Chancen nutzen

Kurz vor dem Viertelfinale Portugal-Deutschland bei der Fußball-Europameisterschaft wird man allenthalben mit Einschätzungen und vermeintlich guten Tipps der Fans für die Nationalelf behelligt. “Mehr über außen kommen”, “Bessere Pässe spielen”, “Hinten dicht machen” hört man dann nicht nur an der Bushaltestelle, sondern auch beim Bäcker und sogar im Radio von irgendwelchen Laien. Ich bin auch einer und kann daher nicht endgültig beurteilen, ob es sich bei den oben zitierten Hinweisen vielleicht doch um für Profifußballer wertvolle Tipps handelt. Sie wirken allerdings, nun ja, nicht besonders tiefgründig. Ich stelle mir vor, dass es für Herrn Löw nicht gerade ein Vergnügen sein muss, derart … hust… Erhellendes aus der Masse der selbsternannten Bundestrainer zu hören.

Der beste Tipp, den ich heute hörte, war allerdings die Formulierung “Chancen besser nutzen”. Echt gut, dass das mal jemand den Fußballern ins Stammbuch schreibt. Wenn sich auf dem Rasen schon mal eine Chance für einen Treffer bietet, dann soll man die auch besser nutzen. Also: Wenn Klose vor dem Tor steht, vollkommen frei, nicht im Abseits, der Torwart verunsichert, dann soll sich Herr Klose am besten bemühen, ins Tor zu schießen und nicht das Aluminium zu treffen. Oder wie.

In diesem Zusammenhang gebe ich den Nationalkickern noch den gut gemeinten Rat, möglichst nur Mitglieder der eigenen Mannschaft anzuspielen und möglichst den Ball nicht den Gegnern zu überlassen. Außerdem sollten die Jungs sich an den gegnerischen Verteidigern vorbeidribbeln und dann schön ins Netz knattern. So wie der Ballack, geht doch!

Auch so: Und bloß keine Gegentreffer kassieren, das wäre auch nicht schlecht. Aber mit den goldwerten Tipps hier oben dürfte das ja sowieso nur noch eine theoretische Gefahr sein. Ich fasse die Tipps noch einmal zusammen: Werden Sie Europameister.

In diesem Zusammenhang fällt mir das gute alte Ballerburg ein (das es jetzt auch hier gibt), das ich vor langer Zeit tagelang auf meinem Atari ST genoss. Dort konnte man auch seinen König in der Burg fragen, was er denn von den Bemühungen, den Gegner jenseits des Berges in Grund und Boden zu ballern, hielt. Er gab auch Tipps. Eine seiner Antworten lauetet in regelmäßigen Abständen: “Sie sollten mehr Rohstoffe gewinnen und den Gegner besiegen.”

Autor: Christian

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8 Gedanken zu „Chancen nutzen“

  1. Das WIE war wichtiger als das ÜBERHAUPT. Und ich hoffe, dieses saudumme Gequatsche von irgend welchen selbsternannten Kennern des deutschen Fußballs über die Trainerfrage hört ab sofort auf. Von ungefähr 25 Spielen hatte Deutschland vielleicht 3 verloren und schon gibts die Besserwisser, die alles in Frage stellen. Vor solchen Spezialisten fürchte ich mich.
    Ja, gestern Abend, da haben sie alles anders und richtig gemacht. Sie haben einfach nur grandios Fußball gespielt und gezeigt, warum sie Dritter bei der WM wurden. Portugals Fußballzauberer konnten sich überhaupt nicht richtig entfalten. Und so wirds gemacht. Von Anfang an stürmen und dem Gegner keine Luft lassen. Gute Taktik von Löw und Co. Das war einfach nur Fußballzauber und -power. Weiter so! Jetzt warten wir aufs Halbfinale. Und wenn sie das nicht schaffen sollten, haben sie trotzdem gezeigt, was sie können. Und nur das ist für mich wichtig. Nicht aus Zufall gewinnen, sondern aus Überzeugung und echter Fußballkunst. Und wenn schon Verabschiedung, dann nur, weil der Gegner eben einen Tick besser war, aber auch nur einen Tick! Und wenn mir bei der portugiesischen Mannschaft überhaupt, aber auch nur überhaupt, einer leid tut, dann ist das mein Freund Ricardo!
    Deutschland vor, noch ein Tor! Die Fußballfrau

  2. Chancenauswertung zu 100 Prozent: 2:2, 90. Minute Phiiiiilipppp mit einem Superschuss zum 3:2. Aus, das wars, Deutschland im Finale!

    Überhaupt nicht die Chance genutzt zum friedvollen Miteinander:
    Dräschden! Im Oschten! Angriff von Dumpfbacken auf Döner-Buden. Pfui, so saublöd, igitt, igitt, spuck aus!

  3. Das war ja gestern was. Trotzdem, nach fünf Tagen ohne Dusche in Lettland, habe ich das erste deutsche Tor nur gehört, als ich mich gerade einseifte – manche Dinge sind eben auch wichtig

  4. “Das war ja gestern was” sagen hoffentlich auch alle Deutschen am Montagmorgen. Ich gebs zu: Ich hatte die Russen auf der Rechnung und dachte, das Endspiel heißt Deutschland – Russland. Die Spanier haben eindrucksvoll gezeigt, was eine tolle Mannschaft ausmacht, das ganze Turnier über. Aber auch die Russen, nur beim Spiel war die Power weg und deswegen, ja genau deswegen konnten die Spanier so toll aufspielen, es wurde zugelassen. Und “unsere” Jungs zeigen am Sonntagabend ebenfalls was sie können – nicht ganz so schwierig, wie vielleicht angenommen. Und die Spanier sind kalkulierbarer, als es die Russen gewesen wären. Sin mer zufrieden. Wetten? 2:1!!!

  5. Wir sagen: Hart, dass Deutschland verloren hat, aber fair: Viva Espana! Die konstanteste Mannschaft des Turniers hat gewonnen! Verdient. So fair sind wir allemal. Und die Fans feiern trotzdem. Zu Recht. Immerhin Vize-Europameister. Na, wenn das nix is …

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