Hansa in der Holzklasse

Hansa Rostock ist in die Dritte Liga abgestiegen. Im Relegationsrückspiel gegen den FC Ingolstadt war beim 0:2 (0:1) schnell klar, wohin die Reise geht. Ingolstadt hatte schon im Hinspiel 1:0 gewonnen. Fußball ist nicht meine Welt, ich bin kein Fan von Hansa Rostock (erst recht nicht wegen dieser Krawallchaoten, die den Verein immer wieder heimsuchen) – aber komisch ist das Gefühl trotzdem. Hansa war 19 Jahre in der Ersten bzw. Zweiten Liga – das Geschick des Vereins bestimmte viele Gespräche in der Stadt, jeder hat irgendwie – mehr oder weniger – zumindest doch mal heimlich auf die Spielergebnisse und die Tabelle geschielt.

Nun ist es also erst mal vorbei mit den besonders angesehenen Ligen – der Verein ist in der Holzklasse angekommen – Fans hoffen ja dadurch auf einen Neuanfang nach einem reinigenden Gewitter in Mannschaft und Vereinsspitze. Na, mal sehen.

Online-Mobbing

Nach dem Foul an Ballack und dem daraus folgenden WM-Aus für den Kapitän der DFB-Elf ergießen sich über den Verursacher Boateng würdelose Hasstiraden, zum Beispiel auf Facebook.

Kevin-Prince Boateng hat am Wochenende Michael Ballack derb gefoult – so derb, dass der Kapitän der Nationalelf nun nicht an der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika teilnehmen kann. Boateng war so ungestüm und ohne Not in Ballacks Lauf hineingegrätscht und hatte ihm auf den rechten Fuß getreten, dass Ballack neues Verletzungspech ereilte: Ein Innenbandriss und ein weiteres angerissenes Band am Sprunggelenk zwingen Ballack an die Krücken. So kurz vor der WM kocht die deutsche Fußballseele hoch, erst recht, weil Kevin-Prince ja auch mit Ghanas Nationalelf schon in der Vorrunde auf die DFB-Elf treffen wird. Man spekuliert sogar über Vorsatz im juristischen Sinne.

Weil Ballack als feste Stütze der Nationalmannschaft gilt und nun ausgerechnet ein als Rüpel angesehener Vorrundengegner diese Stütze im englischen Pokalfinale wie einen Baum gefällt hat, geht es online hoch her – was aber teilweise dem Niveau keinesfalls entspricht. Ein Blick in diverse Facebookgruppen.

“Du Gollum” steht an der Pinnwand von Kevin-Prince Boateng. “Arschgeburt”, “Du hast nicht mal die Eier um dich bei Michael Ballack zu entschuldigen. Was für ein erbärmlicher Loser du doch bist! Scheiss Berliner Ghetto Kind!” und was dem durchschnittlichen Fußballfreund sonst noch so an erbärmlichen Dingen einfällt. Zum Beispiel die Drohung, Torsten Frings nachnominieren zu lassen für die WM, der Boateng dann “umnietet”. Inzwischen gibt es neue Gruppen auf Facebook – zum Beispiel “Boateng Du Arschloch” oder “Tretet Kevin-Prince Boateng sooft gegen das Knie bis das Kreuzband durch is”. Und eine Veronika (rotstichiges Webcamprofilbild, ihr gefällt die Seite “Leberkässemmel”) fordert: “Kastriert ihn!”.
Und dafür soll man nun als Zaungast Verständnis haben? Wohl nicht. Jede Menge Verbal-Hooligans tummeln sich nicht nur bei Facebook und finden wohl, dass ihre Hasstiraden gerechtfertigt sind – dabei sind sie genau so verachtenswert wie das grobe Foul an Ballack. Manchen Fußballfans gehen die Maßstäbe verloren, sofern sie sie überhaupt jemals hatten. Die Vernunftbegabten fallen im Meer der Hasstiraden und Fäkalwörter bei diesem Online-Mobbing jedenfalls nicht mehr auf. Einträge wie diesen an der Pinnwand von Boateng überliest man jedenfalls fast: ” ich mach mich vom acker. ein bisschen necken ist witzig aber die meisten leuts gehen hier echt zu weit.”

Einfach mal abschalten

Ein paar kapitale Fehler in wichtigen Domain-Name-Servern haben heute am frühen Nachmittag dazu geführt, dass die meisten de.-Domains nicht zu erreichen waren. Der Fehler lag wohl bei der Denic.

Wenn es Ihnen nicht reicht, ledigklich deutsche Seiten abzuklemmen, dann versuchen Sie’s doch mal da: http://www.dasinternetabschalten.de/ ;-)

Tag der Arbeit

Das war ja lange nicht: Heute war ich mal wieder als Radio-Reporter unterwegs – mit “bunten” Beiträgen über Ausflügler am 1. Mai. Stationen: Kühlungsborn (Thema: Radfahrer und Gegenwind), Rerik (Motorradfahrer und die Frage, wer entscheidet, wo’s langgeht) und Kirchdorf auf Poel (Angler und ihr Feiertagsfang auf hoher See). Aufregend und immer wieder schön – auch wenn man sich immer erst wieder ein bisschen ins Reportieren einarbeiten muss. Und dann lebt so ein Beitrag ja auch von den O-Ton-Gebern. Und da hatte ich heute wirklich Glück mit der Arbeit am Tag der Arbeit.

Preview

Fahrrad am Abschlepphaken – manche Leute haben Ideen, also nee.

radschlepper Verehrte Damen und Herren, liebe Kinder. Mit einigem Stolz präsentiere ich Ihnen heute in einer Preview einen ersten Ausschnitt aus einem sensationellen Werk (dessen endgültiger Veröffentlichungtermin allerdings noch nicht feststeht). Wir sehen den entscheidenden Teil eines Hinweisschildes, das schon bald auf einem Privatgrundstück in Rostock aufgestellt werden soll. Jedenfalls war das geplant – kohlhof.de liegen aber auch Berichte vor, wonach das Testpublikum bei der ersten Konfrontation mit dem derart gestalteten Entwurf in schallendes Gelächter ausbrach und für den Rest der Arbeitswoche leider nicht mehr einsetzbar war. Insofern sind leichte Veränderungen an der Optik denkbar.

Natürlich wirft das Werk vor allem Fragen auf. Zwar geht es um die gute Absicht, einen Firmen-Fahrradständer für Betriebsangehörige zu reservieren, aber welche Szenen müssen sich dort schon abgespielt haben, dass sich nun jemand bemüßigt fühlt, diese Hinweistafel zu ersinnen? Haben betriebsfremde Fahrrad-Rowdies einfach und immer wieder ohne zu fragen ihr Gefährt an die Stahlbügel angekettet? Mussten Kollegen im Angesicht eines überbordenden Fahrradständers ihre Räder etwa ganz woanders abstellen? Gab es schon Streit um die letzte freie Halterung, Rangeleien, gar Verletzte, Polizeieinsätze, juristische Auseinandersetzungen?

Und überhaupt: Woran erkennt man denn berechtigt geparkte Fahrräder? Muss man sich und sein Rad nun noch irgendwo anmelden und bekommt einen zweiten Aufkleber “Abschlepphaken weg, mein Rad ist registriert”?. Und ich wäre auch interessiert zu erfahren, wie es den eilig herbeigerufenen Helfern gelingen sollte, ein mit  Metallbügeln an Metallbügeln befestigtes Fahrrad zu entfernen…

Allerdings ist die Darstellung des Fahrzeugs mit der vorstehenden Motorhaube ja auch veraltet, wie wir seit dem Debakel in dieser Woche um den Relaunch zahlreicher Verkehrsschilder und der dazu lückenhaft formulierten Gesetzesnovelle wissen (übrigens ein Erbe der Großen Koalition).

Wahrscheinlich wird dieses Schild wohl doch nie zur Aufführung kommen…

Rostocker Polizeiruf

Heute Abend war Vorpremiere für den neuen Teil der ARD-Krimi-Reihe “Polizeiruf 110”. Die Endlosserie hat nun ja auch ein Rostocker Ermittler-Duo, das in der erste Folge den Mord an zwei Mädchen aufklären muss. Der Film wurde heute Abend im Capitol auf der ganz großen Leinwand gezeigt. Nach dem Abspann gabs vom Rostocker Premierenpublikum kärftigen, aber kurzen Applaus. Zwischendurch gabs immer wieder anerkennendes Raunen, zum Beispiel, als Hauptdarsteller Charly Hübner plötzlich fließend Russisch sprach. Szenen-Applaus gabs auch für den Kollegen Ralf Markert, der in einer kleinen Rolle als Reporter am Leichen-Fundort sogar eineinhalb Sätze sagen durfte.

Der Fall an sich ist ebenso brutal wie abstoßend, vom neuen Ermittler-Team kann man sich aber auch in den nächsten Folgen als auflockerndes Gegenstück die nötige Portion Situationskomik und auch ein bisschen Sarkasmus erhoffen, das hat in der ersten Rostocker Folge schon gut funktioniert. Getuschel im Publikum gabs natürlich auch immer dann, wenn Rostock als Kulisse zu erkennen war. So zeigt der Vorspann viele bunte Ecken in Rostock: Nicht nur die Fußgängerzone, ein Drachenbootteam der Uni und Schiffe im Hafen, sondern auch ein Anti-Nazi-Plakat, welches vermutlich in der KTV gefilmt wurde. „Rostocker Polizeiruf“ weiterlesen

Schnäppchen

Spritpreise sind eigentlich immer zu hoch, ebenso wie der Verbrauch vieler Fahrzeuge, und überhaupt: die Affinität des Durchschnittsmenschen zum fahrbaren Untersatz. Wie auch immer: Gerade vor Ostern war das Niveau der Kraftstoffpreise immer wieder Gesprächsthema – on- und off-air. 1,23 Euro für den Liter Diesel war der am häufigsten gemeldete (aber nicht repräsentative) Preis heute für den Raum Rostock (mit leichten Schwankungen nach unten oder oben).

In Rövershagen, an der B105, so erzählen sich die Autofahrer in Rostock, sind aber Diesel und Super für gewöhnlich fünf bis acht Cent billiger. Immer. Niemand weiß, warum das so ist. Aber so geht die Geschichte. Wenn man also in der Nähe ist, tankt man dort. Ich wäre heute fast in der Nähe gewesen, mein Tank war fast leer, also wollte ich hinfahren. In Bentwisch, also kurz nach Fahrtantritt, habe ich mich aber bereits anders entschieden. Denn: Stockender Verkehr Richtung Osten. Allerdings dürfte das eher mit dem Oster-Anreise-Verkehr gen Fischland-Darß-Zingst und der einen oder anderen Baustelle auf dem Weg dorthin zu tun gehabt haben, als mit einem kaum zu bändigenden Ansturm auf die Zapfsäulen auf dem Lande. Eine Warteschlange von gut 8 Kilometern vor einer vermeintlich billigen Tankstelle wäre wohl auch hier zu ungewöhnlich.

Jedenfalls habe ich im letzten Moment die Kurve gekratzt und bin zum Hansecenter abgebogen. Und siehe da: Heute Nachmittag, so gegen 17 Uhr, gabs dort den Liter Diesel für 1,129 Euro. Ich bin ein Kind des Glücks. Trotz Warteschlange. Aber für so ein Schnäppchen wartet man ja gern…

Warteschlange_Tankstelle
Rückstau an der Tankstelle vom Hanse-Center in Bentwisch. Diesel gabs für derzeit ortsunübliche 1,129 Euro. Super für 1,369 je Liter. Foto: Christian Kohlhof

Der Statistik von clever-tanken.de zufolge ist der heutige bundesweite Durchschnittspreis für alle Kraftstoffsorten höher als an den zurückliegenden sechs Tagen. Die Treibstoff-Unternehmen wie auch der Mineralölwirtschaftsverband rechtfertigen die Preissteigerungen der letzten Wochen im übrigen mit den Auswirkungen der starken Nachfrage nach europäischem Benzin in denUSA und den Auswirkungen von Spekulationen. Preisschwankungen in Deutschland seien direkte Auswirkungen der Entwicklung des Weltmarktpreises für Benzin in Rotterdam.

Markt Super?

In der Gemüseabteilung im Supermarkt hängen entlarvende Preisschilder (wie ich finde).

Viele Supermärkte haben ihre Verkaufsfläche so aufgeteilt, dass sich die Obst- und Gemüseabteilung direkt hinter dem Eingang befindet. Das ist knallhartes Kalkül, kritisieren Verbraucherschützer. Die perfekt ausgeleuchtete Frischewelt mit exotischem Gemüse und ebensolchem Gefrücht soll den Kunden erst einmal ausbremsen. Die Wochenmarktatmosphäre soll entschleunigen, damit man sich Zeit nimmt für das Flanieren zwischen den Regalen – und damit man mehr kauft. Wenns schon am Eingang so aussieht wie auf einem heimeligen Bauernmarkt und alles so unglaublich appetitlich da in den mit Stroh ausgelegten Kisten liegt, dann machen später auch noch das Auswählen eines Haushaltsreinigers und die Entscheidung für eine Dose Kefir mehr Spaß.

Was eigentlich noch fehlt, ist eine rundliche Bauersfrau zwischen den Regalen mit Bäckchen so rot wie die Äpfel und dem denkbar gutmütigsten Blick durch ihre Nickelbrille. So etwas gibts aber nicht in einem Supermarkt – dieser Personaleinsatz würde wohl zu viel Geld kosten. Außerdem: es ist so schwierig, gutes Personal zu finden und überhaupt: Es soll ja nur die Illusion eines Wochenmarktes erzeugt werden, kein Wochenmarkt. Hauptsache, der Kunde kauft möglichst viel – und wenn das Entschleunigen hinterm Entree hilft, dann bittesehr….

So ein Supermarkt ist dann aber eben doch in erster Linie ein auf Profit orientiertes Unternehmen – mit einem multinational optimierten Warenwirtschaftssystem. Und da sind dann die Produktbezeichnungen trotz angestrebter Wochenmarktsillusion offensichtlich unveränderbar vorgegeben. Wie sonst ist es zu erklären, dass man als Besucher eines Super-Wochen-Bauern-Marktes, total ausgebremst und mit sich selbst im Reinen mit Preisschildern wie diesen konfrontiert wird – obwohl man als Getriebener dieser hektischen Gesellschaft sich für ein paar Minuten in  dem Glauben wähnt, jetzt gleich das Frischeste und Leckerste, was Mutter Natur auf dem Anger vor den Toren der Stadt zu bieten hatte, einkaufen zu können, ach was: zu dürfen. Und dann liest man:

BohneBusch

“Bohne Busch” steht auf dem Schild über den grünen Stängeln, eingepackt in Folie Klarsicht  und Schälchen Plastik. Auf der Tafel nebenan wird “Kohl Weiß” angeboten, gleich neben “Salat Feld”, dem Klassiker “Paprika Gemischt” und verlockenden “Pilz Diverse”. Eigentlich erstaunlich, dass nicht auch noch “Rübe Mohr” und “Bete Rot” in den Plastikwannen im Markt Super liegen.  Oder “Erbse Kicher”. Und dann im Kühlregal “Käse Schmier” und “Schnitt Auf”.

Das klingt so verräterisch rationell, so auf den Cent kalkuliert, so profitabel. Bohnen Busch sind eben auch nur einer von tausenden Posten im Sortiment. Ich kann mir nicht helfen, aber auf mich wirkt das alles “unsympathisch unglaublich”.