Daumen drücken beim Aufbohren

Was ich jetzt vorhabe, grenzt an Größenwahn, unter anderem, weil es mit Linux zu tun hat. Aber die Gelegenheit ist günstig.
In der Mensa gab es eben Steak mit Pilz-Rahm-Sauce, danach noch nen Latte Macchiato und so nen Berliner mit Loch. Gleichzeitig startet trotz blumiger Ankündigungen im Wetterbericht das “erste echte Frühlingswochenende” mit Nieselregen. Es sind Gründe wie diese, die in mir die Entscheidung reifen ließen, es endlich anzupacken. Während ich einen weiteren missmutigen Blick aus dem Fenster warf und mir gleichzeitig den Bauch kraulte, kam ich mit mir überein: “Am Freitag Nachmittag muss es sein” – ich werde heute meinen NSLU2 mit einer neuen Firmware versehen, um anschließend nen Media-Server zu installieren. Das alles ist verbunden mit einem Schritt in eine andere digitale Welt, sozusagen mit einem Gang durchs Stargate dorthin, wo Pyramiden fliegen können.

Jetzt noch mal in Verständlich: Seit ein paar Wochen läuft hier ja eine Soundbridge, und das auch zu meiner allgemeinen Zufriedenheit. Sie gibt nicht nur Internetradio-Streams wider, sondern eben auch die MP3-Sammlung auf der Festplatte. Dazu ist es bislang noch nötig, den PC anzuschalten. Dort nämlich läuft der Media-Server, der die Musik nach einem Knopfdruck auf der Soundbridge-Fernbedienung zur Stereoanlage schickt. Das funktioniert reibungslos. Allerdings ist es nicht besonders sinnvoll, den großen PC mit Grafikkarte, Mega-Prozessor, riesigem Motherboard und ähnlichen stromhungrigen Geräten anzuschmeißen, wenn das auch viel kleiner und leiser und stromsparender gehen könnte. Dazu habe ich mir einen Network-Storage-Link von Linksys zugelegt. Der kleine graue Kasten von der Größe eines Taschenbuchs ist ein geräuschloser, kleiner Server, der diese Aufgaben übernehmen kann.
Ursprünglicher Zweck das Geräts ist es, daran angeschlossene Festplatten und USB-Sticks im gesamten Netzwerk zur Verfügung zu stellen, so dass man dort zum Beispiel die Lesezeichen aus dem Browser speichert und von jedem Rechner darauf zugreifen kann (oder Musikdateien. Oder Backups. Oder was weiß denn ich). Kurzum: Das Ding bindet Festplatten ins Netzwerk ein. Aber es kann noch mehr.
Mein Plan: Ein anderes, oder besser: aufgebohrtes Betriebssystem installieren, auf dessen Grundlage auf dem Storage-Link auch der Media-Server installiert werden kann. Das spart den PC-Dauerbetrieb.
Leider ist das alles nicht sehr einfach, zumindest lassen die Beschreibungen und Anleitungen auf den Projekt-Seiten im Internet das vermuten. Dort wird beunruhigend häufig darauf hingewiesen, jeden einzelnen verdammten Winz-Schritt beim Umrüsten und Installieren penibelst einzuhalten, weil sonst alles kaputt geht und man den Storage-Link nur noch als Türstopper verwenden kann. Selbst den Ablauf ritueller Waschungen stelle ich mir flexibler vor.
Das vom Werk eingerichtete Betriebssystem basiert auf Linux und kann durch eine erweiterte Version ersetzt werden. Das alles ist aufgrund der Linux-spezifischen Nutzungsbestimmungen frei erhältlich. Allerdings sind das natürlich speziell angepasste, aufs Nötigste reduzierte Linux-Versionen. Von Klicki-Bunti keine Spur, es geht viel mehr um Kommandozeilen und einen genau festgelegten Ablauf, wann man wo Festplatten ab und zu an- und abstöpseln muss.
Meine Linux-Kenntnisse sind bescheiden. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben. Also: Ich werde das jetzt wagen – ob mein Versuch gelingt, wird die treue Leserschaft hier in der gebotenen Ausführlichkeit erfahren.

Autor: Christian

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