Herdenattraktivität

Wenn Vögel im Schnee starten

Die Amsel, die uns täglich auf dem Balkon besucht, hat auf jeden Fall Eindruck gemacht. So schöne Schnee-Engel können wir jedenfalls nicht.

Homeoffice-Winter

Schneebedeckte Autos parken auf beiden Straßenseiten, von oben gesehen.
An Tagen wir diesen wird deutlich, dass die Straße eigentlich eine Art Firmenparkplatz ist.

Aus dem Funkloch

“Du klingst wie ein Pixel!” – Wenn die Telefonverbindung mal wieder grottig ist.

#Homeofficependeln: Der Start ist das Ziel

Ich fahre jetzt wieder zur Arbeit, jeden Tag. Hin und zurück. Jeden Morgen und jeden Abend hin und zurück.

Die Idee kam mir im Schneematsch. Die kleine Radfahrt bot kein Vergnügen, das Wetter war schlicht zu beschissen. Ich wendete auf der Stelle und fuhr zurück zur Homebase. Am Ende zeigte die Sportuhr: Das waren genau zehn Kilometer, bei gut 30 Minuten. Und dann gab es diesen Geistesblitz: Das mache ich jetzt jeden Morgen – und jeden Abend. Egal, wie gut das Wetter wird.

Schließlich bin ich vor Beginn dieser unsäglichen Pandemie jeden Tag einen Teil der Strecke ins Funkhaus mit dem Rad gefahren. Warum nicht jetzt auch? Nur nicht zum Funkhaus, sondern einfach so 5 Kilometer hin und dann 5 Kilometer zurück.

Und das ist ein sensationelles Gefühl – Auftakt und Abschluss für jeden einzelnen meiner unvorhersehbar laufenden Arbeitstage.

Ein Teil der Strecke führt über Rostocks neue Fahrradstraße, von der schon gut ein Kilometer fertig ist. Nett: Die Lampen an der Radbahn schalten sich Abschnitt für Abschnitt ein, wenn man auf sie zuradelt. Barnstorfer Wald, Zoo, an der Gartenstadt entlang ins Gewerbegebiet – und nach fast exakt 5 Kilometern eine geschmeidige Kehre an einer Straßeneinmündung – und schnell wieder zurück.

Mir hat der Weg zur Arbeit gefehlt – irgendwie. Klar, mir fehlt auch die Arbeit im Epizentrum, aber ich gehe gern ins Homeoffice. Klar, weil das auch bequem ist, aber vor allem, um auch Kontakte zu reduzieren. Mir ist das wichtig.

Es gibt aber auch ein Problem, wie mir heute bei der Fahrt in den Feierabend bewusst wurde: Ich bringe mir immer zu viel Arbeit mit nach Hause.

Schwein mit Docht

Ja, das gibts. Ein Schwein mit Docht. Eine Glückskerze. Zum neuen Jahr. Wer weiß, obs hilft. Letztes Jahr um diese Zeit hatten wir jedenfalls kein leicht entflammbares Wachs-Schwein – und wir wissen ja alle, wie sich die Gesamtlage so entwickelt hat.

Hier waren jedenfalls in Sachen Kerze sofort alle Feuer und Flamme. Erst wir; kurz darauf das Schwein.

Vermisstensache Christkind

Ist die kohlhof.de-Weihnachts-Pyramide Schauplatz eines grausigen Verbrechens? Oder ist der Hauptdarsteller einfach nur abgehauen?

Die Geschichte der kohlhof.de-Familien-Weihnachts-Pyramide ist eine Geschichte des schleichenden Verschleißes. Jetzt hat auch noch einer der Hauptdarsteller das Ensemble verlassen.

Holzfiguren Maria und Josef an einer leeren Krippe
Vermissen ihren Heiland: Maria und Josef an der leeren Krippe.

Maria und Josef blicken recht bedröppelt drein. “Da hat er gelegen. All die Zeit. 62 Jahre lang gabs keine Probleme!” sagt Maria und weist etwas hölzern auf die Krippe. Ihr königsblauer Umhang wallt schlaff über ihren gramgebeugten Rücken. “Und wir haben nichts bemerkt!” fügt Josef hinzu. Ein wenig Entrüstung schwingt mit. Sie und die gesamte Pyramiden-Crew blicken dem Unabänderlichen aber einigermaßen gefasst ins Auge; Heiliges Paar, Engel, Schäfer und Schafe gewöhnen sich gerade daran: Die Krippe ist leer, das Jesuskind ist verschwunden.

Nur ein Abdruck des Heiligenscheins ist noch zu erkennen, dort wo das zarte, stecknadelkopfgroße Haupt des Heilands sechs Jahrzehnte lang zu ruhen pflegte. Das dürre Leinenlaken kräuselt sich über den Rand und schwingt müde im Wind. Es sieht aus wie an einem Tatort, allerdings ist noch unklar, ob überhaupt ein Verbrechen geschehen ist. Über die Hintergründe kann man bloß spekulieren, aber diese Spekulationen haben es in sich: Hat die stetig sich verschlechternde Laufleistung der Pyramide die Hauptperson das Handtuch werfen lassen?

grüne Hirtenfigur auf einer Weihnachtspyramide.

“Die legen uns doch die ganze Anlage still!”

“28,80 D-Mark” steht in dürren Bleistiftstrichen oben links auf der Rückseite des rumpeligen Pappkartons, in dem Rotorblätter, Gestänge, Wellen, Teller und Ensemble die meiste Zeit des Jahres übersommern. “Erzgebirgische Weihnachtspyramide” steht in Frakturschrift auf dem Deckel, darunter eine Strichzeichnung des ideal aufgebauten Inhalts. Auch in dieser Zeichnung ist in keiner Weise zu erkennen, dass sich dort irgendetwas bewegt oder gar dreht – ein böses Omen etwa? Oder bloß ein lästiges Missverständnis?

Bei kohlhof.de herrscht die allgemeine Auffassung, dass die ureigene Bestimmung einer Weihnachtspyramide darin besteht, durch beständiges Rotieren die Geschichte der Heiligen Nacht zu erzählen – allein angetrieben durch die Hitze, die wohlig schimmernde Kerzen abgeben. Im Falle dieser Pyramide sind drei Kerzen vorgesehen. Bei kohlhof.de herrscht allerdings zudem allgemeine Enttäuschung darüber, dass diese Pyramide diese Erwartung überhaupt noch nie zufriedenstellend erfüllt hat.

Enttäuschte Erwartungen

Manchmal springt sie gar nicht erst an, oft erstarrt sie sozusagen in der Bewegung. Dann wiederum sind auch mal Schleifgeräusche zu hören. Und wenn’s ganz doof läuft, riecht es nach Kaminfeuer – immer dann, wenn Stillstand herrscht und die Hitze der Kerzenflammen die Holzflügel ansengt. Zahlreiche Schmauchspuren legen davon beredt Zeugnis ab. Jedenfalls kann sich hier niemand daran erinnern, dass diese unheilvolle Konstruktion auch nur mal einen einzigen Weihnachtstag lang einfach so funktioniert hätte.

Holzschafe und Schäferfigur einer Weihnachtspyramide
Wieder Stillstand: Viel zu oft kommt bei der kohlhof.de-Weihnachtspyramide nichts in Bewegung.

Selbst die Altvorderen winken ab. Wie gern hätte man irgendwann einfach mal gesagt: “Ja, es war eine vernünftige Entscheidung, 1958 sozusagen einen Arm und ein Bein zu geben, um diese tolle Pyramide zu kaufen. Was bereitet sie uns jedes Jahr doch für Freude, ach, was hat es sich gelohnt! Eigentlich sollten wir die Pyramide das ganz Jahr über betreiben, so frustfrei, wie sie nun mal funktioniert!” Aber nein, das wäre wohl zu viel verlangt.

Unterschiedliche Sichtweisen

“Aus meiner Sicht stellt sich die ganze Sache etwas anders dar”, wirft der Oberhirte ein und stampft mit seinem metallenen Hirtenstab energisch auf, dass sogar die Holzschafe kurz halb interessiert aufschauen. “Sie müssen mal dabei sein, wie das hier abläuft! Wenn wir mal nicht ganz so fix unterwegs sind, wie die Damen und Herren Pyramiden-Theoretiker sich das so vorstellen, gehts los: Einer fummelt hier, einer wackelt da, dann wir hier gedrückt, angeschubst, geruckelt.” Genau dieses “Herumdoktern” am drehenden Objekt habe die ganze Misere erst ausgelöst. Die Folgen seien unübersehbar: Nuten, Führungen, Bolzen, Kugellager – alles ausgeleiert. “Das ist hier von Jahr zu Jahr ‘ne wackeligere Angelegenheit. Und wenn der Püv das hier liest, dann gute Nacht. Die legen uns doch die ganze Anlage still!” Der Püv ist der Pyramiden-Überwachungs-Verein.

Figuren einer Weihnachtspyramide drehen sich schnell, alles ist ver
Seltener Anblick: Alles dreht sich, wie es soll.

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte sind vor allem Steckverbindungen für Rotorblätter und die Halterung für den Plattenteller unten an der Welle ausgeleiert. Mehrere Lagen alter Weihnachtsserviettenfetzen sorgen an den maroden Steckstellen mehr schlecht als recht für Halt. Es nützt alles nichts: Oft hängt die Bühne, auf der die Darstellerinnen und Darsteller bemüht würdevoll zu agieren versuchen, schief – und die ganz Sache erinnert an eine Berg-und-Tal-Bahn auf dem Weihnachtsmarkt.

“Ich kann schon verstehen, wenn die jungen Leute sich das nicht immer wieder antun wollen”, raunt der Verkündigungsengel hinter vorgehaltenem Flügel. “Aber einfach so verschwinden, ohne eine Nachricht zu hinterlassen? Ich weiß ja nicht.” Maria wiederum ist da ein wenig zuversichtlicher; sicherlich schwingt auch ein erhebliches Maß mütterlicher Nachsicht mit, wenn sie mit treuen Augen wispert: “Vielleicht haben wir die Nachricht ja bloß noch nicht gefunden?!”

Engelsfigur in weißem Gewand und mit goldenen Flügeln

“Ich kann verstehen, wenn die jungen Leute sich das nicht immer wieder antun wollen.”

Um alle Eventualitäten auszuschließen, sind nun Suchtrupps in der gesamten Wohnung unterwegs, um unter anderem auf dem für diesen Zweck unvorteilhaft fein gemusterten Teppich einen winzigen Schädel zu finden, an dessen Aussehen sich dummerweise niemand genau erinnern kann. Er war ja einfach immer da: Aber waren braune Haare oder blonde Haare draufgemalt, niemand weiß es so genau. Schade eigentlich. Und überhaupt: Hatte der junge Herr Heiland eigentlich ein Gesicht? Vorsichtshalber bereitet man sich in der Vermisstensache Christkind auf die nächste Eskalationsstufe vor: Notfalls werden man auch den Staubsaugerbeutel entleeren und in einem Akt größter Verzweiflung den pludrigen Inhalt liebevoll durchsieben. Es ist in gewisser Weise die Hoffnung auf eine vorgezogene Auferstehung.

Chance auf Versöhnung?

Die Rückkehr des Gottessohnes auf das Brett, das hier die Welt bedeutet, würde auch das restliche Ensemble freuen – trotz allem. “Wir sind ja bereit, weiterzumachen”, sagt Josef “Wenn das Team wieder komplett ist.” Dann klopft er wie zur Bekräftigung auf seine unermüdlich leuchtende Laterne. “Aber dann muss man uns einfach mal machen lassen. Nicht immer dieses Geruckel und Geschubse und alles!”

Figuren auf einer Weihnachtspyramide
Kompromissbereite Crew: Die Darstellerinnen und Darsteller würden gern bald wieder auf Tour gehen.

Auch bei kohlhof.de selbst gibt es die Bereitschaft, noch einmal in die altersschwache Pyramide und deren Sicherheit zu investieren – wenn denn der Hauptdarsteller wieder auftaucht. Erste Überlegungen, seinen derzeit unauffindbaren Kopf von der Größe einer Stecknadel tatsächlich durch eine ebensolche zu ersetzen, waren bislang nicht mehrheitsfähig. Es wäre nicht dasselbe, heißt es allenthalben.

Und so vereint alle Beteiligten die Hoffnung auf die glückliche Ankunft des Heilands. Weihnachtlicher kann es eigentlich gar nicht werden.