Also, in Rostock schneit es. Ein bisschen.
Kategorie: Aktuell
Wesentliches Neues aus aller Welt
Zettel-Wirtschaft
Die bislang beste und interessanteste Dokumentation über den Tag der Wende vor fast 20 Jahren gabs am Montag im Ersten zu sehen. “Schabowskis Zettel”: Im Mittelpunkt eben die kleine Notiz, die Günter Schabowski am 9. November 1989 um kurz vor 19 Uhr vor der internationalen Presse in Ost-Berlin vorgetragen hat, obwohl diese Mitteilung eigentlich eine Sperrfrist bis zum nächsten Morgen trug. So aber geriet der Zettel außer Kontrolle.
Da kamen Zeitzeugen zu Wort, die sehr mitreißend erzählt haben. Vier Bilder waren teilweise nebeneinander geschnitten, um zu verdeutlichen, was alles gleichzeitig in Berlin passiert ist an jenem Abend. Wie eine Sonderausgabe der Fernsehserie “24”. Den Zettel übrigens kann man sich noch mal ansehen, er ist auf der Homepage des NDR als PDF-Datei zu finden. Beachten Sie auch die zweistellige Archiv-Nummer des Bundesbauftragten für die Stasi-Unterlagen.
Und den Film selbst gibt es (noch) in der Mediathek der ARD zu sehen.
via.
Impfos
Suche nach Schweinegrippen-Infos auf rostock.de, schwerin.de und luebeck.de – mit teilweise fragwürdigen Ergebnissen.
Wie informieren eigentlich die Kommunen in Mecklenburg über die Impfaktionen zur Schweinegrippe, also über Öffnungszeiten, Ansprechpartner, Praxen und Gesundheitsämter, über Empfehlungen und Warnungen? Also, wo gibt es Impfos (um das Wort Informationen mal mit einem Sprachfehler abzukürzen…). Angesichts der Tatsache, dass es heute diverse Meldungen gab, dass sich das H1N1-Virus nun wohl dochein bisschen schneller ausbreitet als erwünscht, kann man dieser Frage ja durchaus mal nachgehen. Und schließlich läuft die Impfaktion schon eine Woche. Aber: Wenn man sich auf der städtischen Internetseite informieren will, ist man nicht immer gut bedient. Ein weiterer knallharter Rostock-Schwerin-Vergleich (Stand, 2.11.2009, 19:00)
Update: eine Liste mit den Impfzeiten der Gesundheitsämter in Mecklenburg-Vorpommern gibt es als PDF-Datei auf der Internetseite des Landesamtes für Gesundheit und Soziales. „Impfos“ weiterlesen
Quelle verstopft
- Wie geplündert: Die Internetseite von Quelle gibt unterm Ansturm der Insolvenz-Ausverkaufs-Kunden gerade nicht mehr her.
Heute um 6 Uhr hat der Ausverkauft im Internetshop des insolventen Katalogkaufhauses Quelle begonnen. Es ist in etwa so, wie früher beim Winter- oder Sommerschlussverkauf. Die Fernsehnachrichten zeigten damals Bilder von drängelnden und schubsenden, keifenden und zeternden Kundinnen, die sich um den Korb mit runtergesetzten Trikotagen in Übergrößen balgten. So in etwa sieht es im übertragenen Sinne zur Stunde wohl auch auf dem Server von quelle.de aus. Da geht kaum noch was. Schließlich hat der Insolvenzverwalter ja Rabatte bis 30 Prozent in Aussicht gestellt. Ob es schon jemandem gelungen ist, so lange eine Verbindung zum Intershop-System zu halten, um tatsächlich etwas in den Einkaufswagen zu legen und die Bestellung abzuschicken?
Für mich wäre sowohl das analoge als auch das digitale Gedrängel ja nichts… auch, weil ich dabei immer an den Gemütszustand der Verkäufer denken müsste. Die Kunden, die jahrelang nicht gekommen sind, stürmen sozusagen am letzten Tag den Laden und nehmen alles mit, was nicht festgenagelt ist.
Das habe ich mal in Lübeck miterlebt, am letzten Tag des Elektronikkaufhauses Lehmensiek an der Königstraße. Es war ein Sonnabend, das Geschäft sollte bald schließen, für immer. Am letzten Tag, in den letzten Minuten des Ausverkaufs gab es eigentlich nichts mehr, was man noch hätte kaufen können. In der Mitte des Ladenlokals stand auf dem ausgelatschten Teppich, unter einer teilweise schon abgschalteten Beleuchtung ein Wühltisch mit Drahtumrandung. Darin: Ein paar Kabelreste, abgeschnittene Stecker, eine leere CD-Hülle mit gesplitterter Front und so weiter.
Darum kreisten wie eine Wolke aus Staub und Trümmern um das Auge eines Orkans Kunden mit aschfahlem Gesicht und grauen abgestoßenen Windjacken – und dazu passendem Gesichtsausdruck. Die Geier. In Minutenabständen musste eine Verkäuferin des niedergehenden Traditionshauses über die Lautsprecher den Einzelhandels-Countdown verkünden: “Noch 2 Minuten – jetzt alle Artikel 50 Pfennig”. So wie sie klang, stellt man sich die Stimme eines zum Tode Verurteilten vor. “Noch eine Minute – alle Artikel jetzt nur noch 10 Pfennig.” Trotz dieser sensationellen Offerte blieb der Laden schließlich auf seinen Kabelfetzen sitzen. Die Geier zogen weiter.
Uhr umstellen
Vielleicht wird das Gefrickel mit Knöpfchen und Kronen, mit denen man die Uhrzeiger umstellen muss – jedes Mal, wenn zwischen Sommer- und Winterzeit hin und her geswitcht werden muss – bald überflüssig… wenn diese Designstudie Schule macht.
Bis dahin hilft nur, jetzt die Uhren nach der überlieferten Methode eine Stunde zurückzustellen…
Wie sagt man?
Notruf aus Lettland: “Christian, unser Unternehmen will der deutschen Botschaft einen Brief zum 3. Oktober schicken. Wie sagt man: Herzlichen Glückwunsch zum Tag der Deutschen Einheit? Oder Herzliche Grüße?” – Tja, das diplomatische Parkett ist ein äußerst glattes, da will man ja ungern was Falsches sagen. Nach längerem Überlegen kam ich zum dem Schluss, dass “Herzliche Glückwünsche” durchaus passend klingt. Wie sind hier die Meinungen?
Wahlbeteiligung
Ich lebe in einem Bundesland, in dem 36,9 Prozent der Wahlberechtigten es vorgezogen haben, lieber nicht zur Bundestagswahl zu gehen. Bei allem Verständnis für materielle Sorgen wegen Arbeits- und Perspektivlosigkeit, die einen vielleicht an der Leistungsfähigkeit und -bereitschaft von Parteien und Personen zweifeln lassen, kann ich es trotzdem nicht verstehen, dass man sich dazu entschließt, nicht über die Zusammensetzung des Parlaments mit abstimmen zu wollen. Schließlich darf man vom Staat einiges erwarten, das darf umgekehrt aber auch der Staat von seinen Mitgliedern. Aber vielleicht sind das ja alles nur ehemalige SPD-Wähler, die aus lauter Verzweiflung nicht wussten, was sie wählen sollten.

Diese Karte von der Internetseite des Landeswahlleiters jedenfalls zeigt die Wahlbeteiligung im Nordosten in jedem einzelnen Wahlbezirk. Den Negativ-Rekord in Sachen Wahlbeteiligung hält in Mecklenburg-Vorpommern die Gemeinde Bibow zwischen Wismar und Schwerin. Dort lag die Beteiligung an der Bundestagswahl bei gerade mal 34,7 Prozent, da sind also 65,3 Prozent der Wählerinnen und Wähler nicht hingegangen zum Wahllokal. In absoluten Zahlen: Von 334 Männern und Frauen hatten nur 116 das Bedürfnis, Ihr Wahlrecht zu nutzen. Geradezu vorbildlich hingegen der Ansturm auf die Wahlkabinen in Beseritz in Mecklenburg-Strelitz. 86,2 Prozent aller Wählerinnen und Wähler waren da. Das ist kein Trost, und auch die Tatsache, dass in Sachsen-Anhalt die Beteiligung noch niederiger lag als in Mecklenburg-Vorpommern, hilft nicht weiter.
Und wie sieht es in Rostock und Schwerin aus? Der Unterschied in der Wahlbeteiligung liegt bei 0,3 Prozentpunkten. Schwerin 65,8, Rostock 65,5 Prozent Wahlbeteiligung. Hm, das ist kaum ein Unterschied, da kann man im knallharten Städtevergleich keine Punkte vergeben. Es bleibt also bei
Rostock:Schwerin – 2:4
(Rohdaten und Tabellen mit dem vorläufigen Endergebnis gibt es auch beim Bundeswahlleiter. Analysen zu Wählermotiven und Wählerwanderungen von InfratestDimap stapeln sich bei wahl.tagesschau.de)
Werbeanruf: Weniger Anrufe
Klingeling. 0800er-Nummer.
Ich: “Hier ist Christian Kohlhof.”
Telefon: “Schönen guten Tag, mein Name ist C.Z. Ich rufe im Auftrag der Deutschen Telekom an. Ich möchte bitte Christian Kohlhof sprechen.”
Ich: “Das bin ich.”
Telefon: “Schön, dass ich Sie direkt erreiche. Ich wollte Ihnen nur mitteilen, dass die Deutsche Telekom und T-Mobile nun in der Kundenbetreuung zusammenarbeiten – und dass Sie nun keine unnötigen Werbeanrufe mehr von uns erhalten.”
Ich: “?!?!???”
Telefon: “Das finden Sie doch sicherlich in Ordnung?”
Ich: “Jaa?”
Telefon: “Gut, dann würde ich das jetzt gern noch mal auf Band aufnehmen. Sind Sie damit einverstanden?”
Ich: “Bitte was?”
Telefon: “Um das zu protokollieren.”
Ich: “Ums mal zusammenzufassen: Sie wollen künftig keine unnötigen Anrufe mehr bei ihren Kunden machen… und ausgerechnet deshalb rufen Sie nun an?!?! Wäre es als erster Schritt nicht passender gewesen, einen Brief zu schicken? … Oder es einfach zu tun bzw. sein zu lassen?!?”
Telefon: “Ja, äh. Das hat Kostengründe… und Umweltschutzgründe. Es geht einfach schneller. Das Telefonieren.”
Ich: “Und was wollen Sie jetzt auf Band aufnehmen?”
Telefon: “Ich lese Ihnen die Fragen schon mal vor: 1.) – Ich bin mit der Aufzeichnung einverstanden… da sollten Sie dann ja sagen. Und dann: Ich bin damit einverstanden, dass die Deutsche Telekom und T-Mobile Kundendaten austauschen und mich über Aktionen und Angebote informieren.”
Ich: “?!?!??”
Telefon: “Das machen wir, um uns abzusichern. Aber verstehen Sie, ich handele auch nur nach Vorschrift.”
Ich: “Mit der Aufnahme bin ich nicht einverstanden.”
Telefon: “Dann bedanke ich mich und wünsche Ihnen schon mal einen schönen Feiertag.”
Ich: “Ihnen auch.”
Telefon: Klick.
Ich: “?!!???????????”
Das ist die sinngemäße Wiedergabe eines Anrufs von gerade eben. Werde jetzt mal beim Kundenservice nachfragen, was es damit auf sich hat. Im Pressebereich bei T-Home jedenfalls findet man alles Mögliche – bloß keinen Hinweis auf diese ach so segensreiche Aktion, dass man Kunden anruft um ihnen mitzuteilen, dass man sie künftig nicht mehr anruft – und um sich dann die Bestätigung zu holen, künftig ganz gezielt über Produkte informieren zu dürfen …
Das erinnert mich überdies an einen Anruf am Sonntag vor wohl zwei Wochen. Gegen 10 Uhr morgens. Man ahnt ja nichts Böses, wenn man da aus dem Bett wankt und ans Telefon geht. “Ja, hier Frau Dingsbums vom Warnowkurier-Vertrieb (Warnowkurier – ein kostenloses Anzeigenblättchen, mit dem Mittwochs und Sonntags Rostocker Briefkästen ungefragt überschwemmt werden – als Hinweis für Leser von Auswärts). Ich wollte mal nachfragen, auch um unsere Zusteller zu kontrollieren, ob bei Ihnen heute schon der aktuelle Warnowkurier steckt.” Mal abgesehen davon, dass man Fachjargon vermeiden sollte, wenn man in Kontakt mit möglichen Kunden tritt, war mir das persönlich um diese Uhrzeit vollkommen egal. “Und deshalb rufen Sie also am frühen Sonntag hier an, ja?” – “Ja, äh, das dient unserer Qualitätskontrolle…” – “Wissen Sie was, ich weiß es nicht. Wo Ihr Warnowkurier steckt. Und ich kann Ihnen da auch nicht helfen.” – Zum Abschluss gabs das übliche Service-und-schönen-Tag-noch-Geschwafel.
Aber die besten Antworten fallen einem ja immer erst ein, wenn das Gespräch schon beendet ist. “Wissen Sie, wo sie sich ihren Warnowkurier und diesen Anruf hinstecken können?” wäre bestimmt lustig gewesen. Aber leider… bin ich für solche Dinge viel zu höflich… Noch jedenfalls. Mit jedem weiteren Aurf dieser Art schrumpft die Hürde, bis sie einfach überrannt wird.
Blumenmeer
18 Fotos vom Spätsommer auf der Buga in Schwerin
473 Aufnahmen passten heute auf den Chip in meinem Fotoapparat. Es hätten gern noch ein paar hundert mehr sein können – denn auf der Bundesgartenschau in Schwerin haben fotoaffine Menschen wie ich zwangsläufig das Gefühl, unbedingt auch noch dieses eine Motiv… Es folgt deshalb eine Flut an Formen und Farben in beinahe willkürlicher Auswahl. Schönen Sonntag! (Alle Fotos: Christian Kohlhof – alle Rechte vorbehalten)
