Presse-Foto des Jahres 2005

Die Finger sind klein, schmutzig, schwach. Sie greifen nach den Lippen einer Nigerianerin, die ernst, sogar ein bisschen traurig blickt. Diese Szene, eine echte Momentaufnahme von einer Mutter mit ihrem Kleinkind ist das Motiv des “World Press Photo 2005”.

Welt-Presse-Foto 2005 - World Press Photo of the Year 2005, Finbarr O’Reilly, Canada, Reuters, Mother and child at emergency feeding center, Tahoua, Niger, 1 AugustFinbarr O’Reilly aus Kanada, Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters hat es im Niger in Afrika gemacht. Dort herrscht eine Hungersnot. Nach Angaben der Jury, die über 80.000 eingereichte Bilder beurteilte, vereint das Welt-Presse-Foto “Schönheit Horror und Verzweiflung”. Eine Galerie der ausgezeichneten Bilder gibt es bei faz.net und Spiegel-online. Weitere Infos über den Wettbewerb gibt es auf dessen Internetseite in den Niederlanden.

Verwendung des Bildes mit Genehmigung von World Press Photo, Amsterdam:
World Press Photo of the Year 2005
Finbarr O’Reilly, Canada, Reuters
Mother and child at emergency feeding center, Tahoua, Niger, 1 August

Beute bitte hier einwerfen

Man kennt das ja, irgendwann hat man keinen Spaß mehr dran: Dan steht die mühsam entwendete Venus von Milo irgendwo im Regal, der Cranach verstaubt im Hobbykeller, und die Krone des Heiligen Römischen Reiches – Andenken an den letzten  romantischen Beutezug nach Wien – ist einem bei des Heimes Pflege seit langer Zeit schon sehr im Wege. Wohin also mit dem alten Krempel, wenn man des einmaligen lästigen Kunsthandwerks überdrüssig geworden ist. Braune Tonne, gelber Sack, grüne Kiste? Schließlich ist der Markt für gestohlene Kulturgüter ja, sagen wir mal, gesättigt. Und bevor man sich die Blöße gibt, die Preziosen in nem 1-Euro-Shop zu verticken, sollte man es mal in Köln versuchen. Dort wird heute die erste Kunstklappe in Deutschland in Betrieb genommen. Was mit Neugeborenen funktioniert, kann bei Gemälden und Statuen ja nicht verkehrt sein.

Wer von ebenso viel Reue wie Scham geplagt wird und nach dem Diebstahl von Wertvollem aus Museen und Galerien sein Gewissen zumindest halbherzig erleichtern will, kann zu dem überdimensionierten Kasten in einer Kölner Gasse kommen und dort Kunst in die Klappe werfen – oder besser: vorsichtig legen. Nicht, dass auf den letzten Metern noch was kaputt geht.

Die Idee stammt aus Wien, wo seit Ende 2004 gut 40 gestohlene Kunstwerke durch die weltweit erste Kunstklappe zurückgegeben worden sein sollen, darunter ein Wappen aus einer Kirche nach über 30 Jahren. Allerdings auch eine Fälschung dieses berühmten Salzfässchens aus der Renaissance – die Nachbildung war aus Knete.

Welche Kunstwerke gerade als vermisst gemeldet gelten und womöglich in den Tresoren wahnsinniger, irre lachender Kunstsammler lagern, ermittelt das Art Loss Register in Köln. Darüber hat unter anderem die Zeit berichtet.

Menschen-Uhr

Herzlich Willkommen an alle, die heute geboren werden. Wir sind jetzt 6.589.228.520 Menschlein gleichzeitig auf diesem schrumpeligem Klops im All. Gestern waren es nur 6.589.081.129. Kann man alles mit der “World Population Clock” ausrechnen. Davon gibt es mehrere im Netz, eine sieht so aus:population clock.JPG

Ja, das ist sicher nur ein ungefährer Wert.

Placebo-Schinken

Ein Germanistik-Professor aus Rostock ist vom Amtsgericht Bonn zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung von 18 Monaten verurteilt worden. Er hatte in der Unibibliothek in Bonn alte, wertvolle Bände gestohlen und die alten Schinken teilweise durch wertlose andere Bücher, gewissermaßen als Placebo, ersetzt. Die Bibliothek beziffert den Wert der gestohlenen Bände auf 250.000 Euro, berichtet die Berliner Zeitung. Der Hochschullehrer hat angekündigt, dass er in Berufung geht. Es besteht wegen des Urteils von über 12 Monaten die Möglichkeit, dass er seinen Beamtenstatus verliert, berichtet der Spiegel (in der online-Ausgabe allerdings nur gegen Cash). Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann über mehrere Jahre die Buchattrappen hergstellt und für die entwendeten Bücher sogar Kaufquittungen gefälscht hatte.

(Und er wurde am 17. Januar 2007 auch in zweiter Instanz verurteilt… )

Wetten, Mozart?

“Wetten, dass ..?” muss man nicht mögen. Und man muss es auch nicht anschauen – das lehrt die Erfahrung aus zahlreichen eher langweiligen Sendungen in der Vergangenheit mit belanglosem, ewigem Gelaber und überdrehten Showgästen. Zufällig habe ich heute Abend reingezappt und bin hängen geblieben. Und das kam so: Die Sugababes traten gerade auf. Danach kam ein Typ, der Schirme reihenweise mit nur einer Hand schließen konnte, Boris Becker war als Mozart verkleidet. Depeche Mode wurden von ihren Fans bejubelt. Dann kam ein junger Mann, der hoch konzentriert jeden Ton von vier gleichzeitig angeschlagenen Klaviertasten benennen konnte. Thomas Gottschalk sang daraufhin mit Cecilia Bartoli eine Arie aus der Zauberflöte (gar nicht mal so schlecht) – und dann traten auf einem Salzburger Platz zur Außenwette 49 kleine Österreicher mit ihren Geigen auf und spielten herzerweichend, aber durchaus erkennbar und mehrstimmig die kleine Nachtmusik. Zur Strafe musste Thomas Gottschalk den Rest der Show in österreichischem Dialekt präsentieren. Eine gute Mischung aus Leistung und Spaß. Da fiel dann auch Cora Schumacher nur selten unangenehm auf, die mit flaschen Haaren wirkte, als wollte sie eigentlich in einer Gerichtsshow von Sat.1 als hintergangene Geliebte auftreten und hätte sich in der Studiotür geirrt. Also: Daumen hoch für die Mozart-Jubiläums-Ausgabe von “Wetten, dass..?”, zumindest für die zweite Halbzeit.

Anders googeln

Die bekannteste Suchmaschine im Internet ist ein Selbstläufer und seit Jahren erfolgreich. Auch wenn hinter der schlichten Internetseite von Google inzwischen ein nahezu weltweit vertretenes Unternehmen, ein Konzern gar, steckt, besticht die Maschine immer noch durch ihren ruhigen Auftritt und ihre clevere Art und Weise, wie sie meistens zielsicher Webseiten durchsucht. Dadurch wirkt Google irgendwie nett und charmant. Dazu tragen auch die “Logos zu besonderen Anlässen” bei, mit denen die Suchmaschine an besonderen Jahrestagen ihr übliches Markenlogo ersetzt. Diese kleinen Bildchen, die Google “Doodles” nennt, erzählen teilweise sogar kleine Geschichten. So änderte sich zur Adventszeit jede Woche das Logo. Auch während Olympischer Spiele zeigen die Logos immer wieder comicartig Sportarten, die rund um den Schriftzug gespielt werden. Das jüngste Doodle hatte einen musikalischen Hintergrund. So zierte am 250. Gebutstag von Mozart eine weiße Lockenperücke das zweie O. Das kleine g war in einen Violinschlüssel verwandelt.

Besonders auffällig auch das Logo am 4. Januar 2006. Zum Geburstag des Erfinders der Druckschrift für Blinde präsentierte sich Google in Braille-Schrift:

google-Braille-Logo

Eine Übersicht über alle bisherigen Sonderlogos gibt es bei Google. Und dort findet sich auch ein Link auf einen Hintergrundbericht über die Logo-Designer bei Google. Weitere Bilderserien hat Google auf seiner eigenen Seite versteckt. Aber nur ein bisschen. Man findet sie wirklich überall auf den nationalen Seiten der Suchmaschine. Und überall gibts einige Specials, nech.

Bruder Johannes incognito

Nachrufe auf Johannes Rau gibt es erwartungsgemäß reichlich. Seine um Ausgleich und Fairness bemühte Art und sein tiefer christlicher Glaube brachten dem SPD-Politiker den Spitznamen Bruder Johannes ein. Der achte Bundespräsident, der das Motto “Versöhnen statt spalten” zum Leitbild für sein Handeln machte, war auch für seine Anekdoten bekannt, die er zuweilen zum Besten gab. Eine davon ging so (er hat sie bei einer Fernsehaufzeichnung erzählt, der ndr hat die kurze Schilderung eben noch einmal gezeigt):

Bundespräsident Johannes Rau sitzt in einem oberbayerischen Gasthaus und lässt sich Weißwürste schmecken. Ein mit Hut samt Gamsbart zünftig gekleideter Einheimischer kommt an seinen Tisch
und fragt: “Passiert ihnen das oft, dass sie verwechselt werden mit diesem Bundespräsidenten, der auch so lange Ministerpräsident war?”

Rau: “Ja, oft!”

Der Bayer: “Ist ihnen das denn gar nicht peinlich?”

Rau: “Nein, denn ich bin es ja.”

Der Bayer will das wohl nicht glauben und klopft Rau mit einer Mischung aus Mitleid und Anerkennung auf die Schulter und sagt: “Na, sie haben ja Humor.”

WASG streitet mit sich selbst

Erst hier und dann später noch einmal habe ich bereits auf diesen Seiten über den Parteitag der WASG in Mecklenburg-Vorpommern im Januar 2006 berichtet. Ich habe die Veranstaltung mit ihrer sechs Stunden währenden Debatte dienstlich verfolgt. Einen Tag später habe ich in der Mittagsschau von ndr1 Radio MV darüber berichtet.
[audio:wasg14012006.mp3]

Das ist nun schon über eine Woche her. Die Linkspartei hatte damals bedauert, dass die WASG offenbar keine gemeinsame Wahlkampfarbeit mit ihr anstrebt. So hatten sich schließlich auch WASG-Vorstandsmitglieder am Rande ihres Parteitages geäußert. Inzwischen hat die Nordost-WASG aber ein zartes Angebot unterbreitet.

Wal-Kampagne

20 Tonnen Gewicht, 17 Meter lang – seit am vergangenen Wochenende in der Ostsee vor Wismar ein toter Finnwal entdeckt worden war, war zwar schnell klar, dass der Kadaver im deutschen Meeresmuseum in Stralsund zerlegt und untersucht werden soll. Unklar war aber, wie er dort hinkommt. Wegen Eisgangs fiel der Transport über See aus. Und dann traten die Umweltschützer von Greenpeace auf den Plan.
Greenpeace bot an, den inzwischen nach Warnemünde geschleppten Wal auf eigene Kosten aus dem Hafen von Rostock zu bergen und nach Stralsund zu transportieren. Mit einem Autokran, einen Tieflader, sechs Tauchern und zahllosen weiteren Helfern rückten die Umweltschützer am Tonnenhof an. Der erste Versuch, den Wal mit großen Laschen aus dem Wasser zu heben, scheiterte spektakulär: Der Kadaver stürzte mit lautem Getöse zurück ins Wasser.

Während das Hafenwasser über die Kaikante schwappte, wurde allmählich klar: Für Greenpeace ist die Hilfe bei der Walbergung nicht bloß eine umweltaktivistische Ehrensache, sondern vor allem ist der Kadaver auch Mittel zum Zweck. So sickerte das Gerücht durch, der Tieflader werde das Tier nicht direkt nach Stralsund bringen, sondern zunächst nach Berlin. Dort sei eine Protestaktion geplant, sagte ein Sprecher. Damit überraschte er nicht nur die Journalisten in Rostock, sondern auch den Direktor des Meeresmuseums. Der sagte später, er hätte dem Umweg über Berlin nicht zugestimmt. Greenpeace protestiert in dieser Woche weltweit gegen den Walfang, der vor allem von Japan betrieben wird. Insofern ist der tote Finnwal aus der Ostsee ein Glücksfall für die Kampagnen-Planer bei Greenpeace. Viele Walarten gelten als vom Aussterben bedroht. In der Ostsee kommen Finnwale normalerweise nicht vor. Wissenschaftler vermuten, dass sich das Jungtier auf der Suche nach Futter in die Ostsee verirrt hat, nicht genug Nahrung fand und deshalb verhungert ist.
Mein Bericht über die Bergung des Wals in der Mittagsschau bei ndr1 Radio MV um 12:24