Michael Jackson

latimes_jackson
Bericht auf der Startseite vom Internetangebot der "Los Angeles Times" (Ausschnitt)

Bei Twitter sind in der vergangenen Minute 16303 neue Einträge über Michael Jackson hinzugekommen. Die Nachricht vom Tod des “King of Pop” verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Die Los Angeles Times hatte als eine der ersten Quellen vom Tod Jacksons berichtet – demnach seien Mediziner in ein Haus Jacksons gerufen worden.

Der Vater von drei Kindern habe nicht mehr geatmet. Die Mediziner hätten ihn in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht. Jackson habe in einem tiefen Koma gelegen und sei kurz darauf gestorben. Die genauen Umstände – und ob es Ärzten zwischenzeitlich noch gelungen war, Jackson wiederzubeleben, sind nicht klar.
Obwohl es zunächst keine Anzeichen für einen unnatürlichen Tod Jacksons gebe, habe die Polizei Ermittlungen aufgenommen und befrage nun unter anderem Familie und Freunde. Inzwischen soll ein Gerichtsmediziner den Tod bestätigt haben.
Bei Twitter schwanken die Meldungen der Nutzer zwischen ungläubigem Staunen und festen Bekenntnissen zum “King of Pop”.
Nutzer “Allitastic” meldet: “Matt und ein anderer Typ haben jeder zehn Dollar in die Jukebox gesteckt und alle Jackson-Songs gespielt”. Zur gleichen Zeit fragt “eden_Zafrica” noch: “Michael Jackson ist gestorben?” – und eine Ruth fasst diverse Todesfälle zusammen. “Mein Opa Abwooli, Mars’ Tante, Farah Fawcett, Michael Jackson … möget ihr alle in Frieden ruhen.”

twitter_jackson
Tausende Meldungen: twitter hat das nächste Großereignis - im Gegensatz zu den Berichten aus dem Iran sind es diesmal allerdings eher keine direkten Berichte sondern vor allem Zitate aus und Links zu Seiten, die über den Tod Jacksons berichten - und viele persönliche Statements.

Nutzerin “24Kizzle” ahnt schon, welche Diskussion und welcher Hype um den Tod des weltbekannten Musikers nun losbrechen wird: “Tut bloß nicht so, als wärt ihr plötzlich doch alle seine Fans. Vorher war er für Euch doch bloß ein Pädophiler!” Und “Komusiconline” fasst zusammen: “Ich habe heute geweint, denn Michael Jackson war ein Vater, den wir alle verloren haben”, um dann noch hinzuzufügen: “Und fickt euch alle, die ihr den King nicht respektiert.” Michael Jackson war 2005 voneinem Gericht in Kalifornien vom Vorwurf des Kindesmissbrauchs freigesprochen worden.
Und inzwischen steht auch in der wikipedia, dass Michael Jackson am 25. Juni 2009 gestorben ist.

[wpsleep  end=”27.06.2009 02:00“]

[/wpsleep]

Aktenzeichen 4614

Mal wieder was für die Liste der Radioperlen: Eben auf ndr info gehört: Das Feature “Aktenzeichen 4614 – Stationen einer Kindheit”. Eine Frau berichtet über ihre Kindheit in Kinderheimen im Hamburg der 50er Jahre, von der Zurückweisung durch eine Pflegefamilie, Misshandlungen durch ältere Heimkinder, abfällige Bemerkungen der Betreuerinnen, über Ängste und Trauer. Auch fast 50 Jahre später beschäftigen die Frau die Erlebnisse immer noch so sehr, dass sie teilweise mit tränenerstickter Stimme erzählt. O-Töne vom damaligen Vormund, vom jetzigen Partner, dazu szenische Abschnitte wie in einem Hörspiel, Zitate aus ihrem Buch, Geräusche und Musik.

Beeindruckend und spannend. Radio zum Lauterdrehen. Das Feature “Aktenzeichen 4614” ist bereits im Jahr 2000 entstanden und lief heute als Wiederholung auf ndr info von 11:05 bis 12:00 Uhr.

Symbolfoto

Es gibt wohl kein besseres Motiv (das sich hinter diesem Link: Klick verbirgt), das die Sorge und die Furcht vor der Schweinegrippe illustriert: Ein Pärchen, offenbar in Mexiko, junger Mann und Frau tragen blaue Mundschutztücher – und sie küssen sich. Dadurch wird deutlich, wie gefährlich die Schweinegrippe eingeschätzt wird – und wie die Furcht vor einer Ansteckung in Mexiko das alltägliche Leben bestimmt. Damit wird auch illustriert, wie nach Auffassung von Fachleuten die Ausbreitung des Virus’ verhindert werden kann: Tröpfcheninfektionen, direkten, engen Kontakt vermeiden. Trotzdem, ein bisschen seltsam wirkt die Warnung vor einer Pandemie schon.

Das Foto findet sich meinem Eindruck nach inzwischen auf nahezu jedem Nachrichtenportal im Internet. (Hier natürlich nicht, denn die Rechte an dem Bild liegen bei den Fotografen. Ja genau, ganz offensichtlich hatten mehrere Fotoreporter die gleiche Idee bzw. die gleichen Chancen für das Motiv)

Reingefallen

Aufpassen! Das mit den Aprilscherzen wird auch immer heftiger. Soeben im Nachrichtenticker gefunden:

Bitte verwenden Sie die Meldung «Uni Bamberg plant Assessment-Center für Bischöfe» bep555 von 15.37 Uhr nicht (rpt. nicht). Es handelt sich um einen Aprilscherz der Uni Bamberg.

Glückwunsch an die Uni Bamberg, der es gelungen ist, den EPD auf die Schippe zu nehmen.

Porträts aus dem Kongo

Vor ein paar Tagen habe ich schon mal in einem Nebensatz auf das Foto-Blog “The big picture” hingewiesen. Die Zeitung “The Boston Globe” veröffentlicht dort nahezu täglich Presseagentur-Bilder aus allen Ecken der Erde. Heute gibt es dort Bilder aus dem Kongo zu sehen, wo seit Jahren Bürgerkrieg herrscht. Truppen aus den Nachbarlandändern Uganda und Ruanda sind jetzt nach einem Hilferuf der kongolesischen Regierung in das Land eingerückt, um mehrere Rebellenarmeen zurückzudrängen und zu zerschlagen. Außerdem ist eine UN-Friedenstruppe im Kongo stationiert.

Unter dem bewaffneten Konlikt leidet vor allem die Bevölkerung. Fotograf Finbarr O’Reilly von der Agentur Reuters hat in der Demokratischen Republik (wie sie offiziell heißt)  Kongo Fotos in Flüchtlingslagern, in einermWaisenhaus und von den dort kämpfenden Soldaten und Rebellen gemacht. The Big Picture hat daraus eine beeindruckende Foto-Reportage mit 38 Aufnahmen zusammengestellt: Porträts von Akteuren und Opfern.

“The Big Picture” habe ich vor einigen Tagen auch in meine Blogroll hier rechts aufgenommen

Sortiert

Urlaub ist Blogtuning-Zeit, schrieb ich in einem meiner jüngsten Kommentare zu meinem eigenen Artikel. Deshalb habe ich heute die Zeit genutzt und ein wenig sortiert:

  • Ein Plugin, das entgegen seiner Versprechen den Seitenaufbau ausbremste, habe ich nun seinerseits ausgebremst
  • Die Liste der Schlagwörter, mit denen alle Artikel eingeordnet werden, war schon fast 600 Einträge stark. Das nützt niemandem. Ich habe die Tags zusammengefasst und viele weggeschmissen. Übrig sind jetzt noch immer genug: Gut 320 Schlagwörter. Dazu auch gleich die Schlagwort-Wolke rechts neu eingerichtet: Sie gibt jetzt mit jedem Seitenaufruf zufällig ein paar andere Tags an
  • In den beiden Sidebars habe ich einige Features abgeschaltet oder verkleinert: Die Liste der neuesten Beiträge ist verschwunden, weil man die neuesten Beiträge ja sowieso auf der Startseite sieht. Im Rückblick “anno dazumal” sind jetzt Texte zu sehen, die drei Jahre alte sind (bisher waren Artikel aus drei verschiedenen Jahren zu sehen). Die Liste der am meisten gelesenen Artikel zeigt jetzt die Tages-Charts und nicht mehr die Ergebnisse der zurückliegenden sieben Tage an
  • In der Link-Liste einen neuen Blog eingetragen: The Big Picture. Die Unterseite des Boston Globe präsentiert täglich thematisch geordnet Fotos von Nachrichtenagenturen. Beeindruckende Aufnahmen von Profi-Fotografen aus allen Ecken der Welt. Aktuell sind gerade Fotos von einer Feier in Tibet und von den Buschfeuern in Australien zu sehen
  • Und dann noch dies: Weil Mit-Autor Carsten Schmidt auf absehbare Zeit nicht wieder nach China fahren kann – und deshalb jetzt wieder in Deutschland arbeitet –  gibt es leider vorerst auch keine neuen Beiträge von ihm.

Viel Spaß auf kohlhof.de!

Veränderungen

Heute ist mein letzter Arbeitstag als Radioreporter im NDR-Ostseestudio in Rostock. Nach 11 Tagen Resturlaub werde ich ab 2. März für die Magazinredaktion von ndr1 Radio MV in Schwerin arbeiten.

Ich habe fast sechs Jahre lang im Studio in Rostock gearbeitet, hauptsächlich für ndr1 Radio MV, aber auch für andere NDR-Wellen und öffentlich-rechtliche Anstalten. Da kommt einiges an Themen zusammen. Hier eine kleine Auswahl an Beiträgen, die mir in Erinnerung geblieben sind, weil die Themen entweder besonders bewegend, beeindruckend, weitreichend, wichtig, erschütternd oder unterhaltend waren. „Veränderungen“ weiterlesen

Unprofessionelles Amtsgericht

Gestern hat am Amtsgericht Güstrow der Prozess gegen eine Mitarbeiterin des Jugendamtes im Kreis begonnen. Die Berichterstattung über den erschütternden Fall war aber nicht ganz einfach.

Die Anklage wirft der Frau vor, die konkrete telefonische Warnung einer Ärztin über ein misshandeltes Mädchen aus Teterow nicht ordnungsgemäß an eine zuständige Kollegin weitergeleitet zu haben. Die Frau hatte die Notiz auf einem Zettel auf den Schreibtisch ihrer Kollegin gelegt, das Blatt verschwand, niemand ging noch einmal dem Hinweis nach.

Im Laufe des ersten Prozesstages wurde deutlich, dass es im Jugendamt des Kreises Güstrow offenbar keine klaren Regeln gab, wie mit einem Hinweis auf misshandelte Kinder überhaupt umzugehen sei.

Besonders erschütternd in diesem Zusammenhang ist vor allem, dass das Mädchen drei Jahre lang von der eigenen Mutter gefoltert worden war und diese Quälerei so lange ohne Konsequenzen für die Mutter blieb. Laut Staatsanwaltschaft hätte das Leiden des Mädchens erheblich verkürzt werden können, wenn die Jugendamtsmitarbeiterin richtig gehandelt hätte. Das ist nicht passiert – Lea-Marie musste immer wieder Kalkreiniger und Essigessenz trinken. Die Mutter hatte unter anderem immer wieder andere Ärzte und Kliniken besucht, um wenig Misstrauen zu erwecken. Die Mediziner hatten immer wieder erhebliche und teilweise auch lebensgefährliche Verletzungen und Verätzungen im Mund und in der Speiseröhre entdeckt. Außerdem auch Verbrühungen auf den Oberschenkeln des Kindes. Die Mutter hatte ihre Tochter mit heißem Wasser übergossen – unter anderem, um Geld von einer Versicherung zu kassieren.

Lea-Marie lebt inzwischen wohlbehütet bei einer Pflegefamilie, sagte ihr Anwalt am Rande des Prozesses. Das Mädchen wird lebenslang immer wieder an der Speiseröhre operiert werden müssen. Die Mutter des Kindes wurde vor einiger Zeit bereits zu neun Jahren Gefängnis verurteilt.

Der Prozess damals am Landgericht hatte großes öffentliches Interesse erregt. Das Gericht in Rostock ging damit gewohnt professionell um: Mit einer Anmeldeliste für Journalisten, reservierten Sitzplätzen für Reporter und Presseinformationen über die Termine im Prozess.

Im Amtsgericht in Güstrow hat man von professioneller Vorbereitung auf Verhandlungstermine von größerem Interesse keine Ahnung und lässt auch in keiner Weise erkennen, dass man dies jemals ändern will. „Unprofessionelles Amtsgericht“ weiterlesen

Advents-Stanzen

Nun öffnen also die Weihnachtsmärkte. Mal sehen, wie oft man in diesem Jahr in den Zeitungen lesen kann und muss, dass überall der “Duft von gebrannten Mandeln und Glühwein” über die Buden weht. So ein Blödsinn. In den seltensten Fällen ist ein Jahrmarkt zur Adventszeit komplett in ein Aroma aus Mandeln und heißem Wein mit Gewürzen getaucht. Die Formulierung ist nur eine dieser Stanzen, mit denen die Atmosphäre auf Adventsmärkten möglichst gemütlich beschrieben werden soll. Die “leuchtenden Kinderaugen” entstammen derselben Kategorie.

Was den Duft angeht, so ist doch beim Drängeln zwischen den Buden auch nicht mehr zu riechen als bei einem Spaziergang an derselben Stelle eine Woche vor Beginn des Adeventsmarktes. Und wenn es dann doch mal nach etwas riecht – was unter freiem Himmel vor allem bei Windtsille wahrzunehmen sein dürfte – , dann ist das auch nicht zwangsläufig ein zarter Hauch. Formulierungen wie diese vom Weihnachtsmarkt-Duft gehören ins Museum in die Abteilung “Formulierungen, die einmal oder noch nie gut waren”. Dort stehen sie dann zwischen Exponaten wie “Für das leibliche Wohl ist gesorgt”, “Süßer die Kassen nie klingeln”, “Alle Jahre wieder…” und “wie es weiter geht, bleibt abzuwarten”. Darunter dann ein Schild: “Diese Formulierunegn waren zuletzt zum Ende des 20. Jahrhunderts als allgemein gut und witzig anerkannt.”

EDIT: Der Warnowkurier lässt es schon mal duften: “In den vier Adventswochen duftet es vom Donnerstag , 27. November, bis 22. Dezember vom Rostocker Neuen Markt bis zum Kröpeliner Tor nach regionalen und exotischen Spezialitäten”. Ist es nicht schön?