
Christian Kohlhof | Rostock, Schwerin

In der Redaktion gabs heute ein Frühstück – und jeder hat was dazu beigetragen. Ich habe meinen Teil outgesourced und die Dame meines Herzens gebeten, Brötchen zu backen – nach einem Rezept, das immer wieder für Aufsehen am Frühstückstisch sorgt. Die kleinen, kompakten, leicht süßen Brötchen entstehen so:
Zutaten:
1 Kilogramm Mehl, 2 Tüten Trockenhefe, 5 bis 6 Esslöffel Zucker, 2 Teelöffel Salz, 6 Esslöffel Öl, 500 Milliliter lauwarmes Wasser.
Und so gehts:
Alle trockenen Zutaten vermischen, dann Öl und Wasser unterkneten. Was macht man dann? Klar: Aus dem Teig eine Kugel formen, mit einem Tuch abdecken und gehen lassen. Danach noch mal durchkneten und dann aufs Blech legen. Weil das Auge ja mitfrühstückt, sollte man die Brötchen optisch aufpeppen. Zum Beispiel, indem man aus kleinen Teig-Schlangen Knoten knotet oder so. Oder man verschwurbelt den Teig zu einem einzigen großen Zopf – das ist dann die Brot-Option bei diesem Rezept.
Noch was? Ach ja, die Backzeit. Bei Heißluft-Öfen reichen 180 Grad, bei Ober- und Unterhitze müssen es 200 Grad sein. Ein Zopf benötigt etwa 30 Minuten in der Hitze – Brötchen sind nach etwa einer Viertelstunde fertig. Man sollte das auf jeden Fall im Auge behalten.
Beeindruckend, was der Jackie Chan der Bierkisten da anstellt – aber was für eine tragische Verschwendung. Wer soll bloß 200 Flaschen Bier trinken? ;-)
Diese komischen Regale im Lebensmitteldiscounter für Billigstbrötchen verlangen motorisch durchschnittlich veranlagten Menschen alles ab – die Verlockungen, Brötchen selbst auszuwählen, kaschieren die Bürde, die einem der durchkalkulierte Markt auflegt: Die Chance, eine Schrippe unfallfrei in die eigene Tüte zu befördern, ist verschwindend gering. Brötchenfächer und -zangen sind eine Fehlkonstruktion – und zwei Hände reichen für diesen Zweck leider nicht aus.
Welcher Wahnsinnige hat sich eigentlich das Backwaren-Selbstbedienungsregal für Supermärkte und Discounter ausgedacht? Es ist ein menschen- und brötchenverachtendes System aus Klappen, Riegeln und Zangen, das man überwinden muss, um eigenständig frische Schrippen aus Plexiglasboxen herauszufischen – um dann ein paar Cent zu sparen. Wer es bewerkstelligt, Brötchen fehlerfrei aus den Fächern in die eigene Tüte zu befördern, der hat sich bestimmt automatisch für “die perfekte Minute” qualifiziert. Wer Roggen-Schrippen aus dem Kasten balancieren kann, der schafft es auch, im Fernsehen Pizzakartons auf doofen Pappkegeln auszutarieren oder Schraubenmuttern mithilfe eines wackeligen Drahtes senkrecht übereinander zu stapeln.
Rudern – mein Lieblingssport. Komisch, dass ich so lange abstinent war…
Habe ich hier eigentlich überhaupt schon mal über die beste Sportart der Welt geschrieben, also übers Rudern? Eigentlich nicht. Warum bloß? Dabei habe ich bereits 1986 zum ersten Mal in einem Boot gesessen, es hieß “Gudrun” und gehörte der KRR, der Ruderriege des Katharieneums. Ich habe ja damals fast mehr Zeit im Bootshaus als in der Schule verbracht – in etwa so, wie ich später häufiger im NDR-Ostseestudio anzutreffen war als im Hörsaal.
Rudern, also, das richtige, nicht Paddeln in Kajaks, Kanus oder Kanadiern, sondern in handfesten Ruderbooten, ist sensationell. Übers Wasser gleiten im Einer oder in Mannschaftsbooten ist ebenso anstrengend wie entspannend und zudem der Gesundheit äußerst dienlich – mal abgesehen davon, dass einem oft der Hintern weh tut auf den hölzernen Rollsitzen und dass die Hände Schwielen zeigen – aber irgendwas ist ja immer…
Er ist weg, unauffindber, unwiederbringlich. Mein Glückspfennig. Ein echter Glückspfennig! Was soll nun werden? Über fünf Jahre steckte er im Münzfach meines Portemonnaies. Anfang 2005 hatte ich ihn gefunden, als ich gerade aus dem Auto steigen und zur wichtigsten mündlichen Prüfung meines Studienabschlusses schreiten wollte. Da lag er im Staub der Straße – als es schon längst Cent-Münzen gab. Ich habe ihn aufgesammelt, eine sehr gute Prüfung hingelegt und meinen Pfennig gehegt und gepflegt und überall mit hingenommen.
Bis irgendwann vor ein paar Tagen. Ich sehe ihn noch vor mir, wie ich auf Rügen eine Restaurantrechnung begleiche, da trudelte er noch zwischen ein paar ungestümen Zehn-Cent-Stücken umher, die eigene Kante schartig und zerkratzt, der Aufdruck “Bank Deutscher Länder” kaum noch zu entziffern, aber die 1 und das Eichenlaub waren noch deutlich zu erkennen. Tja – und dann ist er wohl durch das kleine Loch unten am Münzfach in die Wildnis gepurzelt. Stumm – und vermutlich auch noch sanft auf einem Grasbüschel oder Teppich gelandet – jedenfalls habe ich keinen Aufschlag gehört. Mit ein bisschen Wehmut denke ich an unsere gemeinsame Zeit und bin der festen Überzeugung, dass er zu meinem persönlichen Wohlergehen einiges beigetragen hat. Danke dafür! Wie es nun weitergehen soll, ich weiß es nicht. Es wird schon gehen, ich komme klar. Ich habe ja noch das metallene Ampelmännchen als Talismann im Geldbeutel.
Und auch um meinen Pfenig mache ich mir keine Sorgen – so einer hat bestimmt selbst Glück und kommt bei einem netten neuen Besitzer unter.
Wenn der Autoglaser eine neue Windschutzscheibe einbaut, ist man gezwungen, ein paar Stunden zu Fuß durch die Umgegend zu streifen. Und da blüht einem dann am Rand des schmalen Gehwegs an der Schnellstraße zwischen Gewerbegebiet ein Einkaufszentrum so einiges – aber was?


Vielleicht hätte ich doch nicht so laut und öffentlich dumme Bemerkungen über diese seltsame Autoglaser-Werbung im Radio machen sollen. Jedenfalls hatte ich ebenso plötzlich wie möglicherweise zufällig einen kapitalen Riss in der Windschutzscheibe. So sah man mich heute nicht nur drei Stunden darauf warten, sondern auch noch einen saftigen Selbstbeteiligungsbeitrag bezahlen. Allerdings fehlen mir die Beweise, um an eine Art Vergeltung der Autoglaser glauben zu können.
Natürlich muss mir so etwas auch noch an einem WM-freien Tag passieren, obwohl das Unternehmen doch gerade versprochen hat, mir an Spieltagen besonders schnell helfen zu wollen. Fußball und ich, wir finden einfach auf keiner einzigen Ebene zueinander.
Also, wenn man einfach nur mal Mittag machen will, also essen, aber man nennt das ja gern mal sprachlich verwahrlosend “Machen” …. Wenn man also Mittag zu sich nehmen will, dann wird man manchmal mit vollkommen unvorhersehbaren Ereignissen konfrontiert. So ist es uns heute passiert. Ich habe das nach der Mittagspause nebenan beim Kollegen Ralf Markert verarbeitet.