Cowputer

In den Niederlanden werden Milchkühe nun durch Cowputer, sogenannte “Weideboter” ersetzt. Die Milchbauern waren skeptisch, sind inzwischen aber weitgehend überzeugt – auch dank großzügiger Subventionen.

Die Agrarindustrie in den Niederlanden hat einen weiteren Schritt zur Effektivitätssteigerung in der Milchproduktion getan. So stehen auf den ersten Weiden nun Weide-Roboter, wie dieses Foto zeigt, das kohlhof.de exklusiv vorliegt.

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Weide-Roboter in schematischer Darstellung. Foto: Christian Kohlhof

Die Kuh-Maschinen sehen schwarzbuntem Milchvieh zum Verwechseln ähnlich, sollen den Milchausstoß der niederländischen Landwirtschaft aber um 300 Prozent erhöhen helfen. Die Milchbauern versuchen mit den modernen Maschinen, den neuen Vorgaben der Lebensmitteldiscounter zu entsprechen. Die Handelsketten hatten bei den jüngsten Preisverhandlungen durchgesetzt, dass jeder Kunde pro Liter Milch und Pfund Butter, das er im Einzelhandel mitnimmt, künftig nicht mehr bezahlt, sondern noch bis 25 Cent Belohnung bekommt. Dies sei wiederum nur möglich, wenn durch eine Milchflut am Markt der Preis in ungeahnte Tiefen sinkt.

Die Discounter haben deshalb die Entwicklung sogenannter Cowputer angestoßen. Deren erste Prototypen stehen nun unter dem Namen Weideboter auf Feldern und Wiesen. Marketing-Experten hatten dazu geraten, auf die Silbe “Ro” mitten im Namen zu verzichten, um die zuweilen recht skeptische Kundschaft nicht zu verstören.

Nach anfangs heftigen Protesten der Milchbauern in den Niederlanden, wobei unter anderem die Drohung im Raum stand, künftig besonders aggressive Milchviehrassen zu züchten und in etwa 165 Jahren einfach so freizulassen, entschied sich die Europäische Union, Umrüsten und Betrieb der Weide-Roboter großzügig zu fördern. Dies geschah unter anderem mit einer Abdeckprämie für analoge Milchrinder.

Nach anfangs sehr skeptischen Äußerungen aus den Reihen der Milchbauern überwiegt nun aber bei den Produzenten die Zustimmung zur neuen Technik. So sind die voll digitalisierten Rinder resistent gegen Krankheiten wie Maul- und Klauenseuche und BSE. Diese Geißeln der bisherigen Landwirtschaft verlieren dadurch ihren Schrecken. Allerdings fürchten Technikexperten, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis sich unter den Maschinen der erste Computervirus verbreitet. Jeder Weideboter ist für sich vollkommen autark, bezieht seine Energie durch Solarzellen in den schwarzen Teilen seines Fells und wird durch eine spezielle Linux-Variante gesteuert. Moo-Linux bindet GPS-Navigation und Vernetzung der Kuh-Maschinen mit ein. Jedes Vieh hat eine eigene IP-Adresse. Moo-Linux steuert damit aber nicht nur den schon recht echt wirkenden Gang der künstlichen Tiere und verhindert so Kollisionen, gibt in zufälligen Abständen rinderähnliche Laute über das Dolby-Surround-System aus und meldet sich im Zentral-Computer zu üblichen Wartungsarbeiten an. Der Weideboter ist vor allem aber auch schon eine Molkerei auf vier Beinen. So entfallen der Transport der Rohmilch zu den bisherigen Verarbeitungsbetrieben  sowie die Veredelung zu Frischmilch, Sahne, Käse und ähnlichem. Das erledigt der Cowputer gleich mit – er ist ein Gras-Milch-Reaktor. So fließen aus dem Euter – je nach Vorgaben des Milchproduktionswirts via Webinterface – Milchmixgetränke, Sahne, Schmand oder Käselake. Dank spezieller chemischer Verfahren sind sämtliche Produkte bei Temperaturen von bis zu 30 Grad bis zu sechs Jahre haltbar. Aber auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum können Sie noch verwendet werden: Als Isolationsmaterial bei der Altbausanierung, als Schmiermittel in Hochleistungsmotoren oder als Katalysator und Energielieferant im Laufe der Produktion von Energiesparlampen.

Lebensmitteltechnikern multinationaler Konzerne ist es überdies gelungen, sämtliche natürlichen Aromen aus den Produkten der Weideboter zu entfernen und sie bei Bedarf durch künstliche Stoffe zu ersetzen. Dies sichert wiederum Arbeitsplätze in der chemischen Industrie, um die freigesetzten Mitarbeiter aus Agrarbetrieben und Molkereien weiter beschäftigen zu können. Mit den Cowputern sei man auf dem richtigen Weg zu unermesslichem Reichtum, Wohlstand für alle, rekordverdächtigen Renditen und dementsprechenden Dividenden, heißt es in einer Mitteilung des Niederländischen Discounter-Verbandes. Darin verweist man auch stolz darauf, dass man nach Hinweisen von Pädagogen- und Tourismusverbänden vorerst die Roboter noch unter freiem Himmel äsen lässt. Dies geschehe aus Verantwortung für die nachwachsenden Generationen und aus Rücksicht auf Urlauber und Gäste. Spätestens 2013 sollen die Roboter dann aber nur noch in Produktionshallen eingesetzt werden, um die Kosten weiter zu senken. Einzelne Exemplare könnten aber mit Werbeaufdruck und Leuchtreklamen versehen werden, um als Werbeträger auf Weiden und Wiesen zu dienen.

Europaweit wurde das Projekt aus den Niederlanden mit großem Interesse und viel Zustimmung wahrgenommen. Die Cowputer seien eine wichtige Stufe auf dem Weg hinaus aus der wirtschaftlichen Talsohle hinauf zu neuen wirtschaftlichen Höhen. Vereinzelte warnende Stimmen von Kunden und Verbraucherschützern wurden mit dem Hinweis auf die Umstände im Allgemeinen als Nörgelantentum abgetan. Außerdem füge sich die Weideboter-Milch nahtlos ein in die Reihe anderer erfolgreicher Agrarindustrie-Errungenschaften wie zum Beispiel der geschmacklosen Wassertomate, die bald auch eckig und daher besser stapelbar vorliegen soll.

(Hier endet die Geschichte – allerdings nicht ohne den Hinweis, dass dieser Text nur dank der Zuarbeit von Christian Kohlhof möglich war. Bitte was? Es ist nämlich so: Ich habe einen Namensvetter. Er heißt – klar – Christian Kohlhof und lebt in München. Dort beschäftigt er sich mit Kaffee und Cafés. Wir haben uns noch nie gesehen, aber die eine oder andere Mail ist schon hin und her gegangen im Laufe der Jahre. Von ihm stammt das Foto in diesem Artikel. Das Bild kam per Mail mit dem Hinweis “Es ist soweit: die Holländer setzen auf ihren Weiden echte Weide-Ro-Boter ein. Sehen aus wie Kühe, sind  aber viel effizienter.” Vielen Dank und viele Grüße nach München!)

Autor: Christian

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