110

Beim Notruf der Polizei habe ich wirklich noch nicht oft angerufen. Vielleicht drei, vier Mal in meinem hach so jungen Leben. Darüber bin ich auch sehr froh, ich bin eigentlich für jedenTag dankbar, an dem ich nicht aus eigener Not oder im Interesse anderer die Polizei anrufen muss – wer kommt schon gern in Situationen, in denen nur noch Polzei, Feuerwehr oder Notärzte helfen können. Ich weiß nicht, wie ich klinge, was ich sage, wenn ich den Notruf anwähle – aber ganz offensichtlich kommt bei den Beamten in den Leitstellen ganz schön viel seltsames Zeug an. Jedenfalls reicht es, dass im Blog “VS-Geheim” jeden Tag neue anonymisierte Protokolle von Notrufen zu finden sind, aufgeschrieben von einem Leitstellenbeamten. Kostprobe:

Bei einem Unfall erleiden viele, ohne sich dessen unbedingt bewusst zu sein, einen Schock. Das ist vor allem daran zu sehen, dass einfache Zusammenhänge nicht mehr erkannt werden…

“Polizeinotruf.”
Eine aufgeregte Männerstimme.“Ja, hallo. Kommen Sie bitte schnell. Wir hatten hier einen Unfall!”
“Ja. Ist jemand verletzt worden?”
“Äh…nein. Ich bin nicht verletzt.”
“Und was ist mit dem oder den anderen Unfallbeteiligten?”
“Ja…weiss ich nicht.”
“Dann fragen Sie doch bitte mal.”
“Das geht nicht.”
“Warum denn nicht?”
“Ja…äh…der spricht nicht mit mir.”
“Nanu. Warum denn nicht?”
“Ach, der liegt hier auf dem Boden, blutet aus dem Kopf und stöhnt die ganze Zeit rum.”
Stöhn. “Dann würde ich mal sagen, der ist verletzt.”
“Äh..so gesehen – ja. Schicken Sie bitte einen Krankenwagen!?”

Das klingt witzig, ist es auch, aber manchmal bleibt einem das Lachen angesichts der Geschichten auch im Halse stecken bei dem Gedanken “Bloß gut, dass mir das nicht passiert ist”. Manchmal darf man sich auch wundern, wie launig “die Polizei” antwortet. Ob das immer angemessen ist, ich weiß es nicht. Bei manchen Anrufen scheint mir der Tonfall aber zu passen. Und es sind ja auch nur die Spitzen der Notruf-Eisberge, die dort veröffentlicht werden. Auf jeden Fall ist das sehr unterhaltsam aufgeschrieben – und deshalb wird VS-Geheim als drittes Blog rechts in die Liste meiner Blogs eingetragen.

Autor: Christian

Der Verfasser aller Beiträge auf kohlhof.de (außer in der Kategorie "Schmidt, Schanghai")

Ein Gedanke zu „110“

  1. Ich finde Steels Blog großartig, danke fürs bekantmachen damit. Was Du als “launig” bezeichnest liest sich für mich eher wie eine Art Überlebenstrategie, typisch für Menschen, die unter großem Stress trotzdem unbedingt funktionieren müssen. Es ist ein Ventil, eine Form der Distanzierung, die über die Ironie läuft und die dazu dient, nicht komplett den Verstand zu verlieren. Und man darf nicht vergessen: unangemessen sind nicht seine Reaktionen, sondern natürlich das Wählen der 110 um zu überprüfen, ob das Handy noch funktioniert…

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