Querer

“Sind Sie Querer?” rief mir der junge Mann atemlos zu. Das war heute früh auf dem Buga-Gelände in Schwerin. Was der hechelnde Mitarbeiter der Bundesgartenschau wissen wollte, war, ob ich denn im Besitz einer Dauerquerungskarte sei, die Berufstätigen und anderen Berechtigten gestattet, morgens auf dem Weg zur Arbeit das Blumengelände auf dem Rad zu durchqueren, um nicht einen kilometerweiten Umweg fahren zu müssen. Demzufolge entgegnete ich wahrheitsgemäß: “Ja, bin ich. Ich habe eine Dauerkarte mit Querungsberechtigung.” Ein wenig verwundert war ich allerdings schon, dass mir jemand hinterherläuft um mir exakt dieselbe Frage zu stellen, die man schon am Eingangstor beantworten muss, bevor einen der Kontrolleur aufs Gelände lässt. „Querer“ weiterlesen

Gut und schlecht

Gut: Morgens mit dem Intercity von Rostock nach Schwerin fahren und den Blick über Mecklenburgs Getreidefelder, Knicks und Wäldchen schweifen lassen, während die Sonne langsam höher steigt.
Schlecht: Feststellen, dass sozusagen über Nacht zwei wichtige Schrauben am Tretlager vom Schweriner Fahrrad verschwunden sind und mit jedem Tritt in die Pedale ein gnadenloses Knacken durch die Straßen schallt…
PS: Dann wiederum gut: Im Funkhaus feststellen, dass heute ja alles anders ist: Seit gestern Abend bis Freitag läuft der NDR1-Radio-MV-Hitmarathon, das sind 1000 Titel, die die Hörerinnen und Hörer per Internetabstimmung ausgewählt haben. Das Besondere: Hörerinnen und Hörer konnten sich als Mit-Moderatoren bewerben und nun steht fast jede Stunde Tag und Nacht ein Gast im Studio. Einige haben schon Kuchen mitgebracht. Sehr aufmerksam. Und jetzt ist gerade Heinz-Rudolf Kunze als Mit-Moderator aus Hannover zugeschaltet.

ABS-Gefühl

Es war noch früher Morgen – und die Tauben, die eben noch aufgeplustert auf der Dachrinne saßen, flatterten empört auf, als sie mich hörten. Gerade radelte ich am Schröderplatz entlang, als man mich laut “Fuuuck!” rufen hörte. In jenem Moment merkte ich, dass ich jetzt wohl die Kontrolle über mein Zweirad verlieren würde, auf dem ich Richtung Studio rollte. „ABS-Gefühl“ weiterlesen

Die nächsten 1000

Es ist die Woche der runden Zahlen und durchbrochenen Schallmauern: Heute früh, auf dem Weg zur Arbeit, werde ich sogleich die 1000-Kilometer-Grenze überschreiten. Der Kilometerzähler meines Fahrrades zeigt schon 999 km Gesamtstrecke an. Seit März bin ich also schon ein beachtliches Stück auf zwei Rädern unterwegs gewesen. Ich bin ein wenig stolz. Ein wenig.

Blöde Idee

Notiz an mich für später und Empfehlung an nachfolgende Generationen, folgende blöde Idee bloß nicht nachzumachen:

In aller Eile beim Bäcker einen Kaffee im Pappbecher kaufen, feststellen, dass dieser sich bombensicher im Gepäckträger des Fahrrades senkrecht verankern lässt und hoffen, dass bei der anschließenden vorsichtigen 300 Meter langen Fahrt bis zum Ziel schon nichts Schlimmes passieren wird.

Das Ergebnis nach 20 Sekunden ist nämlich eine tropfende Sauerei auf Speichen, Gangschaltung und Bremsen. Hätte nie gedacht, dass auf vermeintlich ebener Strecke durch ein winziges Trinkloch im Deckel des Gefäßes so viel Kaffee entweichen kann.  “Grmblfjx!” (um an dieser Stelle mal eines der vielen herrlichen lautmalerischen Schimpfwörter einer der Lieblinscomicserien meiner Jugend zu zitieren, “Clever&Smart”. Herrlich, aber ich schweife ab…)

Kein Anschluss…

Im Vorbeigehen fiel mir soeben dieses unprofessionell gesicherte Fahrrad in Rostock auf:

Fahrrad, an einem halbhohen Pfosten angeschlossen

Um so größer war mein Erstaunen, als ich schräg gegenüber noch ein ganz ähnlich gegen Diebstahl geschütztes Zweirad entdeckte: „Kein Anschluss…“ weiterlesen

In etwa 42

Heute ausgedehnte Radtour nach Schwaan und zurück, es waren 42 Kilometer laut meinem Fahrradcomputer. Anderen Kilometerzählern im Teilnehmerfeld zufolge waren es allerdings nur 39 beziehungsweise sogar 46 Kilometer. Ich liege also voll im Mittelfeld.
Ich würde hier auch gern Fotos von dem leuchtenden Mohnblütenmeer im Rapsfeld bei Sildemow präsentieren. Allerdings versagt die Kamera im Mobiltelefon den Dienst. Deshalb folgt nun ein Satz, der typisch ist für das erste Jahrzehnt des noch so jungen 21. Jahrhunderts: “Jetzt muss ich mir ‘n neues Handy kaufen, damit ich wieder fotografieren kann um dann zu bloggen…” Solche Äußerungen hört man derzeit ja nahezu täglich an jeder erstbesten Straßenecke hingeraunt zwischen hippen Jugendlichen oder auch rentennahen Semestern.
Leider habe ich heute auch seit geraumer Zeit unerträgliche Ohrwürmer. Aus meinem internen Musikarchiv, über das ich nur eingeschränkte Kontrolle habe, dudelt seit zu vielen Stunden ein erdrückendes Potpourri von Pur-Hit-Zeilen. “Hör guuut zu. Ein graues Haaaaa! Und ich sing dir meine Lieder.” Arrgl. Vielleicht doch etwas zuviel Sonne heute zwischen Rostock und Schwaan…

Raps gut, Radfahrer doof

Aus Küche und Bad sind zur Zeit immer wieder Flüche zu hören. Die Herren, die dort seit knapp drei Stunden werkeln, stellen dabei immer wieder Zusammenhänge zwischen Balken, Kollegen und Fäkalien her. Nicht schön, aber wenns der Sache dient…
Das ist doch die Gelegenheit, noch einmal aufs Wochenende zurückzublicken. Über meinen Ü-Wagen-Einsatz in Heiligendamm beim “Zaunspaziergang” der Globalisierungskritiker möchte ich gar nicht groß berichten. Ich hatte mit langem und kurzem Sammel genug zu tun.
Deshalb nun etwas vollkommen Anderes:
In Mecklenburg-Vorpommern blüht bereits der Raps:
Rapsblüte bei Admannshagen

Aus dem Auto schnell abgelichtet: Der Raps blüht, typische Farbe für Mecklenburg-Vorpommern im Frühjahr.

Ob es mit dem voranschreitenden Frühling zu tun hat, dass die Radfahrer durchdrehen, kann an dieser Stelle nicht bewiesen werden. Diese beiden Herren haben aber alles dafür getan, dass Autofahrer Pedalritter nachhaltig verfluchen:
Ignorante Rennradler

Suchbild: Wo sind die Fehler? – Richtig, es gibt einen Radweg (rechts, für viel Geld gebaut), die beiden Radspezies fahren aber nebeneinander auf der Straße – und das auch noch in der Kurve. Aber das war noch nicht alles…

Zwischen Bad Doberan und Heiligendamm verläuft eine Landstraße ohne den kleinsten Hauch einer Steigung durch die erblühende Natur. Dort lässt es sich wunderbar cruisen (wenn nicht gerade irgendwer Sitzblockaden probt). Die beiden Herren in ihren windschnittigen Sportleibchen wollten da nicht fehlen und starteten zu einer Radtour ins Grüne. Weil Mecklenburg ja wahlweise Urlaubsland, Kinderland, Gesundheitsland, Überhaupttollland sein will, darf an touristisch bedeutsdsamen Strecken ein Radweg natürlich nicht fehlen. Für ganz viel Geld hat das Land deshalb eine extra Spur für Radler asphaltieren lassen.
Nur darf man sich fragen, ob vielleicht manche Sättel zu hart sind, dass die daraus entstehenden Strapazen speziell für männliche Radler eventuell zu viel sind – und deshalb für logische Schlussfolgerungen keine Gelegenheit mehr bleibt. Es ist jedenfalls nicht klar, warum diese beiden Experten trotz vergoldeter Radwege die Straße benutzen. Und das auch noch nebeneinander. Halten die sich für Speedy Gonzalez?
Jedenfalls fühlten sie sich im Recht. Denn (was die Kamera nicht festhalten konnte) ihr Selbstbewusstsein ist jedenfalls ausgeprägt: Das Auto vor mir war laut hupend hinter den beiden hergefahren (sicherlich auch nicht sehr nett). Der Herr im windschlüpfrigen kleinen Schwarzen antwortete mit einem langanhaltend ausgestreckten Mittelfinger. Ja, so sind sie, die Radfahrer, immer im Recht, immer unterdrückt, immer in Gefahr. Mann, mann.
Und dann noch dies: Der Sicherheitszaun um Heiligendamm, die Polizei nennt ihn “technische Sprerre” sieht in etwa so aus:
Sicherheitszaun um Heiligendamm, die technische Sperre der Polizei

Der Sicherheitszaun rund um Heiligendamm: 12 Kilometer lang, 2,50 Meter hoch. Nach dem G8-Gipfel soll er wieder abgebaut werden. Gegen das Bauwerk richteten sich auch die Proteste am Wochenende.

Ab morgen auf zwei Rädern

Es reicht mir wieder mal: Diese elendige Parkplatzsuche rund ums Studio (Im Gegensatz zur Lage bei der Arbeitsagentur hat sich hier nichts geändert). Ich werde morgen mal aufs Fahrrad steigen.