Rostock ganz unten

Eine Fernseh-Dokumentation über die Rostocker KTV aus dem Jahr 1993 – eine in jeder Hinsicht beeindruckende Reportage.

Die KTV, die Kröpeliner-Tor-Vorstadt, in Rostock ist heute das, was man ein angesagtes Wohnviertel nennt. Studenten und junge Familien treten sich bei Wohnungsbesichtigungen manchmal auf die Füße – so groß ist das Interesse, in diesem bunten Viertel mit Kneipen, Restaurants, Geschäften und lauschigen Hinterhöfen eine Wohnung zu ergattern (auch wenn viele inzwischen bestimmt auch mal wieder grundlegend renoviert werden könnten…).

Seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre ist die KTV das geworden, was sie heute ist. Was davor zwischen Kröpeliner Tor und Thomas-Müntzer-Platz los war, kannte ich bisher nur aus Erzählungen. In den Berichten von Rostocker Kollegen und Freunden schwang manchmal aber eine Mischung aus Abscheu und Entsetzen mit, wenn es um die KTV in den 80er- und frühen 90er-Jahren ging.
Nun ja, es gibt dazu eine Geschichtsstunde in bewegten Bildern- eine NDR-Produktion aus dem Jahr 1993. 43 Minuten, die sich lohnen.
Wer erkennt welche KTV-Ecken wieder…? Es wird kaum möglich sein.

Autor: Christian

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8 Gedanken zu „Rostock ganz unten“

  1. Dieses Video sollte verboten werden. Die Hansestadt Rostock ist eine wunderschöne Hafenstadt. Die im “Film” dargestellten Bilder sind Vergangeheit und gehören absolut nicht mehr in das Stadtbild.
    Leider werden durch solche “Dokumentationen” immer wieder die Vorurteile bestimmter Menschen verstärkt. Ich möchte hier mal 2 Dinge klar stellen. Rostock ist keine Nazistadt (da guckt euch mal Nürnberg und Frankfurt zum Beispiel an…) und die Leute, die als Hauptakteure in der “Dokumentation” agieren, gibt es in jeder Stadt in Deutschland, in der es Menschen gibt, die leider an der Armutsgrenze leben müssen. Das wird dann ganz Deutschland betreffen. Erst mal ein Bild vor Ort machen (Stadt und Strand genießen) und dann urteilen.

  2. Ganz richtig, dieser Film dokumentiert einen Zustand aus der Vergangenheit, übrigens ganz ohne Anführungszeichen. Die Produktion ist 1993 hier entstanden. Die Dokumentation ist 17 Jahre alt, das ist deutlich zu erkennen. Dass sich die Stadt entwickelt hat, dürfte jedem klar sein. Deshalb muss man wohl nicht befürchten, dass dadurch heute noch ein nennenswerter Image-Schaden für wen auch immer entsteht.
    Deshalb stelle auch ich mal einiges klar: Nur weil es anderswo auch Armut, Krminalität und so genannte soziale Brennpunkte gibt, heißt das nicht, dass man hier darüber nicht berichten darf oder durfte. Ein Ort wie Rostock bestand und besteht nicht nur aus Strand und und ist nicht nur wunderschön – eine Stadt besteht natürlich auch nicht ausschließlich aus sozialen Missständen. Aber letztere hatte der Film zu recht als Thema (für wunderbare Landschaftsaufnahmen und anderes Rostock-Heititei gibt es bestimmt auch noch irgendwo im Netz Mitschnitte).
    Dass es in Rostock auch Menschen gibt, die mit wahnsinnigen Rechtsradikalen sympathisieren, lässt sich aber zum Beispiel an Wahlergebnissen ablesen. Unabhängig davon halte ich es für keine gute Lösung, immer nur auf andere zu verweisen, weil dort angeblich irgendwas noch schlimmer ist (auch dieses Urteil könnte ja übrigens auf Vorurteilen fußen).
    Der damals dokumentierte Zustand des Rostocker KTV ist Teil der Geschichte der Stadt – er gehört dazu. Und vor dem Hintergrund dieses Films ist es besonders beachtlich, wie sich der Stadtteil entwickelt hat.
    Angesichts dieses Films nun Zensur zu verlangen, ist sicherlich dem eigenen Verstand nicht angemessen.

  3. Habe mir den Beitrag in Ruhe angesehen. Vielen Dank dafür, daß Du diese Perle ausgegraben hast. Die Menschen vergessen zu schnell, was in den letzten 20 Jahren erreicht wurde…

  4. Nja meine Wohnung in der KTV sieht von außen immernoch so aus wie im Video. ;-)

    Ansonsten ist diese Doku schon viel wert – wenn man einfach mal die damaligen Zustände mit den heutigen vergleicht.

    Als erstes springen einem die alten Fassaden der Gebäude ins Gesicht und wie bunt die KTV doch heute ist. Viel eindrucksvoller ist für mich aber hingegen, wie sich die Milieus verschoben haben. Die KTV ist heute beiweitem nichtmehr das heruntergekommene Viertel, diese sind eher in anderen Teilen der Stadt zu finden, die vorher die Vorzeigeobjekte der ehem. DDR darstellten.

    Sehr gelungen (gerade weil so sehr überzogen) fand ich auch die Zwischenszenen, in denen dieser extreme Kontrast dargestellt wurde. Besonders wie diese Doku im Jahr 1993 den Aufkauf und die Ausnutzung durch westdeutsche Investoren kritisiert (implizit. z.B. durch die Darstellung dieses Immobilientypen). Hier schlägt der Kapitalismus in seiner vollen Härte zu ;-)

  5. Also es hat jetzt zwar mit Rostock nix zu tun, aber irgendwie passt es doch – zur Überschrift:

    DRESDEN ganz oben. Der Kandidat bekommt 100 Punkte – einfach toll, wie der angekündigte Zug der Neonazis mit Übermacht verhindert wurde!!! Und dadurch konnte wirklich dem ursprünglichen Tag gedacht werden – von den richtigen Leuten. Oder????

  6. Krasse Bilder, aber es hat sich eben glücklicherweise viel gewandelt in den letzten 15,20 Jahren. Die Probleme wurden zwar nur verdrängt, aber immerhin … Wer von Frankfurt als Nazistadt redet, hat übrigens auch keinen Plan. Gibt neben Hamburg keine weltoffenere Stadt in Deutschland als Frankfurt am Main. Da ist Berlin vielfach engstirniger

  7. Hi! Hat jemand noch irgendeine Idee wo man die Doku noch finden kann, denn bei vimeo gibt’s die nicht mehr…ich bin sehr traurig…

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