Quelle verstopft

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Wie geplündert: Die Internetseite von Quelle gibt unterm Ansturm der Insolvenz-Ausverkaufs-Kunden gerade nicht mehr her.

Heute um 6 Uhr hat der Ausverkauft im Internetshop des insolventen Katalogkaufhauses Quelle begonnen. Es ist in etwa so, wie früher beim Winter- oder Sommerschlussverkauf. Die Fernsehnachrichten zeigten damals Bilder von drängelnden und schubsenden, keifenden und zeternden Kundinnen, die sich um den Korb mit runtergesetzten Trikotagen in Übergrößen balgten. So in etwa sieht es im übertragenen Sinne zur Stunde wohl auch auf dem Server von quelle.de aus. Da geht kaum noch was. Schließlich hat der Insolvenzverwalter ja Rabatte bis 30 Prozent in Aussicht gestellt. Ob es schon jemandem gelungen ist, so lange eine Verbindung zum Intershop-System zu halten, um tatsächlich etwas in den Einkaufswagen zu legen und die Bestellung abzuschicken?
Für mich wäre sowohl das analoge als auch das digitale Gedrängel ja nichts… auch, weil ich dabei immer an den Gemütszustand der Verkäufer denken müsste. Die Kunden, die jahrelang nicht gekommen sind, stürmen sozusagen am letzten Tag den Laden und nehmen alles mit, was nicht festgenagelt ist.
Das habe ich mal in Lübeck miterlebt, am letzten Tag des Elektronikkaufhauses Lehmensiek an der Königstraße. Es war ein Sonnabend, das Geschäft sollte bald schließen, für immer. Am letzten Tag, in den letzten Minuten des Ausverkaufs gab es eigentlich nichts mehr, was man noch hätte kaufen können. In der Mitte des Ladenlokals stand auf dem ausgelatschten Teppich, unter einer teilweise schon abgschalteten Beleuchtung ein Wühltisch mit Drahtumrandung. Darin: Ein paar Kabelreste, abgeschnittene Stecker, eine leere CD-Hülle mit gesplitterter Front und so weiter.
Darum kreisten wie eine Wolke aus Staub und Trümmern um das Auge eines Orkans Kunden mit aschfahlem Gesicht und grauen abgestoßenen Windjacken – und dazu passendem Gesichtsausdruck. Die Geier. In Minutenabständen musste eine Verkäuferin des niedergehenden Traditionshauses über die Lautsprecher den Einzelhandels-Countdown verkünden: “Noch 2 Minuten – jetzt alle Artikel 50 Pfennig”. So wie sie klang, stellt man sich die Stimme eines zum Tode Verurteilten vor. “Noch eine Minute – alle Artikel jetzt nur noch 10 Pfennig.” Trotz dieser sensationellen Offerte blieb der Laden schließlich auf seinen Kabelfetzen sitzen. Die Geier zogen weiter.