“Ich bin Gebäck mit Loch”

Derartige Geschichten kann wohl jeder erzählen: Kurze Berichte über Erlebnisse mit US-Amerikanern, die fast zu verrückt erscheinen, als dass sie wahr sein könnten. Kaum einer hat sie selbst erlebt, aber jeder kennt einen, der einen kennt, der mal einen kannte, der gehört hat, dass tatsächlich mal ein Onkel zweiten Grades in einer Lokalzeitung den Bericht eines Schülerredakteurs gelesen hat, in dem es um absurde Fragen geht, die US-Bürger ihrenGästen aus dem alten Europa für gewöhnlich zu stellen pflegen. Wie hinterwäldlerisch die Bürger der inzwischen einzigen Supermacht doch sind, mag man sich denken, wenn man empört zur Kenntnis nehmen muss, dass einen Menschen aus dem Mitteleren Westen angeblich dauernd fragen, wie es sich denn so lebt ohne Telefon in Deutschland. Und wie wir das aushalten, uns nur mit kaltem Wasser zu waschen. Und wie es Hitler geht, will auch schon mal jemand gefragt worden sein.

Niemand weiß, ob derlei Fragen tatsächlich einmal ernsthaft gestellt worden sind, vielleicht handelt es sich dabei bloß um verbale Spinnen in der Yuccapalme. Sei’s drum. Da passen dann ja auch wunderbar die Bushisms ins Bild, eine Liste zahlreicher Versprecher oder grammatikalischer Entgleisungen, mit denen George W. Bush bereits kurz nach seiner Wahl vor allem die Witzspalten seiner Gegner und Kritiker füllte. Auch er scheiterte der Legende nach bei einer Diskussion mit Schülern am Buchstabieren des Wortes Potato, weil er an den englischen Begriff für Kartoffel noch partout ein E anhängen wollte, was dann doch eher an Zeh erinnert.

Man mag das alles abtun und drüber schmunzeln. Aber welcher Wahnsinnige hat sich denn bloß zu dieser Übersetzung eines legendären Kennedy-Satzes hinreißen lassen?

Hm, vermutlich war das wohl eher kein Ami, sondern der Praktikant in der Tourismuszentrale, der noch schnell die Broschüre für Leute von anderswo zusammenschustern musste. … Auch nicht besser.

Auf diese wunderbare Stilblüte bin ich aufmerksam geworden durch den/das/die Blog Hanne goes british.

Autor: Christian

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4 Gedanken zu „“Ich bin Gebäck mit Loch”“

  1. Also ich denke mal, der Übersetzer wollte über seinen Präsidenten wohl sagen: Von außen einfach zum Anbeißen und von innen voller Herzblut für die “Berliner”, eben so wie ein Berliner und da der amerikanische Berliner eben ein Donought ist (gibts auch in der Variante ohne Loch mit Marmelade), kam es zu dieser sicher nur liebevollen Übersetzung (wer wird denn immer gleich das Schlimmste denken!!! sicher nicht, mein Präsident ist wie ein Donut, hohler Kopf mit nichts drin). Oder er wollte sagen, die Berliner hatten JFK zum Fressen gern, eben wie ein Berliner die Berliner, man muss da einfach ein bisschen phantasievoller rangehen, denn stell Dir vor, er hätte einfach nur gesagt: JFK is a Berliner. Das wäre ja auch gelogen gewesen, denn dazu muss man ja in Berlin geboren sein. Also dem armen Kerl blieb eigentlich garnichts anderes übrig, als das eben genauso auszudrücken, oder ???

  2. Nun, Herr Kennedy hat bestimmt nicht an Backwerk gedacht, als er seine umjubelte Rede vor dem Schöneberger Rathaus mit diesen Formulierungen beendete:
    “Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner.”
    Zumal Berliner Pfannkuchen in Berlin nur Pfannkuchen heißen.
    Er fühlte sich den Einwohnern Berlins verbunden. Insofern ist sein abschließender Satz schon richtig.
    Auch nicht vekehrt – wohl aber kaum so umjubelt – wäre im übrigen die Formulierung: “Ich bin ein Amerikaner” gewesen. Aber auch in diesem Fall hätte Mr. President wohl kaum die süßen Fladen mit Zuckerguss gemeint.

    Und deshalb bleibe ich dabei, der Übersetzer hatte bei der Wahl der Synonyme kein glückliches Händchen. Er war hoffentlich kein Hanseat, das wäre mir peinlich. Man sollte ihm die Schweineohren langziehen, die Ochsenaugen zudrücken und dieser Quarktasche das Kipferl verbeulen …
    Aber einen wundervollen Aspekt hat die ganze Geschichte auf jeden Fall: Sie ist einfach zum Rumkugeln. ;-)

  3. Also, wer hat denn jetzt die Übersetzung gemacht, JFK wohl doch nicht, also konnte der doch denken was er wollte – bei seiner Rede – er war Berliner und Amerikaner! Ich habe schließlich nur erklärt, was der Übersetzer sich gedacht hat, oder? und das war doch nur lieb gemeint. Aber wenn Du meinst, Hose runter, paar aufs Maul – natürlich für den Übersetzer!

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