Tropenfrucht vermisst

Es ist ein wenig unheimlich: Ich bin mir ziemlich sicher, nein, sogar sehr sicher, dass ich eine Banane bei mir hatte, als ich am Mittwoch gegen 5:30 Uhr aus dem Haus zur Arbeit eilte. Nur: Das Obst ist verschwunden, ohne dass ich es gegessen habe. Es ist weg. Schon als ich am Ü-Wagen ankam, der an jenem Morgen am Rostocker Zoo auf mich wartete, um eine Eisbärin in Empfang zu nehmen, habe ich sie zum ersten Mal vermisst. Ich tastete noch im Gehen mit gespreizten Fingern sämtlichen Taschen meiner Jacke ab, aber eine Tropenfrucht konnte ich dabei schon nicht mehr erfühlen.

“Werde ich sie wohl zu Hause vergessen haben”, dachte ich noch so bei mir. Gleich nach meiner Rückkehr warf ich einen Blick auf den Obstkorb in der Küche: Äpfel, Mandarinen, Orangen, aber keine einzige Banane. “Hah, dann wohl doch auf dem Regal im Flur”, sagte ich zu mir selbst. Doch auch auf dem Gestell nahe der Wohnungstür keine Spur vom vermissten Früchtchen.

“Ich werde sie doch wohl nicht in einem der vielen Fächer meines Rucksacks…”, begann ich in vorwurfsvollem Ton, ohne den Satz zu vollenden. Aber nein, weder im Dokumenten-Fach, in der Computer-Tasche, auch nicht im Zusatzfach noch in der Schlüssel-Tasche fand sich Obst. Kein Apfel, keine Kirschen und vor allem – das frustrierte mich zusehends – auch keine Banane.

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, versuchte ich die Selbstzweifel zu ignorieren und ging noch mal zum Auto. Man liest ja schließlich immer wieder von Bananen, die unter Autositze rutschen. Aber auch energisches Vor- und  Zurückschieben von Autositzen brachte mich nicht weiter.

Die Banane bleibt verschwunden. Nun frage ich mich, wo sie jetzt wohl sein könnte. Naja, vielleicht bringt mich ja ihr Geruch in zwei, drei Woche auf ihre Spur. Ich glaube, ich werde alt.

Autor: Christian

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11 Gedanken zu „Tropenfrucht vermisst“

  1. wenn ich um 5.30 das haus verlasse habe ich des öfteren auch mal einen schnellgeschmierten toast in der hand. wenn ich eine halbe stunde später auf arbeit ankomme, kann ich nicht immer mit gewissheit sagen, was ich mir auf den toast geschmiert hatte. die option, dass du die banane einfach gegessen hast, lässt du bei deinen überlegungen völlig außen vor!! so ein gaumenkitzel stellt eine banane (selbst im ostteil dieses landes) ja heute auch nicht mehr da, dass der rasche genuss einer banane so unvergesslich wäre… mein tip- du hast sie dir in zwei happen in den mund gestopft, schale ausm fenster raus, banane ausm kopf gelöscht!
    oder, hmh, liegt das affengehege auf dem weg zu den eisbären…??

  2. Also ich weiß nicht, wo sie ist und kann auch keine Vermutungen anstellen. Bestimmt kommst du noch drauf. Ich werde alt, ja, das denke ich mir auch immer, wenn ich von einer auf die andere Minute manchmal nicht mehr weiß, was ich doch gerade schnell googeln wollte. Und dann kann ich nicht eher Ruhe geben, bis ich es wieder weiß. Verflixt noch mal! Die Erinnerung kommt, Gott sei Dank, doch wieder. Und so wird es dir mit deiner Banane sicher auch gehen. Aber lass es uns dann bitte wissen! Schließlich hast du in die Aufklärung des Falles uns jetzt alle miteinbezogen.

  3. Die Banane ist übrigens wieder da. Ich habe sie in einem noch viel geheimeren Fach meines neuen Rucksacks wiedergefunden. Vor ein paar Tagen schon. Sie war, der Herr sei darob gepriesen, äußerlich unversehrt und ließ sich in einem Stück bergen.
    So, Chronistenpflicht erfüllt…

  4. Was ist das für ein Hightec-Rucksack, dass dich nicht der intensive Geruch schon früher hat nachsehen lassen… ;)

  5. Hightechnase? Also eine, die Unangenehmes und Unschönes einfach ausfiltert.? Nicht schlecht. Gibt´s das auch als Augen, Ohren oder Gehirn? Brauch ich! ;)

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