Ossis und Juristen

Link zur Radioglosse von Peter Zudeick zum Thema “Sind Ossis eine ethnische Minderheit?”

Zum Stuttgarter Urteil zur Frage, ob Ossis eine ethnische Minderheit sind, hat sich Radiokolumnist Peter Zudeick heute entscheidende Gedanken gemacht – und dabei auch gleich noch den Juristen an sich ordentlich einen mitgegeben. Die Rubrik “Auf ein Wort – Sind Ostdeutsche eine Volksstamm” von heute Abend (auf der Seite von ndr-info). Sehr schön.

Rostocker Polizeiruf

Heute Abend war Vorpremiere für den neuen Teil der ARD-Krimi-Reihe “Polizeiruf 110”. Die Endlosserie hat nun ja auch ein Rostocker Ermittler-Duo, das in der erste Folge den Mord an zwei Mädchen aufklären muss. Der Film wurde heute Abend im Capitol auf der ganz großen Leinwand gezeigt. Nach dem Abspann gabs vom Rostocker Premierenpublikum kärftigen, aber kurzen Applaus. Zwischendurch gabs immer wieder anerkennendes Raunen, zum Beispiel, als Hauptdarsteller Charly Hübner plötzlich fließend Russisch sprach. Szenen-Applaus gabs auch für den Kollegen Ralf Markert, der in einer kleinen Rolle als Reporter am Leichen-Fundort sogar eineinhalb Sätze sagen durfte.

Der Fall an sich ist ebenso brutal wie abstoßend, vom neuen Ermittler-Team kann man sich aber auch in den nächsten Folgen als auflockerndes Gegenstück die nötige Portion Situationskomik und auch ein bisschen Sarkasmus erhoffen, das hat in der ersten Rostocker Folge schon gut funktioniert. Getuschel im Publikum gabs natürlich auch immer dann, wenn Rostock als Kulisse zu erkennen war. So zeigt der Vorspann viele bunte Ecken in Rostock: Nicht nur die Fußgängerzone, ein Drachenbootteam der Uni und Schiffe im Hafen, sondern auch ein Anti-Nazi-Plakat, welches vermutlich in der KTV gefilmt wurde. „Rostocker Polizeiruf“ weiterlesen

Digitaler Kassenpatient

Hallo? Können Sie das hier ekennen? Wie schön. Ich kann das nämlich nicht. Seit geraumer Zeit hat die Grafikkarte meines Laptops eine Macke. Alles auf dem Bildschirm ist deshalb hinter einem bunten Mosaik verborgen. So in etwa:

Dsplayfehler

Aber für Abwechslung ist gesorgt, die bunten Kästchen verändern in ebenso schneller wie zufälliger Abfolge ihre Anordnung – stellen Sie sich ein Kaleidoskop vor, durch das Sie blicken müssen, um Zeitung zu lesen.

Sie finden, dass das schrecklich ist, eine Zumutung sowie bewundernswert, wie ich das ertrage? Ich ertrage es ja gar nicht, ich erdulde es einfach nur. Warum nur? Weil der neue Rechner noch nicht da ist. Es scheint ein ganz spezielles MoDell zu sein, das ich mir da Ende März zusammengestellt habe – und das nun laut Hersteller-Internetseite “am oder vor dem 4. 5. 2010” zugestellt werden wird. Da verbringt man also Wochen damit, den bestmöglichen Computer zu finden – und wenn die Suche dann endlich ein Ende hat, sitzt man wie ein Kassenpatient im digitalen Wartezimmer.

Die Verzweiflung hat natürlich Nebenwirkungen: So ist es derzeit nicht besonders leicht zu bloggen. Zwar sind Tippfehler auf kohlhof.de Feature und keine Bugs, aber man möchte doch beim Schreiben wenigstens erahnen können, ob man den Text ins Artikelfeld hackt oder doch aus Versehen in die Tags-Liste. Aktuell ist der Text, den Sie hier gerade lesen, auf meinem Laptopmonitor hinter einem goldgelben Gitter verborgen.

Weil diese Störmuster auf einen Fehler im Grafikkartenspeicher hindeuten, gibt es auch keinen vernünftigen Weg, dieses Hardwareproblem zu beheben. Natürlich kann man seine Altervorsorge opfern und einen neuen Onboard-Chip in ein sechs Jahre altes Notebook einbauen lassen. Dann würde allerdings am nächsten Tag garantiert die Festplatte dampfend den Geist aufgeben.

Inzwischen hatte ich schon die verrückte Idee, die 64 MB Grafik-Ram irgendwie abzuschalten und meine ATI-Grafikkarte ein bisschen was vom Hauptspeicher nutzen zu lassen. Keine Ahnung, ob das funktioniert oder überhaupt möglich ist. Ich habe dazu jedenfalls weder im Treiber, noch in den XP-Systemeinstellngen, noch im BIOS geschweige denn mit Hilfe von Onkel Google irgendetwas dazu gefunden.

Nun denn: noch 22 Tage bis zur Auslieferung- bis dahin bin ich wohl ausgeliefert und habe genug Zeit, mich von meinem alten Laptop zu verabschieden.

Schnäppchen

Spritpreise sind eigentlich immer zu hoch, ebenso wie der Verbrauch vieler Fahrzeuge, und überhaupt: die Affinität des Durchschnittsmenschen zum fahrbaren Untersatz. Wie auch immer: Gerade vor Ostern war das Niveau der Kraftstoffpreise immer wieder Gesprächsthema – on- und off-air. 1,23 Euro für den Liter Diesel war der am häufigsten gemeldete (aber nicht repräsentative) Preis heute für den Raum Rostock (mit leichten Schwankungen nach unten oder oben).

In Rövershagen, an der B105, so erzählen sich die Autofahrer in Rostock, sind aber Diesel und Super für gewöhnlich fünf bis acht Cent billiger. Immer. Niemand weiß, warum das so ist. Aber so geht die Geschichte. Wenn man also in der Nähe ist, tankt man dort. Ich wäre heute fast in der Nähe gewesen, mein Tank war fast leer, also wollte ich hinfahren. In Bentwisch, also kurz nach Fahrtantritt, habe ich mich aber bereits anders entschieden. Denn: Stockender Verkehr Richtung Osten. Allerdings dürfte das eher mit dem Oster-Anreise-Verkehr gen Fischland-Darß-Zingst und der einen oder anderen Baustelle auf dem Weg dorthin zu tun gehabt haben, als mit einem kaum zu bändigenden Ansturm auf die Zapfsäulen auf dem Lande. Eine Warteschlange von gut 8 Kilometern vor einer vermeintlich billigen Tankstelle wäre wohl auch hier zu ungewöhnlich.

Jedenfalls habe ich im letzten Moment die Kurve gekratzt und bin zum Hansecenter abgebogen. Und siehe da: Heute Nachmittag, so gegen 17 Uhr, gabs dort den Liter Diesel für 1,129 Euro. Ich bin ein Kind des Glücks. Trotz Warteschlange. Aber für so ein Schnäppchen wartet man ja gern…

Warteschlange_Tankstelle
Rückstau an der Tankstelle vom Hanse-Center in Bentwisch. Diesel gabs für derzeit ortsunübliche 1,129 Euro. Super für 1,369 je Liter. Foto: Christian Kohlhof

Der Statistik von clever-tanken.de zufolge ist der heutige bundesweite Durchschnittspreis für alle Kraftstoffsorten höher als an den zurückliegenden sechs Tagen. Die Treibstoff-Unternehmen wie auch der Mineralölwirtschaftsverband rechtfertigen die Preissteigerungen der letzten Wochen im übrigen mit den Auswirkungen der starken Nachfrage nach europäischem Benzin in denUSA und den Auswirkungen von Spekulationen. Preisschwankungen in Deutschland seien direkte Auswirkungen der Entwicklung des Weltmarktpreises für Benzin in Rotterdam.

Sieben Wochen ohne

In den vergangenen Jahren habe ich in den sieben Wochen vor Ostern auf etwas verzichtet: Mal wars Bier und anderes Alkoholisches, mal Süßes, mal Fleisch. Das hat jeweils viel Spaß gemacht, vor allem das Gefühl, dieses selektive Fasten durchgehalten zu haben, war ein sehr gutes. Auch die Diskussionen mit wohlmeinenden Mitmenschen, warum ich mir das denn antun würde, war zuweilen jedefalls sehr erfrischend.

In diesem Frühjahr habe ich aber auf nichts verzichtet. Einfach so. Als die Fastezeit begann, hatte ich mir darüber noch gar keine  Gedanken gemacht. Und später einsteigen wollte ich auch nicht. Ich habe also sieben Wochen ohne Fasten verbracht. Dieses Fasten-Fasten hat dann aber einen doch sehr interessanten Aspekt deutlich gemacht, der auf den zweiten Blick gar nicht so überraschend erscheint: Ich habe den Eindruck, dass die sieben Wochen zwischen Aschermmittwoch und Ostern 2010 schneller vergangen sind als in den Jahren zuvor, die von Verzicht und Enthaltsamkeit geprägt waren. Wie einen das Fasten dann doch besschäftigt… erstaunlich.

Markt Super?

In der Gemüseabteilung im Supermarkt hängen entlarvende Preisschilder (wie ich finde).

Viele Supermärkte haben ihre Verkaufsfläche so aufgeteilt, dass sich die Obst- und Gemüseabteilung direkt hinter dem Eingang befindet. Das ist knallhartes Kalkül, kritisieren Verbraucherschützer. Die perfekt ausgeleuchtete Frischewelt mit exotischem Gemüse und ebensolchem Gefrücht soll den Kunden erst einmal ausbremsen. Die Wochenmarktatmosphäre soll entschleunigen, damit man sich Zeit nimmt für das Flanieren zwischen den Regalen – und damit man mehr kauft. Wenns schon am Eingang so aussieht wie auf einem heimeligen Bauernmarkt und alles so unglaublich appetitlich da in den mit Stroh ausgelegten Kisten liegt, dann machen später auch noch das Auswählen eines Haushaltsreinigers und die Entscheidung für eine Dose Kefir mehr Spaß.

Was eigentlich noch fehlt, ist eine rundliche Bauersfrau zwischen den Regalen mit Bäckchen so rot wie die Äpfel und dem denkbar gutmütigsten Blick durch ihre Nickelbrille. So etwas gibts aber nicht in einem Supermarkt – dieser Personaleinsatz würde wohl zu viel Geld kosten. Außerdem: es ist so schwierig, gutes Personal zu finden und überhaupt: Es soll ja nur die Illusion eines Wochenmarktes erzeugt werden, kein Wochenmarkt. Hauptsache, der Kunde kauft möglichst viel – und wenn das Entschleunigen hinterm Entree hilft, dann bittesehr….

So ein Supermarkt ist dann aber eben doch in erster Linie ein auf Profit orientiertes Unternehmen – mit einem multinational optimierten Warenwirtschaftssystem. Und da sind dann die Produktbezeichnungen trotz angestrebter Wochenmarktsillusion offensichtlich unveränderbar vorgegeben. Wie sonst ist es zu erklären, dass man als Besucher eines Super-Wochen-Bauern-Marktes, total ausgebremst und mit sich selbst im Reinen mit Preisschildern wie diesen konfrontiert wird – obwohl man als Getriebener dieser hektischen Gesellschaft sich für ein paar Minuten in  dem Glauben wähnt, jetzt gleich das Frischeste und Leckerste, was Mutter Natur auf dem Anger vor den Toren der Stadt zu bieten hatte, einkaufen zu können, ach was: zu dürfen. Und dann liest man:

BohneBusch

“Bohne Busch” steht auf dem Schild über den grünen Stängeln, eingepackt in Folie Klarsicht  und Schälchen Plastik. Auf der Tafel nebenan wird “Kohl Weiß” angeboten, gleich neben “Salat Feld”, dem Klassiker “Paprika Gemischt” und verlockenden “Pilz Diverse”. Eigentlich erstaunlich, dass nicht auch noch “Rübe Mohr” und “Bete Rot” in den Plastikwannen im Markt Super liegen.  Oder “Erbse Kicher”. Und dann im Kühlregal “Käse Schmier” und “Schnitt Auf”.

Das klingt so verräterisch rationell, so auf den Cent kalkuliert, so profitabel. Bohnen Busch sind eben auch nur einer von tausenden Posten im Sortiment. Ich kann mir nicht helfen, aber auf mich wirkt das alles “unsympathisch unglaublich”.

Schneeglöckchen

schneegloeckchen
Kaum ist der Schnee in den meisten Ecken und Winkeln verschwunden, schon ist wieder überall alles weiß. Diese Schneeglöckchen sind nur einige von Millionen von Blüten, die wir bei unserer kleinen Radtour heute in Biestow gesehen haben. Foto: Christian Kohlhof