Der hier angekündigte Gottesdienst war der abwechslungsreichste seit langem. In der voll besetzten Aegidienkirche, in der einige Gottesdienstbesucher nur Stehplätze hatten, ging es schon gleich zu Beginn hoch her.
Nach dem Vorspiel der Orgel begrüßte der Pastor gerade die weihnachtliche Gemeinde, als sich eine gewissse Unruhe in den Kirchenbänken ausbreitete. Viele Blicke gingen nach oben, Handschuh-Finger deuteten Richtung Lettner. Dort oben auf der Brüstung der Empore lief – ganz geschmeidig, elegant, mit sanftem Tritt und vom Festtagstrubel vollkommmen unbeeindruckt – eine schwarze Katze von links nach rechts. Der Stuben… der Kirchen-Tiger sah kurz von oben herab auf die Gemeinde. Die hörte derweil zwischen dem ganzen Gelächter und Gemurmel den Herrn Pastor leicht angesäuert sagen: “Ja, und wir begrüßen auch die Weihnachtskatze … und ob sie dann jetzt wohl wieder mir zuhören würden?!?”
Es dauerte noch ein Minütchen, bis sich in der alten Handwerkerkirche wieder weihnachtliche Besinnlichkeit breit machte. Wenig später sah man den Küster mit der Katze auf dem Arm Richtung Hauptausgang hetzen. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass der Kirchendiener zu derart später Stunde etwas aus dem Gotteshaus tragen musste. Wenig später gab es rechts unter der Orgel erneut Unruhe. Besorgte Menschen beugten sich über eine junge Frau, die zusammengebrochen war. Wenig später lag sie auf einer Trage, die der Küster und Helfer aus der Kirche trugen.
Mehr ist dann aber nicht mehr passiert.
Autor: Christian
Fröhlicher Zimbel-Stern
Na klar, die Musik des Tages ist heute ein Weihnachtslied. Und zwar “O du fröhliche”. Kennt es noch jemand? Hier noch mal der Text:
O du fröhliche, o du selige Gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren: Freue, freue dich, o Christenheit! O du fröhliche, o du selige Gnadenbringende Weihnachtszeit! Christ ist erschienen, uns zu versühnen: Freue, freue dich, o Christenheit! O du fröhliche, o du selige Gnadenbringende Weihnachtszeit! Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: Freue, freue dich, o Christenheit! (Text, Strophe 1: Johannes Daniel Falk (1816)1819); Strophen 2 und 3: Heinrich Holzschuher 1829)
Dieses Lied beschließt jeweils den nächtlichen Gottesdienst am Heiligen Abend in St. Aegidien zu Lübeck. Das Besondere daran: Zusätzlich zur Orgelbegleitung dreht sich an der barocken Orgel ein Zimbel-Stern, der so ähnlich wie ein Glockenspiel klingt. Der Stern erklingt nur bei diesem Lied. Weihnachtlicher kann es gar nicht werden…
Schöne Weihnachten wünsche ich!
Auch Du bist Person des Jahres
Herzlichen Glückwunsch! Auch Du hast es Dir verdient -und die Auszeichung ist ja wirklich nicht schlecht! Das Time-Magazine hat jeden einzelnen Internetutzer zur “Person des Jahres” gekürt. Jeder, der das Netz der Netze nutze, habe sich die Auszeichnung als “Bürger der digitalen Demokratie” verdient, begründet das US-Blatt seine Entscheidung. Das Titelblatt ist mit einem Spiegel beklebt, in dem sich der Leser sieht.
Damit reihen wir alle uns ein in die illustre Liste der Ausgezeichneten, wie zum Beispiel Michail Gorbatschow, Charles Lindbergh, Mahatma Gandhi, Bono und Bill Gates. Das Magazin hatte 1938 allerdings Hitler zum Menschen des Jahres gekürt – was für ein Fehlgriff.
Mutti und Vati berichtigen prangernd
Im Oktober fand im Niedersächsischen eine inzwischen legendäre Party statt. Die Folgen müssen erheblich gewesen sein, denn Mutti und Vati hatten nach der Rückkehr von ein paaar unbeschwerten Urlaubstagen die eigene Wohnung verwüstet vorgefunden. Der Tatverdächtige im Fokus der parentalen Ermittler: der Sohn und seine mutmaßlich abgefeimten Komplizen … In ihrer Not haben Mama und Papa in einigen Fällen wohl etwas voreilig geurteilt, als sie diese Anzeige in der Lokalpresse schalteten.
Jedenfalls haben andere Eltern reagiert und korrigierende Inserate veröffentlicht:

Familie Riecke bemüht sich um ihren guten Ruf
Und auch Mama und Pap selbst sahen sich angesichts des wachsenden öffentlichen Drucks noch einmal genötigt, eine Anzeige zu schalten:

Mama und Papa korrigieren sich – teilweise. Und sie haben neue Spuren.
Immerhin haben sie nun, weil in dem kleinen Örtchen offenbar nahezu jeder jeden bezichtigt, neues Beweismaterial. Wäre doch lustig, wenn sie zumindest einige Bilder davon mal in der Zeitung drucken würden…
Vielen Dank an den Biografen für die knallharte Nachrecherche und die Zuarbeit.
nERVIGE tASTE abschalten
Wer hat schon mal ernsthaft die Caps-Lock-Taste benutzt? Irgendjemand? Keiner? Trotzdem gibt es diese Feststelltaste auf jeder Computertastatur – und die betätigen die meisten wohl nur aus vERSEHEN. Das kann man ändern, auch ohne den Knopf herauszubrechen. Mit einer kleinen Änderung in der Windows-Registry wird die Feststelltaste abgeschaltet.
Hier gibt es ein kleines Script zum Abschalten, einfach runterladen, klicken, Rechner neu starten – und schon ist die Caps-Lock-Taste Geschichte. Alle Angaben natürlich ohne Gewähr.
Jaha, bin noch da!
Hier ist nichts los. Ich weiß das. Ich würde es gern ändern. Allein, mir fehlt die Zeit. Deshalb vertröste ich die werte Leserschaft mit einem Hinweis auf meine Lieblings-Tastenkombination auf Windows-Rechnern: Wenn man mehrere Anwendungen geöffnet hat, lässt es sich wunderbar zwischen den einzelnen Programmen hin und her schalten, wenn man die ALT-Taste gedrückt hält und dann die Tabulator-Taste drückt. Es erscheint ein kleines Fenster, in dem alle Anwendungen angezeigt werden – und dort kann man dann von einer zur anderen springen. Sobald man ALT und Tabulator loslässt, erscheint das gewählte Fenster im Vordergrund. Man kann auch in entgegengesetzter Richtung durch die Programme blättern, wenn man auch noch die Shift-Taste drückt. Das erfordert aber einiges akrobatisches Geschick. Ich bin mir sicher, Euch mit diesem Faszinosum Beschäftigung für mehrere Tage geliefert zu haben und verbleibe mit freundlichem Gruß. Christian
Pauls Routenplaner
Paul Gerhardt schafft es immer wieder. Die Kirchenlieder-Texte aus seiner Feder sind wirklich beeindruckend. Nach dem frühlingshaften “Geh aus mein Herz” empfehle ich heute – passend zur grauen Jahreszeit ein eher getragenes Lied, das Trost spenden soll: “Befiehl Du Deine Wege”.
Befiehl du deine Wege (EG 361)
Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft, und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden, da dein Herz gehen kannDem Herren musst du trauen, wenn dir´s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.Auf, auf, gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht,
lass fahren, was Dein Herze, betrübt und traurig macht;
bist du doch nicht Regente, der alles führen soll,
Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl.Ihn, ihn lass tun und walten, er ist ein weiser Fürst
und wird sich so verhalten, dass du dich wundern wirst,
wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rat
das Werk hinausgeführet, das dich bekümmert hat.
(Text: Paul Gerhardt, 1653)
Buntes Treiben im “Grauen Esel”
Heute vor 13 Jahren begann meine Laufbahn als Journalist. Am 13. November 1993 hat zum ersten Mal eine Tageszeitung einen Text von mir gedruckt (und dafür auch gleich bezahlt, ein paar Mark.) Und hier ist er noch einmal, wegen des großen Erfolges:

So beginnen Journalisten-Karrieren: Außer die klassischen Fakten zu erwähnen habe ich auch an den Mehrwert für den Leser gedacht und unter anderem die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel empfohlen.
Die Ankündigung für einen Basar in einer Kindertagesstätte im Lübecker Stadtteil St. Jürgen ebnete mir den Weg in die Lokalredaktion der Lübecker Nachrichten. Die Redaktion hat den Text – meiner Erinnerung nach – 1 zu 1 übernommen und vor allem auch meinen Überschriftenvorschlag akzeptiert (darauf war ich besonders stolz). Was folgte, war wenig später der erste richtige Auftrag der Redaktion: Eine Rezension über “Wachtmeister Holm”, der am Wochenende im Kolosseum aufgetreten war. Zehntausende Zeilen habe ich inzwischen geschrieben, tausende Fotos gemacht, O-Ton-Material gesammelt, das für mehrere Wochen reicht, tagelang im Radio erzählt – und es macht mir immer noch Spaß.
Früher bei den LN bekam ich immer eine Gänsehaut, wenn die Rotationsmaschine anlief und der Hauch von Druckfarbe durch die Flure wehte. Und heute läufts mir vor Begeisterung manchmal kalt den Rücken runter, wenn die Arbeit von ganz vielen Personen zusammen eine schnelle, aktuelle, unterhaltsame Radiosendung ergibt, zu der ich etwas beitragen kann.
Soweit wäre es vielleicht nicht gekommen, wenn meine ersten redaktionellen Schritte bei den LN nicht so wohlwollend begleitet worden wären. So haben sich die Kollegen oft Zeit genommen, mit mir ausführlich über meine Texte zu sprechen, positiv und negativ zu kritisieren, gemeinsam Änderungsvorschläge zu erarbeiten. Und ich hatte bei den LN oft die Chance, Neues auszuprobieren, mich Herausforderungen zu stellen und einfach mal was zu machen, als freier Mitarbeiter, als Volontär und natürlich auch als Redakteur. Für diese äußerst “praktische Einführung in den Journalismus” bin ich sehr dankbar.
Diese Aufgeschlossenheit, diese Geduld und Ehrlichkeit, die habe ich mir zum Vorbild genommen: Zuweilen begleiten mich jetzt Praktikanten bei meinen Reporter-Einsätzen – und für diese Gäste nehme ich mir oft auch mal ein bisschen mehr Zeit (wenn ich wenigstens einen Hauch von Interesse erkenne), lasse sie Beispieltexte recherchieren und schreiben und selbstverständlich auch sprechen. Manchmal fragen mich die Jungs und Mädels dann, warum ich das mache. In Zukunft werde ich dann einfach auf dieses Posting hier verweisen.
PS: Natürlich soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass meine journalistischen Wurzeln wohl schon ein bisschen früher als 1993 gekeimt haben. Ein historisches Tondokument wurde hier ja bereits veröffentlicht. Außerdem habe ich in der sechsten Klasse gemeinsam mit zwei Schulfreunden mal unseren Biolehrer, einen gestandenen Tierarzt interviewt (der ein Wildschwein aufgepäppelt hat, dessen Mutter im Grenzstreifen angeblich auf eine Mine getreten war) sowie für die Katharineum Ruderriege jahrelang an der Mitgliederzeitschrift layoutet und geschrieben. Außerdem habe ich gemeinsam mit Kumpel Schem im Offenen Kanal Lübeck die Show “Zum Blöden Bock” präsentiert. Eine Magazin-Sendung, über deren Inhalt vor allem wir beide herzhaft lachen konnten. Und dann war da ja während meines Studiums auch noch der heuler. Um mal so die wesentlichen Punkte zu nennen. Und weil auch meiner Verwandtschaft nicht verborgen blieb, dass ich so ein Pressefritze werden wollte, war es dann Onkel Godehard, der mich an einen dpa-Geschäftsführer vermittelt hatte. Und dieser Mann hat mir nach langen und interessanten Ausführungen über das Journalistengeschäft empfohlen, einen Beispeiltext zu schreiben und mich bei meiner Lokalzeitung zu bewerben. Es war genau der oben erwähnte Beitrag.
Ottigramm
Holderitiih! Otto war heute in Rostock, um seinen neuen Kinofilm vorzustellen. Ich habe ihn interviewt – hier ist der Beweis: Ein echtes Ottigramm aufm Mikro:

Bleibender Eindruck: Unterschrift samt Ottifant auf Reporterequipment.
Wie es klingt, wenn Komiker auf Schaumstoff schreiben, ist gegen 18:40 Uhr heute im Radio zu hören