Schalperiode

Mit der Heizperiode hat in vielen Büros in diesem Jahr nun auch eine Schalperiode begonnen. So sieht man nun auf jedem Flur Kolleginnen und Kollegen ganz besondere Halstücher zur Schau tragen. Ganz so, als hätten Sie bei der morgendlichen hektischen Ankunft im Büro zwar gerade noch daran gedacht, den Mantel abzulegen – dann aber inmitten bimmelnder Telefone und angesichts neuer Aktenstapel auf dem Schreibtisch vergessen, auch noch den Schal vom Hals zu wickeln.

Und so ist man dann in der nicht ganz angenehmen Situation, dass man sich bei jedem Pausenplasuch und jeder Bürobesprechung zwingen muss, nicht dauernd hinzustarren auf den Schal. “Entschuldigung, Sie haben da was am Hals”, möchte man sagen. Aber wäre das zu aufdringlich? Vielleicht ist ja doch alles Absicht und der Wickel zwischen Kinn und Brust soll so – und diesen Kontrast bilden zwischen Pullover, Bluse oder Sakko.

Natürlich gehen die Gedanken dann in zwei Richtungen: 1.) Was kommt als nächstes – indoor-Pudelmützen vielleicht? Und 2.) brauche ich jetzt auch so ein Schal-Dings, was kostet es, gibts das auch in meiner Größe, wie lange wird es hipp sein… Ich werde darüber nachdenken – bis zum Frühling bin ich damit hoffentlich durch.

Wie sagt man?

Notruf aus Lettland: “Christian, unser Unternehmen will der deutschen Botschaft einen Brief zum 3. Oktober schicken. Wie sagt man: Herzlichen Glückwunsch zum Tag der Deutschen Einheit? Oder Herzliche Grüße?” – Tja, das diplomatische Parkett ist ein äußerst glattes, da will man ja ungern was Falsches sagen. Nach längerem Überlegen kam ich zum dem Schluss, dass “Herzliche Glückwünsche” durchaus passend klingt. Wie sind hier die Meinungen?

Wahlbeteiligung

Ich lebe in einem Bundesland, in dem 36,9 Prozent der Wahlberechtigten es vorgezogen haben, lieber nicht zur Bundestagswahl zu gehen. Bei allem Verständnis für materielle Sorgen wegen Arbeits- und Perspektivlosigkeit, die einen vielleicht an der Leistungsfähigkeit und -bereitschaft von Parteien und Personen zweifeln lassen, kann ich es trotzdem nicht verstehen, dass man sich dazu entschließt, nicht über die Zusammensetzung des Parlaments mit abstimmen zu wollen. Schließlich darf man vom Staat einiges erwarten, das darf umgekehrt aber auch der Staat von seinen Mitgliedern. Aber vielleicht sind das ja alles nur ehemalige SPD-Wähler, die aus lauter Verzweiflung nicht wussten, was sie wählen sollten.

wahlbeteiligung_btw_2009

Diese Karte von der Internetseite des Landeswahlleiters jedenfalls zeigt die Wahlbeteiligung im Nordosten in jedem einzelnen Wahlbezirk. Den Negativ-Rekord in Sachen Wahlbeteiligung hält in Mecklenburg-Vorpommern die Gemeinde Bibow zwischen Wismar und Schwerin. Dort lag die Beteiligung an der Bundestagswahl bei gerade mal 34,7 Prozent, da sind also 65,3 Prozent der Wählerinnen und Wähler nicht hingegangen zum Wahllokal. In absoluten Zahlen: Von 334 Männern und Frauen hatten nur 116 das Bedürfnis, Ihr Wahlrecht zu nutzen. Geradezu vorbildlich hingegen der Ansturm auf die Wahlkabinen in Beseritz in Mecklenburg-Strelitz. 86,2 Prozent aller Wählerinnen und Wähler waren da. Das ist kein Trost, und auch die Tatsache, dass in Sachsen-Anhalt die Beteiligung noch niederiger lag als in Mecklenburg-Vorpommern, hilft nicht weiter.

Und wie sieht es in Rostock und Schwerin aus? Der Unterschied in der Wahlbeteiligung liegt bei 0,3 Prozentpunkten. Schwerin 65,8, Rostock 65,5 Prozent Wahlbeteiligung. Hm, das ist kaum ein Unterschied, da kann man im knallharten Städtevergleich keine Punkte vergeben. Es bleibt also bei

Rostock:Schwerin – 2:4

(Rohdaten und Tabellen mit dem vorläufigen Endergebnis gibt es auch beim Bundeswahlleiter. Analysen zu Wählermotiven und Wählerwanderungen von InfratestDimap stapeln sich bei wahl.tagesschau.de)

Werbeanruf: Weniger Anrufe

Klingeling. 0800er-Nummer.

Ich: “Hier ist Christian Kohlhof.”

Telefon: “Schönen guten Tag, mein Name ist C.Z. Ich rufe im Auftrag der Deutschen Telekom an. Ich möchte bitte Christian Kohlhof sprechen.”

Ich: “Das bin ich.”

Telefon: “Schön, dass ich Sie direkt erreiche. Ich wollte Ihnen nur mitteilen, dass die Deutsche Telekom und T-Mobile nun in der Kundenbetreuung zusammenarbeiten – und dass Sie nun keine unnötigen Werbeanrufe mehr von uns erhalten.”

Ich: “?!?!???”

Telefon: “Das finden Sie doch sicherlich in Ordnung?”

Ich: “Jaa?”

Telefon: “Gut, dann würde ich das jetzt gern noch mal auf Band aufnehmen. Sind Sie damit einverstanden?”

Ich: “Bitte was?”

Telefon: “Um das zu protokollieren.”

Ich: “Ums mal zusammenzufassen: Sie wollen künftig keine unnötigen Anrufe mehr bei ihren Kunden machen… und ausgerechnet deshalb rufen Sie nun an?!?! Wäre es als erster Schritt nicht passender gewesen, einen Brief zu schicken? … Oder es einfach zu tun bzw. sein zu lassen?!?”

Telefon: “Ja, äh. Das hat Kostengründe… und Umweltschutzgründe. Es geht einfach schneller. Das Telefonieren.”

Ich: “Und was wollen Sie jetzt auf Band aufnehmen?”

Telefon: “Ich lese Ihnen die Fragen schon mal vor: 1.) – Ich bin mit der Aufzeichnung einverstanden… da sollten Sie dann ja sagen. Und dann: Ich bin damit einverstanden, dass die Deutsche Telekom und T-Mobile Kundendaten austauschen und mich über Aktionen und Angebote informieren.”

Ich: “?!?!??”

Telefon: “Das machen wir, um uns abzusichern. Aber verstehen Sie, ich handele auch nur nach Vorschrift.”

Ich: “Mit der Aufnahme bin ich nicht einverstanden.”

Telefon: “Dann bedanke ich mich und wünsche Ihnen schon mal einen schönen Feiertag.”

Ich: “Ihnen auch.”

Telefon: Klick.

Ich: “?!!???????????”

Das ist die sinngemäße Wiedergabe eines Anrufs von gerade eben. Werde jetzt mal beim Kundenservice nachfragen, was es damit auf sich hat. Im Pressebereich bei T-Home jedenfalls findet man alles Mögliche – bloß keinen Hinweis auf diese ach so segensreiche Aktion, dass man Kunden anruft um ihnen mitzuteilen, dass man sie künftig nicht mehr anruft – und um sich dann die Bestätigung zu holen, künftig ganz gezielt über Produkte  informieren zu dürfen …

Das erinnert mich überdies an einen Anruf am Sonntag vor wohl zwei Wochen. Gegen 10 Uhr morgens. Man ahnt ja nichts Böses, wenn man da aus dem Bett wankt und ans Telefon geht. “Ja, hier Frau Dingsbums vom Warnowkurier-Vertrieb (Warnowkurier – ein kostenloses Anzeigenblättchen, mit dem Mittwochs und Sonntags Rostocker Briefkästen ungefragt überschwemmt werden – als Hinweis für Leser von Auswärts). Ich wollte mal nachfragen, auch um unsere Zusteller zu kontrollieren, ob bei Ihnen heute schon der aktuelle Warnowkurier steckt.” Mal abgesehen davon, dass man Fachjargon vermeiden sollte, wenn man in Kontakt mit möglichen Kunden tritt, war mir das persönlich um diese Uhrzeit vollkommen egal. “Und deshalb rufen Sie also am frühen Sonntag hier an, ja?” – “Ja, äh, das dient unserer Qualitätskontrolle…” – “Wissen Sie was, ich weiß es nicht. Wo Ihr Warnowkurier steckt. Und ich kann Ihnen da auch nicht helfen.” – Zum Abschluss gabs das übliche Service-und-schönen-Tag-noch-Geschwafel.

Aber die besten Antworten fallen einem ja immer erst ein, wenn das Gespräch schon beendet ist. “Wissen Sie, wo sie sich ihren Warnowkurier und diesen Anruf hinstecken können?” wäre bestimmt lustig gewesen. Aber leider… bin ich für solche Dinge viel zu höflich… Noch jedenfalls. Mit jedem weiteren Aurf dieser Art schrumpft die Hürde, bis sie einfach überrannt wird.

Blumenmeer

18 Fotos vom Spätsommer auf der Buga in Schwerin

473 Aufnahmen passten heute auf den Chip in meinem Fotoapparat. Es hätten gern noch ein paar hundert mehr sein können – denn auf der Bundesgartenschau in Schwerin haben fotoaffine Menschen wie ich zwangsläufig das Gefühl, unbedingt auch noch dieses eine Motiv… Es folgt deshalb eine Flut an Formen und Farben in beinahe willkürlicher Auswahl. Schönen Sonntag! (Alle Fotos: Christian Kohlhof – alle Rechte vorbehalten)

Buga01
buga02 „Blumenmeer“ weiterlesen

Durchgeschaukelt

Kinderschaukel für Erwachsene in der U-Bahn

ubahnschaukel

Man muss nicht immer Zeitung lesen oder aus dem Fenster ins Nichts starren oder schlafen, wenn man in der U-Bahn fährt. Man kann sich auch ne Schaukel mitnehmen und für ein bisschen Spaß sorgen. Das Foto zeigt einen zusätzlichen Sitzplatz in der Untergrundbahn von San Francisco. Die junge Frau ist der Einladung ganz offensichtlich gern gefolgt, auf dem schwingenden Brett unter der Stadt hindurchzuschaukeln.

Das Bild stammt aus einer ganzen Reihe von ähnlichen Aufnahmen bei flickr. Am 27. April 2009 hatten ein paar junge Fahrgäste die Schaukel im Mittelgang eines Waggons befestigt. Zur Freude der meisten Mitreisenden… nur ein paar Gnatzköppe im Hintergrund wollten sich ihre schlechte Laune nicht verderben lassen.

(Dieses Foto wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht. Hochgeladen wurde es dort vom User y3rdua.) – Foto entdeckt bei sum1.

Besen als Löffel

In einigen Büros sind Löffel out und kleine Schneebesen absolut in. Und die haben sogar einen Vorteil.

“So rührt man jetzt um”, sagte man mir, weil ich wohl eindeutig verdutzt dreinblickte. Für die Besprechung am Mittag lag neben der Kaffeetasse nämlich kein handelsüblicher Löffel, sondern vielmehr ein kleiner Schneebesen wie aus der Puppenküche. Jeder bekam einen. Die metallenen Utensilien gehören angesichts der Gebrauchsspuren an Griff und Besen ganz offensichtlich zur Standardausrüstung im Büro.

Nun gut, so nahm ich denn ergeben den kleinen Besen und verwirbelte das Milchpulver in der Tasse. Einen Zeit-, Aromen- oder Coolness-Vorteil konnte ich nicht feststellen. Allerdings auch keine Nachteile. Vielleicht war der Besen auch nötig, weil der Kaffee “ganz schön nördlich” war (um hier mal meine Oma zu zitieren, die kräftig angerührten, starken Kaffee gern mit den grimmigen klimatischen Bedingungen des Nordens assoziierte. Mit fortschreitendem Alter und damit verbundener gesundheitlicher pedantischer Sensibilität, was möglicherweise schädliche Einflüsse auf denen eigenen Körper anging,  war es schließlich soweit, dass meine Großmutter selbst entkoffeinierten, hellbraunen Kaffee, durch den man den Boden der Tasse erkennen konnte, für zu nördlich befand… aber das ist eine andere Geschichte. Der Begriff “nördlich” im Zusammenhang mit Kaffee ist in der Familie jedenfalls verbraucht).

Aber halt! Einen Vorteil gibt es doch. Mit diesem Ding wird auch der letzte Stoffel gar nicht erst versuchen, Zucker aus dem Topf zu schaufeln. Es gibt schließlich wenig Abstoßenderes, als sein Gegenüber dabei zu beobachten, wie es erst den eigenen Kaffeelöffel ableckt, um dann genau damit eine weitere Schippe Zucker aus der Dose zu schaufeln.

Wie auch immer. Es ist mir gelungen, den Kaffee fehlerfrei auch mit einem Schneebesen umzurühren. Außerdem erwarte ich nun die nächste Eskalationsstufe: Handrührgeräte, Innenbordmotoren am Becherrand oder ein Kaffeetassen-Jacuzzi…

Grabesstimmung

Grableuchte als Partybeleuchtung – Fehler im Onlinekatalog

Das erwartet man jedenfalls nicht: Wenn man im Onlinekatalog für Leuchten und Lampen blättert, dass man dann bei den Neoneffekten als einziges Produkt eine batteriebetriebene Grableuchte angeboten bekommt… und dass die dann auch noch in der Kategorie “Partybeleuchtung” zu finden ist.

neongrableuchte
Beim großen Elektronikladen mit C gibts Artikel auch für ganz besondere Partys. Screenshot: Christian Kohlhof

Flüssiger als Wasser

Das Albenrste am so genannten TV-Duell der beiden Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl war das Brimborium drumrum. Ich habe die Sendung im Ersten gesehen. Knapp eine Viertelstunde, bevor Kanzlerin Angela Merkel und ihr Herausforderer Frank Walter Steinmeier im Studio B in Adlershof aufeinandertrafen, lief unten rechts im Bild schon ein Countdown: Noch 14 Minuten und 38 Sekunden. “Das Erste Gefecht” war im Hintergrund eingeblendet. Gefecht – meine Güte. Hätte noch gefehlt, dass beide Kandidaten durch die Sicherheitsschleuse gehen.Man werde sich duellieren, deutete Will an. Die ganz genauen Regeln mit Zeitkonten für die beiden Auszufragenden taten ihr Übriges, um die Skepsis für dieses Zinnober wachsen zu lassen.

Und dann folgten 90 Minuten sachliche Debatte zwischen zwei Kandidaten und vier Moderatoren aus privatem und öffentlich-rechtlichem Rundfunk. Das war in Ordnung, um sich noch einmal die Positionen der beiden bisherigen Koalitionspartner zu verdeutlichen. Kein Wunder: Schließlich müssen sowohl SPD also auch die Union den Spagat hinbekommen, die zurückliegenden gemeinsamen vier Jahre nicht doch zu schlecht zu machen. Die unterschieden dann auch zwischen dem milden Blick zurück und dem äh, nun, ja: sich wohl trennendenWeg in der Zukunft.

Unterschiedliche Positionen in Sachen Mindestlohn, Atomausstieg und Steuerfragen haben die beiden Kandidaten weitgehend sachlich und umfangreich argumentierend ausgetragen – zum Entsetzen des Moderatoren-Quartetts, das teilweise meinte, penetratntes Unterbrechen-Wollen sei gezieltes Nachfragen. Farbe sollte unter anderem durch das Wörtchen “Tigerenten”-Koalition in die Runde kommen, womit Maybritt Illner eine mögliche Unions-FDP-Koalition illustrieren wollte. Frank Plasberg fragte später, wer denn in dieser Koalition der Tiger sein werde und wer die Ente. Wären keine Kameras dabei gewesen, wäre die Kanzlerin wohl gern zu seinem Tischchen gegangen und hätte ihrem Gastgeber ganz ohne Koalitionsaussage gern mal gegens Schienbein getreten – ihr genervter Gesichtsausdruck ließ darauf schließen.

Die Debatte blieb weiter sachlich. Ohne Beschimpfungen, man warf sich gelegetlich vor, nicht die Wahrheit zu sagen – aber überprüfen kann der Zuschauer das sowieso nicht. Wesentliches Neues gab es also nicht, man musste sich schon ein bisschen zwingen, dranzubleiben. Aber Politik und auch eine Bundestagswahl sollte man trotz des ganzen medialen Brimboriums im Umfeld nicht mit einer bunten Show verwechseln. Das ist nicht “Deutschland sucht den Superkanzler” – auch wenn nach der Aussprache eine 5-köpfige “Jury” zu Gerichte saß.

Trotzdem gabs gleich nach dem ausgebliebenen Duell dann schon mal die ersten repräsentativen Umfrageergebnisse. Wer ist glaubwürdiger, wer wirkte zur Halbzeit sympathischer, wer hat insgesamt besser überzeugt, wie sehen das die Anhänger der jeweiligen Kandidaten, hate es… KLICK. Da macht man dann aus. Als wäre es doch DSDSK.

Das einzig Praktische an diesen TV-Duellen vor der Bundestagswahl ist der Umstand, dass man nicht zwangsläufig zu den Wahlkampfkundgebungen gehen muss, um Positionen zu hören,wo irgendwelche Wahnsinnigen mit Trillerpfeifen rumtröten – und das dann für die Höhe der Demokratie halten.

Insofern: Debatte in Ordnung. Brimborium durmrum absolut fürchterlich – flüssiger als Wasser: überflüssig.