Vogelgrippe-Einsatz

Was für ein Arbeitstag. Nur schnell im Telegrammstil:
Ab 13 Uhr auf Rügen, Ü-Wagen am Fundort der Schwäne, die mit dem Vogelgrippe-Erreger H5N1 infiziert waren:
Live-Gespräch Bremen 4, Korrespondentengespräch mit l1ve (WDR), ARD-Sammelangebot lang.
Dann noch dieses Foto gemacht:
Toter Schwan auf dem Eis in einer Bucht von Rügen
Das Bild zeigt einen der toten Schwäne, die am Anleger der Wittower Fähre auf Rügen auf dem Eis der Ostsee liegen. Am Ufer gabe es einen regelrechten Medienanstrum: Fernsehteams und Radioreporter sowie Fotografen waren seit den frühen Morgenstunden dort im Einsatz. Auf dem Fels im Bild liegen Mikrofonund Kabel eine dänischen Fernsehteams.
Rund 100 tote Vögel haben Mitarbeiter des Ordnungsamtes und Tierärzte heute auf der Ostseeinsel eingesammelt. Nach der Nachricht von zwei mit der Vogelgrippe infizierten Schwänen wurde am Nachmittag bekannt, dass auch ein Habicht mit der Tierseuche infiziert worden ist und daran gestorben ist.
Die Behörden haben Sicherheitsmaßnahmen angeordnet: Im Umkreis um die Fundorte darf ein Geflügel mehr transportiert werden. Die Tiere dürfen nicht mehr im Freien bleiben. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass die Erreger von den Wildvögeln auf Zuchttiere überspringen.
Wie sich die Schwäne infiziert haben, ist unklar. Eine Vermutung ist, dass die Tiere aus dem Baltikum oder Russland stammen und von dort vor den eisigen Minusgraden in vergleichsweise wärmere Regionen wie den Raum Rügen gezogen sind.
Die Lage sei ernst, aber es geben keinen grund zur Panik, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer. Am Donnerstag sollen die endgültigen Untersuchungsergebnisse der Schwäne vorliegen.

Ich muss ab 5:30 wieder am Ü-Wagen auf Rügen sein. Gute Nacht. Bleiben Sie von den Vögeln fern.
Die Musik des Tages (“Karat – Wenn eine Schwan singt”) entfällt aus technischen Gründen.

Vater und Sohn

Jedes Jahr kürt eine Jury die besten, aussagekräftigsten, eindrucksvollsten Pressefotos. In mehreren Kategorien vergeben die Fachleute Preise. Den ersten Platz belegte und damit den Titel “World Press Photo” erhielt ein Foto von einer Frau mit ihrem Kleinkind aus Niger. Hier nun also ein Blick in einige anderen Kategorien.

Das erste, was einem beim Betrachten dieses Bildes auffällt, sind die Augen von Vater und Sohn. Es sind ausdrucksstarke Blicke, die sich beide zuwerfen. Sie schauen sich besonders eindringlich an.

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Der Junge blickt konzentriert auf den Hemdkragen seines Vaters. Schaut zu ihm auf. Er schließt die Knöpfe. Sein Vater hat sich leicht zu ihm hinuntergebeugt. Sein Blick ist so tief, wirkt so dankbar, zugleich so verzweifelt, so hilflos, so leer. Der Mann ist auf die Hilfe seines Kindes angewiesen: Ihm fehlen beide Hände. Sie wurden vermutlich abgehackt – Sierra Leone ist vom Bürgerkrieg durchschüttelt. Andere Menschen, auch Frauen und Kinder zu verstümmeln, ist das brutale Alltagsgeschäft der verfeindeten Rebellen in diesem Krieg, in dem es auch um Diamanten geht.

Bildnachweis:
1st prize Contemporary Issues Singles
Yannis Kontos, Greece, Polaris Images
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(World Press Photo)

Vogelgrippe in Deutschland

Der Verdacht hat sich bestätigt: Die toten Schwäne von Rügen waren mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1 infiziert. Das sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Kurth, soeben im Morgenmagazin des ZDF. Fachleute hatten Gewebeproben der toten Vögel in der Nacht weiteren Test unterzogen.
«Wir können sicher sein, dass diese Tiere den auch für Menschen gefährlichen Vogelgrippeerreger des Typs H5N1 haben», sagte Kurth. Urlauber hatten die Tiere in der vergangenen Woche auf Rügen gefunden. Die Kadaver sind im Eis im Hafen von Wittow eingefroren. Einem Bericht des ARD-Hörfunks zufolge ringe dort ein weiterer Schwan mit dem Tod.
Die Landestierärztin von Mecklenbugr-Vorpommern, Maria Dayen, sagte, im Radius von 10 Kilometern rund um den Fundort würden jetzt Geflügelbetriebe kontrolliert. Sie werden klinisch untersucht, um herauszufinden, ob sich bereits Nutztiere angesteckt haben. Im Umkreis von 3 Kilometern dürfe kein Geflügel mehr transportiert werden.
Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) rief die Geflügelhalter zu besonderer Vorsicht auf. Bundes-Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hat angeordnet, dass zum Schutz vor der Vogelgrippe bereits ab Freitag deutsches Nutz-Geflügel nur noch im Stall gehalten und nicht mehr ins Freie gelassen werden darf.

Post an Wagner

Franz Josef Wagner schreibt jeden Tag auf Seite 2 der Bild eine Kolumne, die “Post von Wagner” heißt und mit denen der Autor den Empfängern wahlweise ins Gewissen redet, sie öffentlich demütigt oder sonstwie zur Schau stellt. Heute widmet er sich dem dynamischen Olympiaduo, Waldemar Schmidt und Harald Schmidt. Das ist die Gelegenheit für eine Replik, bei der nur ein paar Wörter – die kursiven – ausgetauscht und der erste Absatz weggelassen werden müssen:

Lieber Herr Wagner,
(…)
Ich habe nun ihre Kolumne schon öfter gelesen. Ich konnte nicht aufhören. Ich wollte die ganze Zeitung aus dem Fenster schmeißen. Was für Verallgemeinerungen musste ich lesen. Wagner als Moralapostel im Dauereinsatz, als Besserwisser auf Seite 2. Und Wagner scheinheilig anteilsvoll zu den Eltern der Leipziger Irakgeiseln: “Ich frage mich, warum die Eltern dieser Söhne alleine weinen müssen.”
Es gibt Zeitungen, bei denen man sich schämt, dass man Augen hat.
Bitte, bitte, hören Sie auf. Es ist besser, den Schwanz einzukneifen und sich wegzuschleichen, als Idiot für immer zu sein. Das Konzept stimmt nicht. Tagesgeschehen und Platitüden sind so falsch wie (sic!) Lachen beim Sex. Kein Grimmepreis für Wagner, allerletzer Platz. Und allerletzte Frage: Gehen Sie betrunken ans Schreiben?
Herzlichst,
Ihr
Christian Kohlhof