Nagellackentferner-Pads

Man liest ja so viel. Und dann tragen auch noch die Leute in der Warteschlange an der Supermarktkasse zum latenten Gefühl der Unsicherheit ihren Teil bei. Vor mir legte ein massiger Typ mit langem, wirrem blonden Haar folgende Artikel aufs Förderband: Eine Flasche Body-Lotion, eine Sprühdose leicht entzündliches Haarspray, acht kleine Töpfchen mit je 25 Nagellackentferner-Pads und vier Batterien. Ich bin geneigt, dieser Aufzählung noch ein alarmierendes Ausrufezeichen hinzuzufügen: ! – Wer weiß, was man daraus alles basteln kann. Wer weiß, was passiert, wenn man Nagellackentferner-Pads unter Strom setzt, wenn sie erst einmal mit der blaugrünen Flamme aus einer Haarspraydose auf die notwendige Temperatur gerbacht worden sind. Vielleicht müssen wir bald wieder von aufgesprengten Geldautomaten, entgleisten Straßenbahnen und spurlos verschwundenen Tätern, dafür aber von kleinen, kreisrunden Aschehäufchen berichten…

Ich war echt beunruhigt, weil alle Waren, die das Kassenmädchen über den Scanner zog, überhaupt nicht zum Käufer zu pasen schienen (bis auf die Batterien vielleicht).

Ich habe eben mal Onkel Google gefragt, ob der was weiß über Pads, Lotion, Spray und Strom und wie man das zusammenbasteln kann… nichts (außer Sonderangebote in diversen Drogeriemärkten). Das gibt nun wieder Hoffnung. Vielleicht liest man ja auch einfach zu viel…

Autor: Christian

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4 Gedanken zu „Nagellackentferner-Pads“

  1. He, du rasender Reporter!!! Ich glaube, dir fehlen die spannenden Reportagen doch – so irgendwie. Vielleicht musste er das Haarspray nur kaufen, um seine wirre Mähne wieder in Form zu bringen. Ja, und die Pads, Mensch, er hat zuhause eine Freundin, die ihm noch nachrief: Schatz, wenn du schon unterwegs bist und eh einkaufst, bringst du mir dann noch …. mit! Und die ist wahrscheinlich sehr schönheitsbewusst – denn nichts ist hässlicher als schlampig lackierte Nägel und sie macht sie immer wieder neu. (Wobei ich bei meinem nächsten Besuch im Drogeriemarkt mal nach diesen Dingern suchen werde, habe ich noch gar nicht gesehen, klingt doch sehr praktisch.) Oder waren die einfach im Angebot? Oder meinst du, der Typ hatte etwa gar keine Freundin? Na ja, dann halt Mama.
    Ich weiß gar nicht warum, aber irgendwie fällt mir dabei diese Uraltwerbung mit Hella von Sinnen ein, wo ein doch sehr schüchterner junger Mann Kondome kauft und sie irgendwie versteckelt aufs Band legt und sie dann durch den ganzen Markt schreit: Was kosten die Kondome?
    Wovon handelte denn dein letzter Krimi? Und zu viel lesen geht gar nicht! Und zu viel Fantasie erst recht nicht!

  2. Nachtrag:
    Ich saß letzten Winter im Bus. Da saß ein Typ drin, der hatte seine Mütze irgendwie so komisch an, hatte zudem einen Rucksack, sah so überhaupt nicht deutsch aus und ich hab auch zu denken angefangen. Ob das womöglich so einer ist … Was, wenn der jetzt einen Zünder im Rucksack hat und auf Höhe der Patrick Henry Village zuschlägt … Ich konnte nicht anders, ich habe ihn die ganze Zeit im Auge behalten, bis ich mir irgendwann sagte, blöde Kuh, deine Fantasie geht mit dir durch …
    Und der Typ sieht im Sommer ganz normal aus, sitzt wieder mit mir zusammen im Bus und fährt zur Arbeit.
    Manchmal gehen die Gedanken einfach mit einem durch, zu blöd. Also, dir geht das nicht alleine so!

  3. Ich lese gerade “Das Albtraumreich des Edward Moon” – ein Krimi im victorianischen London mit sehr skurrilen Charakteren: Fischmensch, Frauen mit Vollbart, Albinos und jeder Menge seltsamer Todesfälle. Außerdem besonders: Der Erzähler wendet sich zuweilen an den Leser nach dem Motto: “Das was jetzt gleich passiert, werden Sie wahrscheinlich für großen Mist halten, aber so ist das nun mal. Ich kanns ja auch nicht ändern.”

    Und den Kondom-Spot mit dem jungen Ingolf Lück gibts hier zu sehen

  4. Na, das klingt ja spannend und witzig zugleich!
    Und danke für den Link. Das war einfach witzig, wusste nur nicht mehr, dass es sich ja hier um Ingolf Lück handelte – und dann der Kommentar mit dem Sonderangebot der älteren Frau … wobei wir schon wieder gedanklich bei guten Werbespots sind, so wie dieser hier …
    http://www.youtube.com/watch?v=l1-NwySXtlM“>Faule Sau

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