Görlitz-Gefühl

Die Stadt Görlitz in Sachsen ist verschuldet – mit umgerechnet gut 860 Euro je Einwohner. Das ist schlimm, auch wenn die Stadt damit die Kommune mit der geringsten Schuldenlast im Freistaat ist. Aber es könnte schlimmer sein, denn Görlitz hat einen anonymen Wohltäter. Seit nunmehr zwölf Jahren spendet ein Unbekannter der Stadt jedes Jahr eine Million D-Mark bzw. nun etwas über 500.000 Euro. Keiner weiß, wo das Geld herkommt, ob es im nächsten Jahr wieder eine Spende gibt, warum das alles überhaupt stattfindet – und bei wem sich denn der Herr Oberbürgermeister bedanken soll. Vielleicht würde ja auch die Stadtvertretung gerne eine Straße nach dem Wohltäter benennen – aber da bliebe bislang wohl nur “Straße des anonymen Spenders” oder etwas ähnlich Sperriges. Egal. Eine Stiftung entscheidet jedenfalls jedes Jahr, was mit dem Geld in Görlitz restauriert, renoviert und vor allem bezahlt werden soll.

Ich fühle mich heute wie der Bürgermeister von Görlitz. Zwar habe ich kein Haushaltsloch sächsischen Ausmaßes zu verwalten, aber auch ich kann mich über eine anonyme Spende freuen. So brachte mir den Paketmann heute einen an mich adressierten grauen länglichen Karton. Darin fand sich ein druckfrisches Simpsons-Poster mit dem Motiv, wie ich es hier schon erwähnt hatte. Das von mir unter großen Anstrengungen geborgene Poster ist irreparabel beschädigt, weil wellig, angefranst, fleckig und bäh.

Nun habe ich also – dank anonymer Wohltäter – ein ganz frisches, glattes, neues Simpsons-Poster, das laut beiliegender Rechnung auch schon vollständig bezahlt ist. Bei wem bedanke ich mich jetzt? Ich tue es einfach hier: Herzlichen Dank an wen auch immer für die Poster-Post. Ich freue mich sehr – und habe inzwischen eine Stiftung gegründet, die darüber entscheiden wird, wo in meiner Wohnung das bunte Bild nun aufgehängt werden soll (über meinem Fernseher, an die Tür meines Arbeitszimmers, über meinem Schreibtisch, oder wo?). Vorschläge an den Stiftungsrat bitte in einfacher Ausfertigung in gewohnter Weise hier als Kommentar anfügen. Man dankt.

Bisschen Sonne

Die Musik des Tages kommt heute von
Raemonn: A little bit of sunshine
Klingt optimistisch, ist vom Inhalt her aber eher ein Lass-es-uns-nochmal-versuchen-Lied. Wohl dosierte Gitarre mit lockerem Rhythmus – ich finds gut.

Landesmutter

Nur kurz notiert: Kurze Sinnsprüche heute in der Show von Harald-Schmidt. Und hier der beste:

“Berlin ist pleite wie Kalkutta, doch Wowi bleibt die Landesmutter”

Nüharrharr!

Und dann noch sinngemäß aus dem Gedächtnis:

“Wer fährt da rum mit einem Panzer? Das ist der Grass der alte Landser”

Auch gut.

Mecklenburg-Vorpommern-Blues

Und hier der Veranstaltungstipp fürs Wochenende. Ich empfehle der geneigten Leserschaft einen Besuch bei der KneipenKultTour in Güstrow. Es ist dabei nicht nötig, in alle Clubs und Bars zu gehen. Es reicht, ab 21 Uhr im Phönix am Domplatz zu sein. Am 30. September tritt dort “Martin Rosenplänter mit den entsprechenden Konsequenzen” auf.

Martin Rosenplänter mit den entsprechenden Konsequenzen

Die vier Tenöre? Nein! Diese Herren machen deutschsprachige Rockmusik. Bandfotos müssen aber so aussehen. Es gilt in Musikerkreisen sozusagen als schwere Sünde ein Foto abzugeben, auf dem alle in die Kamera blicken. Is ja auch egal. Am 30. September spielt die Band jedenfalls in Güstrow im Phönix.

Martin hat unter anderem in Rostock studiert – und hier sind sozusagen nebenbei sehr humorvolle Texte entstanden. Und die gibts dann als frischen, knackigen, deutschsprachigen Rock zu hören. Besonderer Kracher war bislang bei Auftritten im Osten allerdings auch der Mecklenburg-Vorpommern-Blues.

Martin schreibt die Texte und komponiert, und mit seinen drei konsequenten Jungs (studierte Musiker) bastelt er daraus knackige Arrangements. Das rummst, und zwar mit Anspruch – sowohl in musikalischer, als auch in inhaltlicher Hinsicht. Die Veranstalter machen deshalb auch das einzig Folgerichtige und kündigen Herrn Rosenplänter und die Konsequenzen als “Geheimtip” an. Da schließe ich mich an.

Die Homepage der Band

Das Programm der KneipenKultTour

Der Phönix-Club in Güstrow

“Hääbst”

, wie man hierzulande den Namen der Jahreszeit ausspricht, die um 6:03 Uhr begonnen hat. Meine aktuelle Lieblingsjahreszeit, knapp vor Frühling, Sommer und Winter. Liegt wohl an den Farben der Natur, speziell am Licht, den langen Schatten und dem leicht feucht-modrigen Geruch, der zuweilen durch Wald und Flur haucht.

110

Beim Notruf der Polizei habe ich wirklich noch nicht oft angerufen. Vielleicht drei, vier Mal in meinem hach so jungen Leben. Darüber bin ich auch sehr froh, ich bin eigentlich für jedenTag dankbar, an dem ich nicht aus eigener Not oder im Interesse anderer die Polizei anrufen muss – wer kommt schon gern in Situationen, in denen nur noch Polzei, Feuerwehr oder Notärzte helfen können. Ich weiß nicht, wie ich klinge, was ich sage, wenn ich den Notruf anwähle – aber ganz offensichtlich kommt bei den Beamten in den Leitstellen ganz schön viel seltsames Zeug an. Jedenfalls reicht es, dass im Blog “VS-Geheim” jeden Tag neue anonymisierte Protokolle von Notrufen zu finden sind, aufgeschrieben von einem Leitstellenbeamten. Kostprobe:

Bei einem Unfall erleiden viele, ohne sich dessen unbedingt bewusst zu sein, einen Schock. Das ist vor allem daran zu sehen, dass einfache Zusammenhänge nicht mehr erkannt werden…

“Polizeinotruf.”
Eine aufgeregte Männerstimme.“Ja, hallo. Kommen Sie bitte schnell. Wir hatten hier einen Unfall!”
“Ja. Ist jemand verletzt worden?”
“Äh…nein. Ich bin nicht verletzt.”
“Und was ist mit dem oder den anderen Unfallbeteiligten?”
“Ja…weiss ich nicht.”
“Dann fragen Sie doch bitte mal.”
“Das geht nicht.”
“Warum denn nicht?”
“Ja…äh…der spricht nicht mit mir.”
“Nanu. Warum denn nicht?”
“Ach, der liegt hier auf dem Boden, blutet aus dem Kopf und stöhnt die ganze Zeit rum.”
Stöhn. “Dann würde ich mal sagen, der ist verletzt.”
“Äh..so gesehen – ja. Schicken Sie bitte einen Krankenwagen!?”

Das klingt witzig, ist es auch, aber manchmal bleibt einem das Lachen angesichts der Geschichten auch im Halse stecken bei dem Gedanken “Bloß gut, dass mir das nicht passiert ist”. Manchmal darf man sich auch wundern, wie launig “die Polizei” antwortet. Ob das immer angemessen ist, ich weiß es nicht. Bei manchen Anrufen scheint mir der Tonfall aber zu passen. Und es sind ja auch nur die Spitzen der Notruf-Eisberge, die dort veröffentlicht werden. Auf jeden Fall ist das sehr unterhaltsam aufgeschrieben – und deshalb wird VS-Geheim als drittes Blog rechts in die Liste meiner Blogs eingetragen.

Die wenigsten Nichtraucher

Endlich ist Mecklenburg-Vorpommern mal nicht Schlusslicht – oder doch? Diese ewigen Rote-Laterne-Geschichten machen einen ja schon ganz verrückt. Deshalb klingt diese Meldung aus der Zeitung ja auch auf den ersten Blick positiv (sonst haben wir schließlich immer nur die meisten, die meisten Arbeitslosen, die meisten Frustrierten, die meisten Nichtwähler): Nun haben wir also mal die wenigsten – und zwar “die wenigsten Nichtraucher”. Nun ja.

Laut Statistischem Bundesamt liegt die Nichtraucherquote in Mecklenburg-Vorpommern bei 66,7 Prozent. Also zwei Drittel der Bevölkerung rauchen nicht oder nicht mehr. Und da ist sie wieder die rote Laterne: Denn im Bundesvergleich bedeutet das prozentual den geringsten Anteil an Nichtrauchern. Man könnte also auch sagen: “Wir haben die meisten Raucher”. Aber in einem Land, das Gesundheitsland Nummer 1 werden will und obendrein noch die geringste Lebenserwartung hat, viele Alkoholiker und auch sonst genug Probleme, klingt “wenigste” wenigstens mal positiv.

Zeitsprung

Ich nehme gerne die Annehmlichkeiten moderner Technik in Anspruch – erwarte aber auch, dass mir Maschinen mit der gebotenen Ernsthaftigkeit gegenübertreten. Mein Geschirrspüler tanzt da heute aus der Reihe. Er zeigt mir in Minuten an, wie lange es noch dauert, bis er trockenen Joghurt, spröde Tomatensoßenreste und Honigtropfen von Tassen, Tellern und Messern gespült hat. Eben stand im Display eine 17. Und jetzt lese ich dort:95. Wie kann man sich denn so irren, bittesehr? Ich bin sehr enttäuscht. Da hat jemand zunächst wohl nicht mit offenen Karten gespielt oder ließ die notwendige Professionalität vermissen. Dabei habe ich extra noch Klarspüler nachgefüllt. Das wird Konsequenzen haben, wir werden das besprechen. So – geht es wirklich nicht.

Es gibt so viele Geschirrspüler da draußen, die würden sich darum reißen, hier ab und zu ein bisschen abzuwaschen Die würden das Zeug sogar noch in die Schränke räumen, wenn ihnen jemand Roboterarme anmontiert. Die würden das zuverlässig machen, schnell und billiger. Ich glaube, ich habe ein zu großes Herz. Ich gewähre so einem unsicheren Kantonisten Unterschlupf, der nicht mal auf seine eigenen Zeitangaben Rücksicht nehmen will. Und nachher ist das Geschirr noch nicht mal klinisch rein und ich muss-nochma-mipmm-Lappn-rübä. Zeiten sind das, also nee.

PS: Ich muss aufpassen. Sonst versteht das Ding meine launigen Anmerkungen hier auch noch falsch und dankt mir meine nicht ganz ernst gemeinten Ausführungen mit nem geplatzten Abwasserschlauch oder so was. Manchmal habe ich den Eindruck, ich bin der Technik hilflos ausgeliefert.