das hätte ich ja sonst so einigen Leuten zugetraut! – Und ich frage mich immer, in den frühen Morgenstunden über den Müll drübersteigend, der sich auf den Gehwegen der KTV verteilt, welche hirnlosen … denn so was machen…Und jetzt das!?? … ;)
    Und was sonst noch? Ich hatte auch mal was von Kühe-Umschubsen gehört.- Sollte aber keine Anregung sein! – Also macht das bitte, bitte nicht!!! Ich mag Kühe!!

  2. …die sind ja nicht echt. Wollte mich an dieser Stelle generell einmal gegen Tierquälerei und dummen Unfug aussprechen. Müll auf Gehwegen ist ecklig! Oder?
    Ist dir langweilig, Christian?? ;)

  3. Keinesfalls. Ich habe ja auch keine Mülltonnen umgestoßen. Dazu habe ich gar keine Zeit. Und selbst wenn, würd ich es nicht tun. Gerade erst am Wochenende haben irgendwelche Strategen die Gelben Tonnen vorm Haus umgeworfen. Mftlbrnfte, diese.

  4. Das hätte mich auch sehr verwundert! ;) Die Abkürzung kenne ich übrigens nicht … Ist das eine Art Emoticon?… :( – Klär´mich bitte auf…

  5. Mftlbrnft, der; -s; -e; (Aussprache: Miftelbrinft); beschönigende Umschreibung von Schimpfwörtern übelster Sorte, die dazu dienen soll, handfeste, justiziable Beleidigungen in eine vermeintlich charmante, aber vor allem nicht angreifbare Worthülse zu verpacken.
    Die erste Erwähnung findet der M. in einer Folge der TV-Serie “Liebling Kreuzberg”, in der die Hauptperson nur mit Mühe verhindern kann, sich abfällig über eine andere Person zu äußern. Nach langem Überlegen verwendet Liebling Kreuzberg schließlich die Formulierung M. mit der Begründung. “Mftlbrnft, das darf man sagen.”

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