Land unter an der Kröpeliner Straße

Mein Feierabend war recht kurz. Gegen 19:30 Uhr beständiges Martinshorngeheuel auf der Hauptstraße – Anlass für einen Anruf bei der Leitstelle der Polizei. Siehe da: Ein Wasserrohrbruch in der Fußgängerzone an der Kröpeliner Straße. Einige Keller von Rostocker Geschäftshäusern waren überschwemmt. Habe schnell ein paar O-Töne gesammelt vom Einsatzleiter der Feuerwehr, Geschäftsleuten mit nassem Keller und Atmo-Töne von plätscherndem Wasser, brummenden Pumpen. Knapp eine Stunde später war ich schon damit in den Nachrichten.

Jetzt liege ich wieder zu Hause auf dem Sofa – bislang ist nichts zu hören… das bleibt hoffentlich so.

Bilderreise

Diesen sonnigen Sonntag habe ich zum größten Teil tretend, rollend und futternd verbracht. Eine ausgedehnte Radtour mit Buchhändlern beiderlei Geschlechts führte mich von Rostock nach Schwaan und von dort in weitem Bogen zurück nach Rostock. 40 Kilometer dürften es gewesen sein auf Radwegen, Buckelpisten und frisch asphaltierten Radrennstrecken. Die Buchleute waren bestens vorbereitet, es gab Salate (Mango-Mozzarella als besonders ungewöhnliche wie schmackhafte Variante), Aufschnitt, Obst und Brötchen aus dem eigenen Ofen, dass es nur so eine lukullische Lust war.

Hier in Stichworten einige Stationen mit Beweisfotos:

Picknick unterm Kirschbaum in voller Blüte:

Kirschblüte

Anschließend kurzer Besuch im Mühlenmuseum von Schwaan, das auch Werke der dort einst ansässigen Künstlerkolonie zeigt. Bekanntes Motiv: Die Laternenkinder von Rudolf Bartels, wovon es acht Varianten gibt, zwei hängen in Schwaan, eines aus dem jahr 1910 sieht so aus:

Laternenkinder

Ein wirklich beeindruckendes Motiv, das besonders durch die leuchtend bunten Lichtpunkte wirkt. Wer Schwaan kennt, weiß, dass sich nicht jederzeit derartig fantastische Motive aufdrängen. Für Maler gibt es dort zuweilen auch sprichwörtlich Saure-Gurken-Zeiten. Aber entscheidend ist ja, was man daraus macht, nech…? Doppelpunkt:

Gurken-Gemälde

“Kiepe mit Gurken” heißt dieses Werk… Ach.

Alfred Heinsohn war ebenfalls Teil der Künstlerkolonie Schwaan. Ihm ist es gelungen, sehr realistisch wirkende Landschaftsbilder zu kreieren. Zum Beispiel dieses hier: Frühling im Lindenbruch bei Schwaan:

Heinsohn, Frühling Lindenbruch

Faszinierend sind vor allem die Lichtspielereien auf dem Waldboden. Wie meisterhaft dieses Bild ist, wird deutlich, wenn man es mit der Realität vergleicht:

Kastanienallee nahe Schwaan

Die Blätter der Kastanien sind noch ganz klein und jung. Ich bin hier schon mal im Herbst langgeradelt. Dann ist ein Helm zu empfehlen, weil man sonst von den braunen harten herabfallenden Früchten den Schädel gespalten bekommen könnte.

Kurz vor dem Ziel dann noch ein Blick nach rechts auf die Weide: Und siehe da:

Schaf hinter Gittern

Schafe hinter Gittern.

Humorlose Feuerwehr

Heute ist es Zeit für einen Rückblick in die Lokalpresse. Vor ein paar Wochen las ich in der Zeitung eine Meldung, die ich meiner treuen Leserschaft wiederum nicht vorenthalten möchte – hier aber nur sinngemäß wiedergeben kann.

Der an und für sich stinklangweilige Text behandelte den zweifellos wichtigen aber keineswegs spannenden Verlauf der Gemeindevertretersitzung eines kleinen Städtchens ein paar Kilometer weiter östlich. Der Artikel trug in etwa die Überschrift “Darüber konnte die freiwillige Feuerwehr gar nicht lachen”. Und so eine Schlagzeile macht natürlich neugierig. Ich quälte mich also tapfer durch 80 verwaltungstechnisch und verfahrensrechtlich dominierte Zeitungszeilen, um schließlich zum Kern der Geschichte vorzustoßen.

Da sei den Kameraden übel mitgespielt worden, heißt es ebenso mitleidsvoll wie einleitend in dem entscheidenden Abschnitt des Berichts. Die Kameraden, das sind die Jungs und Mädels von der freiwilligen Wehr. Die hatten auf dem Höhepunkt der Vogelgrippenhysterie nahezu minütlich damit gerechnet, dass H5N1 bei ihnen in der Nachbarschaft einfällt. Überwachungsgebiet war der Ort ja schon. Immer wieder hatten zudem auch Einwohner – ganz normale Menschen, sollte man meinen – den einsetzenden Vogelzug am Himmel gemustert. Mit skeptischem Blick – und in manchen trüben Augen konnte man die Frage förmlich ablesen, die jedem im Kopf herumspukte, die aber niemand auszusprechen wagte: “Wäre es nicht besser, das Federvieh mit dem Flammenwerfer vom Himmel zu holen, bevor sie die Seuche in jeden Winkel des Landes tragen?”

Kurz, die Stimmung war aufgeheizt, Alarmpläne waren geschrieben, ein Krisenstab auf Kreisebene auf das Schlimmste vorbereitet. Und dann dieser Anruf eines Abends: Aufgeregt, hektisch, laut, kaum zu verstehen: “Auf der Hauptstraße liegt ein toter Vogel” Gebrüllt statt geschrien, wahrscheinlich auch angsterfüllt.

Man wird sich die Situation im Spritzenhaus vorstellen können. Hektisch hechten die ehrenamtlichen Blauröcke zu ihren Schutzanzügen, Kommandos hallen durch die Garage, der Wehrführer gibt sich betont gelassen. Atemschutzgerät wird geschultert, Motoren heulen auf. Mit quietschenden Reifen rollt der alte Feuerwehr-W80 aus anderen Zeiten vom Hof Richtung Hauptstraße. Die Männer hocken im Führerhaus, schweigend, die schlechte Straße schüttelt die Kameraden durch fast so wie die Würfel im Becher. Sie blicken sich schweigend an. Was wird sie am Einsatzort erwarten? Kadaver, Federn überall, Gedärm auf dem Asphalt, panische Anwohner, schreiende Kinder – und werden alle Mann diesen Einsatz überleben, funktionieren die Atemschutzmasken, sind die Schutzanzüge wirklich sicher. Was sagen wir bloß der Presse, den Fernsehteams, wenn was schief läuft. Und vor allem: ist es die Seuche?

Keine Zeit, auf alles noch so schnell Antworten zu finden. Der Wagen bremst schon, im Geist geht der Wehrführer noch einmal den so oft geübten Ernstfall durch. Der Löschwagen stoppt scharf, die Hydraulik zischt, die Vorderachse geht unter der Wucht der Bremsenergie ächzend in die Knie, der Motor heult auf. Dann kurz Ruhe, blaue Lichtblitze zucken durch die Winternacht. Die Männer rücken näher an die Windschutzscheibe heran, bevor sie aussteigen, sich herauswagen. Mit zusammengekniffenen Augen blinzeln sie in die Nacht. Und was liegt da vorn im fahlen Kegel der Scheinwerfer? Eine Tiefkühlente aus dem Supermarkt!

Versteh ich gar nicht, warum die Feuerwehrleute über diesen gelungenen Scherz nicht lachen konnten.

Festung Rostock

Kleine Ergänzung zum Beitrag über das bunte Rostock. Mit diesem Foto machte die Ostseezeitung heute auf. Der Ausriss zeigt den Polizeieinsatz am Steintor. Zu sehen sind: 4 Wasserwerfer und 43 Polizeibusse, dazu diverse andere Fahrzeuge. Ich sehe mir das Bild immer wieder staunend an.

Ausriss OZ

Der OZ-Artikel dazu vom 2. Mai 2006.

Buntes Rostock

Rostock hat einen weitgehend friedlichen 1. Mai erlebt. Um ein Zeichen gegen einen Aufmarsch der rechtsextremen NPD zu setzen, hatten Deutscher Gewerkschaftsbund, Stadtverwaltung und die Initiative bunt statt braun zu einem Demokratiefest in die Innenstadt geladen.
Zudem hatten autonome Gruppen Proteste gegen den Aufmarsch der Neonazis angekündigt.
Dies alles hatte einen Polizeiaufgebot zur Folge, wie ich es noch nie erlebt habe. Schon auf der Fahrt morgens ins Studio bin ich an sechs Wasserwerfern in Bereitschaft vorbeigefahren, dazu Räumpanzer und Absperrgitter überall. Hunderte Polizeiautos und -busse in der gesamten Stadt ein Meer aus grünen und blauen Fahrzeugen. Die Innenstadt war weiträumig für den Verkehr gesperrt. Busse und Bahnen fuhren nicht. Mehr als 4000 Polizisten aus sechs Bundesländern und von der Bundespolizei waren im Einsatz.
An den Zugängen zur Innenstadt kontrollierten Beamte Passanten. Viele Besucher klagten , dass sie Schwierigkeiten hatten, überhaupt in die Innenstadt zu gelangen. Dort hatten tausende Menschen mit Konzerten, Disukssionsrunden und Theateraufführungen bei Bratwurst und Bier ein Demokratiefest gefeiert.
Unterdessen ging die Polizei gegen mehrere hundert Demonstranten aus dem linken Spektrum vor, die am Steintor Steine und Flaschen geworfen hatten. Die Polizisten kesselten die Protsetierenden ein, nachdem sie mehrfach gefordert hatten, die Aggression einzustellen.
Etwa 100 Menschen nahm die Polizei fest oder in Gewahrsam.
Die Polizei hat Ausschreitungen mit Schlägereien zwischen linken und rechten Anhängern verhindert.
Das Fest auf dem Neuen Markt war bunt und abwechslungsreich, wenn auch ein paar mehr Aktionen oder Demokratie-Spiele oder was auch immer abseits der großen Bühne sicherlich den Marktplatz noch attraktiver gemacht hätten. Bemerkenswert: In der Marienkirche nahmen 2000 Menschen an einer ökumenischen Friedensandacht teil.
Der Tag in Rostock mit einem friedlichen Volksfest in den Innenstadt und ein bisschen Gerangel am Steintor geht jetz mit Musik von drei Bands zu Ende: Auf der Bühne stehen Liquido, Madsen und die Absoluten Beginner.

Die Bilder der Woche

Umfangreiche berufliche Verpflichtungen haben mich in der zurückliegenden Woche am Bloggen gehindert. Ich möchte diese Lücke gerne – wenn auch notdürftig – schließen mit den Bildern der Woche.

Neptun im Nebel

Knackiges, sonniges, warmes Frühlingswetter war angekündigt – und was bekommt man bei einem Gang über die Promenade von Warnemünde zu sehen? Das Hotel Neptun in dicker Tunke, fast erweckt der dicke Nebel den Eindruck, von der luxuriösen Herberge fehle ein Stück

Hotel Neptun Nebel

Hummel im April

Ein schwarzer Fleck auf dem Fußboden im Arbeitszimmer: Eine Hummel. Mit derartigen geflügelten Besuchern rechnet man ja eigentlich erst im Sommer. Das hätte auch die Hummel wissen können: Die Tiere fliegen erst ab einer Temperatur von 8 Grad Celsius. In meiner Wohnung war es wohl kälter. Das arme Tier jedenfalls hat den Ausflug in meine vier Wände wegen der Kälte nicht überlebt.

Hummel

Haushaltshelfer im Bonuspack

Darauf haben Verbraucher viel zu lange warten müssen. Doch jetzt endlich hat die Industrie dem Drängen des Marktes nachgegeben und Nivea-Creme und Krepp-Klebeband im Aktionspack im Angebot. Wie schön: Zwei unverzichtbare Haushaltshelfer endlich vereint! Dieses Angebot stammt aus einem Tapeten- und Teppichmarkt am Rande der Stadt. Vielleicht dauert es jetzt ja auch nicht mehr lange, bis man endlich Fotoecken und Hackfleisch in einer Packung kaufen kann, oder Gartenstühle und Reis, Textmarker und Instant-Kaffee…

Nivea und Klebeband Aktionsangebot

Gedrängel im Blumentopf

Schon mehrere Wochen lang sorgten die schlaffen Blätter des Hibiskus im Wohnzimmer für Verwunderung. Zu stark gegossen, zu wenig? Zu viel Licht, zu schattig? Zu warm, zu kalt? Schädlinge im Erdreich? Die Zeit war reif für neue Blumenerde – und dann auch gleich für einen größeren Topf. Diese Kaufentscheidung war eine besonders weise. Denn wie sich herausstellen sollte, hatte die arme Pflanze im Laufe der Jahre so viele Wurzeln gebildet, dass im geamten Topf fast kein Platz mehr für Erde und Granulat war. Eine Stunde hat es gedauert, das Wurzelgeflecht ein bisschen auszudünnen, zu entwirren und von ausgelaugter alter Erde zu befreien und die Pflanze schließlich in 50 Litern frischer Erde zu verankern. Jetzt gehts hoffentlich bergauf mit den Blättern.

Hibiskus umtopfen

Getuntes Bike

Es hat zwei Stunden gedauert – aber jetzt habe ich einen Rennschlitten, sozusagen. Nachdem mein Fahrrad drei Monate lang im Keller stand, bin ich heute zur Fahrradwerkstatt geradelt – um mein Zweirad dort auf Vordermann bringen zu lassen. Ein Wunder, dass ich überhaupt angekommen bin (vor allem in einem Stück): Speichen gebrochen oder kurz davor, Bowdenzüge verrottet und verrostet, die Kette rostbraun (O-Ton Fahrradmechaniker: “Am Öl kann’s nicht liegen – is ja keins dran”).
Jetzt funzt die Schaltung wieder (die war irgendwie vergriesgnaddelt), die Bremsen sind richtig eingestellt – nur putzen muss ich es jetzt noch. Obwohl mir der Fachmann bescheinigt hat, dass es ganz normal schmutzig ist.
Mal sehen, wie lange sich mein Vorsatz hält, jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren.

… und jetzt ist wirklich Frühling

In dieser Minute steht die Sonne senkrecht über dem Äquator. Und das ist der Zeitpunkt für den kalendarischen Frühlingsanfang. Der fällt manchmal auf den 20. und manchmal auf den 21. März.
Und fürs Wetterprotokoll: Rostock, bedeckt, Nebel, 1 Grad Celsius, Vorhersage: Tiefsttemperatur heute Nacht: -2 Grad Celsius.

Ab sofort ist Frühling

Ungeachtet der Minusgrade. Nächsten Montag ist kalendarischer Frühlingsbeginn. Diesem großartigen Ereignis trägt selbstverständlich auch kohlhof.de Rechnung: Die meisten herbstlich-winterlichen Titelbilder wurden eingemottet. Hier geht es in den nächsten Wochen und Monaten frühlingshaft bunt zu. Wenn sich die Witterung schon nicht an Frühjahrstraditionen hält, muss ja wenigstens einer Frühlingsatmosphäre verbreiten…