Mannomann!

Texte deutschsprachiger Popmusik lassen unbedarfte Zuhörer zuweilen verzweifelt mit den Augen rollen. Grundsätzlichh ist an deutscher Dichtkunst im musikalischen Bereich ja nichts auszusetzen. Es gibt schließlich viele herausragende Beispiele für tolle Texte.
Dies hier soll kein Schlager-Bashing sein (weil jeder die Musik hören soll, die ihm gefällt. Es gibt wohl bei Musikdebatten nichts Überheblicheres, als sich über die akustischen Vorlieben anderer lustig zu machen und gleichzeitig zu behaupten, dass man selbst die personifizierte Definition für guten Musikgeschmack sei).
Nun habe ich aber heute wieder ein Lied von Roland Kaiser anhören dürfen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass es beim Texten schnell gehen musste. Vor allem waren wohl die Silben knapp, so dass schnell noch hier und da ein paar hinzugefügt wurden (“Morgen muss die Platte gepresst werden, mach watt!”)
“Sie ließe sich so gerne fallen” singt Kaiser. Es geht um eine Dame, die mit einem Fremden die Urlaubs-Nacht durchtanzt und auch zu mehr bereit wäre, während ihr Gatte im Hotel nebenan selig schlummert.
“Ließe” ist schon recht gedehnt, ist aber auch im Vergleich zu “ließ” noch hinnehmbar – und gegenüber “Sie würde sich so gerne fallen lassen” eindeutig die knappere, wenn auch ungewöhnlichere Umschreibung.

Aber dann. Der Typ, den sie trifft, das ist nicht nur ein Tänzer und auch nicht nur ein Mann, nein, nein. Es ist ein, Achtung, Tänzer-Mann! (Dittsche Modus An) Ein reiner Tänzer-Mann, jetzt mal so nä? N reiner Tänzer-Mann!(Dittsche-Modus Aus). Da hat der Texter-Mann aber keinen guten Tag gehabt, als er für den Sänger-Mann dieses Silben-Wort erfand-ersann.

Aber vielleicht ist das ja die Erklärung: Der Texter-Mann dieser aufregenden Zeilen selbst hat einen – hüstel – ähnlich klingenden Namen: “Neumi” Neumann.

Autor: Christian

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