Fang den Groove

“Catch the groove”, mit diesem Solgan wirbt das “Virgin Radio Groove” aus London. Via Stream ist das Programm weltweit zu empfangen und verdient wegen seiner Mischung aus Soul, Funk und Disco der 70er und 80er heute die Empfehlung, die Musik des Tages zu verbreiten.

Es ist zwar etwas vermessen, diese Station als Radiosender zu bezeichnen, schließlich gibt es dort nicht einen einzigen Wortbeitrag am Tag (abgesehen von Werbung und Jingles). Es ist wohl besser, von einer Musikstation zu sprechen. Und das gilt meiner Meinung nach für ganz viele Internet-“Radios” und die, die sich dafür halten.

Nun denn, die Internetseite von “Virgin Radio Groove” findet sich hier. Ein empfehlenswerter Player, der gleichzeitig eine Datenbank für zahllose Internet-Stationen ist, ist der kostenlose Phonostar-Player, über den sich der geneigte Leser hier verlinkter Weise informieren kann.

Wal-Knochen

Nach dem Whale-Jacking durch Greenpeace macht schon wieder ein Meeressäuger von sich reden. Diesmal geht es um einen Entenwal, der die Themse nach London heraufgeschwommen ist. Wissenschaftler vermuten, dass der über 5 Meter lange Wal orientierungslos ist. Grund für einen musikalischen Hinweis.

An diesem in Kommerzfunk-journalistischer Hinsicht wohl recht langweiligen Sonnabend berichtete n-tv mit ständigen Livebildern und einem satten 27-minütigen Telefongespräch mit der London-Korrespondentin (bloß unterbrochen durch das zuweilen hilfose Gestammel des Moderators und ein Telefoninterview mit dem Chef des Meeresmuseums in Stralsund) über die Rettungsaktion für den verwirrten Säuger. “Was glauben Sie, wird der Wal überleben” war eine der gehaltvollen Fragen aus dem Studio an die Kollegin am Handy irgendwo in der britsichen Hauptstadt. Die beruhigende Antwort: “Ja.”

Auch Spiegel-online berichtet von “dramatischen” Ereignissen auf der Themse, während Helfer den Wal mit Hilfe von Schwimmkörpern von einer flachen Stelle bargen und auf eine Schute hievten, die das Tier Richtung Themse-Mündung transportierte.

Und in diessem Zusammenhang fällt mir der Song des Tages ein – ach, was sage ich: es ist der Song der Woche. Und zwar von Preston School of Industry.

Ein Song, den ich entdeckte, als ich 2002 beim Lokalradio-Projekt in Rostock mithalf. Damals hieß der Laden noch Loro, heute heißt er Lohro. Damals gab es nur Probebetrieb im Studio, heute ist die ehrenamtlich betriebene Station rund um die Uhr on air und auch im Internet zu hören. Und als wir dort – gewissermaßen zur Übung – unsere Morgenshow moderierten, spielten wir auch den Song, der dreineinhalb Jahre später hier hervorgehoben werden soll. Also:

Preston School of Industry: Whale bones.

Begründung: Das ist die Sorte von Indie-Musik, die mir gefällt. Kein Geschrammel, melodisch, in diesem Fall getragen und lässig – auch ein bisschen düster.

Nachtrag 20:48: Der Wal von London ist tot. Er hat die für das Tier besonders strapaziöse Rettungsaktion nicht überlebt. Ob Greenpeace bereits wieder einen Kran und einen Tieflader bestellt hat, um mit dem Kadaver vor diplomatischen Vertretungen zu posieren, ist bislang nicht bekannt.

Soul-Klassiker aus neuem Hörwinkel

Soul, richtig guter aus den 70ern, da kann man eigentlich nichts verbessern. Man kann es nur verändern, indem man den Blickwinkel oder vielmehr den Hörwinkel verändert. Stefan Gwildis – nebenbei: einer der besten deutschen Pop-Musiker – hat es getan – zum Glück. Heute:

Stefan Gwildis: Sie lässt mich nicht mehr los

Begründung: Zwei Alben hat er schon mit seinen Versionen von “ain’t no sunshine (when she’s gone)”, “papa was a rolling stone”, “i heard it through the grapevine” oder auch “ain’t no mountain high enough” veröffentlicht. Auf Deutsch heißen die Songs dann “Allem Anschein nach bis Du’s”, “Papa will hier nicht mehr wohn'”, “Das kann doch nicht Dein Ernst sein” beziehungsweise “Wir haben noch jeden Berg geschafft”.

Auch bei “Sie lässt mich nicht mehr los”, der Cover-Version von “Me and Mrs. Jones” bleibt Gwildis im Arrangement musikalisch sehr nah am Original. Gewohnter grooviger, professionell anrrangierter Klang, dazu aber ein neuer, genialer, fesselnder Text – in diesem Fall eine freie Adaption des Original-Textes. Das alles witzig, locker, nur sehr selten ein bisschen holperig – also wirklich sehr unterhaltsam!
Viele Texte der Soul-Cover hat Stefan Gwildis seinem Musiker-Kollegen Michy Reincke zu verdanken – so auch bei “Papa will hier nicht mehr wohn'”. In diesem Fall geht es um die Sorgen eines Stasi-Manns nach der Wende. Die Cover-Versionen bieten also auch aktuellen Tiefgang.
Die Homepage von Stefan Gwildis mit Lied-Schnipseln ist nur einen Klick entfernt: Klick

Die CD “neues Spiel”, von der dieser Song stammt, war unter anderem Soundtrack für die heutige Fahrt nach Hiddensee (Reisebericht)

Fury ganz chillig

Hannover, die Stadt der Expo-Millionen, der Butterkekse, der Ex-Kanzler. Trotzdem haben hier Musiker ihr Zuhause. Fury in the Slaughterhouse und Mousse T. unter anderem. Dank der sicheren Ohren und flinken Finger von Produzent T. kann ich heute zwei Musikprojekte mit nur einem Song empfehlen. Also:

Fury in the Slaughterhouse: Radio Orchid (Clubkarten Remix by Mousse T.)

Begründung: Mousse T. wandelt die recht depressive Stimmung des Songs durch chillige, coole, sanfte Elemente einerseits und durch Gospel-Chor-Elemente andererseits in eine der entspannendsten Nummern, die mein CD-Player je zu lesen bekam. Dazu der Gesang von Herrn Wingenfelder – einfach genial. Wenns hier Sterne für Qualität gäbe, ich würde dieser Produktion immer noch einen mehr geben als nötig. Der Remix ist mir bislang bloß auf einem Sampler von Saturn untergekommen – und auf der Single von 1993.

Frank Sinatra

Die Musik des Tages heute mit einem Klassiker:

Frank Sinatra: Fly me to the moon (In other words)

Begründung: Musikalische Liebeserklärung, die in leichtem Bigband-Sound deutlich macht, dass man gerade so glücklich ist, dass man sich problemlos auf das Niveau von Erdtrabanten katapultieren lassen könnte.

„Frank Sinatra“ weiterlesen

Die Musik des Tages

Jeder Tag hat seinen Soundtrack. Manchmal passt der Text eines Songs, manchmal eher die Melodie. Und hier stelle ich den Song zum Tag vor. Heute:

Howard Carpendale: Schade

Begründung: Ein Feierabendsong für einen kalten Wintertag dank gleichmäßig dahintreibender Gitarren und einem Schlagzeug, das durch den 3:50-Song rauscht wie die U-Bahn durch den Tunnel. Außerdem eröffnet Herr Carpendale diese Rubrik, weil er sonst ja nicht mehr auftritt.