Noch heftiger als “Daisy” soll Tief “Keziban” an diesem Sonnabend Mecklenburg-Vorpommern im Griff haben. Tatsächlich steht man bis über die Waden im Schnee, wenn man an diesem Tag in Rostock vor die Tür geht.


Christian Kohlhof | Rostock, Schwerin
Wesentliches Neues aus aller Welt
Winter in Rostock, Fotos aus der verwehten Innenstadt. Und eine Umfrage: Was soll man jetzt bloß tun?
Noch heftiger als “Daisy” soll Tief “Keziban” an diesem Sonnabend Mecklenburg-Vorpommern im Griff haben. Tatsächlich steht man bis über die Waden im Schnee, wenn man an diesem Tag in Rostock vor die Tür geht.


Das ist die Wetterkarte von unwetterzentrale.de für Mecklenburg-Vorpommern heute morgen.

Dieses Lila ist die aller-aller-alarmierendste Warnfarbe. Man kann auch sagen, das ist die grafische Zusammenfassung für: Überall stecken Lastwagen in Schneewehen fest, Orkanböen auf Hiddensee, Unfälle auf Autobahnen, in Rostock fahren keine Busse, Bahnen und S-Bahnen, zugewehte Kreisstraßen, das Fußballspiel Hansa Rostock gegen Union Berlin ist abgesagt, das hallensportfest ebenso, die landesweite Prüfung für Rechtsanwalts- und Notarsgehilfen findet nicht statt und auf meinem Balkon liegt auch ein bisschen Schnee.

Dieses andauernde Winterwetter stiftet allerorten Verwirrung. Erst vorgestern hatte sich ein Wildschwein in ein Kaufhaus in Kröpelin verirrt. Erst vier Schüsse aus der Dienstwaffe eines Polizisten machten der wilden Jagd durch die Auslagen ein blutiges Ende. Wenn überall Eispanzer knacken und sich Schnee türmt, dann kommen manche in ihrer Not vom angestammten Weg ab – und so staunte ich doch sehr über den unerwarteten Winter-Spaziergänger, der mir gestern Abend gegen 19:30 Uhr in der Fritz-Reuter-Straße in Rostock entgegen kam? Raten Sie gerne mit und gewinnen Sie nichts:
[poll id=”3″]
Auflösung nach 13 15 Uhr:
(EDIT:) “Waschbär” lag also vorn bei dieser knallharten Umfrage, wie die Leser das winterliche Rostock wohl einschätzen. Allerdings war es kein Waschbär, der mir gestern Abend entgegentappste. Was mir ungelenk watschelnd über den Weg lief, war ein Blässhuhn, in dessen Blick ich eine gewisse Orientierungslosigkeit zu entdecken glaubte – nach Blässhuhn-Maßstäben waren wir ja auch eine halbe Ewigkeit vom rettenden Ufer bzw. der rettenden Kai-Kante zum ohnehin vereisten Stadthafen entfernt.
So hockte es sich auf eine kleine vereiste Stelle auf dem Fußweg, blickte mich von unten wohl auch ein wenig anklagend an, ganz so, als sei ich für dieses Winterwetter verantwortlich. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, hatte auch ein bisschen Mitleid, blieb stehen. Ich wollte nun auch nicht unbedingt dabei gesehen werden, wie ich zwischen Vorgartenhecken und parkenden Autos auf ein Blässhuhn einrede. Weil ich aber trotzdem hilfsbereit bleiben wollte, deute ich mit dem Kopf nickend Richtung Stadthafen – erst zaghaft, dann etwas energischer. Wir verstanden uns. Das Blässhuhn erhob sich, schüttelte einmal kurz sein Hinterteil, deutete nickend ein Danke an und machte sich wankend auf gen Hafen. Als es am Kantstein der Doberaner Straße wartete und den Autos entgegensah, erst nach links blickte, dann nach rechts, dann wieder links, drehte ich mich um und ging meines Weges…. ich habe nichts mehr von ihm gehört.
“(EIL) Bundesregierung will Ende 2010 mit Rückzug beginnen” meldet DPA soeben. Ach so? Hat der Rückzug nicht sowieso schon begonnen? Aber mal ehrlich: dass es so knarzt in der Koalition, dass Neuwahlen nötig werden…. ach, nein, halt. Das war ja nur die Überschrift.
Weiter im Text: “Berlin (dpa) – Die Bundesregierung will nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa bereits in diesem Jahr mit dem schrittweisen Rückzug von Soldaten aus Afghanistan beginnen. Noch in diesem Jahr sollten erste Bereiche in die Verantwortung der Afghanen übergeben werden, …”
Ach so.
– 20 Grad in Schwerin. Minusrekorde in diesem Winter in Mecklenburg-Vorpommern.
Dicke Eisschichten auf dem Pfaffen- und dem Schwanenteich. Eiszapfen an Leuchtreklamen, dicke weiße Rauchwolken über den Schornsteinen. Die Nacht vor diesem Morgen soll die kälteste dieses Winters gewesen sein. Die tiefste Temperatur laut NDR-Wetterstudio auf Hiddensee: Ueckermünde mit minus 21,3 Grad. Und wie sieht es beim knallharten und unglaublich sinnvollen kohlhof.de-Städtevergleich zwischen Rostock und Schwerin aus? Welche Stadt ist winterlicher? Ganz klar: Schwerin. Tiefsttemperatur in der Nacht: – 20 Grad Celsius. In Rostock waren es lediglich kuschelige – 16 Grad. (Quelle: Meteomedia) Vorläufig hat also Schwerin die Nase vorn – da hier aber gerade mein Auto steht, wird sich gleich zeigen, ob diese -20 Grad wirklich von Vorteil sind, oder ob ich den Bus nehmen muss… und dann die Städtewertung in diesem Punkt noch einmal neu angehen muss.
Vorläufiger Zwischenstand im knallharten Städtevergleich:
Rostock : Schwerin – 2 : 6
“Es ändert sich im Prinzip nichts“, steht fettgedruckt im Anschreiben meines neuen Internet-Providers. Sein Firmenname ergibt, mathematisch interpretiert, die Summe 2, und ich habe ihn mir nicht ausgesucht. Er hat mein bisheriges Tor zum Netz gekauft und dann zum 1. Dezmeber 2009 die Macht an sich gerissen. Wenn Internetdienstanbieter Briefe verschicken, in denen steht, dass “im Prinzip” alles so bleibe, wie es ist, dann kann man wohl schon mal vom Gegenteil ausgehen. Das Drama hat bislang zwei Akte und passt damit ja zum Firmennamen.
Als ich Anfang Dezember wieder mal nach mehreren Tagen nach Hause kam, warf ich arglos den Rechner an und musste feststellen, dass sich im Prinzip nichts geändert hatte: Mails, Surfen und Pingen waren allerdings nicht mehr über meinen Router hinaus möglich. „Das Summe-2-Prinzip“ weiterlesen
Die Berichterstattung über das verheerende Erdbeben in Haiti bestimmt seit einer Woche die Aktuell-Sendungen der meisten Radio-Stationen. Wie kommen die Berichte aus dem und über das Erdbebengebiet ins Radio?
Schon kurz nach den ersten Eil-Meldungen über die verheerenden Erdstöße am vergangenen Dienstag gab es das erste Sammel-Angebot des zuständigen Studios “Mittelamerika”: “Von Michael Castritius, ARD-Studio Mexiko, bieten wir an: Schweres Erdbeben in Haiti BoE (ca 01’00) bis 01:00 Uhr im File Transfer”. Sammelangebote sind Korrespondentenbeiträge von standardisierter Länge, die per ARD-Netzwerk an alle Redaktionen verteilt werden. Es gibt sie für gewöhnlich in der Kombination “kurz und lang”. Kurz bedeutet ein maximal einminütiges Stück, in der Regel ohne O-Töne für die Nachrichten-Sendungen. Lang bedeutet: Ein Bericht von gut 2:30 Minuten mit mehreren O-Tönen. Für den ersten Beitrag zum Erdbeben hat der für diese Region zuständige rbb allerding einen BoE angekündigt, einen Bericht ohne Einblendungen, also ohne O-Töne – in diesem Fall eine andere Umschriebung für ein kurzses Sammel. Schließlich gab es zu diesem Zueitpunkt noch keine Augenzeugenberichte, Aussagen von Hilfsorganisationen und dergleichen.
Bei Ereignissen von diesem Ausmaß wie jetzt in Haiti ist das öffentliche Interesse an aktuellen Berichten über Hilfe für die Opfer, Rettungsarbeiten und weitere Folgen besonders groß. Deshalb bieten die ARD-Korrespondentenbüros in der Regel dann nicht nur die Sammel-Beiträge an, sondern stehen den Sendern auch in Live-Schaltungen Rede und Antwort über ihre Eindrücke, Erlebnisse, Recherchen. Die Disposition, welche Station wann zum Korrespondenten schalten kann, übernimmt die zuständige ARD-Welle, die auch den Korrespondenten gestellt hat. Im aktuellen Fall plant dies das info-radio vom rbb.
Die Live-Schaltungen nach Mexiko-Stadt laufen im Zehn-Minuten-Takt. Also zum Beispiel: 7:00-7:10 WDR2, 7:10-7:20 hr3, 7:20-7:30 Radio Eins und so weiter. Die Zahl dieser Live-Slots ist begrenzt. Deshalb stellen die Korrespondenten für alle anderen Stationen mehrmals täglich auch noch drei oder vier standardisierte, aufgezeichnete Antworten zur Verfügung. Diese können die Redaktionen dann anstelle von Berichten als Korrespondentengespräch senden. Dies hat zwei Gründe: 1.) Die Reporter können auf diese Weise entlastet werden, 2.) die Redaktionen können sich unterschiedlicher Darstellungsformen bedienen. Außerdem hat der rbb inzwischen längst Verstärkung ins Studio in Mexiko geschickt. Zwei zusätzliche Kollegen berichten von dort, während Reporter Michael Castritius in Haiti unterwegs ist.
Vor allem für die Opfer und Rettungsmannschaften bedeuten das Erdbeben und die Tage und Wochen danach eine für uns unvorstellbare Belastung. Aber auch viele Reporter – vor allem in der Trümmerlandschaft – gehen in diesen Tagen an ihre Grenzen, um zu berichten.
Tiefste Winter in Norddeutschland, Schnewehen, gesperrte Autobahnen, ausufernde Sondersendungen im Fernsehen. Schneeballschlacht, verschneite Tannenwipfel, Kälte… und so weiter. Bei den Kollegen von “ndr kultur” war wohl aber gestern Nachmittag in einem – sicherlich als absolute Ausnahme anzusehenden – Fall keine Zeit für einen Blick aus dem mit Eisblumen verhangenen Studiofenster. Jedenfalls habe ich gegen 15:30 etwas lauter gedreht, weil ich mir nicht sicher war, ob ich mich vielleicht verhört haben könnte. Jedenfalls stellte man dort das allumfassende Gesamtwerk des legendären Trompeters Miles Davis vor. Es geht um 70 CDs, ein Booklet mit 250 Seite und überhaupt eine unüberschaubare Menge an Jazz, Funk, Bebop und was weiß ich noch. Lesen Sie die ersten Zeilen gern noch einmal und versuchen Sie dann, die Frage zu beantworten: “Welche Interpretation von Miles Davis war gestern auf ndr-kultur zu hören?”
Sie kommen sowieso nicht drauf: „Tagesanmutung“ weiterlesen
Es hat ja ein bisschen geschneit in den vergangenen Tagen in Mecklenburg-Vorpommern – vor allem aber der Wind hat im Nordosten den Schnee an einigen Stellen zu bis zu 3 Meter hohen Wehen aufgetürmt. Zahlreiche Autos, teilweise auch Wagen vom Winterdienst und vom THW, stecken immer noch im Schnee fest, zum Beispiel in der Nähe von Christinenfeld.
Die Kollegen im Funkhaus hatten jede Menge zu tun, Beiträge von Reportern einzuplanen, die Nachrichten und vor allem die Verkehrsmeldungen immer auf dem aktuellen Stand zu halten und die vielen Anrufe der Hörerinnen und Hörer zu beantworten.
Insofern habe ich heute als Redakteur vom Dienst fürs Tagesprogramm nur die Nach-Schneewehen miterlebt – heute war der Tag, Danke zu sagen. Heute Vormittag hatten wir besonders viele Anrufer-O-Töne von Menschen aus allen Ecken des Landes im Programm, die sich bei Winter- und Rettungsdienst, beim Nachbarn mit Schneepflug, bei Feuerwehr, Polizei und THW für deren Sondereinsätze im Kampf gegen die Schneemassen bedankt haben. Abhören, schneiden, einplanen, mit Hörern Interviews aufzeichen – mann, da war ganz schön was zu tun. Und es ist jetzt erst kurz vor 12.