Signal-Wirkung

Screenshot eines Whatsapp-Status', es zeigt das Icon der Messenger-App Signal.
Statusupdate

“Das Leben ist zu kurz, um dauernd den Whatsapp-Status zu ändern” ist normalerweise mein Whatsapp-Status. Gestern habe ich dann doch mal Zeit investiert, um einen Wechsel zu einem anderen, viel schöneren, freundlicheren, sichereren, guten Messenger zu beginnen. “Ich versuche es jetzt mal mit Signal. Wer noch?”

Nach knapp 24 Stunden kann man diesen ersten Versuch als eher so mittelerfolgreich bezeichnen. Hier die Statistik: 65 Kontakte bei Whatsapp haben den Status gesehen. Ich habe beim grünen Messenger vier Nachrichten dazu bekommen. Drei Hinweise, dass man auch selbst schon bei Signal sei – und eine besorgte Frage, was denn los sei.

Beim blauen Mitbewerber habe ich keine einzige Nachricht bekommen. Hmtja. Ich werde nicht nachlassen.

Deckel und Blasen

Rostbrauner Gullideckel im Vordergrund. Links und rechts Fassaden von Staatskanzlei und Ministerien, im Hintergrund klein: das Schweriner Schloss.
Eine Frage der Perspektive: Dieses Foto vermittelt möglicherweise einen ungünstigen Eindruck von der Größe von Gullideckeln in Schwerin einerseits und den Ausmaßen des Schlosses andererseits.
Seifenblasen schweben vor einem großen Fenster, in der durchsichtigen Haut sind rund verzerrte Reflexionen von Hausfassaden zu erkennen.
Durchsichtige Angelegenheit: In Seifenblasen vor einem Spielwarengeschäft in Schwerin spiegeln sich Häuserfassaden.

Das Bernsteintrauma – und wie es heute endete

Zum allerersten Mal in meinem Leben habe ich heute Bernstein gefunden, am Strand, ganz allein. Und das kam so.

Bernstein am Strand von Prerow. Fürs Foto wie zufällig arrangiert.

Der Strand von Prerow ist an einem sonnigen Januar-Sonnabend ein angenehmer Ort. Alles wirkt irgendwie so gelassen – und zuversichtlich. Ein paar Spaziergänger lustwandeln an der Brandungskante entlang, einige springen zuweilen quiekend landeinwärts, wenn eine Ostseewelle mal neugierig an ihren Gummistiefeln schnuppern will. Möwen dümpeln dösend in sicherer Entfernung zum Ufer, als würde sie die sachte Dünung in den Mittagsschlaf schaukeln. Das Dünengras hat im Winterwind der vergangenen Stunden Halbkreise in den feinen Sand gestreichelt. Im warmen Licht der Wintersonne sieht das dann aus wie eine Sonnenuhr.

Dünen-Sonnen-Uhr

In dieser Atmosphäre spaziert man dann also am Strand entlang, direkt am Wasser, wo unter den schweren Sohlen der Winterstiefel bei jedem Schritt Muschelhaufen knrischend bersten. Die Ostsee hat in den vergangenen windigen Tagen jede Menge Seetang an den Strand geworfen, Treibholz dazwischen. Der Wind selbst hat den kalten Sand glattgeschliffen. Fußspuren verschwinden, als würden sie ausradiert. Wenn Möwen nicht gerade dösend dümpeln, pulen sie mit ihren Schnäbeln lustlos in den müffelnden Tang-Häufchen herum – so wie Hotelgäste am Frühstücksbüffet, wenn sie nicht wissen, welche der sieben Sorten Leberwurst sie sich nun auf ihren Teller laden sollen.

Dümpelnde Möwe.

Während man dann also dort so entlang schlendert, gesenkten Hauptes seinen Gedanken nachhängt, sich an der Sonne erfreut und gerade noch so überlegt, dass der kleine, weiße Hund, der einem eben mit der plaudernden Familie entgegen gekommen war, bestimmt der Idefix-Darsteller aus Asterix-Filmen gewesen sein muss…. dann blinkt etwas zwischen Muscheltrümmern, Tangfetzen und Treibohlzsplittern – direkt vor der Schuhspitze. Ein kleiner gelbbrauner Klumpen.

Jahrzehnte voller Enttäuschungen, was vermeintliche Bernsteinfunde angeht, liegen hinter mir. Wie oft habe ich mich schon nach irgendwelchen gelblichen, weißen, beigen, braunen Brocken gebückt in der frohen Erwartung, jetzt endlich auch mal Glück gehabt zu haben. Genau so oft habe ich wenig später diese Fundstücke wieder fallen lassen. Sobald der letzte Tropfen Ostseewasser von der schimmernden Oberfläche verdunstet war, stellte sich stets heraus: Das ist ein ganz normales Steinchen oder einfach nur ein Stück glattgespültes Flaschenglas. Man stumpft dann ja ab, empfindet es irgendwann als würdelos, sich auch nur noch ein einziges Mal nach diesen Dingern bücken zu müssen. Ich überwand also meine Abscheu, schluckte meinen Stolz herunter, griff nach dem Steinchen, wog es in meinen Pranken, stubbte mit dem Daumen Sandkörner ab und war mir nicht sicher. Die Kanten fühlten sich scharf an, aber das Ding war auch so leicht. Erst da merkte ich, wo ich hineingeraten war.

Ein paar Meter voraus hatte die Ostsee einen besonders beachtlichen Haufen Tang angespült. Und dort stakten keine Möwen herum, sondern vier Gestalten in dunkelgrünen Öljacken und schwarzen Gummistiefeln. So wateten sie durch Tang und Wasserlachen und schwangen Harken. Bersteinsucher. Experten. Auskenner. Und von diesen vier habe ich es sozusagen wörtlich: “Joa, das is einer.” Also Bernstein. Jahrzehnte der Schmach fielen von mir ab.

Ich bin sozusagen von meinem Bernsteintrauma geheilt und ahne jetzt schon, dass es eine gewisse Regelmäßigkeit mit meinem Bernsteinglück gibt. Darum kann ich jetzt schon absehen, wann ich den nächsten Bernsteinfund vermelden kann: So etwa im Jahr 2047.

Prerow ist ein Ostseebad auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, östlich von Rostock. Von der Seebrücke aus kann man unter anderem westwärts am Strand entlang laufen. Nach mehreren Kilometern beginnt die Kernzone des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Am Nothafen Darßer Ort endet der Strandabschnitt, weiter im Landesinneren gibt es weitere Wege.

Tipps zur Bernsteinsuche gibt es unter anderem auf der Internetseite eines großen Rundfunkanbieters im Norden Deutschlands. Dort steht auch, was passiert, wenn man Phosphor mit Bernstein verwechselt. Schön ist das dann jedenfalls nicht.