WDR5 Politikum – Der AB von Diekmann by Malotki
Bis wann hält der oberste Repräsentant der Bundesrepublik noch aus? In den Redaktionen reichen die Spekulationen von “nur noch bis heute Abend” bis “Freitag”. Der Schwerpunkt liegt auf “morgen”.
Christian Kohlhof | Rostock, Schwerin
WDR5 Politikum – Der AB von Diekmann by Malotki
Bis wann hält der oberste Repräsentant der Bundesrepublik noch aus? In den Redaktionen reichen die Spekulationen von “nur noch bis heute Abend” bis “Freitag”. Der Schwerpunkt liegt auf “morgen”.
2011… was war sonst noch? Ach ja:
Man kann mit der Autovermietung telefonieren… nützt aber manchmal gar nichts.
Und dann waren da noch diese Spaßvögel von der Autovermietung. Der Automobilclub hatte mich an sie verwiesen, eben weil es nötig war. Ort der Handlung. Der Gehweg vor der Autovermietungsfiliale in Rostock Lütten-Klein, später auch der Innenraum. Im Gebäude der Autovermietung befindet sich auch deren Callcenter. Der Anlass für meinen Besuch: kürzlich erwähnte Panne mit anschließendem Werkstattbesuch und die daraus resultierende Notwendigkeit einen Mietwagen zu nutzen. Der Hintergrund: Der ADAC bestellt den Wagen und kündigt an, dass in einer Viertelstunde die Filiale von Sixt anrufen wird, um mit mir alles weitere zu besprechen.
Die Viertelstunde war genau rum, da klingelte auch schon das Handy…
Telefon: „Guten Morgen, Herr Kohlhof. Mein Name ist Frau Schmerg* von der Autovermietung. Unsere nächste Filiale in Ihrer Nähe ist die am Rostocker Hauptbahnhof.“
Ich: „Nein, nein. Ich stehe ja gerade in Lütten-Klein bei Ihnen sozusagen vor der Tür.“
Telefon: „Ach so?! Hihi, na dann schicke ich den Kollegen die Unterlagen gleich mal runter.“
Ich: „Vielen Dank, schönen Tag noch!“
Telefon: „Ihnen auch. Tschüß!“ – Klick – Klingeling, klingeling – „Morgen, Herr Kohlhof. Ich bin Herr Schlönz* von der Autovermietung. Sie brauchen einen Wagen? Wir haben einen für Sie in unserer Filiale am Hauptbahnhof.“
Ich: „Ach ja? Aber eben gerade hat doch schon Frau Schmerg angerufen. Und ich habe ihr gesagt, dass ich ja nun in Lütten-Klein bin und gerne hier ein Auto abholen möchte…?!?!“
Telefon: „Ach so?! Hihi, na kein Problem. Dann schicke ich den Kollegen die Unterlagen gleich mal runter.“
Ich: „Vielen Dank, schönen Tag noch!“
Telefon: „Ihnen auch. Tschüß!“ – Klick
Ich (durch die Schwingtür zum Tresen im Sixt-Büro schreitend): „Guten Morgen!“
Frau am Service-Tresen: „Guten Morgen!“
Ich: „Der ADAC hat einen Wagen für mich reserviert. Und den möchte ich jetzt gern abholen.“
Frau am Service-Tresen: „Sehr gern. Ihr Name?“
Ich: „Kohlhof“
Frau am Service-Tresen (tippt und klickt): „Da… äh… kann ich …. Nichts… also wie ist Ihr Name?“
Ich: „Kohl und hof – in einem Wort“
Frau am Service-Tresen: „Tja, da habe ich hier gar nichts….“
Ich: „Das Gemüse und der Hof….“
Frau am Service-Tresen: „Ich schauen noch mal auf anderem Wege…“
Ich: (geduldig abwartend, milde lächelnd)
Frau am Service-Tresen: „Ach, Ihr Wagen steht am Hauptbahnhof!“
Ich (mit kurzzeitig entgleisten Gesichtszügen): „Im Ernst?“
Frau am Service-Tresen: „Aber kein Problem, ich buche das um!“
Ich: „Na gut. Wo soll ich denn morgen den Wagen wieder abgeben?“
Frau am Service-Tresen: „Wenn Sie wollen können Sie ihn wieder hierher bringen.“
Ich: „Alles klar, also zum Hauptbahnhof…“
* = Name geändert
Total clever: Auf dem Weg zur Arbeit noch schnell einen kleinen Umweg machen, um bei der preiswerten Tanke noch schnell den Tank wieder aufzufüllen. Ersparnis bei dieser halben Tankfüllung im Vergleich zu den Wegelagerern an der Hauptstraße: 2,90 Euro.
Total beschissen: Auf dem Weg zur Tanke in dieses verdammte Schlagloch reinzurasseln, um sich dann wenig später in der Werkstatt für 105,90 Euro den Unterbodenschutz erneuern zu lassen.
Ersparnis: Minus 103,00 Euro.
Punktabzug für Schwerin
Da hat die Zapfsäule aufgerundet, wo es ganz offenkundig nichts aufzurunden gibt:

Ja, es geht nur um einen popeligen Cent – aber bei diesen Kraftstoffpreisen kommt man damit ja bald schon ein paar Kilometer weit. Wie auch immer, ich wollte ja weder die Rechnung anfechten, noch ihr widersprechen oder einen Ölkonzern auf Herausgabe eines Cents verklagen. Und ich wollte ja schon gar nicht den Weltuntergang herbeireden oder gar Wegelagerei und modernes Raubrittertum wittern, als ich beim Bezahlen die Frau mit der seltsamen Dauerwelle an der Kasse darauf aufmerksam machte, dass sich ihre tolle Zapfsäule – wenn auch nur minimal – zugunsten des Konzerns verrechnet hatte.
Wie reagiert eine Mitarbeiterin meiner bisherigen Stamm-Tanke an der Rostocker Nobelstraße morgens gegen 8 Uhr? Mit Merkel-Mundwinkeln, Augenrollen und einem gelangweilten mir-doch-egal-Schulterzucken und dem Satz: “Ich kassier’ hier das, was da steht, damit nachher meine Kasse stimmt.” Ja, gut. Das ist schön.
Ich hätte mich allerdings über ein “Hmm, das ist ja komisch, Entschuldigung! Ich werde mal unseren Techniker bitten, dass er sich darum mal kümmert. Nicht, dass bei größeren Mengen noch größere Fehler entstehen. Leider kann ich den Betrag aber nicht von Hand ändern…” Wenn Sie mir den Cent angeboten hätte, hätte ich dankend abgelehnt. Aber ich hätte mich über Antwort und Geste gefreut.
Wie es der Zufall will, hatte ich am Tag vorher zum selben Literpreis die gleiche Menge in Schwerin getankt – und danach den korrekt berechneten Preis bezahlt…. Punkt für Schwerin.
Man merkt es zunächst nicht, aber irgendwann kann man es nicht mehr leugnen: Je älter eine Windows-Installation wird, um so langsamer scheint sie zu werden. Ist das tatsächlich so? Der Prozess ist schleichend – und das System führt darüber sogar Buch. In der Ereignisanzeige gesteht Windows ungerührt und auf die Millisekunde genau, wieviel Zeit es benötigt, um betriebsbereit zu sein.

Mehr als 250.000 Millisekunden sind da schon ein stolze Spanne: Über vier Minuten. Was tun? Nicht benötigte Autostart-Dienste abschalten? Kann man machen. Nie benutzte Programme deinstallieren? Durchaus möglich… Mit CCleaner die Registry aufräumen? Warum nicht. Und was hilft’s? Wenn man Glück hat, ist Windows dann ein paar Millisekunden schneller. Toll. Also: Schon mal die Neuinstallation des Systems vorbereiten, Setup-DVD, Seriennummern zusammentragen, die eigenen Dokumente sichern? Ich war kurz davor: Aber das muss nicht sein. Einmal die Festplatte defragmentieren kann Wunder wirken. Aber gründlich muss man sein. Ein Erfahrungsbericht. „Windows 7 anschieben“ weiterlesen

Das Backup-Drama von gestern Abend hätte ja fast dafür gesorgt, dass man mich hätte einweisen müssen. Aber dann wurde ja doch noch alles gut. Wenn die werte Leserschaft Lust hat, dann klicken Sie doch mal bei den Ruderern der SRG vorbei: www.schwerinerrudergesellschaft.de. Ich habe in den vergangenen Monaten den Relaunch der Internetseite vorbereitet. Und heute um Mitternacht war es dann soweit.
Das alles funktioniert mit dem Content-Management-System “Contao“. Das kostenlose Paket kann ich sehr empfehlen. Umfangreiche Dokumentation, lebendige Community – und dazu dann noch ein sehr hilfreiches Buch von Galileo-Press: “Websites erstellen mit Contao“.
“Mach ein Backup”, ist fast schon ein Mantra, das ich mir oft selbst vorbete und auch gern beherzige. Manchmal bin ich sogar kurz davor Menschen in der Fußgängerzone anzusprechen: “Haben Sie schon ein Backup von ihren wichten Daten und Computerprojekten gemacht?” Nur mühsam kann ich mich bremsen. Dabei meine ich es doch nur gut – auch mit mir selbst. Wie schnell ist sonst die Arbeit von Monaten im digitalen Nichts verpufft, wenn man mal im entscheidenden Moment gerade keine Sicherheitkopie gemacht hat.
Nun ist es so: Ich habe gerade ein Backup vom Ergebnis monatelanger Arbeit gemacht. Es geht um die Erneuerung der Internetseite der Schweriner Rudergesellschaft. Und just nachdem ich dieses Baackup heruntergeladen und ein Update des CMS hochgeladen hatte, raten Sie, was passiert ist. Ach, ich sags Ihnen: Einfach alles zerschossen. Mir scheint sogar, MySQL hat sich extra für mich noch ein paar neue Fehlermeldungen ausgedacht und lacht sich irgendwo im Backend kaputt.
Aber kein Problem: Ich habe ja ein Backup. Das habe ich soeben hochgeladen und musste nun feststellen, dass der FTP-Client die Dateien nicht wie versprochen ersetzt, sondern einfach jeweils hintendran gehängt hat. Damit kann ja nun niemand etwas anfangen. Alle Dateien sind nun alsso doppelt so groß.
Es ist jetzt 19:39. In wenigen Sekunden wird sich herausstellen, ob es geholfen hat, noch einmal alles zu löschen und das Backup in ein jungfräuliches Verzeichnis hochzu laden… Sie werden es erleben. Ich schreibe dann nur eines dieser beiden Wörter hier rein: Uffff oder Arrrglwarrrgl. Bleiben Sie dran…
19:41: …
19:43: .. . . … .
19:43:43: Ufffffff… fffff ….ff. f…ffff
Sonntage sind gute Tage, um einen Skandal zu starten. Wenn die Beschuldigten einen freien Tag genießen wollen, haben andere wiederum Zeit, sich ausführlich mit erschütternden Neuigkeiten zu beschäftigen. Vielleicht ist genau das ein Grund, warum gerade heute die Tatsache publik wird, dass es angeblich ein staatliches Schnüffelprogramm gibt, das auf Windowsrechnern viel mehr macht, als es Verfassungsrichter einst gestattet haben – und das dazu auch noch von technisch wohl eher lausiger Qualität.
Kaum jemand unter den durchschnittlichen Computernutzern und Internetsurfern kann wohl beurteilen, wie man ein gutes Schadprogramm, einen Keylogger, Trojaner oder was auch immer schreibt. Trotzdem ist die Aufregung natürlich groß. Und keine Frage: Wenn das stimmt, was der Chaos-Computer-Club da behauptet, dann haben wir es hier in der Tat mit einem riesigen Datenschutz- und Justiz-Skandal zu tun. Aber wenn man sich das alles so durchliest, dann kommen doch ein paar Fragen auf:
1.) Was genau haben denn die Leute vom CCC da analysiert? Worauf beruht ihre Behauptung, dass es sich um eine von staatlichen Stellen in Auftrag gegebene und dann auch von ihnen eingesetzte Software handelt. In den Analysen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, aber auch im Text des CCC selbst fehlen diese Angaben.
2.) In der FASZ wird erwähnt, dass der CCC rechtzeitig vor der Veröffentlichung seiner Analyse das Bundesinnenministerium informiert habe, um laufende Ermittlungen nicht zu gefährden. Das ist nett, warum taucht dann aber in dem journalistischen Text der FASZ keine Stellungnahme des Innenministeriums auf. Es ist anzunehmen, dass die Redaktion nicht erst gestern Abend von diesen massiven Vorwürfen erfahren hat und deshalb wohl Zeit genug war, die Beschuldigten um eine Stellungnahme zu bitten. Die journalistische Fairness und die Sorgfaltspflicht schließen dies eigentlich mit ein und setzen die Möglichkeit zur Stellungnahme sogar voraus. Und selbst wenn das Innenministerium nicht antworten wollte, ist ein Hinweis “… wollte sich nicht äußern” unverzichtbar. Seltsam. Reaktionen des Innenministeriums finden sich erst Stunden später. Kein Wunder es ist ja Sonntag.
3.) Wer ist also Urheber oder Absender des vermeintlich amtlichen Trojaners? Und warum ist der dann auch noch so lausig programmiert, wie es der CCC behauptet. Warum ist der Trojaner so schlecht geschützt, warum nutzt er vergleichsweise schwache Verschlüsselungstechniken? Warum verwischt er seine eigenen Spuren nicht besser? Warum begeht er gleich Rechtsbruch in mehrfacher Hinsicht – und das für Fachleute offenbar so offensichtlich? Wollte der Trojaner möglicherweise entdeckt werden? (und erklärt sich damit auch der Humor der unbekannten Programmierer, eine Variable oder Routine oder was auch immer es ist, ausgerechnet der Jahreszeit entsprechend “0zapftis” zu nennen – sozusagen digitales Oktoberfest auf angezapften Rechnern?)
4.) Wie sicher ist sich der CCC selbst, was er da auf dem Silbertablett serviert bekam? Auf der eigenen Internetseite heißt es noch vollmundig “Chaos-Computer-Club analysiert Staatstrojaner […] Der Chaos Computer Club (CCC) hat eine eingehende Analyse staatlicher Spionagesoftware vorgenommen”, während es in der dazu verlinkten 20-seitigen Analyse viel vorsichtiger formuliert heißt: “Dem Chaos Computer Club (CCC) wurde Schadsoftware zugespielt, deren Besitzer begründeten Anlaß zu der Vermutung hatten, daß es sich möglicherweise um einen ,Bundestrojaner’ handeln könnte.” Irgendjemand vermutet – und scheint dafür wohl gute Gründe zu haben – dass es sich “möglicherweise” und einen in Anführungsstrichen Bundestrojaner handeln könnte. Mehr Konjunktiv und Einschränkungen in einem einzigen Satz sind fast nicht möglich. Natürlich kann die Vermutung naheliegen, dass es sich um ein staatliches Projekt handelt. Aber: Beweise fehlen.
5.) Die FASZ berichtet von aktuellen Ermittlungs-Verfahren, in denen angeblich Fahnder angeblich digitale Dokumente vorgelegt haben, an die sie nach geltendem Recht gar nicht hätten gelangen dürfen, also Dateien aus Überwachungen, die über die Quellen-TKÜ hinausgehen. Den Ermittlern dürfte in diesem Fall klargewesen sein, dass sie unrechtmäßig erlangtes Beweismaterial benutzen, warum sollten sie so etwas öffentlich machen, was einerseits ihre (illegalen) Methoden beweisen würde und andererseits vor Gericht ja wohl überhaupt keinen Wert haben dürfte. Sollten die tatsächlich so doof sein?
Was nun passiert, war vorherzusehen. Der Aufschrei war irre laut. Kaum jemand kann zum jetzigen Zeitpunkt beurteilen, was tatsächlich Sache ist – aber schon jetzt gibt es Forderungen, der BKA-Chef müsse zurücktreten. Justiz-Ministerinnen reagieren empört. Und bei heise.de gibt es schon über 1300 Leser-Kommentare zur Bundestrojaner-Meldung.Wenn stimmt, was der CCC behauptet, dann geschähe es allen Ertappten nur recht, dass sie sich für dieses weitreichende Überschreiten aller höchst-richterlich gesetzten Schranken rechtfertigen und vor allem verantworten müssten. Aber wenn es nicht stimmt, dann müsste der Aufschrei darüber genau so groß sein – dann wäre das alles nur eine Kampagne.
Die sonntägliche Aufregung wird sich kaum noch eindämmen lassen und durch die ganze Woche ziehen. Die Medienmaschine läuft. Unabhängig davon ist es schon interessant zu wissen, in wie vielen Fällen bundesdeutsche Ermittlungsbehörden schon fremde Computer ausspioniert haben und zu welchen Ergebnissen dies schließlich führte.
Die Leute vom CCC sind äußerst ernst zu nehmende Fachleute. Sie haben in ihrer Analyse klar beschrieben, dass der von ihnen entdeckte Trojaner einfach so Dateien auf seinem Wirtscomputer ablegen kann – und niemand wird später beweisen können, dass es der Trojaner war und nicht der Eigentümer des Rechners, der diese Dateien da abgelegt hat. Da kann einem also belastendes Material untergeschoben werden, das Unbescholtene zu Verdächtigen macht. Was, wenn auch die vom CCC analysierte Software so etwas Ähnliches ist? Wenn also jemand ein staatliches Schnüffelprogramm “aufgebohrt” und so erweitert hat… und niemand wird das später beweisen können…
So genau der CCC auch erklären kann, wie der digitale Schnüffler funktioniert – mindestens genauso viele Fragen lässt diese Geschichte trotzdem offen.