Herzensangelegenheit

Ich verstehe ja, dass in einer freien Marktwirtschaft die Nachfrage den Preis mitbestimmt – ich habe auch gar nichts dagegen, ich finde das System ja gut. Aber manchmal staune ich doch über die Preisvorstellungen, die Unternehmen bei ihren Kalkulationen an den Tag legen – noch mehr staune ich dann aber meistens darüber, dass Kunden auch bereit sind, diese Preise zu bezahlen. Grund für mein heutiges Empfinden von Abscheu und Entsetzen war folgendes Angebot an einer Bäckertheke :

Bäcker-Angebot zum Valentinstag: Eine Handvoll Gebäck für 2,90

Wertvolles Gebäck: Angebot zum Valentinstag für 2,90 Euro.

Ein Teigkringel in Herzform, mit einem Creme-Tupf in der Mitte und drei Erdbeerschnitzen für liebevolle 2,90 Euro – das ganze natürlich zum Valentinstag – was für eine nette Idee, um mit diesem seltsamen Konsum-Feiertag noch die eine oder andere Mark extra zu verdienen. Im Februar gilt jedenfalls bei dieser Bäcker-Filial-Kette: Von Floristen lernen, heißt Verdienen lernen. Und ja, Mark, denn zurückgerechnet in D-Mark kostet dieses herzige Backwerk 5,67 DM. Das bietet natürlich einzigartige Möglichkeiten, dem oder der Liebsten zu verdeutlichen, welche Wertschätzung man ihm bzw. ihr entgegenbringt. “Da, kuck. Ein Klecks Teig mit Obst und Tunke. Für Dich. Das bist Du mir wert.”

Der eine oder andere Überbringer wird sich von der besseren Hälfte allerdings wohl fragen lassen müssen, ob er denn noch ganz bei Trost ist, für einen Keks derartige Summen rauszuhauen:

“Schatz, wir müssen reden!” – “Gern, lass mich nur noch schnell das Backherz zurück in den Tresor legen.”

Kann natürlich auch anders laufen:

“Oh, ein Keksherz. Du bist sooo süüüß!” – “Ja, und pleite”.

Oder:

“Was, 2,90 kostet das Ding? Was versuchst Du jetzt wieder gutzumachen?”

Autor: Christian

Der Verfasser aller Beiträge auf kohlhof.de (außer in der Kategorie "Schmidt, Schanghai")

8 Gedanken zu „Herzensangelegenheit“

  1. Wer hat denn behauptet oder besser, bewiesen: dass die Marktwirtschaft “frei”, das System “gut” und die Kalkulationen auf Fairness beruhen.
    Wer Wucher sät, wird Anbruch ernten.

  2. … am besten die Bäckereifachverkäuferin anschnauzen, denn die soll ja wiederum highly committed für “ihr” Produkt gradestehen.
    Das wird spannend ;-)

  3. Kpt. Biernot, du machst es wahr, du willst mich tatsächlich einholen mit deinen Kommentaren. Da muss ich jetzt aber wirklich aufpassen!

    Und was das Herzchen anbelangt, gibts nur einen Tipp: Der oder dem Liebsten das ganze Jahr über die Aufmerksamkeit schenken, die sie oder er verdient. Dann muss man schließlich keine 5,67 DM oder 2,99 Euro ausgeben am Valentistag! Und überhaupt diese diktierten Nettigkeiten – Geschäftemachererei. Obwohl ich gesehen habe, dass Marzipan drin ist, sicher Original-Marzipan aus HL, oder? Und dann der Pudding. Der muss ja auch noch gekocht werden. Also bitte nicht den Aufwand unterschätzen. Fotograf, du schreibst nichts über die Maße. Hast du das Ding denn mal abgemessen? 50 x 30, mm natürlich, oder so? Nicht viel größer als das Schild davor? Haps und weg, herzig, praktisch, gut? Vielleicht ist der Bäcker/die Bäckerin grad frisch verliebt und will das jetzt allen zeigen. Ich weiß nicht, aber schön, darüber zu philosopheren.

  4. Zu behaupten, dass die Marktwirtschaft frei und gut ist, steht natürlich jedem frei. Fairness ist dann wohl etwas off-topic ?! ;-)

  5. In diessem Jahr sind besagt Herzchen übrigens für 2,95 zu haben gewesen – meinem selbstverständlich ausschließlich subjektiven Eindruck nach aber mit weniger Obst versehen

Kommentare sind geschlossen.