Rückblick

Zum Wochenausklang ein Rückblick auf den zurückliegenden Oktober aus der Sicht der kleinen Kamera in meinem Mobiltelefon.

In der Dämmerung eines Herbstabends strahlt der Hauptbahnhof hell in den Lübecker Himmel
Vom Schrangen aus gesehen aus bietet die St.-Marien-Kirche in Lübeck eines ihrer vielen Fotomotive.
Verkehrsschild in Großmohrdorf, mitten in Nordvorpommern
Vorm Schwarmfischbecken im Ozeaneum in Stralsund machen auch die Besucher was her
Im Treppenhaus des nun stillgelegten Flughafens Berlin Tempelhof haben sich manche Schilder wohl seit Jahrzehnten nicht verändert

Dschungel über Kopf

Wir waren im Dschungel, mittendrin. Wir haben sozusagen mit den Gorillas in den Baumkronen gesessen und sie bei der Aufzucht eines Menschenkindes aus nächster Nähe beobachten können. Denn: Beim Musical “Tarzan” in Hamburg wird auch der Zuschauerraum der Neuen Flora immer wieder zur Bühne.

Tarzan (Anton Zetterholm) bei seiner täglichen Arbeit. Foto (C): Stage Entertainment

Dann  schwingen “Menschenaffen” an grünen Lianen von links nach rechts über die Köpfe der Besucher hinweg oder seilen sich aus dem Scheinwerfergerüst unterm Dach bis ins Parkett ab. Zwischendurch flattern riesige „Dschungel über Kopf“ weiterlesen

Aus der Traum

Schmidt in Shanghai: Einfach nur kafkaesk

„Ouahh“ ist nicht die Antwort auf die Frage, wie man Orang-Utan in Nanjing sagt, sondern ein Gähn-Laut, den ich nach getaner Arbeitslosigkeit neulich Abend tat. Kurz zuvor sah ich noch die Sekretärin meines Chefs in der Gemeinschaftsküche erkältet am Teeglas haften und mir sagen hören: „Herr Schmidt, ich glaube, ihre Aufenthaltsgenehmigung macht gute Fortschritte. Morgen früh telefoniere ich ein wenig, und dann, glaube ich, kann ich Ihnen gute Nachrichten bringen“. Fein, also eine prima Voraussetzung um einzuschlafen. Gegähnt, getan.

„Aus der Traum“ weiterlesen

Letzter Aufruf

Die Schalterhalle von Berlin-Tempelhof versprüht den Charme der 60er Jahre

Auf dem Berliner Flughafen Tempelhof starten und landen heute zum letzten Mal regulär Maschinen. Auf dem seit der Berliner Luftbrücke bekannten Airport wird der Flugbetrieb eingestellt. Für die Passagiere, für die Maschinen, die Crews und den Airport ist das dann der allerletzte Aufruf.

Vor ein paar Tagen war ich noch mal da, um mir dieses Gebäude anzusehen. „Letzter Aufruf“ weiterlesen

Versager

Ach, herrlich. Das Internet als Zeitvertreib. Vor kurzem machte man mich auf failblog.org aufmerksam.


Eine herrliche Sammlung von Pannen, Pleiten, und Peinlichem in Wort, Schrift und bewegtem Bild. Manchmal ganz schön abstrus:

Alptraum

Was das nun wieder soll. Heute Nacht habe ich geträumt, dass Dieter Bohlen (!) bei mir (!!) zu Gast (!!!) ist und eine Grillpfanne mit Trüffeln (!!!!) mitgebracht hat.

Versöhnung und Vandalismus

Schmidt in Shanghai: als versöhnlicher Gastgeber, Dekorateur und Waschmaschinengewicht.

Der achte Blog wird, wie die chinesische Zahlenphilosophie es vorsieht, das Glück zurück bringen. Ich habe meinen Frieden mit dem Land China gemacht, auch wenn der Spruch abgedroschen ist. Wenn das Land jedoch nur in Mäuseschritten auf einen zukommt, dann muss man eben selbst einen größeren Schritt wagen und den Menschen, mit denen ich hier am meisten zu tun habe, entgegen eilen.

Musik und Mampfen sind international, also dachte ich mir, ich schmeiße eine Party mit Essen und Liedern, dann wird schon ein Stück geschafft werden. Wer sollte etwas gegen solche Schleimereien sagen können? Ganz besonders freue ich mich, mecklenburgische Eierkuchen zu machen. In der Küche drehe ich zum Test am Gasherd, aber nichts passiert. Ich schaue in allen Luken links und rechts davon nach, aber keine Gasflasche. Der Hausmeister bringt später zwar eine, aber auch er bekommt die Sache nicht zum Laufen. Nun gut, es wird dann auch mit Snacks gehen, gehen müssen. Meine Kollegin half mir beim Einkaufen, und so brachten wir alles Mögliche in unser neues großes Büro und bereiteten eine Party vor.

Der Erfolg kam, das Eis brach, die Menschen freuten sich. Na also, es geht! Es wurde geklatscht, gesungen, gelacht und auch getanzt. Chinesisch, Deutsch und Englisch waren dabei, sogar Plattdeutsch habe ich gewagt, mit dem Lied „Dat du min Leevtsen büst”. Für uns ist es kaum vorstellbar, wie ähnlich sich die Sprachen in einem asiatischen Ohr anhören, und die Zuhörer kaum merken, wenn man von Deutsch auf Englisch wechselt. Dennoch war es wohl eine gute Idee, es kamen viel mehr Gäste als wir dachten, und so mussten von weit her Stühle herbeigezaubert werden, es wurden chinesische Olympiahymnen mit Hilfe von Laptop-Karaoke geschmettert und angeblich berühmte deutsche Fußballlieder gespielt, die uns aber nur vom Namen etwas sagten. Die Snacks waren schnell verputzt, Sonnenblumenkerne und Sesambrösel waren hier der Renner, auch neongrüne Trend-Getränke wurden angenommen, obgleich sie wohl anderenorts als Industriekleber genutzt werden können. Eine sehr schöne Party, rundherum. Viele der jungen Damen und Herren waren recht aufgeregt und plapperten noch später aufgeregt darüber.

Der Morgen danach war mit Aufräumarbeiten gefüllt. Also fix aufgestanden, noch eine Waschmaschine mit schmutzigen Tischdecken und Handtüchern angestellt und dann die Reste aus dem Büro geschleppt. Gesagt, getan. Gläser und Teller waren schnell herüber in die Küche gebracht. Dann gönnt man sich ein Frühstück. Da Milch hier aus irgendwelchen Gründen Mangelware ist und man kaum 10 Liter in einem Supermarkt findet, mache ich mir ein Müsli mit Erdbeerjoghurt.

Als ich mit der Schale Müsli noch mal in den gestrigen Feierraum gehe, höre ich ein lautes Rattern und Rumpeln aus der Küche. Ein metallischer Knall, dann ist es ruhig, aber irgendwie tröpfelt etwas. Ich renne sofort zur Küche und rutsche gleich am Eingang in einer Lache Wasser aus, wodurch ich die Müslischale fünf Meter weiter auf den Boden schmettere und somit unfreiwillig die Tapete drum herum mit Erdbeerfarbe um-dekoriere. Ich schaue, langsam aufstehend, in die Küche, und betrachte ehrfurchtsvoll die Waschmaschine, die eine Etage tiefer und wie ein bockiges Kind in die Ecke gewandert ist. Oje.

Aufwischen ist nun die Devise, aber dazu brauchen wir zwei Dinge, einen Eimer, ein wischendes Hilfsmittel, wo für es auf Deutsch so viele Bezeichnungen gibt, auf Chinesisch übrigens „mabù”, und dann drittens noch frische Luft zur Zirkulation. Während ich also wische und mich in den pitschnassen Flur vortaste, gehe ich wie selbstverständlich zum Fenster und öffne es, wobei das äußere Moskitofenster völlig unerwartet das Weite sucht und scheppernd auf das Blechdach knallt. Wie gerufen steht in derselben Sekunde eine Ingenieurin in der Tür. Oh Gott, ich muss ja unterrichten. Sie fragt: „Aber Mr. Schmidt, ich dachte, es gefällt ihnen im neuen Flur. Was machen sie denn hier?” Oje, nun sehe ich die erdbeerfarbene Tapete wieder. An die hatte ich ja gar nicht mehr gedacht. Ja, mir gefällt es hier, eigentlich. Aber was ich hier mache, ist gar nicht leicht zu erklären. Sie geht, und ich vertage die Unterrichtsstunde auf den Nachmittag. Der Wandertag der Waschmaschine und ihr Freiheitsdrang beim Schleudergang werden nun durch mein Gewicht begrenzt.

Basta! Ich mache mir ein neues Müsli und kann ein wenig durchatmen. Da erinnere ich mich an die alte Kinowerbung, die aufzeigt, dass die meisten Unfälle daheim geschehen und man demnach besser nicht da sein sollte, sondern eben im Kino. Zu spät. Aber ich denke bei mir, von nun an kann es heute nur noch langweilig werden.

Carsten Schmidt
, Freund aus Rostocker Uni-Tagen, berichtet in dieser Rubrik über seine Erlebnisse in Shanghai, wo er nun als Deutsch- und Englischlehrer arbeitet. Die Texte erscheinen auch bei miescha.de.

I am a little alien

Schmidt in Shanghai: Verzweifelt – in einem Handy-Laden, auf der Straße und überhaupt.

Vielleicht habe ich einen großen Fehler gemacht, indem ich hierher kam. Einen Denkfehler. Vielleicht habe ich zu Unrecht gedacht, dass es naiv ist und ein wenig illusionistisch, z. B. in Uganda eine Sprachschule für Deutsch und Englisch aufzubauen. Vielleicht sollte ich die Leute, die mir davon erzählten, anrufen und sagen, dass es mir leid tut und sie mehr Chancen haben als ich hier.

Seit meiner Abiturprüfung in Mathe 1998 habe ich mich nicht mehr so dumm, so hilflos und ausweglos gefühlt wie bei der offenbar naiv von mir möglich gedachten Unmöglichkeit, in der dörflichen Stadt Ehu Town, zwischen Suzhou und Wuxi, eine pre-paid-Card für mein Handy zu kaufen.

Okay, man denkt, man nimmt sein Handy, Geld, seine Handy-Karte und ein Wörterbuch in einen der vielen großen „China Mobile“-Läden mit. Aber nichts zu machen. Nicht nur haben sie mich nicht verstanden, sie standen mit zehn Leuten um mich herum und telefonierten nach Leuten, die 3 Worte mehr Englisch zu können glaubten als sie, aber auch das war erfolglos. Keiner der Leute verstand meine notierten Worte „international call card for 200 Yuan“. „I am a little alien“ weiterlesen

Alarmierende Postmoderne

Schmidt in Shanghai: als Gurkendieb, als Kunstkritiker und auf der Flucht.

Shanghai bietet viel für Touristen, wenngleich in der zentral befohlenen Urlaubszeit im Oktober so viele Chinesen von Ulumuqi und anderen Provinzen kommen, dass die Stadt noch mehr aus den Nähten platzt als sonst schon. So zwänge ich mich früh morgens von einem Drehkreuz in der U-Bahn zum nächsten und hoffe, dass die Dame am Schalter die richtige Strecke auf meine Karte geladen hat. Es wird sehr eng und ich presse meine Finger um die Tasche. Die soziale, klaustrophobische Fern- und Nahdiagnose meiner Mit-Steher beinhaltet Knoblauch, transpirative Anstrengung und einige Überraschungen mehr. Puh, nächste Station People´s Square, also der Platz des Volkes. Ich steige aus. „Alarmierende Postmoderne“ weiterlesen