Bunter Niesel

Der “Wellenklang” in Schwerin ließ am Sonnabend viele Zuschauer direkt vor den tanzenden Fontänen duschen.

Zuschauer vor bunten Fontänen
Wer alles gut erkennen wollte, musste nah ran - aber ohne Schirm.

Wenn Sie morgen doch noch mal zum “Wellenklang” in Schwerin gehen wollen, dann nehmen Sie am besten wasserfeste Kleidung mit. Denn wenn der Wind am Sonntag aus derselben Richtung über den Burgsee fegt, dann werden die Zuschauer auch wieder nass. Mit dem Wellenklang, einer Wasser-Fontänen-Laser-und-Feuer-Show zu Musik, hat die Landeshauptstadt den Gartensommer eröffnet. Während gigantische Wasserdüsen das Wasser des Sees rhythmisch in den Nachhimmel nebeln, projizieren zig Scheinwerfer bunte Bilder in den Niesel, der sich sanft und unausweichlich auf die Zuschauer legte. Wer im Nieselschleier Fotos von weltbekannten Sehenswürdigkeiten und Computeranimationen wirklich gut erkennen wollte, musste sich direkt, also geradezu vor die Wasserwand stellen – von den Seiten aus betrachtet blieb von der blitzenden und leuchtenden Show nur der Blick auf ein paar farbige Springbrunnen. Andererseits blieb man an den Rändern auch trocken.

So standen die tausenden Zuschauer in respektvollem Abstand im Halbkreis um die Fontänen am Burgsee, während der Wind genau aus der falschen Richtung kam. Wer den Naturgewalten und dem computergesteuerten Nieselregen standhielt, bekam eine nette Show zu sehen, mit zahlreichen Animationen in allen Regenbogenfarben zu kurzen Musikschnipseln, die allerdings eher lieblos aneinandergeklöppelt schienen. Die Show war in drei Teile gegliedert. Zwischen den ersten beiden gab es fünf Minuten Pause – die Lautsprecherdurchsage, dass die Pause bis zum dritten Teil 20 Minuten dauern würde, nutzten viele Schaulustige, um den Weg nach Hause anzutreten – wahrscheinlich, um trockene Hosen anzuziehen.

Einen Anblick wie diesen gabs nur für diejenigen, die bereit waren, sich durchnässen zu lassen.

Klassifiziert

Warteraum, Klasse 2
Das einzig Schöne am Bahnhof Malchow.

 

Vom Bahnhof Malchow ist eigentlich nicht mehr viel übrig. Die Reste eines Bahnsteigs, ein verrammelter Ziegelbau, eine zerschmetterte Normaluhr und doofe Graffiti. Wenn einen die auch noch orange-grün lackierten Triebwagen der Ostdeutschen Eisenbahn dort ausspucken, hat man unweigerlich das Gefühl, man gehört zum allersten Spähtrupp, der im Katastrophengebiet abgesetzt wird um zu prüfen, ob überhaupt irgendwas oder irgendwer das entsprechende Inferno überlebt hat. Die Antwort müsste, dem ersten bis neunundzwanzigsten Eindruck nach eigentlich “nein” lauten. Aber immerhin gibt es etwas, das wenigstens noch ansatzweise daran erinnert, dass hier mal ein Bahnhof stand: Der Hinweis auf die Warteräume, in denen schon seit Ewigkeiten niemand mehr gewartet hat. Inzwischen ist der gesamte Flecken ein Warteraum unterster Klasse…

Mitleid mit Frank

“Alter, ey: Wie kann man sein Kind bloß Frank nennen?” In ihrem Entsetzen und in ihrer Abscheu sind sich die beiden Mädchen einig. Und in ihrem Mitleid mit Frank, den sie kennen, und den alle lieber Fränki nennen – sogar er selbst. “Alle in der Klasse nennen den so. Fränki, das ‘och viel besser.” Aber Frank? “Nä”, sagt die eine. Und auch wenn sie eine Sesselreihe weiter sitzt, kann man allein aus diesem Nä schon heraushören, wie sie angewiedert die Mundwinkel nach unten zieht, wenn Sie das sagt.
“Wenn ich mal ‘n Bengel bekomm”, sagt wenig später die andere, während der Zug auf Lübz zuzuckelt, “dann nenn’ ich den Fabian.” Wohlan, die Liste mit vermeintlich besseren Namensvorschlägen, also besseren als “Frank”, ist eröffnet.
“Wenn ich mal ein Mädchen krieg, dann nenn’ ich das Alicia, das ist voll schön und so….” Ja. “Ich nenn die dann Valentina, das kann man sich gut merken wegen Valentinstag!” Da ist dann hoffentlich ein anderes Kind gemeint. Sonst weiß das arme Kind ja nie, ob es nun Alicia oder Valentina heißt oder so.
“Oh, oder Jason! Ja, Jason, das ist auch ‘n guter Name, also für’n Jungen jetzt. Ich sollte ja mal Josey heißen. Aber dann doch nicht.” Tja.
Aber dieser Frank, der ist echt zu bedauern. Äh, ich meine natürlich Fränki.

Udo am Strand

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Udo Lindenberg in Timmendorf

Die Aufregung war wohl recht groß gestern, in Timmendorfer Strand. Dort steht nämlich seit gestern eine Art Udo-Lindenberg-Skulptur. Eigentlich sind es sogar zwei, eine die zeigt, wieesaussieht, wenn man Udos Silhouette inklusive Hut und Lippe aus einer rostigen Metallplatte herausflext, und die andere zeigt dann, wie das Herausgeflexte aussieht: Auch wie Herr Lindenberg, nur eben mit anderem Vorzeichen. Udo-Positiv und Udo-Negativ – und da der am Strand Verewigte gestern nun persönlich sein Standbild enthüllte, war der Andrang entsprechend, wie die Lübecker Nachrichten heute schildern: Die Promenade sei schwarz vor Menschen gewesen, als Udo beim sechsten Schlag mit der Champagnerflasche diese am Kunstwerk endlich zum Bersten brachte um somit dem metallnen Abbild gewissermaßen ein offizielles Siegel zu verpassen.
“Horizont” wurde als Schriftzug ebenfalls in den Stahl geschnitten, und tatsächlich, man sieht ganz deutlich: dahinter gehts weiter.

Mal-Zeit

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Da bekommt das Wort “Handschrift” eine eher ursprüngliche Bedeutung: Mit der iPad-App “Paper” kann man sozusagen mit Fingerfarben Notizen anlegen und Skizzen pinseln. In der kostenlosen Version stehen eine Schreibfeder mit diversen dezenten Farbtönen und ein Ebenso digitales Radiergummi zur Verfügung. Wer am malen mit dem Finger Gefällen findet, kann sich zusätzliche Werkzeugspitzen dazukaufen.
Die eigenen Werke legt man in hübschen Notizbüchern ab. Sieht alles schick aus – und weil dieses kleine Programm so nett daherkommt, ist es innerhalb der ersten gut zwei Wochen schon 1,5 Millionen Mal aus dem AppStore heruntergeladen worden. Wenn Internet-Erfolgsgeschichten immer nach demselben Muster verlaufen würden, dann würde wohl in Kürze Herr Zuckerberg füreinander den Machern anklopfen und ne Millarde dafür bieten…
Das Malen macht auf jeden Fall Spaß, wenn auch der Zeichenplatz pro Seite etwas zu klein ist, egal, wie schlank die eigenen Finger auch sein mögen.

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Und wenn man dann genug gekritzelt und geschmiert hat, dann kann man das Ergebnis gleich twittern, mailen, facebooken oder speichern.

Vier Wochen Bahn

Am 28. Februar habe ich den Entschluss gefasst. Es war der letzte Abend meines Urlaubs – und in der Tagesschau ging es gerade um Kraftstoffpreise, und wie entsetzlich hoch die doch sind. “Lohnt sich eigentlich Bahnfahren?”, sprach ich zu mir und beschloss kühn, so schnell wie möglich eine Antwort zu finden – und zwar schon für den nächsten Morgen. Ich kann schon jetzt sagen: Der Bahnpendler-Selbstversuch hat sich gelohnt. Ich werde es wieder tun. „Vier Wochen Bahn“ weiterlesen

Schwein im Studio

Man kann sagen, dass ich als Radio-Mann schon einiges erlebt habe. Heute ist allerdings ein Schwein im Studio. Das war so auch noch nie da, aber es hat natürlich seine Richtigkeit. Es ist ein kleines, schwarzes Minischwein. Fredi heißt es und grunzt. Wir haben es eingeladen, weil es in der Agrargemeinschaft Holthusen von der Chefin persönlich aufgepäppelt wird.  Mehr dazu im Blog von NDR1 Radio MV.

Letzte Ruhe bleibt ungestört

Wenn man diese Schlagzeile liest:

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Redaktionell-strategisch möglicherweise clever gedacht: Eine Schlagzeile die neugierig macht.

… fragt man sich natürlich unwillkürlich: Tja, wer sollte auch antworten?

Natürlich ist alles wie immer ganz ernst gemeint – und es geht um “ein Stück Lebensqualität für ältere Menschen”, wie man heute in der Wismarer Ausgabe der Ostseezeitung lesen kann. Wie auch immer, die Schagzeile, ob nun durchdacht oder nicht, wirkt … irgendwie… komisch.

Dank an den RadioLäufer für den sachdienlichen Hinweis.

Fußball-Diskussion

Gerade eben das erste Frühstück mit dem Besucher, dem Visitor. Er hat gestern Abend sein allererstes Fußballspiel gesehen. Im Fernsehen. Er war höflich interessiert, hat aber auch gefragt, warum so eine Fußballpartie denn so elendig lange dauert. Sehr gute Frage. Wir waren uns ziemlich schnell einig, dass das nur jemand beantworten kann, der sich für diesen Sport begeistern kann.